
Als Frau sorgt man oft für Ärger, ist klar. Mein „Female Trouble“-Wochenende begann jedenfalls mit einem Fotoshooting im EC, das – nach Ankunft und Zwischenstation im Hotel – im sonnendurchfluteten Englischen Garten weiter ging. (Eines dieser Fotos wird hoffentlich bald die „about“-Seite bevölkern). Die Objektive der Kamera meiner Freundin verursachten bei manchen Männern Penisneid und auch das Stativ, welches vom „best girl“ tapfer durch die Stadt geschleppt wurde, sorgte für Aufsehen. Wir verbrachten viel Zeit auf diversen Brücken, verpassten dabei den chinesischen Turm, kamen dann bei einem ungemütlichen Schwulenfest im Glockenbachviertel zum Halten und hätten mit leckerem Essen und einem Gang in die Hotelsauna den Abend beenden sollen. Aber nein, nach dem Essen ging der Female Trouble erst los. Denn wir wollten noch Tanzen gehen. Aus Bequemlichkeit in die nächstgelegenste Disko gefahren und einen der schlechtesten Partyabenden der letzten Zeit verbracht. Eine knappe Erklärung, die das Martyrium nur unzulänglich beschreiben kann, folgt in 4 Punkten:
1. Von einem 19-jährigen angemacht werden, der mit bayrischem Akzent behauptet er sei aus New York, den man, weil man ihn nicht gleich vor den Kopf stoßen will und einen Satz mit ihm wechselt, nicht mehr loswird. Schließlich sieht man sich gezwungen, zu radikaleren Maßnahmen zu greifen und muss ihm in Gesicht sagen: „Schätzchen, ich bin 26. Viel zu alt für schlechten Sex.“ Das ist Female Trouble.
2. Von einem Kerl, der auf den Boden spuckt, darauf hingewiesen zu werden, dass man nicht aussieht, als habe man Spaß. Ihm dann zu sagen, das läge daran, dass hier drin alle Männer Tieren gleichen. Er dann schleimig-tröstend sagt, nicht alle Männer seien Tiere. Worauf man nur antworten kann: Zum Glück! Das ist Female Trouble.
3. Aus dem Konsumtempel mit Tieren und Tussen endlich an die frische Luft zu gehen, sich das Kaugummi von den Füssen entfernend, zur S-Bahn-Station zu eilen um dann festzustellen, dass es kalt ist und die S-Bahn sich alle 10 Min. um 10 Min. verspätet. Das ist Female Trouble.
4. Um halb fünf endlich im Hotel anzukommen, die Füsse gleichen einem Christus (wie man auf Spanisch sagen würde), aber: selbst schuld daran, weil Frauen immer komplizierte Schuhe anhaben müssen. Das ist Female Trouble.
Am nächsten Tag dann endlich die Krönung dessen, auf das ich mich in der Nacht schon einmal einstimmen durfte: Female Trouble in der Pinakothek der Moderne. Sehenswert, denn so ist das Leben. Als Frau wünscht man sich oft, mehr Mensch sein zu dürfen. Und weniger Frau. Wie schön ist es also, wenn man in einer Videoinstallation zugucken darf, wie eine attraktive Brünette in einem herrlich wehendem hellblauem Kleid und roten Lackschuhen eine Straße entlag läuft, eine stabile Blume in der Hand, und jedem dritten Auto die Scheibe einschlägt. Dabei wunderschön lächelt und von Polizistinnen und Pasantinnen freundliche Zustimmung erfährt. Herrlich!
Zur Ausstellung: