
Alter Mann in Neuer Pinakothek
16. Mai 2001Ich war in München, für ca. drei Stunden, um mir die Neue Pinakothek anzugucken. Bin schon fast durch die Hälfte durch, da kommt ein älterer Herr, sieht in bisschen aus wie Peter Lustig und hat so ein lila Tuch umgebunden. Fragt mich, ob ich Englisch sprechen kann. Setzt sich neben mich und erklärt mir, dass er mich schon die ganze Zeit beobachtet und dass er mich malen möchte… Da war ich erstmal schon ziemlich baff. Ich erkläre ihm also, dass das echt ein Kompliment für mich ist, dass ich aber nur hier bin um mir das Museum anzugucken und dass ich danach weiter nach Rosenheim muss. Er sagt, wenn ich wieder mal in München bin, dann soll ich zu ihm ins Atelier kommen, gibt mir eine orangene Visitenkarte und geht. Das ganze hat mich schon sehr irritiert, da ich mich für nicht so schön halte. Mir war da sehr unwohl zumute. Also bin ich weiter durch das Museum und dachte immer, gleich kommt er wieder um die Ecke, aber zum Glück war da nix. Ich also zur U-Bahn gelaufen, kurz davor kommt er mit dem Fahrrad vorbei, vonwegen, was für ein Zufall, dass wir uns nochmal sehen. Er erzählte mir, dass ich so ungewohnliche Gesten hätte, dass das in ihm eine Idee ausgelöst hätte und dass er nun ganz betrübt sei, weil ich keine Zeit hätte. Tja, er wollte unbedingt meine Adresse, ich habe ihm dann gesagt, ich schreibe ihm eine Postkarte mit meiner Adresse. Aber ob ich das wirklich mache, weiss ich noch nicht.
Von einem alten Herrn in der Pinakothek um die Gunst des Modellsitzens gebeten zu werden, das ist natürlich schon ein bisschen eine komische Geschichte, weil: so komisch gewollt in sich selbst halb schlüssig, halb völlig daneben. Denn: Welcher Maler geht denn in die Pinatkothek. Das ist, wie wenn man einen Schriftsteller in der Bücherei trifft. Völliger Unsinn. Klar: Alles ist möglich. Aber es scheint mir nicht besonders sympathisch, von einem alten Herrn gemalt zu werden, der nichts anderes zu tun hat, als junge Mädchen in Museen zu beobachten. So einer kann ja nur ein Bild dann von dir malen, dem man ansieht, dass ein alter Mann ein Bild von einem jungen Mädchen gemalt hat. So gierig. So mit sich selbst unzufrieden, so seine eigene Jugend herbeisehnend in deinem Bild. Alte Männer und besonders Maler sollten sich auf Dinge konzentrieren die alte Männer besser können sollten. Auf spannende Geschichten, auf erlebtes Leben, auf echte Ruhe und witzige Gespräche. Dann finde ich alte Männer gut. Natürlich sollen sie nicht vergreisen, aber sich der Lächerlichkeit ihrer Sehnsucht und dochnoch-Geilheit schon bewusst sein. Gier steht niemand gut ins Gesicht.












