Archiv für die Kategorie ‘Berlin’

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Die Stadt B. II

4. März 2008

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B. liegt zwar in Deutschland, ist aber doch ganz anders als der Rest dieses Landes, so ganz eigen. Oder eher: B. ist wie die dicke Lupe, die mein Opa immer neben seinem Briefmarkenalbum liegen hatte. Alle Aspekte der deutschen Gesellschaft liegen hier, im brandenburgischen Nichts, verstärkt auf diesem großen Fleck vor. Alles was Deutschland zu bieten hat, findet sich also hier in genau betrachteter, grotesk vergrößerter Sicht. Oder noch eher: B. besteht aus Extremen und zeigt alle Extreme der deutschen Gesellschaft: politisch, modisch, künstlerisch, wirtschaftlich, musikalisch, sportlich, hygienisch: Es ist alles da. Es gibt alles. Für alles ein Stadtviertel, für alles eine Straße, für alles einen Laden.

Mich faszinieren immer wieder zwei Aspekte: Die Jugendkultur und die “wahre” Kultur. Ich behaupte: Die Warschauer Brücke ist der beste 24 Std. Laufsteg in Sachen Streetwear. Ich behaupte: B. ist ein Kulturschlaraffenland. Ich behaupte: Diese Stadt ist so reich wie sie arm ist. Man begreift den Wahnsinn und die Großartigkeit kaum wenn man “draußen” ist. Man kann sich nicht anderes mehr vorstellen, wenn man “drin” ist.

Freitag = War ich auf der hervorragenden Fortbildung von Mary Ellen Bates. Siehe vorheriger Post. Sie hat einen total netten Stil: “Now look at that tool. Is that cool, or what?”. Vielleicht komme ich in den nächsten Tagen dazu, einige ihrer echt hilfreichen Tipps zu Google, Yahoo und MSN Live zu posten. Abends dann in den Hackeschen Höfen in I´m not there, dieser Dylan-Verfilmung. Echtes Experimentalkino. Man muss schon ein Fan sein, um ansatzweise was zu kapieren. Aber Cate Blanchett ist supercool. Wie immer. ;-)

Samstag = Führung durch die Kulissen der Staatsoper. Hatte mich kurzentschlossen dazu gesellt, nachdem draußen dieser Orkan tobte. Hat sich aber gelohnt, denn es war sehr eindrucksvoll zu sehen, was hinter der Bühne alles abläuft und wie viele Leute an dem Gelingen einer Aufführung beteiligt sind. Übrigens war ich sicherlich die jüngste Teilnehmerin. Alles andere Omis und Opis. :-) Weitere Stationen auf dem Weg nach Prenzlberg: Dussmann (”Feuchtgebiete” erworben), Mitte (Tee getrunken, Kuchen gegessen, hippe Leute bestaunt) und dann lecker Abendessen bei Freunden. Und lustige Gespräche in der Schwalbe. Jenny hat sich beim Rugby ein Veilchen gepflückt, es war interessant zu sehen, wie die Farben sich im Laufe des Wochenendes noch änderten.

Sonntag = Rumhängen und angesichts des schlechten Wetters doch nicht zum Boxi. Stattdessen wieder Kaffee (Caro-Kinderkaffee!!!) und Kuchen in der Kaufbar. Anschließend ins PrimeTimeTheater zu “Gutes Wedding, schlechtes Wedding”. Großartig, absolut zum Totlachen. Sehr empfehlenswert.

Dank an Jenny und Astrid für die Bleibe und das “ich bin wieder 2 Jahre jünger Gefühl”.

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Mein März

29. Februar 2008

Ganz im Sinne des Kulturspiegels plant Frau Frapeur ihren März.

