Archiv für die Kategorie ‘ALTwerden’

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Zwei weitere Jahre

21. Oktober 2009

Ich glaube, ich werde meinen Vertrag verlängern. Um damit mein Lotterleben um zwei weitere Jahre fortführen zu können, während ich vornerum tue, als wäre ich seriös+harmlos und hintenrum probiere ich alles mögliche aus. Und in zwei Jahren ist dann die 30 da. Dann werde ich vernünftig. Bis dahin…

  • Kunst kaufen trotz keinem Geld,
  • schwärmen, abwechselnd für Männer und für Mannheim,
  • die Stadt verschönern, auf verschiedene Arten,
  • nur zu Hause zu sein um zu schlafen, kochen, duschen und waschen,
  • andere Städte bereisen,
  • meine Familie und Freunde herzen,
  • ein Buch schreiben.

Da ist es. Ich gebe mir zwei Jahre. Mal gucken.

Mein aktueller Ohrwurm folgt. Ich strapaziere das aber auch immer so. Wenn mir ein Lied gefällt höre ich das vier Tage lang in Endlosschleife. Ein bisschen brutal, ich weiß. Aber:

Alles kann besser werden
Holen wir uns den Himmel auf Erden
Alles soll besser werden
Holen wir uns den Himmel auf Erden
Alles wird besser werden
Wir holen uns den Himmel auf Erden
Und keiner muss sein Leben mehr gefährden
Einer der kostbarsten Schätze auf Erden

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Das Leben als Kleinkunst

14. Juli 2009

Heute ist so ein Tag an dem man langsame Musik hören, sich mit einem guten Buch auf die Couch verziehen und Tee trinken sollte. Vielleicht noch Kerzen anmachen und dem Regen dabei zuhören wie er leise an die Scheibe klopft.

Im Leben läuft nicht alles so, wie man es gerne hätte. Aber: Oft weiß man auch gar nicht was wirklich gut für einen ist. Das Leben kriegt es dann erstaunlicherweise rückblickend gesehen doch ganz gut hin. Man erkennt es halt in diesem Moment oft nicht.

Gestern „Kabale und Liebe“ gesehen. Mitgelitten.

Heute Privatsphäre überprüft. Fleck entdeckt. E-Mail geschrieben. Hoffen.

Morgen sollen es 30 Grad werden und schwül. Schwitzen.

Menschen, die sich nicht permanent in Frage stellen, gibt es die eigentlich? Und wenn ja, wie geht das? Kann mir das jemand erklären? Obwohl. Ich weiß, dass es die gibt. Es gibt sie ganz oft. Und ich will nicht so werden. Also gut, dann stelle ich mich halt jeden Tag in Frage. Und mache Kleinkunst.

Ihr sitzt in euren Zimmern und ihr wartet auf das Glück
und ihr habt schon 20000 Zigaretten ausgedrückt
redet nur von den Projekten und von eurem neuen Stück
manchmal frag’ ich mich : „Bin ich oder ihr verrückt ?“
Ich will nicht schlecht über euch reden, es ist ja doch nur primitv
Ich verabscheue euch wegen euerer Kleinkunst zutiefst
Es gibt eine Herzlichkeit jenseits vom Jonglieren
Das ist doch wirklich gar nicht allzu schwierig zu kapieren
Ihr werdet 100000-mal Kaffee trinken gehen
Und werdet 100000-mal wieder nichts verstehen
Ich will nicht schlecht über euch reden, es ist ja doch nur primitv
Ich verabscheue euch wegen euerer Kleinkunst zutiefst

(Tocotronic: Ich verabscheue euch wegen euerer Kleinkunst zutiefst)

Ah, die Sonne geht auf. :-)

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Erkenntnisse des Wochenendes

8. Februar 2009

Man gebe sich ein Kontrastprogramm. Hinsichtlich des Alters.

