Archiv für die Kategorie ‘Grübeleien’

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Sich ertappen

6. April 2011

Ich ertappe mich dabei, Dinge zu sagen, Dinge zu tun, die ich so gar nicht intendiert habe. Hinterher sind sie dann passiert und ich kann es kaum fassen, ärgere / schäme mich, bis ich zu dem Punkt komme, es sein zu lassen, weil es die Dinge ja doch nicht ungeschehen oder ungesagt macht und weil sich ärgern / schämen keine Zustandsänderung der Vergangenheit bewirkt, ich kann höchtstens versuchen in der Gegenwart anders zu sein, wobei diese Dinge ja einfach aus “mir” raus kamen / kommen / kommen werden und ich nicht weiß, inwiefern und ob “ich” da tatsächlich Einflussmöglichkeiten gehabt hätte / habe / haben werde.

Ich weiß auch nicht, wie die anderen es aufgefasst haben. Insofern hilft monoperspektivische Pseudoanalyse nichts.

Also lasse ich es sein.

Das tut gut.

:-)

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alles offen

25. Februar 2011

Meine Generation (wie so oft: nicht alle, aber viele davon) tendiert ja hin zur andauernden Zwischenlösung (aka. “perpetual beta”), offenen Zuständen, unsicheren und prekären Arbeitsverträgen, extremer Flexibilität, Mobilität und Ungebundenheit. Beziehungen werden schnell geknüpft und schnell gelöst, Verbindlichkeit nimmt ab und definiert sich komischerweise eher durch die Geschwindigkeit der Reaktion, als über den Inhalt der Reaktion.

Mich kotzt das hochgradig an und ich stelle es in Frage. An manchen Tagen mehr, an manchen weniger. Grundsätzlich bin ich keine Sicherheitsfanatikerin und Flexibilität ist für mich eine positive Lebenseinstellung. Nur hört der Punkt da auf, wo meine Flexibilität ausgenutzt wird. Und zwar von Menschen, bei denen alles SICHER ist, und deren Sicherheit nur deshalb funktioniert, weil ich und die anderen flexibel sind, weil andere weniger haben müssen, damit sie mehr haben und gut leben können. Ich vermisse in den beiden Generationen über mir und in der noch eines darüber (also die in den 70ern, 60ern und 50ern Geborenen) die Berufung, jüngeren Generationen den Weg zu ebnen, junge Menschen zu unterstützen, zu fördern. Hauptsache der eigene Arbeitsplatz, das eigene Umfeld ist gesichert. Ich und die meinen: Uns muss es gut gehen. Und so reagieren wir Jungen entweder mit Nacheiferung (und fahren die Ellenbogen aus) oder denken uns: Wir sind anders, wir sind flexibel. Unsere Werte könnt ihr nicht verstehen. Dabei lassen wir uns oft schamlos ausnutzen. Ich finde beides nicht ideal.

Dieser Zustand “alles offen“: Ist das ein Segen, oder ein Fluch? Ich verspüre in mir den leisen Drang, mich zu norden. Ist das eine Begleiterscheinung des Erwachsenwerdens? Das ewige mäandrieren ist wohl doch auf Dauer anstrengend. Scheinbar braucht der Mensch etwas, was ihm Halt gibt. Sei es eine Arbeit, einen Partner, einen Ort, eine Aufgabe, die ihm Erfüllung und Ruhe gibt, nein, vielmehr: Beständigkeit. Alles ständig anders, alles ständig neu, alles ungeplant, alles offen… Ich weiß nicht. Ich glaube, wir brauchen eine Balance. Ich suche meine noch. :-)

Dieses Bedürfnis nach Balance ist vielleicht auch eine Art Außenschau: Was ist geworden aus dem was ich hier permanent konstruiere? Damit meine ich natürlich meine Identität. Ich baue an ihr und ich hoffe inständig, sie wird niemals fertig sein. Trotzdem muss ich sagen: Man kann schon erkennen das was da ist. Und das was ich geschaffen habe, braucht Stabilität. Nur woher? Von außen, oder doch nicht vielmehr von innen?

