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Nachbarn beobachten – damals und heute

9. November 2007

Josep Pla: Enge Straße, 282 S., Ammann 2007 (1951)
Originaltitel: El carrer estret

Eine meiner Lieblingstätigkeiten, mit der ich mich hiermit als Voyeurin oute, ist ein nächtlicher Spaziergang durch eine Stadt. Hervorragend lässt es sich in die oftmals großzügig beleuchteten Zimmer blicken, um das zu erfahren, was meine Neugier reizt: Wie wohnen und leben eigentlich andere Menschen? (Ebenfalls großzügig revanchiere ich mich mit fehlenden Vorhängen in meiner Wohnung, zumindest momentan). Doch, um meinen aufkommenden Scham zu beruhigen: Ich bin mit diesem Interesse nicht alleine in dieser Welt.

Dieses Jahr mit seinem Buchmessenschwerpunkt „Katalonien“ bringt uns eine weitere Übersetzung aus dem Werk des katalanischen Schriftsellers Josep Pla. „Enge Straße“ befasst sich mit dem ländlichen Leben in der katalanischen Provinz. In diesem Roman, der keiner ist, wie der Schriftsteller bereits im Vorwort revidiert, denn eine übergreifende Handlung sei nicht zu erwarten, werden in kurzen Kapiteln Einblicke in den Alltag einer kleinen Stadt der 50er Jahre gegeben. Das Motto: Dem Dorfleben einen Spiegel vorhalten. Dies geschieht durch die Person eines jungen Tierarztes, der sich neu in der „Engen Straße“ der Kleinstadt Torrelles niederlässt und detailliert von den Dorfbewohnern und deren skurrilen Angewohnheiten berichtet. Es gibt ja sonst nicht viel zu tun. Bestens informiert wird er dabei durch sein geschwätziges Hausmädchen, die ihn nicht nur mit köstlichem Essen, sondern auch immer mit den neuesten Gerüchten zu versorgen weiß. Oftmals werden die Bewohner und deren Tun so gnadenlos beleuchtet, dass sich ein Schmunzeln kaum vermeiden lässt. Zwischen diesen amüsanten Episoden finden sich dabei immer wieder erfrischende Lebensweisheiten. Eine vergnügliche, gesellschaftskritische Lektüre.

Anbei verlinke ich auf eine ausführliche Rezension des HR und die Informationen auf den Verlagsseiten.


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