Archiv für die Kategorie ‘ganzVIELaufEINMAL’

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Buschnacht

3. Dezember 2011

eine Mannheimer Erzählung.

Motive: Mannheim, Jungbusch, Identitätskonstruktion durch Raum und soziale Praktik, Leben, Erleben, Transkulturalität, hart sein vs. sich fallen lassen, chaotische Alltagsrealitäten, elektronische Musik, Effekte von sozialen Kontexten, das boshafte unsicherheitsbasierte Coolsein junger Menschen vs. seltener Herzlichkeit, das Glück des Vorhandenseins von Drogen, selbstgesponnenes Bedeutungsgewebe.

Line, Jens und ich abends in der Jungbuschstraße. Wenn es eine Straße gibt, die für mich aufgeladen ist mit Bedeutung, dann ist es diese Straße. Was da schon alles passiert ist. Ich könnte jetzt Hausnummern aufzählen, aber ich lasse es. Mit wem ich diese Straße alles verbinde. Wieviel Teile meiner Identität mit dieser Straße zu tun haben. Denken wir für den Rest des Textes die Jungbuschstraße als Wirbelsäule meiner Identität. Jedenfalls, die herzliche Line, der schüchterne Jens und die sprudelnde M. (es sprudelt aber immer nur, wenn man es schüttelt) im C., weil da die Band unseres Vertrauens spielte (wobei einer davon überlegt aus der Musikmacherei auszusteigen und Manipulator zu werden und ein anderer davon früher ein netter Junge war und nun zur Gottwiegeilichbin-Fraktion gewechselt ist, man wundert sich jedenfalls etwas…). Ich war erstmal leicht müde, nüchtern und schüchtern, vorsichtig und gehemmt. Auf hab acht, statt bei mir selbst zu sein.

Es ist nämlich so: Ich praktiziere grundsätzlich Selbsthemmung, aber an manchen Abenden Enthemmung (die Autorin dankt dem Universum für Drogen, zum Beispiel in Form von Alkohol). Ich bin dann enthemmt, wenn ich natürlich bin und mir keine Grenzen setze. Die Grenzsetzungen, die Schwarz-Weiß-Malerei, das Ganz-oder-garnicht-Verhalten, die ich zuhauf an den Tag lege, sind begründet in unverarbeiteten transkulturellen Identitätskonflikten. Sozialisationsbedingt bin ich etwas orientierungslos, deshalb halte ich mich verbissen an Dingen fest und liebe Ausschluss und Differenzbildung. Ordnung im Geist, Psychohygiene. Weil ich in mir drin extrem unordentlich bin. Weil ich weiß, dass alles relativ ist. Chaotische Alltagsrealität. Dreck im Gesicht. Tod am Hafen. Kennen wir ja schon. An zuviel Sagrotan sollen aber auch schon Menschen zugrunde gegangen sein, meine Liebe, also lass das Chaos zu. Mit Wein zum Beispiel. Rotwein über alles. Eigentlich trinke ich im C. zur Enthemmung immer Zweigelt, heute Cabernet Sauvignon. Nicht ganz so gut. Mein Lieblingskoch ist nicht da, schade. Das C. ist nämlich auch so ein Ort. Es riecht nach Geschichte, unserer Geschichte. Es war eine Etappe unseres Lebens.

Mannheim. Da liess es sich ohne Mann aushalten, ohne ernsthafte Beziehung jedenfalls. Und während ich in den letzten Zügen meiner 20er steckte, war ich unter anderem Dienstleisterin für Akademiker – Sklaven des Impact Factors und der Drittmittelhascherei – und 20-Jährige, zu denen der Entwicklungsabstand erst kaum bemerkt wurde, um schließlich immer alarmierender ins Bewusstsein zu rücken: Unsere Kinder. Unsere Poster-Kinder, unsere ungeduldigen Druck-Kinder, unsere Studis, unsere Spätpubertierenden, unsere Party-Kinder, unsere Sich-Abchecker, unsere Kleinherdentiere, unsere Kicherer, unsere Klausurlerner, unsere Ungedulds-Kinder, unsere Erstis, unsere Kreutzer, unsere nervösen Examenskandidaten, unsere Nervensägen, unsere Heulbojen, unsere bekifft vor facebook-flackernden Bildschirmen schlafende Testosteron-Sprüher, unsere H&M-Schickeria, unsere Geheimnisvollen, unsere Unheimlichen, unsere Pornogucker, unsere Gebührendiskutierer, unsere verschämt Guckenden, unsere Kinder. Moment, ich war doch vor Kurzem auch erst so. Und trotzdem ist das Erwachsenwerden so gnadenlos, dass man sich kaum zurück versetzen oder gar erinnern kann, wie es war, bevor man älter wurde. War auch ich einmal so unfrei/unreif/unsicher?