Alles offen heißt ja auch: Alles möglich. Es stimmt auch, alles ist grundsätzlich möglich. Aber wie war das doch gleich:  “Charakter entsteht durch den freien Verzicht auf Möglichkeiten.” Ich glaube, ich verhalte mich immer öfter so. Ich fange an, NEIN zu Möglichkeiten zu sagen, die sich mir bieten. Und zwar auf freier und reflektierter Basis:

  • Nein, zu gewissen Personen.
  • Nein, zur Zeitaufwendung für gewisse Dinge.
  • Nein, zu gewissen Lebensmitteln.
  • Nein, zu gewissen Umgangsformen.
  • Nein, zu gewissen Tätigkeiten.
  • Nein, zu gewissen Partnermöglichkeiten.
  • Nein, zu gewissen Lebensentwürfen.
  • Nein, zu gewissen Freizeitgestaltungen.
  • Nein, zu gewissen Reisezielen.

Da gibt es so einen Satz, über die “Identität als Projekt”… der jetzt passen würde. Der aber zu Hause sitzt. Auf meinem Laptop. Ich füge ihn später ein. ;-)

Deutlich später aka. 07.03.2011:

Die Narration einer Identität als Projekt: “Eine Identität als Projekt bannt den Horror der leeren Zukunft und nordet die Splitter des aktuellen Selbst zumindest temporär.“

„Identitätsprojekte sind Zukunftsvorstellungen in Form komplexer Selbstentwürfe, dabei werden Bilder eines möglichen Selbst aus dem Aufsuchensbereich entworfen. Identitätsprojekte verweisen auf das Noch-nicht-Realisierte, auf den Wunsch. Sie setzen voraus, dass das Individuum über die Motive, die seinen Absichten zugrundeliegen, und die ihm verfügbaren Mittel reflektiert hat und stellen einen Bezug her zwischen verschiedenen Zeitstufen des Selbst.“

(Kraus: Das erzählte Selbst)

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REAL

23. Februar 2011

Vor einigen Jahren gab es doch diese Zigarettenwerbung “Für mehr echte Freunde”… oder so. Zigaretten hin oder her, es ist scheißwahr (um mal ein wenig jugendlichen Slang hier einzuführen). Ich weiß, ich müsste das eigentlich genauer ausführen und konsequenter begründen, aber ich bin im Herzen eine Dilettantin und meine Begründung heißt Bauch/Herz/Kopf-Gefühl. Ich bin selten wissenschaftlich drauf, viel ist bei mir emotionale Intelligenz und ich höre darauf und bin oft gut damit gefahren. Deshalb meine Gedanken/Gefühle in Stichworten:

  • Netzwerke machen mein Leben nicht schöner. Lose Kontakte machen mein Leben nicht bedeutsamer.
  • Ich will ECHTE und EHRLICHE Gefühle. ECHTE, nicht auf oberflächlichen Interessen basierende “Beziehungen”: Bei meinen Freunden, bei meiner Arbeit, in meinem Leben. Nur echte und tiefe Gefühle, nur ernste und spirituelle (das Adjektiv gefällt mir nicht ganz, aber ich weiß nicht wie ich es anders sagen soll) Menschen – die wissen das Oberflächlichkeit langfristig nicht glücklich macht – können mich inspirieren. Ich möchte mehr mit diesen Menschen zu tun haben. Ich möchte ihnen begegnen, ich möchte sie erkennen, ich möchte mich mit ihnen umgeben und mich mit ihnen austauschen. Alle anderen toleriere ich (ich kann leider nicht respektieren sagen, aber tolerieren, auch das ist ehrlich), ich möchte aber nicht viel mit ihnen zu tun haben.
  • Echter Austausch, echte Kommunikation, das ist es doch! Why use Facebook, when you´ve got real life?
  • Freundschaft ist selbstlos. Ohne Zweck. Ohne Interesse. Ohne “social graph”. Echte Freunde rufen an. Echte Freunde treffen sich mit dir. Echte Freunde investieren Zeit. Echte Freunde sind an dir als Mensch interessiert. Auch im Elend. Nicht an dir als…. Objekt? Sozialkapital? Erhöhung der Anzahl der “Freunde”?
  • Ich rede hier die ganze Zeit von Freunden, aber eigentlich möchte ich mit diesen Leuten auch zusammenarbeiten (und man muss nicht zwangsläufig auch befreundet sein). Aber schwer ist es: Schließlich kann man sich seine Arbeitskollegen nicht immer aussuchen. Ehrliche Menschen! Menschen mit Werten. Das ist es doch! Es geht nur darum, sie kennen zu lernen, zu erkennen und zu begeistern.
  • Erkenntnis: Man verpasst nichts. Es gibt nämlich auch gar nichts zu verpassen. Alles was dir dienlich ist, im Leben, passiert. Aua. Das Leben hat seine Wege. Wirklich. :-)

