Archiv für die Kategorie ‘FrauenMänner’

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Buschnacht

3. Dezember 2011

eine Mannheimer Erzählung.

Motive: Mannheim, Jungbusch, Identitätskonstruktion durch Raum und soziale Praktik, Leben, Erleben, Transkulturalität, hart sein vs. sich fallen lassen, chaotische Alltagsrealitäten, elektronische Musik, Effekte von sozialen Kontexten, das boshafte unsicherheitsbasierte Coolsein junger Menschen vs. seltener Herzlichkeit, das Glück des Vorhandenseins von Drogen, selbstgesponnenes Bedeutungsgewebe.

Line, Jens und ich abends in der Jungbuschstraße. Wenn es eine Straße gibt, die für mich aufgeladen ist mit Bedeutung, dann ist es diese Straße. Was da schon alles passiert ist. Ich könnte jetzt Hausnummern aufzählen, aber ich lasse es. Mit wem ich diese Straße alles verbinde. Wieviel Teile meiner Identität mit dieser Straße zu tun haben. Denken wir für den Rest des Textes die Jungbuschstraße als Wirbelsäule meiner Identität. Jedenfalls, die herzliche Line, der schüchterne Jens und die sprudelnde M. (es sprudelt aber immer nur, wenn man es schüttelt) im C., weil da die Band unseres Vertrauens spielte (wobei einer davon überlegt aus der Musikmacherei auszusteigen und Manipulator zu werden und ein anderer davon früher ein netter Junge war und nun zur Gottwiegeilichbin-Fraktion gewechselt ist, man wundert sich jedenfalls etwas…). Ich war erstmal leicht müde, nüchtern und schüchtern, vorsichtig und gehemmt. Auf hab acht, statt bei mir selbst zu sein.

Es ist nämlich so: Ich praktiziere grundsätzlich Selbsthemmung, aber an manchen Abenden Enthemmung (die Autorin dankt dem Universum für Drogen, zum Beispiel in Form von Alkohol). Ich bin dann enthemmt, wenn ich natürlich bin und mir keine Grenzen setze. Die Grenzsetzungen, die Schwarz-Weiß-Malerei, das Ganz-oder-garnicht-Verhalten, die ich zuhauf an den Tag lege, sind begründet in unverarbeiteten transkulturellen Identitätskonflikten. Sozialisationsbedingt bin ich etwas orientierungslos, deshalb halte ich mich verbissen an Dingen fest und liebe Ausschluss und Differenzbildung. Ordnung im Geist, Psychohygiene. Weil ich in mir drin extrem unordentlich bin. Weil ich weiß, dass alles relativ ist. Chaotische Alltagsrealität. Dreck im Gesicht. Tod am Hafen. Kennen wir ja schon. An zuviel Sagrotan sollen aber auch schon Menschen zugrunde gegangen sein, meine Liebe, also lass das Chaos zu. Mit Wein zum Beispiel. Rotwein über alles. Eigentlich trinke ich im C. zur Enthemmung immer Zweigelt, heute Cabernet Sauvignon. Nicht ganz so gut. Mein Lieblingskoch ist nicht da, schade. Das C. ist nämlich auch so ein Ort. Es riecht nach Geschichte, unserer Geschichte. Es war eine Etappe unseres Lebens.