Jedenfalls: M. Mein Engel mit Schnauze, lieb und nett, agressiv und destruktiv. Kollegin, Freundin, Verbündete. Man sagte uns gar eine Ehe nach. Nicht nur verarzteten wir gemeinsam unsere Kinder, Akademiker und Menschen-Handwerker, nein, privat ging auch eine ganze Menge. Denn wir mussten raus aus diesem akademischen Umfeld, dieser ausgedachten Welt. Und da die Kaffeepausen im sogenannten “Paradies” nicht reichten (“Currywurst mit Pommes, wea hod Körriworschd mit Bommes bestellt?”) um genug Konfrontation mit den gemeinen Mannheimern und der realen Welt abzubekommen, gingen wir nach einiger Überlegung (“wir müssen etwas tun” – “es muss etwas passieren”) und Konzeptschreiberei am sonnigen Rhein schnurstrakst in den verruchten, aber eigentlich ziemlich harmlosen Stadtteil Jungbusch und lernten dort Musiker, Künstler, Türken, Mystiker, Alkoholiker, 68er, Hipster, schräge Typen, interessante Menschen und Mannheimer Originale kennen. Immer mit Frau Gentri F. Izierung im Nacken, dieser blöden Sau. Soviel jedenfalls in aller Kürze zu diesem Ort und meinem/unserem Platz darin.

Die Line lebt im Jungle. Und der Lieblingskoch auch. Und der Journalist auch. Und der schüchterne Jens lebte mit der Line und vier anderen, aber diese WG wird auch ständig neu konstruiert. Jedenfalls saßen wir gestern Abend am Katzentisch. Das ist der Tisch, an dem die Musiker immer sitzen, lauschten der Musik und ich schaute dabei auf die Oberarme des lustigen Schlagzeugers (“ihr sitzt ja immer noch da, bin ich nicht laut genug?”). Oberarme sind beim Mann das was bei der Frau der Ausschnitt ist. Lecker. Aber ich war ja noch gehemmt. Also verbot ich mir meinen sofortig einsetzenden mentalen Durchfall, der mich mit dem Körper des Schlagzeugers in Verbindung brachte, um das mal ganz diplomatisch zu sagen. Schöne Oberarme, schöne Hände. Die Hände sind beim Mann das, was bei der Frau die Brüste sind.

Das Publikum war sehr jung und wir kannten während des ersten Sets kaum jemanden. Was seltam selten ist. Während des zweiten Sets war das schon anders. Und als dann fertig war und wir gingen, standen ein paar Posterkinder vor der Tür. Die Posterkinder kommen auch manchmal in den Jungle. Mich irritiert das immer ein wenig, weil ich dann die Grenzen schließen muss, wobei der Zweigelt und ich doch erst gerade ein Schengener-Abkommen zur Öffnung geschlossen hatten.  Also schnell weg, zumal Mr. Whisky da auch herum stand. Ein langfristiges Alkohlproblem von mir. Höchste Zeit zu gehen… aber nicht ohne noch die obligatorischen Komplimente für mein Fahrrad mitzunehmen. Ich bekomme von Männern immer Komplimente für mein Fahrrad.

Während ich noch leicht im Post-Whisky-Zustand war (hätte ich bleiben sollen, hätte ich ein Gespräch anfangen sollen, meine übliche Reaktion), gingen wir weiter ins O. Dort unverhofft gute elektronische Musik. Ahhh, elektronische Musik, my love. Das und drei Moscow-Mules waren eine hervorragende Ablenkung. Ich habe es bisher noch nie erlebt, dass im O. getanzt wurde. Aber gestern tanzten eine erlesene handvoll Menschen mit gutem Geschmack zu guter Musik. Ich stehe gerade sehr auf diesen organischen, wabernden Elektro mit afrikanischen oder lateinamerikanischen Ryhthmen drin. Sogar Jens hat getanzt. Es macht Spaß zu sehen, wie die Nicht-Enthemmten etwas auf die Enthemmten neidisch sind. Was man sich dort auch schön anschauen konnte, ist wie sozial anstrengend doch Menschen mit unausgegorener Persönlichkeit sind. Die sind nämlich nicht echt, teilweise boshaft und verhalten sich ausgrenzend-abweisend. Damit meine ich diese ganze Grüßen oder Nicht-Grüßen-Geschichte. Das Sich-Anerkennen oder das Ignorieren. Das verstehe ich nicht. Entweder ich kenne einen Menschen und grüße ihn (man kann das durchaus knapp halten) oder ich kenne jemanden nicht. Seltsames Gehabe. Da lobe ich mir die Herzlichkeit der Line, was ich ihr auch gleich gesagt habe. Und sie meinte, das gehe für sie gar nicht anders. Nur das sei es wert, gelebt zu werden. Sie hat ja so recht! Der neue türkische Besitzer des Ladens schaute sich in dieser ganzen Zeit vom Tresen aus diese partisierende Menschenmischung mit Sorge und Verwunderung an und bat den DJ dann irgendwann leiser zu machen.

Man trifft natürlich doch wieder ein paar der üblichen Verdächtigen. Da ich mittlerweile auf funktionale Weise enthemmt war, lief es auch mit dem Anlabern ganz gut. Einen Drink ausgegeben bekommen. Den Namen des DJs erfahren (schön). Ein wenig geflirtet. Mir krasse Sachen habe sagen lassen (von einem mit ähnlichem Vibrationshintergrund): Ok gut, ich mit meinen harten Prinzipien. Mehr Chaos zulassen. Gut. Nichts planen. Gut. Ok. Wabern. Ok. Ok. Ok. Ich versuche es ja. Meinen Marktverkäufer getroffen und den Jungen von der Fahrradparade. Dieses sich beim Weggehen nahe am Gesicht unterhalten, mag ich außerordentlich gerne. Es ist so intim, man ist sich plötzlich so nahe. Kurz realisiert, dass ich scheinbar anziehend sein kann. Das tut gut. Ich mochte den Abend dann doch noch sehr.