So und jetzt muss ich in einem Katalog was über eine Ausstellung lesen, auf der ich heute im Mannheimer Kunstverein war. Die Auflösung der Ökonomie. Weil das beschäftigt mich sonst so sehr, dass ich nicht einschlafen kann. Und es hat was mit dem oben beschriebenen zu tun. Immer hat alles mit allem zu tun. Wirklich. :-)

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Ausbrechen

7. Februar 2011

Es ist doch so: Wir sind sozial konstruiert. Aber selbst wenn wir diese uns anerzogenen bzw. angelernten Strukturen reflektieren, so ist es doch schwierig, ihnen zu entkommen. Ich halte mich z.B. für eine alternative Person, die nach etwas Übergeordnetem strebt. Übergeordnet nicht im Sinne von elitär, sondern im Sinne von ganzheitlich, über dem Kleinklein des Alltags stehend, ja vielleicht sogar transzendierend.

Wenn ich also frei wäre, z.B. von finanziellen Dingen, dann würde ich… ja, was würde ich dann eigentlich? Wäre ich so mutig und würde alles stehen und liegen lassen, einen Rucksack packen und einfach loslaufen und gucken was passiert? Nein, ich fürchte nicht. Weil dieses mir Anerzogene, dieses Anerlernte, diese sozial vermittelte Weltkonstruktion mich weiterhin prägt. Ich kann nicht einfach ausbrechen. Aber ich würde gerne. Ich glaube, darin liegt echte Freiheit: Auszubrechen aus allem bisher Erlernten, Gedachten, Angenommenen. Frei sein von Konventionen. Heißt dies aber auch, dass ich dann nicht mehr sozial fähig bin. Muss man zum Eremit werden? Nunja, eigentlich sind wir ja alle schon Eremiten. In uns drin, sind nur wir. Das müsste doch eigentlich auch reichen. :-)

Gestern kurz zum ersten Mal das Gefühl hervorgeholt (irgendwo aus der tiefen, tiefen Versenkung), in einem Flugzeug zu sitzen und wo anders hinzufliegen, wo ganz anders. Und sich dabei zu freuen. Echt zu freuen.

Ich nähere mich.

Und ich höre das hier.

Und es verursacht Resonanzen. Große Schwingungen. Sehr große. :-)

Esta tristeza mia
Este dolor tan grande,
Los llevo muy profundos
Pués me han dejado
Solo en el mundo.

Ya ni llorar es bueno
Cuando no hay esperanza,
Ya ni el vino me intiga
Las penas amargas
Que a mi me matan.

Yo no se que será de mi suerte
Que de mi no se acuerda ni Dios,
Hay pobres de mis ojos
Como han llorado por su traición.

“hay amorcito y no se aguite compa Lupe,
que los hombres de adeveras
si le lloramos a las mujeres”
“alla nos vemos en Fresnillo chiquita”

Yo no se que será de mi suerte
Que de mi no se acuerda ni Dios,
Hay pobres de mis ojos
Como han llorado por su traición.

(Lupillo Rivera)

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Einmischungen, Rechtfertigungen

13. November 2010

“But I am particularly interested in the practical understandings, the practical frameworks which people use and which are largely unconcious. When people say to you, “Of course that´s so, isn´t it?” that “of course” is the most ideological moment, because that´s the moment at which you´re least aware that you are using a particular framework, and that if you used another framework the things you are talking about would have a different meaning.”

~ Stuart Hall

Eigentlich möchte ich lieber (m)ein Buch schreiben, als meine Masterarbeit. Das “Schlimme” ist, dass sich das alles gegenseitig beeinflusst. Ich lese etwas für meine Masterarbeit und plötzlich gibt mir das eine Idee (oder: Hinweis) auf eine Wendung im Buch. Das ist krass: Ständig entstehen Ideen und sie sind derart aufdringlich, diese Viecher. Sie quetschen sich zwischen mich und meine Arbeit. Aber wie sollte es auch anders sein, es wird ja schließlich alles von dem gleichen Gehirn bearbeitet (oder soll ich sagen “konstruiert” ;-). Schöne Rechtfertigung! Es IST aber “wirklich” (sprich: bei mir) so.