Mannheim. Da liess es sich ohne Mann aushalten, ohne ernsthafte Beziehung jedenfalls. Und während ich in den letzten Zügen meiner 20er steckte, war ich unter anderem Dienstleisterin für Akademiker – Sklaven des Impact Factors und der Drittmittelhascherei – und 20-Jährige, zu denen der Entwicklungsabstand erst kaum bemerkt wurde, um schließlich immer alarmierender ins Bewusstsein zu rücken: Unsere Kinder. Unsere Poster-Kinder, unsere ungeduldigen Druck-Kinder, unsere Studis, unsere Spätpubertierenden, unsere Party-Kinder, unsere Sich-Abchecker, unsere Kleinherdentiere, unsere Kicherer, unsere Klausurlerner, unsere Ungedulds-Kinder, unsere Erstis, unsere Kreutzer, unsere nervösen Examenskandidaten, unsere Nervensägen, unsere Heulbojen, unsere bekifft vor facebook-flackernden Bildschirmen schlafende Testosteron-Sprüher, unsere H&M-Schickeria, unsere Geheimnisvollen, unsere Unheimlichen, unsere Pornogucker, unsere Gebührendiskutierer, unsere verschämt Guckenden, unsere Kinder. Moment, ich war doch vor Kurzem auch erst so. Und trotzdem ist das Erwachsenwerden so gnadenlos, dass man sich kaum zurück versetzen oder gar erinnern kann, wie es war, bevor man älter wurde. War auch ich einmal so unfrei/unreif/unsicher?

Jedenfalls: M. Mein Engel mit Schnauze, lieb und nett, agressiv und destruktiv. Kollegin, Freundin, Verbündete. Man sagte uns gar eine Ehe nach. Nicht nur verarzteten wir gemeinsam unsere Kinder, Akademiker und Menschen-Handwerker, nein, privat ging auch eine ganze Menge. Denn wir mussten raus aus diesem akademischen Umfeld, dieser ausgedachten Welt. Und da die Kaffeepausen im sogenannten “Paradies” nicht reichten (“Currywurst mit Pommes, wea hod Körriworschd mit Bommes bestellt?”) um genug Konfrontation mit den gemeinen Mannheimern und der realen Welt abzubekommen, gingen wir nach einiger Überlegung (“wir müssen etwas tun” – “es muss etwas passieren”) und Konzeptschreiberei am sonnigen Rhein schnurstrakst in den verruchten, aber eigentlich ziemlich harmlosen Stadtteil Jungbusch und lernten dort Musiker, Künstler, Türken, Mystiker, Alkoholiker, 68er, Hipster, schräge Typen, interessante Menschen und Mannheimer Originale kennen. Immer mit Frau Gentri F. Izierung im Nacken, dieser blöden Sau. Soviel jedenfalls in aller Kürze zu diesem Ort und meinem/unserem Platz darin.

Die Line lebt im Jungle. Und der Lieblingskoch auch. Und der Journalist auch. Und der schüchterne Jens lebte mit der Line und vier anderen, aber diese WG wird auch ständig neu konstruiert. Jedenfalls saßen wir gestern Abend am Katzentisch. Das ist der Tisch, an dem die Musiker immer sitzen, lauschten der Musik und ich schaute dabei auf die Oberarme des lustigen Schlagzeugers (“ihr sitzt ja immer noch da, bin ich nicht laut genug?”). Oberarme sind beim Mann das was bei der Frau der Ausschnitt ist. Lecker. Aber ich war ja noch gehemmt. Also verbot ich mir meinen sofortig einsetzenden mentalen Durchfall, der mich mit dem Körper des Schlagzeugers in Verbindung brachte, um das mal ganz diplomatisch zu sagen. Schöne Oberarme, schöne Hände. Die Hände sind beim Mann das, was bei der Frau die Brüste sind.

Das Publikum war sehr jung und wir kannten während des ersten Sets kaum jemanden. Was seltam selten ist. Während des zweiten Sets war das schon anders. Und als dann fertig war und wir gingen, standen ein paar Posterkinder vor der Tür. Die Posterkinder kommen auch manchmal in den Jungle. Mich irritiert das immer ein wenig, weil ich dann die Grenzen schließen muss, wobei der Zweigelt und ich doch erst gerade ein Schengener-Abkommen zur Öffnung geschlossen hatten.  Also schnell weg, zumal Mr. Whisky da auch herum stand. Ein langfristiges Alkohlproblem von mir. Höchste Zeit zu gehen… aber nicht ohne noch die obligatorischen Komplimente für mein Fahrrad mitzunehmen. Ich bekomme von Männern immer Komplimente für mein Fahrrad.

