Archiv für die Kategorie ‘DasLiebeD.’

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Urlaub

2. April 2008
  • Voglhaus in Konstanz: Lecker Kuchen und Caro Kinderkaffee in sehr gemütlicher Atmosphäre. Außerdem sehr gute Sprüche an der Wand, z.B. von Albert Schweitzer.
  • Klettern macht Spaß! Vor allem in einem Hochseilpark.
  • Was entgegnet man einem Schweizer, dem man beim Wandern begegnet, auf sein “Grüzimiteinand”?
  • Sasbachwalden ist das schönste Dorf Deutschlands, aber Straßburg ist auch sehr schön. Und es gibt tatsächlich sehr hilfreiche, nette Franzosen, die einem aus einem Ghetto wieder raushelfen, wenn man verzweifelt in Cronenbourg den Ikea sucht.
  • Es ist lustig, schlafende Australier via Skype zu sehen. Und irgendwie auch sehr süß.
  • Juno” ist su-per! Begeisterung über meinen zuletzt gesehenen Problemfilm. Und ein kleiner Dialog, als Kostprobe:

Ultrasound Technician: Well, there you have it. Would you like to know the sex?
Leah: Yes!
Juno: No!
Leah: Pleease, Juno, please!
Juno: No, there will be no sex!
Ultrasound Technician: Planning to be suprised when you deliver?
Juno: Well, no, but I want Mark and Vanessa to be suprised and if you tell me I’ll just, like, ruin everything.
Ultrasound technician: Are Mark and Vanessa your friends at school?
Juno: No, no, no. They’re the adoptive parents.
Ultrasound technician: Oh, well thank goodness for that!
Bren: What’s that supposed to mean?
Ultrasound technician: I just see a lot of teenage mothers come through here and it’s obviously a poisonous environment to raise a baby in.
Juno: How do you know I’m so poisonous? What if these adoptive parents turn out to be, like, evil molesters.
Bren: They could be utterly negligent. Maybe they’ll do a far shittier job of raising a kid than my dumbass step-daughter would. Have you considered that?… What is your job title exactly?
Ultrasound technician: I’m an ultrasound technician, maam.
Bren: Well, I’m a nail technician and I think we both ought to just stick to what we know.

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Lecker Beeskes: Knippt eure Äugsken zu!

11. September 2007

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Aufschriebsel zu Marie-Jacquelines verlängertem Wochenende:

Senioren: Eine total verkannte Gruppe der Gesellschaft. Die meisten von uns, ich sach mal “der Jugend”, nehmen diese Menschen gar nicht wahr oder denken, die haben uns doch gar nichts mehr zu bieten, außer dem regelmäßigen Jammern, dass früher alles besser war und dass heute schon wieder die Füsse so dick angeschwollen sind. Dabei gibt es von diesen weisen Menschen viel zu lernen! Über Gott und das Leben nach dem Tod, das Aufwachsen im Dritten Reich, Sterben, zwischenmenschliche Beziehungen, Kartenspiele (Bridge, Canasta, Schwarze Dame, Schikanösschen), Kegeln. Gut vielleicht liegt es auch daran, dass ich sehr nette Senioren kenne, deren Haupttätigkeit nicht das Jammern ist. Jedenfalls musste ich sehr lachen, als wir (meine Wahloma und ich) an der Tür einer Bekannten klingelten, diese nicht aufmachte, wir dann den “Geheimschlüssel” (den haben wohl alle Senioren) zückten um “mal eben nach[zu]sehen, ob sie nicht in der Ecke liegt”. Das ist Humor! Und auch die Arztgeschichten können lustig sein: Geht man dort hin und sagt, mir tut das weh, dann bekommt man als alter Mensch auch schon mal die Antwort: “Frau XYZ, schauen Sie mal auf ihr Geburtsdatum!”. Super Arzt!

Der Niederrhein: Vielleicht kennen einige Weeze, weil dort früher mal das Bizarre stattfand. Heutzutage fliegt Ryanair vom dortigen Flughafen. Weshalb es für meine Wahloma leichter ist, nach Mallorca zu fahren, als zu uns an die Bergstraße. Das sind seltsame Zeiten! Jedenfalls ist diese Gegend sehr schön und durch die Nähe zu Holland fast schon holländisch. Auch der dortige Dialekt klingt so. Wenn man morgens aufsteht und sich im Spiegel anguckt, sollte man also nicht sagen: Mist, da schon wieder eine Schramme, die Augenringe, der Pickel, das Hohlgesicht. Sondern: “Was bin ich doch für ein lecker Beesken (Biest)!” und sich ein “Äugsken zuknippen” (zuzwinkern). Wieder was gelernt! Außerdem: Eines meiner absoluten Lieblingsbücher ist am Niederrhein beheimatet: “Warum du mich verlassen hast” von Paul Ingendaay, der mal auf dem Eliteinternat Gaesdonck war, bei dem meine Wahloma gearbeitet hat. Es gibt darin eine Szene, in der er beschreibt, wie er glaubt, dass die Frikadellen aus der Schulmensa hergestellt werden. Als ich diese las, habe ich im Großraumwagen eines ICE so laut lachen müssen, dass mir so manch erstaunter Blick zuteil wurde. Und überhaupt wollte ich dem Verlag mal meinen Glückwunsch aussprechen. Dieses Buch ist nicht nur inhaltlich erste Sahne, sondern auch in der Herstellung ein Traum. Und es riecht fabelhaft. Nicht nach Frikadellen, Dösköppe!

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Wie geleckt

6. August 2007

Fällt euch das auch auf? Wenn man nach Bayern kommt, ist plötzlich alles so sauber und gut. Ich wundere mich jedes Mal darüber. Nicht, dass es einer, die viel Dreck im Herzen hat, nicht gut tut in ein solch ordentliches Land zu fahren. Aber seltsam ist es doch…

Damit meine ich: Die lieblichen Einfamilienhäuser. Die schicken Autos. Die akkurat getrimmten Hecken. Das saubere Kneippbecken. Der frisierte Rasen im Park. Die fröhlichen Senioren. Die knusprige Schweinshaxe. Die lustigen Wellen am Ammersee. Die klare Apfelsaftschorle auf Kloster Andechs. Die wunderschönenen Bräute und polierten Hochzeitsgesellschaften. Die gepflegten Klänge beim Mondnacht-Openairkonzert. Die makellosen Autobahnen. Die frischen Farben der Dirndl. Die roten Bäckchen der vorzüglichen Jungs.

Alles wunderbar als Erholung für den gestressten Stadtmenschen.

Aber hier (dauerhaft) leben? Nein, danke!

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Keine Frage des Alters, sondern des Willens

21. Juni 2007

… und der Zeit, meine ich.

Herr Knüwer vom Handelsblatt regte sich im April in seinem Beitrag “Generation Web 0.0″ im Speziellen über deutsche Leitpersonen auf, die das Internet nicht nutzen wollen / können. Und im Allgemeinen über die digitale Kluft der deutschen Gesellschaft.

Ich sach mal so: Vielleicht haben die Herrschaften nicht genügend Zeit für das Internet in seiner heutigen Form. Auch wenn ich sie nicht in Schutz nehmen möchte, aber Fakt ist doch: Man muss sich das erstmal aneignen. Und dazu braucht man neben dem bei ihm angesprochenen Willen eben auch Zeit.

Bzw. wenn man Leute hat, die alles für einen erledigen (Sekretärinnen, Berater, Informationsspezialisten, Fahrer, Köche, Praktikanten…) dann braucht man überhaupt nichts mehr zu können. Dann muss man nur noch repräsentieren. Dann ist man auch keine eigenständige Person mehr, sondern nur noch das Konstrukt vieler Hilfsameisen. Alles gemäß dem Motto: “Ich muss nicht mehr alles selbst wissen, ich muss nur noch wissen, wen ich fragen bzw. anweisen muss oder wen ich es für mich machen lasse.”

Auch keine schöne Vorstellung! Ich habe Mitleid und denke: Die Armen, die wissen ja gar nicht, was sie verpassen. Selbst Auto fahren, selbst lesen, selbst kochen, selbst denken, selbst surfen, selbst schreiben… Ich möchte das nicht missen. Und freue mich über mein kleines Leben.

;-)

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Freitag abends durch die bayerische Pampa

23. April 2007

Auf dem Weg zu einer Freundin, die in einem kleinen, für seine Fußbäder bekannten bayerischen Kurort arbeitet, erlebe ich das Dasein im Provinziellen.

Da mein ICE Verspätung hat, verpasse ich in Augsburg die Regionalbahn. Zum Glück fährt 20 Min. später gleich die nächste Verbindung, die jedoch statt 40 Min. ganze 90 Min. braucht, da Schienenersatzverkehr (SEV) aufgrund einer Baustelle herrscht. Also heißt es mitten in der Pampa in einen vollen Bus umsteigen. Ein junger Mann mit Rad und Mütze möchte auch mit. Der Busfahrer mit Schnauzer sagt, er hätte seine Vorschriften, das Rad dürfe nicht mit. Dann steigen noch drei angetrunkene Jungs ein, die Partei für den Radfahrer ergreifen, der sein Rad nicht wie vom immer wütender werdenden Busfahrer vorgeschlagen an diesem kleinen Bahnhof stehen lassen will. Er habe doch bezahlt und die Dame am Schalter habe ihm nicht gesagt, dass man im SEV kein Rad mitnehmen dürfe. Wie solle er denn jetzt heim kommen?

Nach ein paar Minuten mehr oder weniger undurchsichtiger Diskussion (mittlerweile ist nicht nur das Fahrrad ein Problem, sondern auch die offenen Bierdosen der anderen Drei) geht es tatsächlich los. Schließlich muss der Fahrplan eingehalten werden. Nun fährt der Bus etwa eine halbe Stunde durch die bayerische Pampa und ich erhalte ungefilterte und unvergessliche Eindrücke in die Denkweise dreier besoffener junger Männer auf ihrem Weg nach Füssen, deren größte Sorge ist, dass dort keine Tankstelle mehr offen hat. Ich habe gelernt:

- man schreibt daheim gebliebenen Freundinnen nicht “ich liebe dich” per SMS, das ist billig und nicht angemessen

- alle Bürokraten und Busfahrer in Deutschland sind schwul

- es gibt ungeahnte körperliche Zuneigung zwischen jungen Männern, die in einem betrunkenen Zustand richtig zärtlich zueinander sein können

- auch in betrunkenem Zustand sorgt sich die Jugend von heute um die leeren Bierdosen, ist ja schließlich Pfand drauf

- die wichtigste Sprache nach Englisch ist Spanisch, wobei deren Spanisch mehr eine Mischung aus Französisch und Italienisch ist

- ein Handy zu haben ist nicht immer etwas Positives, da Mütter jederzeit anrufen können und man in betrunkenem Zustand auf dem Display nicht leicht erkennt, wer dran ist.

Das lässt hoffen, finde ich. Es lebe die Jugend von heute!

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Liebes Stuttgart

13. April 2007

früher dachte ich immer: Stuttgart, was soll das denn für eine Metropole sein, die doch eigentlich eher gemütlich daher kommt, voller Leute des ganz besonderen Schlags, die vor Herzlichkeit nur so strotzen? Zu diesem Zeitpunkt kannte ich keinen in Stuttgart und außer der Königststraße, der wenig grazilen Universität und dem kühlen Bahnhof kannte ich kaum dein wahres Gesicht.

Mittlerweile habe ich dich anders und besser kennen gelernt und muss sagen, du gefällst mir gut. Du bist voller schöner Gebäude, eine interessante, anregende Mischung zwischen alt und modern. Wärst du eine Person, sähe ich in dir eine 35-jährige, schicke Mutter mit Eleganz und Stil. Quasi eine MILF. Du beherbergst zwei wundervolle, sehr unterschiedliche Freundinnen von mir, mit denen ich über alles reden kann.

Bleibende Erlebnisse:

- Ich werde bei einem Salsa-Schnupperkurs von einem jungen Finanzbeamten angesprochen, der sich genauso wenig südländisch verknoten und auflösen mag, wie ich. Trotzdem gehe ich auf seinen Small-Talk nur mit Zurückhaltung ein.