Statt in die D2, wo alle noch hinwollten, sind wir dann beim Türken gelandet und haben um 4 Uhr nachts lecker gegessen. Lammspieße. Nach dem Feiern noch etwas zu essen ist auch wie so ein Ritual. Ich will das nicht verlieren, nur weil ich bald 30 bin. Ich will weiter gute Musik hören, mich mit Freunden gehen lassen, tanzen und Gespräche nahe am Ohr führen. Genau das ist Glück. Wenn Dinge passieren, an die man nicht gedacht hatte. Wenn Dinge anders kommen, als man sie sich ausmalt. Wenn man es schafft, es sich gar nicht mehr auszumalen. Keinen Plan haben, oder nur einen groben. Das Leben sich entwickeln lassen. Hatte ich diese Erkenntnis nicht schon einmal? Nichts kaputtzubewerten oder kaputtzufantasieren. Wie schaffe ich es mich dauerhaft zu befreien? Ich bin auf dem Weg… Italian state of mind. Mehr Rotwein!

Nach Hause gekommen, glücklich gewesen und nur leicht angetrunken. An diesen Abenden ist meine Zuneigung zu Mannheim unheimlich groß. Die neue Freiheit liegt darin, trotzdem loslassen zu können, ohne dass es schmerzt. Ich will gehen, ohne dass es schmerzt. Sich nicht an Erinnerungen festhalten, sondern den Moment richtig er/leben.

— Zugabe 1 —

“Wir sollten unsere Aufmerksamkeit nicht nur auf die Beobachtung unseres Gegenstandes richten, sondern auch auf die Art und Weise der Beobachtung unseres Gegenstandes.” – A. Pott: Identität und Raum, in: Kulturelle Geografien, 2007.

— Zugabe 2 —

Sie suchten nach Bildern zu “Buschnacht”.

Leider keine Treffer.

Meinten Sie “beechnut”?

Nein, *seuftz*, meinte ich nicht!

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Der alltägliche Wahnsinn / Stadt / Interaktion

16. November 2011

Seit drei Jahren die halbbewusste Strategie: Flucht / Bewegung / Interaktion.

Meine Mutter sagt: Ich unternehme zu viel.

Ein Freund sagt: Du hast immer nur Zeitfenster für mich.

Eine Freundin sagt: Du bist ja nie zu Hause.

Also, ihr Lieben: Ich verbringe mindestens 10 Std. pro Tag zu Hause, eher 12. Klingt schon mal gut. Ist aber vermutlich wenig, im Vergleich mit dem Durchschnitt. Gut, wenn ich also nicht zu Hause bin, ist es sehr wahrscheinlich, dass ich in Mannheim unterwegs bin (auf irgendwelchen Kulturveranstaltungen, in irgendwelchen Cafès/Kneipen/Lokalen, auf einer meiner Arbeit(en)). Da ich mich gewissen Technologien verweigere, kann man leider zum Glück nicht sehen, wo genau gerade, aber – um das mal zu spezifizieren und ein bisschen Humangeografie zu betreiben – könnte ich eine Karte anlegen. Ich überlege das schon länger, bin aber unentschlossen in Sachen Datenschutz / Privatsphäre. Nicht nur meine, sondern auch die meiner Freunde und überhaupt, was bezwecke ich denn damit? Genauer gesagt: Ego, was bezweckst du damit? Stalkerei? Identitätskonstruktion über Verortung? Guck mal wie geil/toll/alternativ/intellektuell/schräg ich bin und wo ich mich überall herumtreibe? Belassen wir es vorerst bei der Aussage: Ich bin zumeist in Mannheim unterwegs und auf dem Handy erreichbar.

Ich gebe zu, ein gewisser Zwang ist schon dabei. Ich fühle mich unruhig zu Hause, weil es dort kaum Interaktionspotential gibt. Klar, der sympathische Mitbewohner, die Telefonanrufe von Freunden, das Laptop als Tor zur Bitwelt (ganz zu schweigen von dem grummelnden Kühlschrank, aber “dem seine” Nachrichten konnte ich bisher nicht dekodieren)… aber eben deutlich weniger atomare/physische Serendipität. Deswegen gehe ich raus und bewege mich im Stadtraum. Vielleicht ist jedoch die eingebildete Interaktionsmöglichkeit dort viel geringer, als ich impliziere. Gehen wir nicht immer wieder an Orte, die wir schon kennen? Treffen wir aufgrund des Lebensstils nicht immer wieder auf Leute, die wir schon kennen? Ich habe den Eindruck, ich bewege mich in Mustern und die Stadt existiert als dreidimensionale (?) Matrix für mich ganz anders als für andere. Aber sie überschneidet sich (manchmal).

Die Idee ist, mehr an Orte zu gehen, die ich noch nicht kenne. Die Idee ist, zu erfahren, wie andere Menschen leben. Die Idee ist, der Versuch einer ganzheitlichen Erfassung: Was ist Mannheim? Um der “absoluten Wahrheit” ein Stückchen näher zu kommen, wobei mein Instrument (Körper/Geist) durch und durch von immanenter Subjektivität geprägt ist. Kann ich trotzdem, zumindest versuchen, die Stadt (als “soziales Totalphänomen”, als “kulturelles Projekt”, als “mehrschichtiges, komplexes kulturelles System”) ehrlicher zu erfassen? Versuch es! Aufgeben, so ein Freund, sei grundsätzlich keine Option.