  • Beginnen soll er mit einer Kurzreise nach Berlin. Dort geht es zunächst auf eine eintägige Fortbildung mit dieser äußerst interessanten Dame, auf die ich schon sehr gespannt bin. Außerdem langersehntes Wiedersehen mit den Berlinmädels und Berlinjungs. Besuch von Monsieur Vuong. Das Restaurant, nicht den Social-Bookmark-Dienst!
  • Bücher lesen: Ich werde vermutlich keine Zeit haben, aber falls doch, würde ich gerne die zwei folgenden neuen Skandalbücher lesen: “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche (die mir schon immer sympathisch war), in dem es darum geht, den Körperkult der Frauen auf eine krasse Art zu entmystifizieren. Und “Die Wohlgesinnten” von Jonathan Littell, von dem Jorgé Semprún sagt “Dieses Buch ist das Ereignis unserer Jahrhunderthälfte.”
  • Ausgetrickst” von Alex Robinson besprechen. Endlich einen/eine (?) “graphic novel”!!!
  • Meinen Resturlaub verbraten, vermutlich um Ostern herum. Nur wohin es gehen soll, weiß ich noch nicht. Irgendelche Tipps (bitte keine die ein Flugzeug erfordern ;-)?
  • Folgende Filme scheinen mir interessant: Control, Unsere Erde, Märzmelodie.
  • Ins Nationaltheater zu einem Stück von Lars von Trier gehen: Der Boss vom Ganzen / The Boss of it all.
  • Hoffentlich schaffe ich es auch in die Ausstellung Comics made in Germany in der DNB in Frankfurt.

Soweit, so gut. Ich informiere dann, wie erfolgreich ich war. :-)
Gruß von den Rechercheclients der ZLB in Berlin
sendet euch
Marie Jacqueline

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Mein Leben

17. Januar 2008

Heute Abend habe ich die Fotokiste aufgemacht und mein Leben angeguckt. Mit fast 26, ist man da eigentlich noch jung oder schon nicht mehr? Wenn ich mir so angucke, was ich schon alles erlebt habe, mit wem und wo ich schon überall war, dann denke ich: Herrje, Jacqueline, dein Leben war schon so voll von schönen Momenten. Eigentlich könnte es morgen vorbei sein und es wäre nicht schlecht gewesen.

Und trotzdem: Sie ist erst 26! Stellt euch erst einmal vor, was da noch so kommen mag. Kaum vorstellbar, wieviel Zeit es noch zu verbraten gibt. Auf der anderen Seite, wie schnell die Zeit vergeht. Schnipp, und noch ein Jahr. Seit sie arbeitet erst recht.

Auch schlechte Jahre gehen vorbei. Schlechte Jahre sind ja - bei Licht betrachtet - die Besten. So dass ich mich jetzt also nicht wirklich ernsthaft hinstellen kann und sagen kann, das war das Schlechteste. Auch wenn ich an meine Grenzen geführt wurde. Guck mal, nur bis dahin warst du bisher, aber es geht noch weiter! Wenn ich es recht bedenke, ist es gut mal ab und zu im Leben die Grenzen zu sehen. Auf die eine oder andere Weise bekommt man sie gezeigt. Und diese Erfahrungen sind vielleicht der Mörtel zwischen den Backsteinen der Persönlichkeit.

Wenn ich nach hinten gucke, bin ich voller Erinnerung. Meistens voller guter Erinnerung. Es ist erstaunlich, dass man sich eher an das Gute, als an das Schlechte erinnert. Aber ich werde auch schwermütig, wenn ich zurück blicke. Darmstadt, Berlin. All das war so gut zu seiner Zeit. Und es ist schade, dass mir erst jetzt bewusst wird, wie gut es doch war. Es war wirklich sehr schön.

Doch es ist vorbei. Und man soll ja, sagen die Buddhisten, nicht an der Vergangenheit festhalten, nicht in die Zukunft blicken. Sondern im Hier und Jetzt leben. Und das will ich mir wirklich vornehmen. Aufhören, die Vergangenheit zu vermissen und wehmütig an die Schulzeit, Südengland, die Studienzeit, die Mathildenhöhe, das Johannes- und Martinsviertel, an Kreuzberg und Friedrichshain zu denken. Und an die Leute von damals und daran, wie sie damals waren. Aber ich will auch aufhören, in die Zukunft zu leben. Ständig zu denken, da kommt noch was. Auf etwas hin zu leben. Als wäre das, was man hat, tut und erlebt, nicht auch schon ok. Als wäre die Gegenwart nur ertragbar, wenn man sich auf eine bessere Zukunft freut.

Ich nehme mir also heute Abend vor:

* die Vergangenheit nicht zu vermissen, sondern sie ganz frei zu betrachten, und wenn überhaupt dann schlichtweg dankbar für diese wertvollen Zeit sein, die ein Teil von mir ist und bleiben wird. Was war, das war.

* die Zukunft nicht zu erwarten, sondern sie einfach auf mich zukommen zu lassen. Es wird sicherlich was zu lachen und zu weinen geben. Ohne, dass ich daran etwas ändern könnte. Was noch nicht da ist, kann man nicht ändern. Was sein wird, wird sein.