- Ich spiele mit guten Freunden im Forum 3 Tabu, bis ich mich und meine Probleme vergesse und es zu spät ist, noch etwas zu trinken zu bestellen.

- Ich lerne charmante Schwäbinnen kennen, die Freitag abends die Sauna eines Stadtteilbades gepachtet haben. Mich und meine Freundin nehmen sie als Störenfriede mit zu perfekten Körpern wahr, die für die schwäbischen Anforderungen viel zu unzulänglich sind, denn a) unser Handtuch ist zu klein, es könnte Schweiß daneben tropfen und b) wurde daran gezweifelt, ob wir denn auch schön nach jedem Saunagang duschen würden.

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Die Stadt B.

1. Februar 2005

Die Stadt B. liebt und hasst man zugleich. Einerseits ist da diese menschliche und kulturelle Vielfalt, dieses lange Spektrum von geschmacklos, wenig sinntragend bis wundervoll und einmalig was die Kunst betrifft und jämmerlich, eintönig bis interessant und einmalig, was das Menschliche betrifft.

Andererseits ist sie zu groß um wirklich ein Gefühl von Heimat zu bekommen. Wer kennt hier schon alles? Keiner. Man kann zwar etwas Gutes mitnehmen, verpasst aber gleichzeitig auch noch mehr Gutes. 100m weiter ausgesetzt, würde man vermutlich nicht nach Hause finden. Man hat die Qual der Wahl, 100 Vorstellungen am Abend, und man bleibt doch daheim, vor lauter Unentschlossenheit, bzw. Überforderung. Es hat alles etwas anonymes, alles etwas von „du kannst – musst aber nicht“. Ja, ich würde sagen, das Großstadtleben, vielleicht sogar besonders das der Stadt B. hat etwas unverbindliches, dass sich wie ein roter Faden durch die ganze Stadt zieht.

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Objektorientierte Geschichten: Der Botschafter

7. November 2004

Der nicaraguayische Botschafter war vor dem Regen, der seit Tagen die Stadt in eine Ansammlung von Rinnsälen, Bächen, Flüssen und Tropfsteinhöhlen verwandelt hatte, in das spanische Kulturinstitut geflüchtet. Hier drinnen ist es warm, alle reden die geliebte Muttersprache und sind freundlich, dachte sich der exquisit, jedoch nicht mehr ganz aktuell gekleidete Botschafter. Draußen war es unvorstellbar kalt, die Deutschen waren ihm ein vollkommen fremdes Volk und er war froh, für ein paar Stunden sicher vor ihnen zu sein.

Er hatte seinen Schirm, grauen Mantel und Hut bei dem zuvorkommenden Herren am Empfang abgegeben, war zum Fahrstuhl gegangen und hatte dort den obersten Knopf gedrückt und sich während der kurzen Fahrt das Jacket glatt gestrichen und seine Krawattennadel zurechtgerückt, die eine dunkelrosa Krawatte in vertikaler Form an seinem stattlichen Oberkörper befestigte.

Das hatte er nie gewollt, in einem kalten, verkrampften, so wenig herzlichen Land wie Deutschland zu leben. Es waren nicht einmal die USA geworden, damit hätte er sich ja noch anfreunden können, auch wenn er die Gringos nicht besonders mochte, aber man hätte öfter heimfliegen können. Nun saß er in Europa, und seine Botschaft war nicht einmal halb so groß wie die der anderen europäischen Länder. Und sein Land verfügte auch nicht über genug Geld um ein solch schönes Kulturinstitut mit einer so prächtigen Bibliothek zu finanzieren, weshalb er auf die Spanier ein wenig eifersüchtig war. Und gleichzeitig dankbar, dass sie ihm einen Platz geschenkt hatten, der wärmer war, als das kalte und viel zu korrekte Deutschland. Hier ließ sich aber auch gar nichts unter der Hand regeln. All seine Fähigkeiten, die ganzen diplomatischen Tricks, waren hier nicht so einfach anzuwenden wie in seiner Heimat Lateinamerika.

Aber nun: Hinein in die gute Stube, dachte sich der Botschafter. Er lief aus dem Aufzug hinaus und trat ein in die Stille, Wärme und Geborgenheit der Bibliothek.