Ich war auf der Vernissage der „Strümpfe“ und konnte mehr oder weniger ansprechende Kunst in einem sehr ansprechenden, wunderbaren, kleinen Raum begutachten. Dabei interessante Menschen kennen lernen, die jugendlich und sehr kreativ gekleidet waren, aber nicht mehr so jugendlich sind. Aber innerlich jung geblieben, und das ist das was zählt, oder? Jedenfalls kamen wir auch auf die Onkel Otto Bar zu sprechen, von der ich der Meinung bin, sie ist das Mannheimer Auffangbecken für Männer mittleren Alters (30-40), die auf der Jagd sind. Und als Beute stellen sich – von mir arroganter Sau einmal abgesehen – hübsche und einfach mit nach Hause zu nehmende Frauen zur Verfügung, die sicherlich nicht zur intelligenten Elite dieser Nation zählen. *räusper* Jedenfalls wurde gemeinsam erörtert: Die OO-Bar ist ein Ort für Frotteure. Wie geil ist dieses Wort! Also Leute, die sich an anderen reiben wollen, was in der OO-Bar hervorragend möglich ist. Trotzdem: OO-Bar rules. Ab und zu kann man (und frau) sich ihr nicht entziehen. :-)

Wer sich an jüngeren Körpern reiben will, der möge sich in die Alte Feuerwache auf ein Konzert der „The Subways“ begeben. Frottieren in der OO-Bar ist, verglichen mit dem Körperkontakt der da stattfand, eine geradezu prüde Angelegenheit. Die Subways sind musikalisch ebenfalls nicht elitär und der Sänger ist für sein Alter ganz schön arrogant. (Hier fällt mir der geniale Zwischenruf eines Berliner Konzertbesuchers ein, der damals in der Kalkscheune den ebenfalls sich zu Tode possierenden „Sugarplum Fairies“ entgegen rief: „You´re not the Hives!“). Aber sie rocken, rocken, rocken! Junge, wohltrainierte, tätowierte, nackte Männeroberkörper mit Guitarrendeko sind hübsch anzusehen. Aber rechtfertigen sie eine Orgie mit der schwitzenden Jungfleischmasse? Ich bin noch unschlüssig. Lustig war´s aber auf jeden Fall. Das lag aber vor allem an den guten Freunden, die dabei waren und mich vor so manchem Ellbogen im Gesicht bewahrt haben. Blaue Flecken hab ich leider trotzdem. Zukünftig also lieber wieder OO-Bar?

Ich hoffe, diese zwei Absätze können das Dilemma der 25-30-Jährigen annähernd wiedergeben. Oder um es mit der Überschrift eines Artikels aus dem U_mag zu sagen: „Niemand will alt werden, doch zu jung ist auch irgendwie uncool.

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Ich liebe das Leben

30. Januar 2009

Ich bin 27. Ich habe einiges erlebt, einiges durchgestanden, einiges gesehen. Ich bin äußerlich vielleicht nicht ganz perfekt, aber annehmbar. Ich weiß was und ich kann was. Ich lasse mich weder von Besitztümern beeindrucken, noch von Berufen. Ich habe eine Meinung zu vielen Sachen, bin aber auch bereit, diese gegebenfalls in Frage zu stellen. Ich schreibe gerne und gut. Ich gehe tanzen wenn ich Lust habe und mit wem ich Lust habe. Ich führe unglaubliche Gespräche. Ich habe einen Musikgeschmack (subjektiv einen guten ;-). Ich liebe meine Arbeit, ich mag meine Wohnung und diese Stadt, ich habe gute Freunde. I have a life! I am a sort of grown up being. Ich weiß vielleicht noch nicht ganz genau, was ich will. Aber ich weiß, was ich nicht will. Und was ich vielleicht wirklich wollen könnte, was mir wirklich wichtig ist, grenze ich immer mehr ein. Und das ist gut.

Ich liebe das Leben.

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Die Jugend von heute

10. Oktober 2008

Schlimm, dass ich dies überhaupt denken muss. In meinem Alter! Aber es ist so. Die Jugend von heute ist irgendwie anstregend. Und ich zähle mich nicht mehr dazu, obwohl ich gerade Leute im Sinn habe, die nur 4 Jahre jünger sind als ich. Und doch… Welten! Die kennen Blur gar nicht mehr, bzw. wenn überhaupt, dann nur von „Song 2″, der auf jeder Party als Jetzt-darf-ich-30-Sek-schubsen-Lied gespielt wird. Was sind das für Menschen?

