Heute Abend habe ich die Fotokiste aufgemacht und mein Leben angeguckt. Mit fast 26, ist man da eigentlich noch jung oder schon nicht mehr? Wenn ich mir so angucke, was ich schon alles erlebt habe, mit wem und wo ich schon überall war, dann denke ich: Herrje, Jacqueline, dein Leben war schon so voll von schönen Momenten. Eigentlich könnte es morgen vorbei sein und es wäre nicht schlecht gewesen.
Und trotzdem: Sie ist erst 26! Stellt euch erst einmal vor, was da noch so kommen mag. Kaum vorstellbar, wieviel Zeit es noch zu verbraten gibt. Auf der anderen Seite, wie schnell die Zeit vergeht. Schnipp, und noch ein Jahr. Seit sie arbeitet erst recht.
Auch schlechte Jahre gehen vorbei. Schlechte Jahre sind ja - bei Licht betrachtet - die Besten. So dass ich mich jetzt also nicht wirklich ernsthaft hinstellen kann und sagen kann, das war das Schlechteste. Auch wenn ich an meine Grenzen geführt wurde. Guck mal, nur bis dahin warst du bisher, aber es geht noch weiter! Wenn ich es recht bedenke, ist es gut mal ab und zu im Leben die Grenzen zu sehen. Auf die eine oder andere Weise bekommt man sie gezeigt. Und diese Erfahrungen sind vielleicht der Mörtel zwischen den Backsteinen der Persönlichkeit.
Wenn ich nach hinten gucke, bin ich voller Erinnerung. Meistens voller guter Erinnerung. Es ist erstaunlich, dass man sich eher an das Gute, als an das Schlechte erinnert. Aber ich werde auch schwermütig, wenn ich zurück blicke. Darmstadt, Berlin. All das war so gut zu seiner Zeit. Und es ist schade, dass mir erst jetzt bewusst wird, wie gut es doch war. Es war wirklich sehr schön.
Doch es ist vorbei. Und man soll ja, sagen die Buddhisten, nicht an der Vergangenheit festhalten, nicht in die Zukunft blicken. Sondern im Hier und Jetzt leben. Und das will ich mir wirklich vornehmen. Aufhören, die Vergangenheit zu vermissen und wehmütig an die Schulzeit, Südengland, die Studienzeit, die Mathildenhöhe, das Johannes- und Martinsviertel, an Kreuzberg und Friedrichshain zu denken. Und an die Leute von damals und daran, wie sie damals waren. Aber ich will auch aufhören, in die Zukunft zu leben. Ständig zu denken, da kommt noch was. Auf etwas hin zu leben. Als wäre das, was man hat, tut und erlebt, nicht auch schon ok. Als wäre die Gegenwart nur ertragbar, wenn man sich auf eine bessere Zukunft freut.
Ich nehme mir also heute Abend vor:
* die Vergangenheit nicht zu vermissen, sondern sie ganz frei zu betrachten, und wenn überhaupt dann schlichtweg dankbar für diese wertvollen Zeit sein, die ein Teil von mir ist und bleiben wird. Was war, das war.
* die Zukunft nicht zu erwarten, sondern sie einfach auf mich zukommen zu lassen. Es wird sicherlich was zu lachen und zu weinen geben. Ohne, dass ich daran etwas ändern könnte. Was noch nicht da ist, kann man nicht ändern. Was sein wird, wird sein.
* die Gegenwart zu lieben und mir auch in schwierigen Momenten klar zu machen, dass dies vorüber geht und gute Momente in vollen Zügen genießen, weil auch diese vorüber gehen. Was ist, das ist. Und nur das zählt wirklich. Jetzt in diesem Moment ist das Hier und Jetzt das Wichtigste. Und letztendlich, wenn man es aufmerksam betrachtet, war jeder Zeitpunkt der Vergangenheit einmal Gegenwart. Und wird jeder Zeitpunkt meiner Zukunft einmal Gegenwart sein.
Los- und Kommen lassen und dabei leben. Das ist Devise. Meint eure Jacqueline.




