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gelesen: Schloß Gripsholm

10. Juli 2007

Kurt Tucholsky : Schloß Gripsholm, 122 S., Rowohlt Verl. 1931 (2005)

Ein ehemaliger Mitarbeiter vom Amt für Softwareentwicklung, der sich momentan in nordischen Gefilden aufhält, hatte die Güte mir eine Ausgabe von Kurt Tucholskys “Schloß Gripsholm” zu schenken. Ein vergnügliches kleines Buch für Zugfahrten und allerlei sinnlose und ansonsten langweilige Kurzaufenthalte und Wartezeiten, die das Leben täglich parat hält.

Über die Handlung möchte ich hier nicht allzu große Worte verlieren: Ein verliebtes Pärchen, das Frauenzimmer Lydia und der patente Peter, fahren nach Schweden in Urlaub. Dort erholen sie sich hauptamtlich. Nebenamtlich retten Sie ein paar Kinder aus den Fängen eines bösen Drachen. Und am Ende sind alle glücklich.

Kurz: Die Handlung ist nebensächlich. Wirklich erquicklich sind vielmehr die Sprache und die zwischendrin auftauchenden Lebensweisheiten. Anbei ein paar Kostproben:

Tucholsky wird von seinem Verleger darum gebeten, eine Liebesgeschichte, quasi als leichte Sommerlektüre, zu schreiben. Er findet dies jedoch nicht so einfach: “Die Sache ist nicht leicht. Sie wissen, wie sehr es mir widerstrebt, die Öffentlichkeit mit meinem persönlichen Kram zu behelligen – das fällt also fort. Außerdem betrüge ich jede Frau mit meiner Schreibmaschine und erlebe daher nichts Romantisches. Und soll ich mir die Geschichte vielleicht ausdenken? Phantasie haben doch nur die Geschäftsleute, wenn sie nicht zahlen können. Dann fällt ihnen viel ein. Unsereinem… Schreibe ich den Leuten nicht ihren Wunschtraum (“Die Gräfin raffte ihre Silber-Robe, würdigte den Grafen keines Blickes und fiel die Schloßtreppe hinunter”), dann bleibt nur noch das Propplem über die Ehe als Zimmer-Gymnastik, die “menschliche Einstellung” und all das Zeug, das wir nicht mögen. Woher nehmen und nicht bei Villon stehlen?”

Zum Thema Seekrankheit: “Die Prinzessin geruhte zu speisen. Ich sah ehrfürchtig zu; sie war eßfest. “Du nimmst gar nichts?” fragte sie zwischen zwei Heringen. Ich sah die beiden Heringe an, die beiden Heringe sahen mich an, wir schwiegen alle drei. Erst als die Fähre landete, lebte ich wieder auf. Und die Prinzessin strich mir leise übers Knie und sagte ehrfürchtig: “Du bischa meinen kleinen Klaus Störtebeker!” und ich schämte mich sehr.”

Und drei Weisheiten zum Thema Männer und Frauen.

“Wie weit ist es von einem Mann zu einer Frau! Aber das ist schön, in eine Frau wie in ein Meer zu tauchen. Nicht denken … Viele von ihnen haben Brillen auf, sie haben es im eigentlichen Sinne des Wortes verlernt, eine Frau zu sein – und haben nur noch den dünnen Charme. Hol ihn der Teufel. Ja, wir wollen wohl ein bißchen viel: kluge Gespräche und Logik und gutes Aussehen und ein bißchen Treue und dann dieser nie zu unterdrückende Wunsch, von einer Frau wie ein Beefsteak gefressen zu werden, daß die Kinnbacken krachen …”

“In diesem Augenblick war jeder ganz allein, sie saß auf ihrem Frauenstern, und ich auf meinem Männerplaneten. Nicht feindselig … aber weit, weit voneinander fort. Mir stiegen aus dem braunen Whisky drei, vier rote Gedanken durchs Blut … unanständige, rohe, gemeine. Das kam, huschte vorbei, dann war es wieder fort. Mit dem Verstand zeichnete ich nach, was das Gefühlt vorgemalt hatte. Du altes Schwein, sagte ich zu mir. Da hast du nun diese wundervolle Frau … du bist ein altes Schwein. Kein Haus ohne Keller, sagte das Schwein. Mach dir doch nichts vor! Du sollst das nicht, sagte ich zu dem Schwein. Du hast mir schon so viel Kummer und Elend gemacht, so viele böse Stunden … von der Angst, daß ich mir etwas geholt hätte, ganz zu schweigen. Laß doch diese unterirdischen Abenteuer! So schön ist das gar nicht – das bildest du dir nur ein! Höhö, grunzte das Schwein, das ist also nicht schön. Stell dir mal vor … Still! sagte ich, still! Ich will nicht. Oui, oui, sagte das Schwein und wühlte schadenfroh; stell dir vor, du hättest jetzt … Ich schlug es tot. Für dieses Mal schlug ich es tot – sagen wir: ich schloß den Koben ab. Ich hörte es noch zornig rummeln … dann sagen wieder die Gläser, ganz, ganz leise, wie wenn eine Mücke summt. “Daddy”, sagte die Prinzessin, “kann man hier eigentlich das blaue Kostüm tragen, das ich mitgenommen habe?” Ich war wieder bei ihr; wir saßen wieder auf demselben Trabanten und rollten gemeinsam durch das Weltall. “Ja …” sagte ich. “Das kannst du.” – “Paßt es?” – “Natürlich. Es ist doch diskret und leise in der Farbe, das paßt schön.” – “Du solltest nicht so viel rauchen”, sagte ihre tiefe Stimme; “dann wird dir wieder übel, und wer hats nachher? Ich. Tu mal die Pfeife weg.” Ich, Sohn, tat die Pfeife weg, weil die Mutter es so wollte. Leise legte ich meine Hand auf ihre.”

“Und ich genoß diese beiden; dies war ein Freund, nein, es waren zwei Freunde – und ich verriet die Frau nicht an den Mann, wie ich es fast immer getan hatte; denn wenn ein Mann da war, mit dem es etwas zu erzählen gab, dann ließ ich die Frau liegen, als ob ich nicht noch eben mit ihr geschlafen hätte; ich gab sie auf, kümmerte mich nicht mehr um sie und verriet sie voller Feigheit an den ersten besten. Dann ließ sie los. Und dann wunderte ich mich.”

Und zum Leben: “Erst habe ich gemerkt wie es ist. Und dann habe ich verstanden, warum es so ist – und dann habe ich begriffen, warum es nicht anders sein kann. Und doch möchte ich, daß es anders wird. Es ist eine Frage der Kraft. Wenn man sich selbst treu bleibt …”

Und zur Freundschaft: “Eine richtige Männerfreundschaft … das ist wie ein Eisberg: nur das letzte Viertel sieht aus dem Wasser. Der Rest schwimmt unten; man kann ihn nicht sehen. Klamauk – Klamauk ist nur schön, wenn er auf Ernst beruht.”

Und ein weiterer Lebenstipp: “Man muß, hat ein kluger Inder gesagt, den Tiger vor der Jagd in Gedanken töten – der Rest ist dann nur noch eine Formalität.”

Ein Kommentar

  1. [...] our way back to the west coast we had a spontaneous stop at Gripsholm and Mariefred, which was even more picturesque than good old Åmal. It’s also the place where [...]



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