Wie kann soviel Unterschied in vier Jahren stecken, frage ich mich, gerade aus dem Zimmer meiner Mitbewohnerin zurückkommend, die mit ihren „Mädels“ vorgeglüht hat, um nun auf eine Schneckenhofparty zu gehen. Mal ganz im Ernst: Schneckenhofpartys. Das sind Partys für Leute, die noch nicht begriffen haben, wo es lang geht im Leben. (Nicht dass ich mich zu den anderen zählen kann, aber ich bin immerhin 100 Km voran). Die sich cool fühlen, wenn sie für viel Geld eine schlechte, aber durchorganisierte Party gekauft haben, auf der es darum geht, bei lauter Musik möglichst viel Körperkontakt zu haben. Tanzen kann man das nicht mehr nennen.

Leute die ständig Fotos davon machen, wie sie sich amüsieren (aka. vollsaufen, Küsschen geben und unter den Rock fassen). „Dein Hals sah gerade so erotisch aus, Baby.“ Und was machen sie an so einem Abend? Natürlich sich Fotos zeigen vom letzten Mal Amüsement. „Ohmygod, das ist ja so süß!“ – „Guck mal, du mit dem honk.“ – „Oh no, <> honk, he´s just got the nicest penis.“ – „Und der da, weißt du noch, dass du ihn auf der Party von…“. Das ist StudiVZ alive. Ich bin nichts ohne meine Freunde. Meine Freunde sind nichts ohne mich. Und ich muss der ganzen Welt zeigen, wie lieb wir uns haben. Die modernen Musketiere!

Wenn ich da also aus diesem nach Essen und Alkohol riechenden Zimmer raus gehe, dann fühle ich mich alt. Aber nicht schlecht alt. Sondern gut alt. Erwachsen. Gut, gut, gut, dass das vorüber ist. (Bzw. nie so war bei mir.) Und ich sag euch, worin der große Unterschied besteht: Arbeiten gehen. Und zwar richtig. Irgendwie ernüchtert das. Und das ist nicht schlecht.

Oder was meint ihr?

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Exzesse leben

4. April 2008

Liebe Leute,

wollen wir eigentlich gar nicht mehr erwachsen werden? Auf der einen Seite sehne ich mich nach dem „in sich Ruhen“, das – laut meiner Vorstellung – das Erwachsensein mit sich bringt. Das „sich selbst nicht ständig in Frage stellen“. Auf der anderen Seite: Ich bin jung, ich will Spaß, ich will das Leben genießen. Und ich habe teilweise noch unreife Ansichten. Darf man das noch, mit 26?

„Was ist erquickender als Licht?“ – „Das Gespräch.“ In diesem Sinne führte ich also letztens ein Gespräch darüber. Und da gestand der Gesprächspartner, dass er Exzesse liebt. Mit Exzessen meint er, gute Momente des Lebens, in denen man auch mal unvernünftige Dinge tut, weil sie die Qualität des Moments steigern. Brauchen wir also Exzesse um jung zu bleiben? Oder gaukeln Exzesse uns das „jung sein“ vor? Habe ich also viele Exzesse, fühle ich mich jung? Diese Argumentation geht ein wenig in die Richtung, die ich in dem Abbitte-Beitrag schon einmal kurz ansprach: Sind wir gelangweilt vom Leben? Können wir die wirklich wichtigen Dinge nicht schätzen? Wollen wir ständig erleben? Brauchen wir ständig „Bespaßung“?

Ja, ich gebe zu, ich mag Freitag Abende alleine zu Hause nicht besonders. Der erwachsene Teil in mir sagt: Das ist auch ok, nein das ist sogar nicht nur ok, das ist sehr gut so. Du kannst schreiben, du kannst lesen, du kannst singen (zumindest bis 22 Uhr). Sonst hast du nie Zeit dafür, bzw. belegst die Zeit mit unwichtigen Dingen. Der junge Teil in mir sagt: Hey, was mache ich hier? Ich muss raus. Ich muss unter Männer! Fuck!

Meine Meinung zum Thema Exzesse: Es gibt Momente im Leben, da treffen mehrere Aspekte zusammen, die sich dann zu einem großen, unerträglichen Emotionswust auftürmen, der den Verstand vollständig ausschaltet. Diese Momente sind kurz, aber wenn sie dich an einem schlechten Tag erwischen, dann können sie weitreichende Konsequenzen haben, weil sie dich handeln lassen, wie du es sonst vielleicht nicht tun würdest. Und das mag die Kontrollfaschistin nicht. Immer alles unter Kontrolle. Mehr oder weniger. Bis auf die Freitagabendplanung. ;-)

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Confusion

2. Februar 2008

I don´t like my changing moods, I watch me being and I doubt it´s rightness. I´d appreciate a more constant self. A more balanced self. Right now I am asking myself: Am I a material girl? Am I not able to see what is really important? I would like to settle down, mentally speaking. What is important, after all? What I don´t like about me right now:

* I don´t like me not being able to answer emails as fast as I would like to. In fact, in the office I manage just fine. Whereas in private life I´m a total mess… There´s people I´ve been owing emails like for six months!