Vielleicht ist es aber nur die Flucht vor oder die Verdrängung der Erkenntnis, dass jeder von uns alleine ist. Herrje, ich wiederhole mich, nicht wahr? Naja. Man könnte auch sagen, ich konstruiere Realität. :-)

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Eine Art Liste

17. September 2011

1. bold

= dreist, frech, gewagt, keck, klobig, kühn, mutig, schroff, schwungvoll, steil abfallend, verwegen, wagemutig

Kann vieles sein: anziehend, auch männlich, aber männlich auf eine dumme, grobe, unbedachte Art, oder auf eine nette Art, einfach mal sich hingeben und machen oder mit Antigonés Worten: “Ich mag nicht Liebe, die mit Worten liebt”. Taten!!! Und die Erkenntnis: Worte können so viel bedeuten. Je nachdem… :-)

2. there might be a problem

There might be a problem with the sun
Oh because my eyes can’t see, why you don’t like me…
And I know… that is not that moon/mood there ….
Won’t let me see… when you …. oh you…
Oh, there might be a problem with the sun.

3. Schuhmacher

Leute, bringt mehr Schuhe zum Schuhmacher. Denn es ist gut, kaputte Sachen reparieren zu lassen und nicht gleich wegzuschmeißen und mit etwas Neuem zu ersetzen. Und mit unverschämt viel Glück macht man eine interessante Bekanntschaft. Beim Schuhmacher! Wie geil ist das denn!?!

4. Zeichen / Symbole / Semiotik

Ich möchte mehr wissen/verstehen über Semiotik/Symbole/Hermeneutik/Sinnprozesse. Ben hat versprochen es mir zu erklären. Ich hatte es bereits zu einem früheren Zeitpunkt einmal grob verstanden. Hoffentlich gelingt es ihm, die zugewachsenen Autobahnen wieder etwas von dem lila Unkraut frei zu machen.

5. Ich habe niemals die FDP gewählt… :-)

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REAL

23. Februar 2011

Vor einigen Jahren gab es doch diese Zigarettenwerbung “Für mehr echte Freunde”… oder so. Zigaretten hin oder her, es ist scheißwahr (um mal ein wenig jugendlichen Slang hier einzuführen). Ich weiß, ich müsste das eigentlich genauer ausführen und konsequenter begründen, aber ich bin im Herzen eine Dilettantin und meine Begründung heißt Bauch/Herz/Kopf-Gefühl. Ich bin selten wissenschaftlich drauf, viel ist bei mir emotionale Intelligenz und ich höre darauf und bin oft gut damit gefahren. Deshalb meine Gedanken/Gefühle in Stichworten:

  • Netzwerke machen mein Leben nicht schöner. Lose Kontakte machen mein Leben nicht bedeutsamer.
  • Ich will ECHTE und EHRLICHE Gefühle. ECHTE, nicht auf oberflächlichen Interessen basierende “Beziehungen”: Bei meinen Freunden, bei meiner Arbeit, in meinem Leben. Nur echte und tiefe Gefühle, nur ernste und spirituelle (das Adjektiv gefällt mir nicht ganz, aber ich weiß nicht wie ich es anders sagen soll) Menschen – die wissen das Oberflächlichkeit langfristig nicht glücklich macht – können mich inspirieren. Ich möchte mehr mit diesen Menschen zu tun haben. Ich möchte ihnen begegnen, ich möchte sie erkennen, ich möchte mich mit ihnen umgeben und mich mit ihnen austauschen. Alle anderen toleriere ich (ich kann leider nicht respektieren sagen, aber tolerieren, auch das ist ehrlich), ich möchte aber nicht viel mit ihnen zu tun haben.
  • Echter Austausch, echte Kommunikation, das ist es doch! Why use Facebook, when you´ve got real life?
  • Freundschaft ist selbstlos. Ohne Zweck. Ohne Interesse. Ohne “social graph”. Echte Freunde rufen an. Echte Freunde treffen sich mit dir. Echte Freunde investieren Zeit. Echte Freunde sind an dir als Mensch interessiert. Auch im Elend. Nicht an dir als…. Objekt? Sozialkapital? Erhöhung der Anzahl der “Freunde”?
  • Ich rede hier die ganze Zeit von Freunden, aber eigentlich möchte ich mit diesen Leuten auch zusammenarbeiten (und man muss nicht zwangsläufig auch befreundet sein). Aber schwer ist es: Schließlich kann man sich seine Arbeitskollegen nicht immer aussuchen. Ehrliche Menschen! Menschen mit Werten. Das ist es doch! Es geht nur darum, sie kennen zu lernen, zu erkennen und zu begeistern.
  • Erkenntnis: Man verpasst nichts. Es gibt nämlich auch gar nichts zu verpassen. Alles was dir dienlich ist, im Leben, passiert. Aua. Das Leben hat seine Wege. Wirklich. :-)

So und jetzt muss ich in einem Katalog was über eine Ausstellung lesen, auf der ich heute im Mannheimer Kunstverein war. Die Auflösung der Ökonomie. Weil das beschäftigt mich sonst so sehr, dass ich nicht einschlafen kann. Und es hat was mit dem oben beschriebenen zu tun. Immer hat alles mit allem zu tun. Wirklich. :-)