Während ich noch leicht im Post-Whisky-Zustand war (hätte ich bleiben sollen, hätte ich ein Gespräch anfangen sollen, meine übliche Reaktion), gingen wir weiter ins O. Dort unverhofft gute elektronische Musik. Ahhh, elektronische Musik, my love. Das und drei Moscow-Mules waren eine hervorragende Ablenkung. Ich habe es bisher noch nie erlebt, dass im O. getanzt wurde. Aber gestern tanzten eine erlesene handvoll Menschen mit gutem Geschmack zu guter Musik. Ich stehe gerade sehr auf diesen organischen, wabernden Elektro mit afrikanischen oder lateinamerikanischen Ryhthmen drin. Sogar Jens hat getanzt. Es macht Spaß zu sehen, wie die Nicht-Enthemmten etwas auf die Enthemmten neidisch sind. Was man sich dort auch schön anschauen konnte, ist wie sozial anstrengend doch Menschen mit unausgegorener Persönlichkeit sind. Die sind nämlich nicht echt, teilweise boshaft und verhalten sich ausgrenzend-abweisend. Damit meine ich diese ganze Grüßen oder Nicht-Grüßen-Geschichte. Das Sich-Anerkennen oder das Ignorieren. Das verstehe ich nicht. Entweder ich kenne einen Menschen und grüße ihn (man kann das durchaus knapp halten) oder ich kenne jemanden nicht. Seltsames Gehabe. Da lobe ich mir die Herzlichkeit der Line, was ich ihr auch gleich gesagt habe. Und sie meinte, das gehe für sie gar nicht anders. Nur das sei es wert, gelebt zu werden. Sie hat ja so recht! Der neue türkische Besitzer des Ladens schaute sich in dieser ganzen Zeit vom Tresen aus diese partisierende Menschenmischung mit Sorge und Verwunderung an und bat den DJ dann irgendwann leiser zu machen.

Man trifft natürlich doch wieder ein paar der üblichen Verdächtigen. Da ich mittlerweile auf funktionale Weise enthemmt war, lief es auch mit dem Anlabern ganz gut. Einen Drink ausgegeben bekommen. Den Namen des DJs erfahren (schön). Ein wenig geflirtet. Mir krasse Sachen habe sagen lassen (von einem mit ähnlichem Vibrationshintergrund): Ok gut, ich mit meinen harten Prinzipien. Mehr Chaos zulassen. Gut. Nichts planen. Gut. Ok. Wabern. Ok. Ok. Ok. Ich versuche es ja. Meinen Marktverkäufer getroffen und den Jungen von der Fahrradparade. Dieses sich beim Weggehen nahe am Gesicht unterhalten, mag ich außerordentlich gerne. Es ist so intim, man ist sich plötzlich so nahe. Kurz realisiert, dass ich scheinbar anziehend sein kann. Das tut gut. Ich mochte den Abend dann doch noch sehr.

Statt in die D2, wo alle noch hinwollten, sind wir dann beim Türken gelandet und haben um 4 Uhr nachts lecker gegessen. Lammspieße. Nach dem Feiern noch etwas zu essen ist auch wie so ein Ritual. Ich will das nicht verlieren, nur weil ich bald 30 bin. Ich will weiter gute Musik hören, mich mit Freunden gehen lassen, tanzen und Gespräche nahe am Ohr führen. Genau das ist Glück. Wenn Dinge passieren, an die man nicht gedacht hatte. Wenn Dinge anders kommen, als man sie sich ausmalt. Wenn man es schafft, es sich gar nicht mehr auszumalen. Keinen Plan haben, oder nur einen groben. Das Leben sich entwickeln lassen. Hatte ich diese Erkenntnis nicht schon einmal? Nichts kaputtzubewerten oder kaputtzufantasieren. Wie schaffe ich es mich dauerhaft zu befreien? Ich bin auf dem Weg… Italian state of mind. Mehr Rotwein!