* die Gegenwart zu lieben und mir auch in schwierigen Momenten klar zu machen, dass dies vorüber geht und gute Momente in vollen Zügen genießen, weil auch diese vorüber gehen. Was ist, das ist. Und nur das zählt wirklich. Jetzt in diesem Moment ist das Hier und Jetzt das Wichtigste. Und letztendlich, wenn man es aufmerksam betrachtet, war jeder Zeitpunkt der Vergangenheit einmal Gegenwart. Und wird jeder Zeitpunkt meiner Zukunft einmal Gegenwart sein.

Los- und Kommen lassen und dabei leben. Das ist Devise. Meint eure Jacqueline.

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If you like tea and Berlin …

2. April 2007

you will probably love the “Tadschikische Teestube” (the “Tajik tearoom”) which is not easy to find unless you know where to look for it. It´s still a sorta insider tip.

Am Festungsgraben 1
10117 Berlin - Mitte
Tel. 030-2041112

You might also want to read an article about this lovely tea room in Berlin´s newspaper “Der Tagesspiegel” (in German). And another great thing to listen to (again, in German) is a podcast from the magazine “Spiegel Online” called “Ritt durchs wilde Tadschikistan”. The speaker could definitely improve his reading and learn something about how to read things in a more compelling way, but nevertheless the travelouge is fun to listen to.

Tadschikische Teestube

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Liebeserklärung

27. August 2005

Briefkasten vor meiner Tür.

Darum liebe ich Berlin. Briefkasten vor meiner Tür.

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Die Stadt B.

1. Februar 2005

Die Stadt B. liebt und hasst man zugleich. Einerseits ist da diese menschliche und kulturelle Vielfalt, dieses lange Spektrum von geschmacklos, wenig sinntragend bis wundervoll und einmalig was die Kunst betrifft und jämmerlich, eintönig bis interessant und einmalig, was das Menschliche betrifft.

Andererseits ist sie zu groß um wirklich ein Gefühl von Heimat zu bekommen. Wer kennt hier schon alles? Keiner. Man kann zwar etwas Gutes mitnehmen, verpasst aber gleichzeitig auch noch mehr Gutes. 100m weiter ausgesetzt, würde man vermutlich nicht nach Hause finden. Man hat die Qual der Wahl, 100 Vorstellungen am Abend, und man bleibt doch daheim, vor lauter Unentschlossenheit, bzw. Überforderung. Es hat alles etwas anonymes, alles etwas von „du kannst – musst aber nicht“. Ja, ich würde sagen, das Großstadtleben, vielleicht sogar besonders das der Stadt B. hat etwas unverbindliches, dass sich wie ein roter Faden durch die ganze Stadt zieht.

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Berlin!

23. Oktober 2004

Als sich die Möglichkeit bot nach Berlin zu gehen, war ich erleichtert. Ich wusste, dass ich irgendwann in diese Stadt kommen würde musste. Gleichzeitig wollte ich einfach nur aus der Gegend, in der mein vorheriges Leben gespielt hatte, weg. Dort gingen mir zu viele Leute auf die Nerven, zu viele mir wichtige Leute waren weggezogen und es kam mir vor, als wäre die Stadt nur noch eine Bühne auf der in der Vergangenheit ein Stück gespielt worden war, das aber nun endgültig abgesetzt wurde. Die Studentenstadt war Teil meiner Vergangenheit und als ich trotzdem noch einmal aufgrund einiger Formalitäten hin musste, wunderte ich mich förmlich, dass überhaupt noch jemand dort wohnte und nicht alles in sich zusammengefallen war und sich als Kulisse herausgestellt hatte.

Und wenn ich in der Dunkelheit in den Berliner Straßen herum laufe, über mir die Raben, und noch weiter oben der Fernsehturm, kann ich mir manchmal nicht vorstellen, dass die andere Stadt jetzt existiert. Denn für mich ist es nicht nur räumliche Distanz, sondern auch zeitliche Distanz. Und es ist vorbei.

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2 Wochen in Berlin

29. August 2004

Ich bin jetzt seit fast zwei Wochen in Berlin und habe mich mittlerweile schon recht gut eingelebt. Ich habe ein Hippie-Fahrrad geliehen bekommen (mit Blümchen), das garantiert nicht geklaut wird und mit dem ich mich fast noch nicht verfahren habe und bisher jeden Unfall mit Fußgängern, die einfach mal spontan auf den Fahrradweg wechseln, vermeiden konnte. Ich weiß schon, an welcher Seite der U-Bahn-Station ich am gescheitesten rausgehe, um so wenig wie möglich zu laufen. Ich habe einen Lidl, einen Reichelt und einen Rossmann gefunden, sowie eine türkische Bäckerei, deren Bedienung weiß was “Weckle” sind. Und ich habe mitgekriegt, wie hip die “Ankerklause” ist, eine ziemliche olle Bar am Maybachufer (bei mir um die Ecke). Außerdem habe ich einen SMS-Service abonniert, der mir mitteilt, wann die Wartezeit für das MoMA unter 2 Std. beträgt (sehr selten!).