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Gespräche, Gedanken, Interpretationen

19. Januar 2011

Ihr kennt das ja, in meinem Kopf wuseln immer mehrere Gedanken herum:

  • Es gibt keine Zeichen. Frauen? Meiner Familie? Also, genauer gesagt: Meine Mutter und ich tendieren dazu in allem Zeichen zu sehen. Dies impliziert, dass es jemanden gibt, der all das hier ordnet / plant und dann hin und wieder zur Besänftigung, weil er sich sonst so wenig blicken lässt, ein paar dubiose Zeichen in der Welt hinterlässt, die man dann wahrnimmt und wohlwollend interpretiert, weil es dem Ganzen einen vermuteten Sinn gibt. Ein alter Freund sagte mir dann gestern, es gäbe keine Zeichen. Ich glaube er hat recht und ich bin ihm dankbar, dass er direkt und ehrlich zu mir ist.  Alles ist Zeichen, wenn man es zu einem Zeichen macht. Im Kopf. Casa de los espiritus. Daraus: Vengo a sacarlo de aquí. – ¿Por qué? – Porque Blanca me lo pidió. – Váyase al carajo. – Bueno, para allá vamos. Usted viene conmigo.
  • Gespräche sind das Kostbarste wo gibt. Mein Lebenselexir. Nach einem guten Gespräch fühle ich mich wohl und besänftigt. Weil ich mich i.d.R. danach weniger seltsam fühle. Man hat sich ausgetauscht. Dieser Austausch ist wichtiger als der von Körperflüßigkeiten. Lasst euch das gesagt sein, ihr Jugendlichen.  “Was ist herrlicher als Gold?”, fragte der König. “Das Licht”, antwortete die Schlange. “Was ist erquicklicher als Licht?”, fragte jener. “Das Gespräch”, antwortete diese. (Johann Wolfgang von Goethe)
  • Menschen, umarmt eure Single-Freunde. Sie haben deutlich weniger Körperkontakt als die Menschen mit Beziehungen. Also tut ihnen einen Gefallen und herzt sie. Da werden irgendwelche guten Hormone ausgeschüttet und dem Stress entgegen gewirkt.
  • Bloggen, Zeit, Publikum, Gedanken: Ganz viel mit dem Kopf nicken muss ich bei Frau Schrupps Beitrag Ich schreibe nicht für euch! So spricht sie mir aus dem Herzen, wenn sie sagt: “Leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, auch meine Gedanken nach verschiedenen Projekten auseinanderzudividieren, die gehen einfach durcheinander.” Das Ergebnis dieser Tatsache sieht man ja auch bei mir. Und sie bloggt, “damit ich nicht vergesse, was ich mal gedacht habe und was mir wichtig ist.” Auch dem muss ich zustimmen. Und der folgende Satz affiziert mich ebenso: “Einen Gedanken nicht nur im Kopf zu haben, sondern ihn zu verschriftlichen, zwingt nämlich dazu, ihn ordentlich zu denken.” Deshalb musste ich während des Verfassens meiner Masterarbeit auch dringend bloggen, um nämlich im Kopf zu ordnen.
  • Vegetarier: Lesenswerte Besprechung  des Foer´schen Vegetarismus-Buchs von einem New Yoker Gleichgesinnten, den ich gerne wegen seiner humorvollen amerikanischen Art lese. Daraus der Satz: “Foer never examines the implications of a vegetarian food system.” Der großflächige Sojaanbau ist nämlich durchaus auch beklagenswert, liebe Vegetarier. Und ich mag die Bezeichnung “ethical meat eaters”.
  • Ich höre / listening to / escuchando: Clown and Sunset, a small label by Nicolas Jaar (New York City / Chile). Und ich klicke jetzt nicht auf einen Knopf und sage Like. Sondern ich nehme mir die Zeit und beschreibe es: Für mich ist diese Musik transkulturell und verursacht Resonanzen, weil sie meine inneren Sinnstrukturen in Bewegung setzt. Weil ich elektronische Musik mag und schon mit 17 meine Frankfurter Erfahrungen gemacht habe. Weil ich ein paar lateinamerikanische Erfahrungen habe. Weil das großartige “bandido del amor“… ok: too personal. Alles klar? Und ihr Einfältigen sagt Like. Hahaha! Versteht ihr, dass qualitative Information verloren geht zwischen dem was ich soeben beschrieben habe und dem Klicken eines Like-Knopfes? Das ist es, was ich nicht (mehr) mag.
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Allerlei