Nach Hause gekommen, glücklich gewesen und nur leicht angetrunken. An diesen Abenden ist meine Zuneigung zu Mannheim unheimlich groß. Die neue Freiheit liegt darin, trotzdem loslassen zu können, ohne dass es schmerzt. Ich will gehen, ohne dass es schmerzt. Sich nicht an Erinnerungen festhalten, sondern den Moment richtig er/leben.

— Zugabe 1 —

“Wir sollten unsere Aufmerksamkeit nicht nur auf die Beobachtung unseres Gegenstandes richten, sondern auch auf die Art und Weise der Beobachtung unseres Gegenstandes.” – A. Pott: Identität und Raum, in: Kulturelle Geografien, 2007.

— Zugabe 2 —

Sie suchten nach Bildern zu “Buschnacht”.

Leider keine Treffer.

Meinten Sie “beechnut”?

Nein, *seuftz*, meinte ich nicht!

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Mangelndes Interpretationsvermögen

11. Oktober 2011

seinerseits oder überquellende Interpretationsvorgänge meinerseits. Fuck it!

Es gibt da so ein Gebiet in Schwaben (um die Stadt “Kuchen” herum), wo scheinbar sehr attraktive Männer gezeugt werden und aufwachsen, sich hinterher auf BaWü verteilen, aber so borniert sind, dass sie nichts verstehen. Ist mir jetzt schon in zwei Fällen so gegangen und ich frage mich: ist das ein Männer- oder ein Kuchenschwabenproblem?

“Während Männer sehr einfach gestrickt sind und eine ganz klare Kommunikation brauchen, um Dinge zu verstehen, sieht das bei Frauen ganz anders aus. Mit kleinen Signalen und der Suche nach ebensolchen Signalen vom Mann meint eine Frau oft schon fast zu schreien, während der Mann da steht und davon absolut nichts mitbekommt.”

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Allerlei

14. Januar 2011
  • Bohemian lifestyle down: Freitag Abend alleine zu Hause. Das ist wirklich schwierig für mich und kam in den letzten anderthalb Jahren seltenst vor. Ich fühle mich komisch dabei. Zuhause trifft man eben keine Menschen. Da ich mir jedoch vorgenommen habe, weniger Stress zu haben, bin ich heute Abend zu Hause, ohne zu duschen, zu schlafen, zu essen oder Klamotten zu waschen. Vielleicht lese ich nachher sogar noch ein Buch. Wow! Außerdem war ich den Rest der Woche nicht zu Hause. Also: C´mon, Marie Jacqueline, everybody is doing it, so why can´t we? Alla hopp!
  • Apropos Allah: Beten ist nicht nur in der Badwanne, sondern auch direkt vor dem Bahnhof möglich. Wie heute bei einem Muslim gesehen, der vor dem Mannheimer Bahnhof in einer Bushaltestelle sein Gebet verrichtete. Dazu legte er seine Jacke auf den Boden und los ging´s. Allahu akbar!
  • Bohemian lifestyle up: In Italien bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich unbedingt mehr trinken muss. Um die Grübelei abzustellen, um das Leben leichter zu nehmen. Sicherlich nicht nur durch Rotwein, aber der ist eine gute Begleitung dazu. Also bisher jeden zweiten Abend ein Viertel Rotwein getrunken. Syrah!!!
  • Komplexe Kohlehydrate in Nudeln, dass ich nicht lache. Damit wirbt MoschMosch (auch in Heidelberg) für eine ihrer Suppen. Ich habe – krass! – seit fast zwei Jahren zum ersten Mal wieder ein wenig Nudeln gegessen. Es war… schon lecker, aber gar nicht mal so geil. Fleisch ist halt mein Gemüse und Gemüse war, ist und bleibt auch mein Gemüse. ;-) In Deutschland haben Kellner keine Ahnung (ich bat ihn natürlich, es mir zu erklären), sehen aber dafür gut aus. Seit neuestem probiere ich es aus, länger in die Augen zu sehen. Das halten die meisten Männer interessanterweise nicht lange durch und gucken oft zuerst weg. :-D
  • Ein lustiges Baby: Im Allgemeinen bin ich ja eine verhaltene Babyfreundin. Ich will durchaus Kinder haben, muss mich aber noch mit der Vorstellung anfreunden, dass da 9 Monate so ein kleines Alien in mir drin sitzt. Ein Insasse sozusagen, der meinen Körper nutzt und mich dazu zwingt meinen Bohemian lifestyle anzupassen. Also gut, ich muss das wirklich nochmal anders betrachten. Jedenfalls habe ich heute ein sehr lustiges, 6 Monate altes, halb asiatisches Baby kennen gelernt, das sowas von fit war, so energiegeladen, so neugierig in die Welt geguckt hat, so viel gebrabbelt und so viel gelächelt hat, dass ich aus dem Staunen nicht mehr heraus kam.
  • Endlich wieder schlafen: Da es sowieso fast nie so kommt, wie ich es mir ausmale, konnte ich heute Nacht zum ersten Mal seit anderthalb Wochen wieder ordentlich durchschlafen. Mein Gehirn ist so unglaublich mächtig. Schön wäre es, wenn ich damit wirklich etwas bewegen könnte. Zum Beispiel durch positive Autosuggestion. Und nicht immer nur Selbstzweifel, Grübelei, konstante Interpretation der Umwelt, Fantasie, Traumwelten, Bedeutungskonstruktion. Nur wahrnehmen, sagen die Yogis, nicht bewerten.
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Mysteriöse Ehrlichkeit