Die “Wirklichkeit” (in diesem Falle möglichst objektiv durch Handlungen zu beschreiben versucht, weil diese für andere “Systeme” beobachtbar sind) sieht nämlich so aus: Sie lebt, sie arbeitet, sie selbstverwirklicht*, sie schreibt, sie interagiert. Räumlich hält sie sich in dieser Stadt auf, denkt über diese Stadt nach (das ist nicht beobachtbar, das müsst ihr mir jetzt einfach glauben), fährt durch die Stadt, “erlebt” die Stadt, durquert den Raum, riecht, fühlt, schmeckt (glaubt mir das bitte auch). Jetzt wird´s nur nachverfolgbar, weil ich es aufschreibe: Mental duchquert sie die Vergangenheit, um die Gegenwart verstehen und genießen, die Zukunft wahrhaftiger (im Sinne von MEINER Wahrheit), sinnmaximierter (und MEINEM Sinn) gestalten zu können.

Und sie versucht diese Ideen und das Gelesene zu ordnen (deshalb wohl auch der Beruf!). Schreiben ist letztendlich auch nur ordnen. Wobei “ordnen” und “einordnen” ja die erzwungene mentale Vorgehensweise von uns allen ist. Menschen müssen ordnen, sonst gibt es keinen Sinn. Und ohne Sinn geht es nicht. Und hier mal wieder ein Beispiel für eine Einmischung, während ich schreibe (Frechheit!): Der Sufismus mit seiner Leinwand voller Farbe. (Du bist nicht die Leinwand, betrachte Sie von außen, identifizier dich nicht mit ihr.) Es ist schwer, das Chaos auszuhalten und nur zu betrachten. Der analytische Geist will ordnen. Ich will ordnen! (Seht, wie ich die Kurve wieder gekriegt habe!) Wenn ich nur “SEIN” sollte, dann hätte mir der liebe Gott doch kein Gehirn gegeben, ihr Yogis und Sufis. Wenn ich nur “SEIN” sollte, dann bitte gib mir das KOMA jetzt! Bzw. empfinde ich tiefe Dankbarkeit für den Schlaf. Schlafen ist etwas Tolles. Und Träumen ist unsere Müllabfuhr. Alles was nicht geordnet wurde, wird – Gott hat extremen Humor – miteinander zu abstrusesten Dingen verbunden, abgespielt, mental mehr oder weniger bewusst durchlebt, um am nächsten Morgen wieder Platz für Neues zu haben, das geordnet werden will.

Leben um zu Ordnen. Ordnen um zu Leben.

Wenn ich also Masterarbeit schreibe (oder schreiben will, ich will wirklich! –> glaubt mir) und statt dessen Ideen habe, die ich aufschreiben muss, die ich verarbeiten oder einordnen muss, und zwar in mein ganzes Sein, zum Beispiel in dem ich das hier schreibe, dann ist all das der gleiche Prozess. All das bin ich. Und zwar JETZT. Ich kann nicht nur eines machen, ich muss alles machen, was mich gerade an- und aufregt. Bzw. ich kann nur das machen, wofür ich brenne. Denn nur das ist wirklich authentisch. Ich möchte meine Ideen nicht disziplinieren. Ich möchte lieber sagen: Du willst jetzt sein? Na gut, dann komm. (So müsste man überhaupt leben, aber nur, wenn es nicht in Egoismus und Hedonismus ausartet. Wobei es auch Leute gibt, deren Egoismus darin besteht, Altruistisch zu sein, dazu zähle ich mich. Einige Ideen diszipliniere ich jedoch: Würde ich zum Beispiel allem stattgeben, dann hätte ich jetzt Sex mit dem Typen neben mir, trotz Neonröhrenbeleuchtung!, Gebot zum Stillsein und unrasierten Beinen. Aber zum Glück sind wir ja kulturalisiert! Haha! Meine Ideen lassen mich grinsen und DAS könnte man jetzt beobachten.)

Man ist, weil man Ideen hat. Oder wie Max Frisch sagen würde: “Man ist nicht realistisch, indem man keine Idee hat”. Aber, man wäre vermutlich schneller mit seiner Mastarbeit fertig. *seuftz*

So, und jetzt, da das verarbeitet ist und es in mir drin wieder ruhiger und geordneter zugeht, kann ich schreiben. :-)

* allein wenn ich mir das Wort be/erdenke, muss ich schon grinsen: sich selbst verwirklichen! ver WIRKLICHEN!, also kann man ohne diese Tätigkeit quasi nicht ECHT sein ;-)

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Kulturreflexion.