14. Januar 2011
  • Bohemian lifestyle down: Freitag Abend alleine zu Hause. Das ist wirklich schwierig für mich und kam in den letzten anderthalb Jahren seltenst vor. Ich fühle mich komisch dabei. Zuhause trifft man eben keine Menschen. Da ich mir jedoch vorgenommen habe, weniger Stress zu haben, bin ich heute Abend zu Hause, ohne zu duschen, zu schlafen, zu essen oder Klamotten zu waschen. Vielleicht lese ich nachher sogar noch ein Buch. Wow! Außerdem war ich den Rest der Woche nicht zu Hause. Also: C´mon, Marie Jacqueline, everybody is doing it, so why can´t we? Alla hopp!
  • Apropos Allah: Beten ist nicht nur in der Badwanne, sondern auch direkt vor dem Bahnhof möglich. Wie heute bei einem Muslim gesehen, der vor dem Mannheimer Bahnhof in einer Bushaltestelle sein Gebet verrichtete. Dazu legte er seine Jacke auf den Boden und los ging´s. Allahu akbar!
  • Bohemian lifestyle up: In Italien bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich unbedingt mehr trinken muss. Um die Grübelei abzustellen, um das Leben leichter zu nehmen. Sicherlich nicht nur durch Rotwein, aber der ist eine gute Begleitung dazu. Also bisher jeden zweiten Abend ein Viertel Rotwein getrunken. Syrah!!!
  • Komplexe Kohlehydrate in Nudeln, dass ich nicht lache. Damit wirbt MoschMosch (auch in Heidelberg) für eine ihrer Suppen. Ich habe – krass! – seit fast zwei Jahren zum ersten Mal wieder ein wenig Nudeln gegessen. Es war… schon lecker, aber gar nicht mal so geil. Fleisch ist halt mein Gemüse und Gemüse war, ist und bleibt auch mein Gemüse. ;-) In Deutschland haben Kellner keine Ahnung (ich bat ihn natürlich, es mir zu erklären), sehen aber dafür gut aus. Seit neuestem probiere ich es aus, länger in die Augen zu sehen. Das halten die meisten Männer interessanterweise nicht lange durch und gucken oft zuerst weg. :-D
  • Ein lustiges Baby: Im Allgemeinen bin ich ja eine verhaltene Babyfreundin. Ich will durchaus Kinder haben, muss mich aber noch mit der Vorstellung anfreunden, dass da 9 Monate so ein kleines Alien in mir drin sitzt. Ein Insasse sozusagen, der meinen Körper nutzt und mich dazu zwingt meinen Bohemian lifestyle anzupassen. Also gut, ich muss das wirklich nochmal anders betrachten. Jedenfalls habe ich heute ein sehr lustiges, 6 Monate altes, halb asiatisches Baby kennen gelernt, das sowas von fit war, so energiegeladen, so neugierig in die Welt geguckt hat, so viel gebrabbelt und so viel gelächelt hat, dass ich aus dem Staunen nicht mehr heraus kam.
  • Endlich wieder schlafen: Da es sowieso fast nie so kommt, wie ich es mir ausmale, konnte ich heute Nacht zum ersten Mal seit anderthalb Wochen wieder ordentlich durchschlafen. Mein Gehirn ist so unglaublich mächtig. Schön wäre es, wenn ich damit wirklich etwas bewegen könnte. Zum Beispiel durch positive Autosuggestion. Und nicht immer nur Selbstzweifel, Grübelei, konstante Interpretation der Umwelt, Fantasie, Traumwelten, Bedeutungskonstruktion. Nur wahrnehmen, sagen die Yogis, nicht bewerten.
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Kurz vermerkt und ;-)

17. Dezember 2010
  • Leute, es läuft. Go with the flow! Meine Damen und Herrn, ergießen sie sich einfach!
  • Hier auf der Arbeit ist gerade wieder einer, der vor seinem Facebook eingeschlafen ist. Wie herrlich ist das bitteschön? Meine Kollegin meint, der sei sowieso total stoned. Armer Junge.
  • Gestern ist jemand an einem Kollegen vorbeigelaufen, hat sich umgedreht, ist wieder zurück gelaufen und hat gesagt: “Jedes Mal wenn ich Sie sehe, könnte ich kotzen.” Da fällt selbst mir, ehrlich gesagt, nichts mehr zu ein!
  • Mein Fahrrad steht derzeit zu Hause. Habe meiner Mutter  (nach zwei Stürzen innerhalb der letzten verschneiten Wochen) feierlich versprochen unter 2 Grad nicht mehr zu fahren. (Man dürfe seinen Schutzengel nicht so herausfordern, so die Mutter). Trotzdem das entdeckt, gefreut und zumindest mental Fahrrad gefahren.
  • Silvester scheint vielversprechend zu werden. Das ist auch gut so, weil Weihnachten ungemütlich wird.
  • Ich fahre in der ersten Januarwoche nach Mailand! Yippie, yippie, yeah! :-D

Over and out. Sort of. Muss nur noch das Fazit schreiben. :-)

Und dazu die ganze Zeit in meinem Kopf die folgenden Zeilen:

Tu no puedes comprar el viento,
tu no puedes comprar el sol.
Tu no puedes comprar la lluvia,
tu no puedes comprar el calor.
Tu no puedes comprar las nubes,
Tu no puedes comprar los colores.
Tu no puedes comprar mi alegría,
tu no puedes comprar mis dolores.

(Latinoamerica – Calle 13)

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Stuttgart, Mannheim, Freiburg, Katzen und Hunde.