5. Januar 2011

Ehrlichkeit, Authentizität. Wichtige Dinge.

Ich bin in Italien, Land der ehrlichen Männer. Oder? Man läuft auf der Straße, man geht in eine Disko, sie zeigen dir unmittelbar, ob sie dich gut finden oder nicht. Einen Freund in Deutschland haben? Ist doch egal. Er ist doch nicht hier, oder? ;-) Sie bemühen sich (bis zum Punkt, wo man kotzen könnte), aber sie bemühen sich. Eindeutigkeit, das ist auch was. Ja, es ist anstrengend. Und vermutlich oft nicht ehrlich. Denn sie machen ja JEDE so an. Insofern ist man austauschbar. Dieses Gefühl hat keiner gerne. Trotzdem ist es ehrlich, oder? Trotzdem mag ich dieses südländische Gefühl des Umworbenwerdens.

Hingegen in Deutschland: Mysteriöse Vorgehensweise. Nie weiß man, woran man ist. Steht der jetzt auf einen oder nicht? Es wird jahrelang geguckt, aber halbherzig. Will der jetzt was, oder nicht? Wenn er was will, warum dann so schüchtern? Einmal bekommt man solche SMS (“wann sehen wir uns endlich?”) dann wiederum andere (“mein Kopf ist gerade zu voll”). Sie flirten mit dir und haben dann doch Freundinnen. Das ist nicht ehrlich. Sich mehrere Kaffees warmhalten, was ist dazu zu sagen? Hauptsache nicht alleine sein? Lieber den Spatz im Bett, als die Taube auf dem Dach.

Darüber habe ich am Montag Abend mit einer Deutschen, einem Italiener und einer Amerikanerin bei bestem italienischen Essen in einer Trattoria diskutiert. D & A waren mehr für letztere “mysteriöse” Vorgehensweise. I & ich waren eher für erstere. Aber, ehrlich gesagt, verarscht werden kann man doch immer. Egal von mysteriösen oder dreisten Exemplaren. Ich bin weiterhin etwas ratlos. Ich glaube nicht, dass man sagen kann, die einen sind besser als die anderen. Letztlich ist es ja wohl abhängig von der einzelnen Person. Eine reife, reflektierte Person mit Schwanz, das wär´s doch. ;-)

Aber all diese Menschen mit diesen halbherzigen Gefühlen und halbherzigen Beziehungen tun mir von Herzem leid. Das ist etwas, was früher oder später weh tut. All diese unehrlichen Menschen tun mir von Herzem leid. All diese orientierungslosen Menschen mit den halbherzigen Werten tun mir leid. Weil sie irgendwann fallen, sehr tief. Früher oder später.

