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Lecker Beeskes: Knippt eure Äugsken zu!

11. September 2007

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Aufschriebsel zu Marie-Jacquelines verlängertem Wochenende:

Senioren: Eine total verkannte Gruppe der Gesellschaft. Die meisten von uns, ich sach mal “der Jugend”, nehmen diese Menschen gar nicht wahr oder denken, die haben uns doch gar nichts mehr zu bieten, außer dem regelmäßigen Jammern, dass früher alles besser war und dass heute schon wieder die Füsse so dick angeschwollen sind. Dabei gibt es von diesen weisen Menschen viel zu lernen! Über Gott und das Leben nach dem Tod, das Aufwachsen im Dritten Reich, Sterben, zwischenmenschliche Beziehungen, Kartenspiele (Bridge, Canasta, Schwarze Dame, Schikanösschen), Kegeln. Gut vielleicht liegt es auch daran, dass ich sehr nette Senioren kenne, deren Haupttätigkeit nicht das Jammern ist. Jedenfalls musste ich sehr lachen, als wir (meine Wahloma und ich) an der Tür einer Bekannten klingelten, diese nicht aufmachte, wir dann den “Geheimschlüssel” (den haben wohl alle Senioren) zückten um “mal eben nach[zu]sehen, ob sie nicht in der Ecke liegt”. Das ist Humor! Und auch die Arztgeschichten können lustig sein: Geht man dort hin und sagt, mir tut das weh, dann bekommt man als alter Mensch auch schon mal die Antwort: “Frau XYZ, schauen Sie mal auf ihr Geburtsdatum!”. Super Arzt!

Der Niederrhein: Vielleicht kennen einige Weeze, weil dort früher mal das Bizarre stattfand. Heutzutage fliegt Ryanair vom dortigen Flughafen. Weshalb es für meine Wahloma leichter ist, nach Mallorca zu fahren, als zu uns an die Bergstraße. Das sind seltsame Zeiten! Jedenfalls ist diese Gegend sehr schön und durch die Nähe zu Holland fast schon holländisch. Auch der dortige Dialekt klingt so. Wenn man morgens aufsteht und sich im Spiegel anguckt, sollte man also nicht sagen: Mist, da schon wieder eine Schramme, die Augenringe, der Pickel, das Hohlgesicht. Sondern: “Was bin ich doch für ein lecker Beesken (Biest)!” und sich ein “Äugsken zuknippen” (zuzwinkern). Wieder was gelernt! Außerdem: Eines meiner absoluten Lieblingsbücher ist am Niederrhein beheimatet: “Warum du mich verlassen hast” von Paul Ingendaay, der mal auf dem Eliteinternat Gaesdonck war, bei dem meine Wahloma gearbeitet hat. Es gibt darin eine Szene, in der er beschreibt, wie er glaubt, dass die Frikadellen aus der Schulmensa hergestellt werden. Als ich diese las, habe ich im Großraumwagen eines ICE so laut lachen müssen, dass mir so manch erstaunter Blick zuteil wurde. Und überhaupt wollte ich dem Verlag mal meinen Glückwunsch aussprechen. Dieses Buch ist nicht nur inhaltlich erste Sahne, sondern auch in der Herstellung ein Traum. Und es riecht fabelhaft. Nicht nach Frikadellen, Dösköppe!

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