* I don´t like making decisions. Again: In the office I manage just fine. But concerning myself, I´m a bit of a mess. There are always pros and cons to consider. Why is it so difficult to decide when it affects me? I´ll just have to accept the fact that only very small portions of life can really be planned.

Do not forget your former self. At this moment I believe that I was more self confident a few years ago. Knowing what to do. Trusting that it would be ok. I would like to meet my former self. Reading one´s emails is helpful and a small kind of „wayback machine“. I also recorded some phone calls I made some years ago. If I listen to them now it´s like a little earthquake. Hey, look at me. I was that kind of person. On the one hand, she´s very familiar. On the other hand, she´s strange.

If I got blind, would I be more grateful? Would I see, would I realize the important things better without eyes? Is it true, can´t we see the good things that happen to us? I would like to focus on them. And to rest in them when the rest is shaking.

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I have a life out there

31. Januar 2008

Sometimes there´s not enough time to write. Or, likewise, laziness becomes my best friend. So I think: No, not tonight. You can write tomorrow. And then, all of a sudden, it´s been 10 days since my last post. That´s the way time goes by.

* I went to my yoga class and came home completely happy. How can this be? Yoga really seems to work for me. Some days more, some less, but it´s really working.

* I got a thai massage. Very interesting experience. I like a hard massage, but that really was new to me: They really grab you and use their whole body weight to put pressure on some parts. During the procedure it sometimes feels strange, but afterwards you feel just wonderful. And there´s something sweet about asian women.

* I finally saw (and heard) the „SHOUT OUT LOUDS“ at the Centralstation in Darmstadt last evening and I must really say that they are very talented. One of those bands that are really worth experiencing live. They´re very good at it.

* Why do kids nowadays have to make pictures of everything they experience? „Me at the concert“ (picture taken with my mobile). Why? As if, without a picture proving it, one has not really been there. Do we need more proofs nowadays?

* I never thought I would do this, but it´s true and I´ll admit it in public: I became 26 inside a McDonalds. It´s like: I had a child in the bus. Totally wicked.

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Mein Leben

17. Januar 2008

Heute Abend habe ich die Fotokiste aufgemacht und mein Leben angeguckt. Mit fast 26, ist man da eigentlich noch jung oder schon nicht mehr? Wenn ich mir so angucke, was ich schon alles erlebt habe, mit wem und wo ich schon überall war, dann denke ich: Herrje, Jacqueline, dein Leben war schon so voll von schönen Momenten. Eigentlich könnte es morgen vorbei sein und es wäre nicht schlecht gewesen.

Und trotzdem: Sie ist erst 26! Stellt euch erst einmal vor, was da noch so kommen mag. Kaum vorstellbar, wieviel Zeit es noch zu verbraten gibt. Auf der anderen Seite, wie schnell die Zeit vergeht. Schnipp, und noch ein Jahr. Seit sie arbeitet erst recht.

Auch schlechte Jahre gehen vorbei. Schlechte Jahre sind ja – bei Licht betrachtet – die Besten. So dass ich mich jetzt also nicht wirklich ernsthaft hinstellen kann und sagen kann, das war das Schlechteste. Auch wenn ich an meine Grenzen geführt wurde. Guck mal, nur bis dahin warst du bisher, aber es geht noch weiter! Wenn ich es recht bedenke, ist es gut mal ab und zu im Leben die Grenzen zu sehen. Auf die eine oder andere Weise bekommt man sie gezeigt. Und diese Erfahrungen sind vielleicht der Mörtel zwischen den Backsteinen der Persönlichkeit.

Wenn ich nach hinten gucke, bin ich voller Erinnerung. Meistens voller guter Erinnerung. Es ist erstaunlich, dass man sich eher an das Gute, als an das Schlechte erinnert. Aber ich werde auch schwermütig, wenn ich zurück blicke. Darmstadt, Berlin. All das war so gut zu seiner Zeit. Und es ist schade, dass mir erst jetzt bewusst wird, wie gut es doch war. Es war wirklich sehr schön.