2. Dezember 2010
  • Sonntag früh in Stuttgart: Man wird von einem Englisch sprechenden, offensichtlich hochgradig erkältetem Mann angelabert, der sein Herkunftsland für ein veraltetes Konzept hält (“ya know, ah don´t believe in cantries”) und wissen möchte, wo die Jugendherberge ist, was ich ihm seelenruhig und in aller Ausführlichkeit erkläre (und was – lucky guy – eines der wenigen Dinge ist, die ich über Stuttgart weiß, neben Hügel, Schwaben, Autos und das Alter, man will sie auf 21 operieren, aber in Wahrheit ist sie eine MILF). Dabei steckt man sich an. Mist! Statt wegzulaufen und zu schreien: Geh mit deinen Bakterien doch wo anders hin!
  • Montag Abend in Mannheim: Man fällt auf Körperteile, die dieses Jahr bereits aufgrund eines anderen Sturzes mehrmals geröntgt und MRTet wurden. Dem Orthopäden passt das nicht, mir auch nicht. Und nur, weil so ein Arsch mir vor´s Fahrrad läuft. Statt in ihn reinzufahren (wie es jeder vernünftige Mensch getan hätte), habe ich gebremst und falle – NATÜRLICH – auf mein Kreuzbein. Das ist mal wieder am Arsch. (Wobei, es ist eigentlich grundsätzlich am Arsch ;-D ) Wisst ihr eigentlich, wie wichtig dieses Teil ist? Man braucht es in jeglicher Hinsicht. Z.B. auch beim Niesen und Husten! Nicht zu verwechseln mit dem Kreuzband. Sagte doch beim letzten Mal einer zu mir: Gute Besserung für dein Knie. Laie!
  • Mittwoch Abend in Freiburg, laut niesend und mit kleinen Schritten gehend: Natürlich muss ich immer an Tocotronic denken. Allein schon, wenn man aus dem Bahnhof heraus kommt und den Leuten begegnet. Alternative linke Socken everywhere. Da gibt es die 68er, die sich niemals die Haare färben würden und deshalb gut an weiß-gräulichen Strubbelmähnen und einer gewissen Nachlässigkeit in der Kleidung  zu erkennen sind. Wichtig auch, bei den Frauen, es muss möglichst alles so weit sein, dass die Figur umweht wird und nicht erraten werden kann, wie das evtl. ohne aussehen könnte. Dann gibt es die Studenten, die in teurer Outdoorkleidung stecken. Die jungen Männer haben Bärte, die jungen Frauen lange, nachlässig hochgesteckte Haare. Alle sind sie hübsch, alle sind sie sexy, alle sind sie gewappnet für die Unwägbarkeiten der Natur. Und die Kinder der Touristen fallen in das sämtliche Straßen der Stadt durchziehende Bächlein und fangen an zu weinen. Ich bin alleine, und ich weiß es, und ich find es sogar cool. Und ihr demonstriert Verbrüderung.

Die Schwester einer guten Freundin, que la conocí allá, hat mal in Freiburg studiert und brachte zur Geburtstagsparty ihrer Schwester (in Stuttgart) eine CD mit Reggaeton-Liedern mit (der Tanz dazu heißt “perreo” von Hund und impliziert auch die Stellung, aber sehen Sie selbst – hierzu braucht man sein Kreuzbein übrigens auch!). Man kann da schon zu tanzen. Aber wenn man die Texte versteht, dann vergeht einem ein wenig die Lust dazu. Das ist quasi Hörporno. Típico, típico, típico latinoamericano. Immer schön christlich, schön getrennt, Frauen hier, Männer da, no se le acerque demasiado, mija… a ver, papito, qué le gustaría comer, vengase y sientese aqui que yo le preparo una comida bien rica, und dann macht man das Radio an und hört „steck es mir von hinten rein“ und „noche de sexo“ und “la gasolina” – aber bitte keinen Sex vor der Ehe. Meine Fresse, das ist so bigott! Como les gusta la apariencia…

In vielen Texten des Reggaetón wird die Frau als gata (Katze) bezeichnet – als wilde Katze (‘gata fiera’), als ‘felina’ (Wildkatze) oder als läufige Katze (‘gata suelta’). Diese Katze ist schön und anmutig (‘gata sandunguera’), aber auch Banditin (‘gata bandida’, ‘gata gangster’) und Wegelagerin (‘bandolera’), die den Männern auflauert und sie zu ihrer Beute macht. Dabei betrügt und hintergeht sie die Männer durchaus (‘gata traicionera’), sie ist souverän, und man kann ihr nicht trauen. Sie ist eine Teufelin im Bett (‘diabla en la cama’), sie missbraucht Männer (‘abusadora’), sie ist ein Killer (‘la killer’).” (Wikipedia) –> Hierzu fällt mir NATÜRLICH dieses Lied ein. Erinnerung, Erinnerung, Erinnerung. OMFG! ;-)))

Also musste ich mir in Erinnerung rufen, dass es auch andere Musik gibt. Und dann habe ich die nächsten Tage etwas zu viel Manu Chao gehört. Ich mag ihn sehr. Wenn ich von Deutschland die Nase voll habe, wenn es kalt ist, wenn sie alle nur konsumieren wollen, dann höre ich Manu Chao. Schöner Rhythmus, der einem die Stimmung erhellt und die Texte sind eben auch super, z.B. “Tú no tienes la culpa, mi amor, de que el mundo sea tan feo. Tú no tienes la culpa, mi amor, de tanto tiroteo.” Oder: “Me dicen el desaparecido, fantásma que nunca está. Me dicen el desagradecido, pero esa no es la verdad. Yo llevo en el cuerpo un motor, que nunca deja de rolar, yo llevo en el alma una condenda, que siempre me hecha a caminar.”