Ich hingegen, auch orientierungslos, aber auf eine andere Art, sehne mich nach ehrlichen Menschen. Menschen die mit Herz bei der Arbeit sind, weil sie etwas für diese Welt machen wollen. Nicht für ihre eigene Tasche. Menschen, die ernsthaft fühlen. Menschen die mit Taten handeln und nicht nur Worte sagen. Menschen, die eine Ahnung davon haben, einen Hauch von Ahnung, was ECHTE LIEBE ist.

Herr Cocker, den ich sehr schätze, sagte dazu:

Well, you can stay all night if you want to. You can hang out with all of his friends. You can go & meet his mother and father: you’d better make sure that’s where it ends. ‘Cos baby, there’s one thing that you gotta know: let him read your palm & guess your sign. Let him take you home & treat you fine. But baby, don’t let him waste your time. Don’t let him waste your time.

‘Cos the years fly by in an instant & you wonder what he’s waiting for – then some skinny bitch walks by in some hot-pants & he’s a-running out the door. So remember that one thing that you gotta know: let him read your palm & guess your sign. Let him take you home & treat you so fine. But baby, don’t let him waste your time. Don’t let him waste your time.

You ain’t getting no younger & you’ve got nothing to show so tell him that it’s now or never and then go, go, go, go, go. He can have his space. Yeah, he can take his time. Now he can kiss you where the sun don’t shine. Oh baby, don’t let him waste your time. Don’t let him waste your time.

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Stuttgart, Mannheim, Freiburg, Katzen und Hunde.

2. Dezember 2010
  • Sonntag früh in Stuttgart: Man wird von einem Englisch sprechenden, offensichtlich hochgradig erkältetem Mann angelabert, der sein Herkunftsland für ein veraltetes Konzept hält (“ya know, ah don´t believe in cantries”) und wissen möchte, wo die Jugendherberge ist, was ich ihm seelenruhig und in aller Ausführlichkeit erkläre (und was – lucky guy – eines der wenigen Dinge ist, die ich über Stuttgart weiß, neben Hügel, Schwaben, Autos und das Alter, man will sie auf 21 operieren, aber in Wahrheit ist sie eine MILF). Dabei steckt man sich an. Mist! Statt wegzulaufen und zu schreien: Geh mit deinen Bakterien doch wo anders hin!
  • Montag Abend in Mannheim: Man fällt auf Körperteile, die dieses Jahr bereits aufgrund eines anderen Sturzes mehrmals geröntgt und MRTet wurden. Dem Orthopäden passt das nicht, mir auch nicht. Und nur, weil so ein Arsch mir vor´s Fahrrad läuft. Statt in ihn reinzufahren (wie es jeder vernünftige Mensch getan hätte), habe ich gebremst und falle – NATÜRLICH – auf mein Kreuzbein. Das ist mal wieder am Arsch. (Wobei, es ist eigentlich grundsätzlich am Arsch ;-D ) Wisst ihr eigentlich, wie wichtig dieses Teil ist? Man braucht es in jeglicher Hinsicht. Z.B. auch beim Niesen und Husten! Nicht zu verwechseln mit dem Kreuzband. Sagte doch beim letzten Mal einer zu mir: Gute Besserung für dein Knie. Laie!
  • Mittwoch Abend in Freiburg, laut niesend und mit kleinen Schritten gehend: Natürlich muss ich immer an Tocotronic denken. Allein schon, wenn man aus dem Bahnhof heraus kommt und den Leuten begegnet. Alternative linke Socken everywhere. Da gibt es die 68er, die sich niemals die Haare färben würden und deshalb gut an weiß-gräulichen Strubbelmähnen und einer gewissen Nachlässigkeit in der Kleidung  zu erkennen sind. Wichtig auch, bei den Frauen, es muss möglichst alles so weit sein, dass die Figur umweht wird und nicht erraten werden kann, wie das evtl. ohne aussehen könnte. Dann gibt es die Studenten, die in teurer Outdoorkleidung stecken. Die jungen Männer haben Bärte, die jungen Frauen lange, nachlässig hochgesteckte Haare. Alle sind sie hübsch, alle sind sie sexy, alle sind sie gewappnet für die Unwägbarkeiten der Natur. Und die Kinder der Touristen fallen in das sämtliche Straßen der Stadt durchziehende Bächlein und fangen an zu weinen. Ich bin alleine, und ich weiß es, und ich find es sogar cool. Und ihr demonstriert Verbrüderung.