Doch es ist vorbei. Und man soll ja, sagen die Buddhisten, nicht an der Vergangenheit festhalten, nicht in die Zukunft blicken. Sondern im Hier und Jetzt leben. Und das will ich mir wirklich vornehmen. Aufhören, die Vergangenheit zu vermissen und wehmütig an die Schulzeit, Südengland, die Studienzeit, die Mathildenhöhe, das Johannes- und Martinsviertel, an Kreuzberg und Friedrichshain zu denken. Und an die Leute von damals und daran, wie sie damals waren. Aber ich will auch aufhören, in die Zukunft zu leben. Ständig zu denken, da kommt noch was. Auf etwas hin zu leben. Als wäre das, was man hat, tut und erlebt, nicht auch schon ok. Als wäre die Gegenwart nur ertragbar, wenn man sich auf eine bessere Zukunft freut.

Ich nehme mir also heute Abend vor:

* die Vergangenheit nicht zu vermissen, sondern sie ganz frei zu betrachten, und wenn überhaupt dann schlichtweg dankbar für diese wertvollen Zeit sein, die ein Teil von mir ist und bleiben wird. Was war, das war.

* die Zukunft nicht zu erwarten, sondern sie einfach auf mich zukommen zu lassen. Es wird sicherlich was zu lachen und zu weinen geben. Ohne, dass ich daran etwas ändern könnte. Was noch nicht da ist, kann man nicht ändern. Was sein wird, wird sein.

* die Gegenwart zu lieben und mir auch in schwierigen Momenten klar zu machen, dass dies vorüber geht und gute Momente in vollen Zügen genießen, weil auch diese vorüber gehen. Was ist, das ist. Und nur das zählt wirklich. Jetzt in diesem Moment ist das Hier und Jetzt das Wichtigste. Und letztendlich, wenn man es aufmerksam betrachtet, war jeder Zeitpunkt der Vergangenheit einmal Gegenwart. Und wird jeder Zeitpunkt meiner Zukunft einmal Gegenwart sein.

Los- und Kommen lassen und dabei leben. Das ist Devise. Meint eure Jacqueline.

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Schlaflos

2. Januar 2008

So ist das wohl, wenn man zu viel weg geht und seinen geregelten Schlafrhythmus aufgibt: In der Nacht vor dem Tag vor dem man wieder arbeiten muss, kann man nicht schlafen. Und nach Silvester erst recht.

Eigentlich blöd, aber Schlaflosigkeit ist – wenn ich darüber nachdenke – der beste Zustand was Kreativität angeht. Zumindest meine. Was habe ich immer an Ideen, wenn ich schlaflos im Bett liege oder kurz davor bin einzuschlafen. Und immer denke ich, morgen werde ich mich auch noch daran erinnern. Sie sind nicht so genial, als dass ich mir die Mühe machen müsste und aufstehen um sie aufzuschreiben. Und am nächsten Tag ist natürlich alles weg. Nie da gewesen, quasi.

Aber heute nicht! Ich schreibe. Genialität dürft ihr jetzt nicht erwarten. Eher eine Zusammenfassung von dem, was mir in den letzten 10 Tagen so durch den Kopf gegangen ist.

