
Eine interessante Mischung
2. September 2007Ada Castells: Ein Leben lang, 256 Seiten, Bloomsbury 2007, Originaltitel: Tota la vida
Der dritte Roman dieser katalanischen Autorin beinhaltet zwei auf raffinierte Weise verbundene Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. So erzählt die Teilzeitschriftstellerin Sílvia zum einen aus ihrem chaotischen Leben im heutigen Barcelona, das sich zwischen dem Verkaufstresen in dem Hemdengeschäft des verstorbenen Vaters, den bürgerlichen Erwartungen der Mutter („Kind, wäre dieser Mann nicht etwas für dich?“) und einer unbefriedigenden Liebesbeziehung zu einem exzentrischen Maler, Vicenc, bewegt, der für den Auftrag eines Kunden seine Liebste schon mal zu perversen Spielchen zwingt. Zum anderen schreibt sie nachts, wenn sie enttäuscht oder wütend von Vicenc zurück kommt, an einer Biografie über Caspar David Friedrich und lässt uns an dessen der romantischen Malerei gewidmeten, von Gefühlen bestimmten Leben teilhaben.
Es gelingt Ada Castells, deren Werk zum ersten Mal in deutscher Sprache erscheint, einen Einblick in das Leben zweier Künstler aus dem 18 Jh. und 21. Jh. zu geben, die beide auf ihre Art psychologische Hintergrundschäden haben. Herzerfrischend ist der von Ironie gespickte Erzählstil der Hauptfigur (der mich an Lucía Etxebarría erinnert). Der fließende Wechsel zwischen den Handlungssträngen und die zuvor beschriebenen rätselhaften Vorkomnisse machen aus diesem Roman eine kurzweilige und zugleich bildende Lektüre. Eine elegante Art, uns Lesern einen seit 200 Jahren toten Maler nahe zu bringen. Denn wir müssen nicht befürchten einen zu detaillierten Historienschinken vor uns zu haben, da dieser immer wieder durch die Verrücktheiten des heutigen Lebens unterbrochen wird.
Erscheint am 17. September.