Mein Zimmer ist wunderschön (obwohl diejenigen, die bereits hier waren, große Diskussionen über zwei tschechische Bilder angefangen haben, die hier im Zimmer hängen), ich habe viele unbekannte Bücher zum Lesen und mehr oder weniger bekannte Musik zum Hören, sowie einen großen schwarzen Schreibtisch. Ich wohne bei Kathrin, Mitte 20 aus Dortmund, die seit Beginn ihres Studiums (Bio, Deutsch, Theologie auf Lehramt) in Berlin wohnt. Ihr Freund, in dessen Zimmer ich hause, verbringt ein Semester beim Sheriff von Nottingham. Mein Freund bleibt nun glücklicherweise bis Ende September hier und wohnt weiterhin in seiner Wohnung in Schmargendorf (Bezirk Wilmersdorf). Da in der Gegend lässt sich vorzüglich der Sport (Joggen) mit dem Neid verbinden: viele große Villen, Botschaften, dicke Autos, lange Alleen, viel Grün und ein Biobäcker um die Ecke. Außerdem heisst der U-S-Bhf Heidelberger Platz, da sind viele Bilder von Heidelberg zu besichtigen und man fühlt sich fast wie daheim.

Die Berliner sind teilweise unfreundlich (lächeln ist absolut unmöglich), teilweise auch ganz nett. So wurde ich letztens von einem Opa angelabert, als ich meine überdimensionale Berlin-Karte auspackte, um zu gucken, wie ich am besten wo hin komme (ist übrigens kein touristisches Vergehen, viele Berliner haben daheim auch Karten, und gucken, wie sie wo hin kommen). Ich sage ihm also wo ich hin will, und er berechnet mir voll die abwegigen Routen, ich denke mir insgeheim, naja, fährste lieber wie du ursprünglich geplant hattest. Als er dann endlich fertig ist (U1, U2 und dann U8), traue ich mich darauf hinzuweisen, dass die Ring-S-Bahn direkt dorthin fährt. Er dann: “Ach ja, stimmt, die S-Bahn gibt es ja auch noch. Ja wissen Sie, wir haben die immer ignoriert, weil das war ja früher die Reichsbahn der DDR war, und die hat man boykottiert.”

Was mache also nun, unter dem Dach eines der schicksten Gebäude am Hackeschen Markt, alleine mit einer spanischen Bibliothekarin? Ich schlage mich mit den Benutzern herum, schimpfe hinter klingelnden Handys her, helfe beim Kopieren des Personalausweises, stelle neue Bibliotheksausweise aus, verleihe Bücher, weise darauf hin, dass man nur 3 DVDs auf einmal ausleihen kann, finde mich mühselig in der CDU (spanisch angepasste Dewey Dezimalklassifikation) zurecht, kämpfe mit “Absys 3.0″, mache zu viele Ausnahmen für die Spanischlehrer und Diplomaten, bewundere in einer ruhigen Minute den 1a-Blick über den Hackeschen Markt und die Kuppel der Synagoge in der Oranienstraße (aber nur wenn die Blenden nicht wegen dem ständigen Regen automatisch heruntergefahren sind). Nebenbei klebe ich Barcodes und Signaturen, ordne Bücher ein und lerne viele neue spanische Fachbegriffe. Am Ende des Tages (nach fünf Stunden Arbeit), bin ich relativ fertig und brauche etwa 1/2 Stunde nach Hause. Ich arbeite Mo - Do, der Freitag ist neuerdings frei. D.h. mein Wochenende geht von Donnerstag 19:00 - Montag 14:00 Uhr. Sehr angenehm.

Aber ich werde meine freie Zeit hoffentlich gut nutzen: Diplomarbeitsthemafindung steht an, Vorlesungen aus der Ferne bestehen, Berlin kennen lernen, viele spanische Bücher lesen und DVDs schauen.

Liebe Grüße aus dem verregneten Berlin

Marie Jacqueline