  • Frankfurt ist ein Dorf mit Hochhäusern. Und Clubs, deren Ruf besser ist als die Realität. Zum Beispiel das KMM auf der Hanauer Landstraße. Hedkandi Party. So um diese Jahreszeit, lasst es sechs Jahre her sein, bin ich da nicht reingekommen. Sprich also mit 19, fast schon 20. Die Begründung: Meine Begleitung und ich seien zu jung. Alla hopp, wie der Mannheimer jetzt sagen würde, komme ich also sechs Jahre später noch einmal vorbei. Gehe da rein und stelle fest, dass sich die Türpolitik in dieser Zeit wohl geändert haben muss. Um mich herum: Alte Säcke mit aufgestelltem Kragen (Graf Zahl lässt grüßen), soweit so gut. Das hatte ich erwartet. Aber dann: Lauter Kinder, lauter Kinder. Aufgetakelte Mädels, milchbubigesichtige Jungs. Da hilft nur viel Alkohol. Dümmste Anmache: „Ist das dein Getränk?“
  • Zum Kontrast Mannheimer Uni-Parties: Ebenfalls ein guter Ruf. Ebenfalls ein Reinfall mangels Organisation. Ewigkeiten um die Jacken abzugeben. Ewigkeiten auf dem Männerklo (auf das Frauenklo wartend, wären wir vermutlich zwischenzeitlich gestorben). Und eine Premiere: Zu zweit auf Klo mit der Freundin meines besten Freundes. Auf der Tanzfläche: Kein Platz, weil knutschende Instantpärchen den Raum einnehmen. Wo soll das nur hinführen? Katakomben, Schneckenhof, ade. Name ist Schall und Rauch. Red Bull ist Luftverpestung.
  • Ich habe ein Gespenst aus Blei gegossen. Leider war auf der Verpackung für diesen Fall keine Interpretation abgedruckt. Ich starte also in dieses Jahr, unwissend was ein Gespenst (man könnte es auch weniger wohlwollend „Dementor“ nennen) für mich bedeutet. Und weitere Silvestererkenntnisse: Böller sollte man weg schmeissen nachdem man sie angezündet hat. Schien mir, im angeheiterten Zustand, nicht so dringlich. Aua. Aber keine bleibenden Schäden. Und meine erste Missetat, kaum war das Jahr wenige Minuten alt: Sekt auf Leute kippen, die auf einem Schiff unter einem durch fahren und lustig winken.
  • Gruselige, sehr urbane, graue Brücken und Zubringer zu Brücken die sich übereinander kreuzen und kreuzen. Ich wohne in einer entzückenden Stadt.
  • Es gibt tatsächlich Weihnachtsfeiern wie aus dem Bilderbuch. Betrunkene Kollegen, Abteilungsleiter, die „Summer of 69″ grölen, schwule Kollegen, die unsere Jungtiere süß finden. Jungtiere, die aus irgendwelchen Kühlschränken noch süßen Weißwein hervorzaubern. Und tiefgreifende Erkenntnisse. Z. B. wer alles am Tag an meinem Büro vorbeiläuft, um angeblich einen Blick auf mich und von mir zu erhaschen. Ich weiß nicht, soll ich das wirklich glauben?
  • Die zweite Person aus meiner Jahrgangsstufe ist von uns gegangen. Das Leben ist wirklich unberechenbar. Leider leben wir oft so, als wäre es das nicht. Wir genießen zu wenig, sind zu wenig dankbar. Denken zu wenig darüber nach, was wirklich wichtig ist. Man darf die Toten nicht vergessen. Ich denke an euch.
  • Was ich mir für 2008 vorgenommen habe: Ich möchte, maskiert in Wollmütze und mit einem dicken Edding bewaffnet, die Haltestelle „Dom/Römer“ in „Rom/Döner“ umbenennen. Wer hat sowas schon mal gemacht und kann mir sagen, wann die beste Uhrzeit ist und ob man dabei gefilmt wird?
  • Ich liebe meine Heimat. Die Eckpunkte sind: Mannheim, Heidelberg, die Bergstraße, Darmstadt, Frankfurt. Also quasi das Main-Rhein-Neckar äh Dreieck? Habt ihr auch Heimatgefühle?
  • Männer sind benachteiligte Kreaturen. Ist so. Habe ich ausführlichst mit ihnen diskutiert und geben sie auch selber zu. Now that you know it: Treat them kindly.
  • Für weniger Bekanntschaften und mehr echte Freunde!
  • 10 Tage ohne Internet sind sehr, sehr, sehr erholsam. Ersatzdroge: Kamin.
  • Es geht nichts über ein angewärmtes Schlaf-t-shirt. Danke! ;-)
  • Bibliothekarischer Zeigefinger: Service geht vor Bestand. Das ist meine Devise. Was bringt einem der beste Bestand, wenn die Angestellten unfreundlich sind und man ihn nicht nutzen kann, weil einem nicht geholfen wird?
  • Ok, ich gehe schlafen. Eine der Erfindungen, die die Welt noch braucht: Maschinen, welche die Gedanken beim Einschlafen mitprotokollieren. Ersatzweise, Menschen, die neben einem liegen, in die Augen gucken und all das ohne Worte erkennen.