12. November 2010

“Weil und soweit Steuerungen, Orientierungen und Antriebe kulturell sind, können sich Personen, deren Erleben und Verhalten von diesen Steuerungen, Orientierungen und Antrieben getragen wird, im Prinzip fragen, warum sie erleben, was sie erleben, warum sie sich verhalten, wie sie sich verhalten, und ob es auch anders oder womöglich besser gehen könnte.”

“Die kulturelle Dimension der Gesellschaft bestimmt, welchen Sinn, welche Bedeutung die Aktivitäten der Menschen tatsächlich gewinnen und für sie haben könnten. Für Personen, die zweckvoll zusammenwirken, gleich in welcher Form und in welchem Bereich des gesellschaftlichen Lebens, stellt geteilte* Kultur die kostbarste, nicht substituierbare Ressource dar. Alles, was wir richtig, wichtig, wertvoll, wahr finden (oder im Gegenteil unrecht, falsch, irrelevant, wertlos, unwahr), können wir nur mittels geeigneter symbolischer Formen unserer Kultur so (oder umgekehrt) werten und unterscheiden.”

- Matthias Kettner

* Da ist es schon wieder, unser Freund “teilen”.

Was lernen wir daraus? Kultur, meine werten Freunde, ist der Knackpunkt. Kultur ist sozusagen das Blut im Körper der Gesellschaft. Transpormittel, Austauschmittel, Abfalleimer, Lebenselexir. Culture is IT! Jeder Freundeskreis, jede Gruppe, jede Organisation, jede Stadt, jedes Land, jeder Kontinent hat anderes Blut, aber im Prinzip ist es immer Blut. Es ist bei anderen halt nur anders als bei uns. Anders statt fremd! Das ist wichtig. Anders ist neutraler.

 

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Sozial konstruiert

10. November 2010

Hilfe! Ich habe Unglaubliches zu verkünden: Wirklichkeit ist sozial konstruiert. Und für jeden anders. Identität ist auch sozial konstruiert! Nicht, dass ich mir dies ausgedacht oder entdeckt habe, aber ich habe es verstanden, mir somit einverleibt und es somit für mich persönlich entdeckt.

Zwischen der konstruierten Wirklichkeit mit unseren konstruierten Identitäten wandeln wir Hanseln, die versuchen miteinander zu kommunizieren. Welch Kasperletheater! Wie Seifenblasen, die aneinanderstoßen und zerplatzen. Das muss ja daneben gehen, wenn meine Wirklichkeit nicht deine ist und meine Identität nur auf Geschichten basiert, die womöglich auch noch schlecht erinnert bzw. von anderen Leuten fälschlich aufgeschrieben und somit wiederum konstruiert wurden. Und: Ich kann mich und meine Realität nur durch das Aufwachsen und Interagieren mit anderen Menschen konstruieren. Alleine geht es also nicht. Trotzdem: Wir sind in Gemeinschaft alleine. Meine Realität kannst du niemals so erleben, so sehen, so nachvollziehen wie ich. Tief in mir drin, der Kern meines Konstrukts, den kenne nur ich. Wenn man sich selbst überhaupt bewusst kennen kann. Oder muss man sich selbst auch erstmal erkennen um sich zu kennen? Zumal sich der menschliche Zustand ja auch ständig ändert. Also sich quasi permanent auseinanderpflücken? Fragen nach: Motivation. Antrieb. Lebenswille. Sinn.

Wenn ich mich also konstruiere: Was BIN ich dann eigentlich? Wieso können wir nicht einfach nur SEIN? Wäre das langweilig? Essen, schlafen, überleben, wachsen… Etwas für niedere Wesen? Wir – die tollen, klugen, intelligenten – wir basteln uns eine zusätzliche Dimension, die da heißt Sinn durch Interaktion, Erfindung und Spinnerei.

Liebe Leute, ich bin verwirrt. All der Ärger mit den Männern, mit der Arbeit, mit der Selbstfindung und -verwirklichung nur, weil ich meinen Molekülen einen Sinn geben will/muss? Der von anderen nur ansatzweise nachvollzogen werden kann, wenn sie ähnlich sozialisiert wurden wie ich und somit meine Sinnstrukturen nachkonstruieren können? Welch gewaltige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für das Gehirn!

Wenn ich mich und meine Realität konstruiere, kann ich sie dann auch dekonstruieren? Und wenn ja: Wie geht das? Indem man sich auf Facebook umbringt? Womöglich ein erster Schritt. Den gestrickten Schal wieder auftrennen und mit einer anderen Wolle und einem anderen Muster weiterstricken. So in der Art?