Die Schwester einer guten Freundin, que la conocí allá, hat mal in Freiburg studiert und brachte zur Geburtstagsparty ihrer Schwester (in Stuttgart) eine CD mit Reggaeton-Liedern mit (der Tanz dazu heißt “perreo” von Hund und impliziert auch die Stellung, aber sehen Sie selbst – hierzu braucht man sein Kreuzbein übrigens auch!). Man kann da schon zu tanzen. Aber wenn man die Texte versteht, dann vergeht einem ein wenig die Lust dazu. Das ist quasi Hörporno. Típico, típico, típico latinoamericano. Immer schön christlich, schön getrennt, Frauen hier, Männer da, no se le acerque demasiado, mija… a ver, papito, qué le gustaría comer, vengase y sientese aqui que yo le preparo una comida bien rica, und dann macht man das Radio an und hört „steck es mir von hinten rein“ und „noche de sexo“ und “la gasolina” – aber bitte keinen Sex vor der Ehe. Meine Fresse, das ist so bigott! Como les gusta la apariencia…

In vielen Texten des Reggaetón wird die Frau als gata (Katze) bezeichnet – als wilde Katze (‘gata fiera’), als ‘felina’ (Wildkatze) oder als läufige Katze (‘gata suelta’). Diese Katze ist schön und anmutig (‘gata sandunguera’), aber auch Banditin (‘gata bandida’, ‘gata gangster’) und Wegelagerin (‘bandolera’), die den Männern auflauert und sie zu ihrer Beute macht. Dabei betrügt und hintergeht sie die Männer durchaus (‘gata traicionera’), sie ist souverän, und man kann ihr nicht trauen. Sie ist eine Teufelin im Bett (‘diabla en la cama’), sie missbraucht Männer (‘abusadora’), sie ist ein Killer (‘la killer’).” (Wikipedia) –> Hierzu fällt mir NATÜRLICH dieses Lied ein. Erinnerung, Erinnerung, Erinnerung. OMFG! ;-)))

Also musste ich mir in Erinnerung rufen, dass es auch andere Musik gibt. Und dann habe ich die nächsten Tage etwas zu viel Manu Chao gehört. Ich mag ihn sehr. Wenn ich von Deutschland die Nase voll habe, wenn es kalt ist, wenn sie alle nur konsumieren wollen, dann höre ich Manu Chao. Schöner Rhythmus, der einem die Stimmung erhellt und die Texte sind eben auch super, z.B. “Tú no tienes la culpa, mi amor, de que el mundo sea tan feo. Tú no tienes la culpa, mi amor, de tanto tiroteo.” Oder: “Me dicen el desaparecido, fantásma que nunca está. Me dicen el desagradecido, pero esa no es la verdad. Yo llevo en el cuerpo un motor, que nunca deja de rolar, yo llevo en el alma una condenda, que siempre me hecha a caminar.”