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Sozial konstruiert

10. November 2010

Hilfe! Ich habe Unglaubliches zu verkünden: Wirklichkeit ist sozial konstruiert. Und für jeden anders. Identität ist auch sozial konstruiert! Nicht, dass ich mir dies ausgedacht oder entdeckt habe, aber ich habe es verstanden, mir somit einverleibt und es somit für mich persönlich entdeckt.

Zwischen der konstruierten Wirklichkeit mit unseren konstruierten Identitäten wandeln wir Hanseln, die versuchen miteinander zu kommunizieren. Welch Kasperletheater! Wie Seifenblasen, die aneinanderstoßen und zerplatzen. Das muss ja daneben gehen, wenn meine Wirklichkeit nicht deine ist und meine Identität nur auf Geschichten basiert, die womöglich auch noch schlecht erinnert bzw. von anderen Leuten fälschlich aufgeschrieben und somit wiederum konstruiert wurden. Und: Ich kann mich und meine Realität nur durch das Aufwachsen und Interagieren mit anderen Menschen konstruieren. Alleine geht es also nicht. Trotzdem: Wir sind in Gemeinschaft alleine. Meine Realität kannst du niemals so erleben, so sehen, so nachvollziehen wie ich. Tief in mir drin, der Kern meines Konstrukts, den kenne nur ich. Wenn man sich selbst überhaupt bewusst kennen kann. Oder muss man sich selbst auch erstmal erkennen um sich zu kennen? Zumal sich der menschliche Zustand ja auch ständig ändert. Also sich quasi permanent auseinanderpflücken? Fragen nach: Motivation. Antrieb. Lebenswille. Sinn.

Wenn ich mich also konstruiere: Was BIN ich dann eigentlich? Wieso können wir nicht einfach nur SEIN? Wäre das langweilig? Essen, schlafen, überleben, wachsen… Etwas für niedere Wesen? Wir – die tollen, klugen, intelligenten – wir basteln uns eine zusätzliche Dimension, die da heißt Sinn durch Interaktion, Erfindung und Spinnerei.

Liebe Leute, ich bin verwirrt. All der Ärger mit den Männern, mit der Arbeit, mit der Selbstfindung und -verwirklichung nur, weil ich meinen Molekülen einen Sinn geben will/muss? Der von anderen nur ansatzweise nachvollzogen werden kann, wenn sie ähnlich sozialisiert wurden wie ich und somit meine Sinnstrukturen nachkonstruieren können? Welch gewaltige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für das Gehirn!

Wenn ich mich und meine Realität konstruiere, kann ich sie dann auch dekonstruieren? Und wenn ja: Wie geht das? Indem man sich auf Facebook umbringt? Womöglich ein erster Schritt. Den gestrickten Schal wieder auftrennen und mit einer anderen Wolle und einem anderen Muster weiterstricken. So in der Art?

Ich finde also jemanden anziehend, ich bin also mit jemandem befreundet, ich interagiere also, weil ich nach ähnlichen Sinnstrukturen und Verständnis suche? Die tiefe Sehnsucht zu Verstehen und Verstanden zu werden. TEILEN? Da ist es schon wieder das verdammte Wort!

Ok. Nun gut. Alla hopp. Meinetwegen. Dann ist es eben so.

Aber ein bisschen wundern darüber, darf man sich schon.

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all of this is true

25. September 2010
  • Morgen wählt Venezuela. Sozialismus des 21. Jahrhunderts? No, Señor! Más bien Diktatur des 20. Jahrhunderts!
  • Ich hinterfrage Schönheit, weil ich mich lange Zeit selbst nicht schön gefühlt habe.
  • Ich hinterfrage Beziehungen, weil ich weiß, dass viele davon scheitern.
  • Ich hinterfrage meine Aktivitäten, weil ich glaube, dass ich meine Kräfte und mein Können nicht für etwas einsetze, bei dem ich mit ganzen Herzen dahinter stehe.
  • Ich hinterfrage Freundschaften, wenn sie nicht auf gegenseitiger Zuwendung basieren und Schmerzen aushalten.
  • Ernährung, Erholung/Schlaf und Bewegung sind die drei Säulen der Gesundheit.
  • Meine Schwester und mein Bruder sind anders als ich, aber ich liebe sie deshalb nicht weniger. Meine Schwester denkt, sie kriegt in Wien keinen Job. Mein Schwester sagt, ich soll mich nicht ausbreiten. Mein Bruder hat Angst sich in der Antarktis eine Depression zu holen. Meinem Bruder sind Labore mit Tageslicht wichtig. Ich denke, sie haben recht. Aber Antarktis wäre schon echt cool. ;-) Und es gibt auch bedürftige Österreicher.
  • Musik ist etwas Großartiges. Der einzige Kanal zur Seele.
  • Ich will schreiben. Achwas, ich schreibe!
  • Ich sehne mich nach echter Liebe. Aber ich übe mich in Geduld.
  • Ich will ehrlich sein und nichts vorspielen, was ich nicht bin. Ich will das sein dürfen, was ich bin. Aber ich muss vorsichtig sein, sonst vergraule ich die Menschen. Naja, die Mutigen lassen sich nicht so einfach vergraulen.
  • Hedonistische Menschen sind mittel- und langfristig nicht interessant.
  • Ich werde fliegen. Mit Drogen oder ohne.
  • Ich lese alte Texte von mir und bin überrascht. Positiv überrascht.

Take it easy, my brother Charles, take it easy, meu irmão de cor.

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