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Das 100% Mädchen

12. Februar 2010

Eines ist klar: Ich bin ein grübelnder Mensch. Der Zweifel ist mein Haustier. Das ist glasklar. Und ich bin ein Kontrollfreak. Und ich bin großartig im Einbilden und Überinterpretieren. Ich schenke nicht leicht mein Vertrauen. Aber wenn ich es verschenke, dann auf Gedei und Verderb. Ich bin innerlich Hin- und Hergerissen, ob ich auch das tue, was ich tun muss. Ich habe keine großartigen Ziele, keine jahrzenteübergreifenden Pläne. Der Moment zählt. Das Leben läuft so wie es laufen muss. Der Weg ist das Ziel. Man geht ihn nicht unbegleitet. Ich stelle Vieles in Frage. Wenn ich aber von etwas überzeugt bin, wird es zum unantastbaren Heiligtum. Ich bin schwarz oder weiß, Graustufen gibt es nicht. Ich bin perfektionistisch, aber nur im Ergebnis. Auf dem Weg dorthin schludere ich vor mich hin. Am Ende ist erstaunlicherweise immer alles gut. Trotzdem: Es gibt das 100% Mädchen nicht. Oder gibt es das 100% Mädchen?

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Geschützt: Opening the closet

17. September 2009

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Leo Leikes dieser Welt, wo seid ihr?

27. April 2009

Marie Jacqueline hatte das Vergnügen ein hervorragendes, intelligentes und Dauergrinsen hervorrufendes Buch zu lesen, das sie nur so verschlungen hat. Die Handlung klingt zwar banal, aber, wie ich schon in meinem vorherigen Eintrag schrieb, gute Gespräche sind halt einfach alles. Und in diesem Buch geht es darum, dass sich zwei Menschen über gute Gespräche (bzw. E-Mail-Verkehr) kennen lernen. Auch wird viel über die Liebe, über das Äußere und das Miteinander nachgedacht. Über zwischenmenschliche Interaktion. Ein echtes Lehrbuch für Männer und Frauen. Und bei allem Geschmachte ist es ein riesiges Vergnügen, weil so gar nicht abgehoben und irgendwie möglich.

Also, Leo Leikes dieser Welt. Wo seid ihr eigentlich alle? Lasst mich eure Emmi Rothner sein. :-)

Hier noch der Hinweis zu einer ordentlichen Rezension. Und die Frage: Ist das eigentlich ein Frauenbuch? Oder gefällt´s auch den Männern?

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Bring dein Pony mit

16. März 2009

Über diese Zeilen in einer Einladungsmail habe ich mich soeben sehr gefreut.

“Dein Partner/Partnerin/Pony ist auch eingeladen!”

Endlich mal jemand, der auf die Belange von Singles eingeht und uns nicht mehr blöd dastehen lässt, weil wir keine/n Partner/in mitbringen können. Da pack ich doch glatt mein Pony ein. Es sieht gut aus, ist charmant und ein wahrer Reiter im … äh Stall. ;-)

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Die Bedingungen des Bademantels

25. Januar 2009

“Mir ist aufgefallen, daß Frauen, die einen Bademantel tragen, diesen in bestimmten Situationen fest zuzurren, und zwar dann, wenn sie beschlossen haben, ernst zu sein oder die Liebessession zu beenden. So wie man nach der Vorstellung die Theatertüren schließt und die letzten Zuschauer hinauswirft, die ein Autogramm erbitten, das Stück verlängern oder mit der Schauspielerin im nächsten Lokal einen Kaffee trinken wollen. Diese Geste von Frauen im Bademantel heißt in etwa: “Mein/e Liebe/r, für heute Nacht ist der Laden” – ihr Körper – “geschlossen. Schluß mit der Liebe. Nun bin ich eine bekleidete Frau, das heißt, Herrin meiner selbst. Alles, was zwischen uns war, gehört der Vergangenheit an, es war sehr schön, aber es ist vorbei. Wenn du ein andermal weitermachen willst, müssen wir neu über die Bedingungen verhandeln.”

(Endlich allein!, Cristina Peri Rossi)

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