Ich finde also jemanden anziehend, ich bin also mit jemandem befreundet, ich interagiere also, weil ich nach ähnlichen Sinnstrukturen und Verständnis suche? Die tiefe Sehnsucht zu Verstehen und Verstanden zu werden. TEILEN? Da ist es schon wieder das verdammte Wort!

Ok. Nun gut. Alla hopp. Meinetwegen. Dann ist es eben so.

Aber ein bisschen wundern darüber, darf man sich schon.

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Wild

11. August 2010

Ich bin ein wildes Wesen. Insofern, weil ich weder hier noch da hingehöre. Sondern ein bisschen hier, ein bisschen da und ein bisschen dort drüben. Von allem ein wenig und von nichts ganz. Mezcla buena. Ohne arrogant zu sein, sage ich jetzt einfach: Ich bin besonders. Ich sage nicht: besonders hübsch. Ich sage auch nicht: besonders intelligent, schlau oder kreativ. Ich sage nicht: besonders besonnen und intellektuell. Ich sage nicht: besonders herzlich. Ich sage nicht einmal: besonders traurig. Oder besonders aufbrausend, mitfühlend oder gar radikal.

Ich sage einfach nur: Ich bin besonders. Und besondere Menschen erkennen dies. Man kann es in meinen Augen sehen. Wir erkennen uns. Verbringe deine Zeit mehr mit diesen Menschen. Verschwende weniger Energie auf Menschen, die dich nicht erkennen, indem du nicht auf sie sauer bist, dich über sie aufregst, sie verachtest. Sage dir einfach: Sie müssen sich noch selbst erkennen. Gebe deine Energie den Menschen, die dich erkennen. Und dann sei nicht geizig. Fehler gehören dazu. Lebe.

Was die Zukunft bringt, weiß ich nicht und das ist gut. So gehört es sich. Ich weiß nur, ich kann zuversichtlich sein. Weil ich ja sowieso auf meinem Weg bin. Irgendwo da werde ich sein. Oder ich werde nicht sein, sollte ich sterben. Aber selbst dann wäre das ok. Wie sollte es auch nicht ok sein? Es gibt nichts anderes als ok. Nur kann man das subjektiv nicht immer so genau beurteilen.

meint MJF (zu sich selbst und zur Welt)

PS: Der blonde Freund mit dem Lächeln im Gesicht wollte heute gezeigt bekommen, wie er seinen Reisepass einscannt. Hinterher, nicht währenddessen, hat es mich ein wenig aufgewühlt. Es könnte allerdings auch der Kaffee gewesen sein. Falls es der Kaffee nicht war, dann weiß ich ja was es gewesen ist: Die Vorstellung von einem Menschen, der mich erkennt und der irgendetwas davon seinen Freunden erzählt hat. Und dieser Freund geht mit der Vorstellung irgendwohin wo man einen Reisepass braucht. Mit der Vorstellung und vielleicht sogar mit der Freundin von der Vorstellung. Klettern oder so. Warum nur geht jetzt die halbe europäische Jugend klettern? Weil der Aktienkurs nicht mehr klettert, muss man jetzt selber klettern. Weil man nicht weiß, wohin in seinem Leben, muss man klettern. Weil es beim Klettern nur aufwärts geht. Ich habe zwar keine Ahnung, habe aber trotzdem noch nie davon gehört, dass man auch wieder herunterklettert. Also: Wie kommen diese Menschen wieder herunter, wenn sie einmal oben sind? Denn, dass es runter gehen muss, dass ist klar. Nur eben nicht, wie. Fallen sie? Laufen sie? Lassen sie sich mit dem Hubschrauber abholen? Rollen sie herunter? Gleiten sie, womöglich, herunter?

Ach, es gibt so vieles, was ich nicht weiß.

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Interne Umbrüche

30. Juli 2010

Viel los. Viel los.

  • Wofür schreibe ich das alles hier? Und für wen?
  • Bin am Überlegen, alles aufzulösen und ein Buch zu schreiben.
  • Ich recycle mich selbst und mache aus alten Teilen neue.
  • Wer weiß schon, wie ich bin.
  • Die Identität als Projekt.
  • Gerade eine sehr direkte Postkarte an eine gute Freundin geschrieben.
  • Die ganze Woche schlecht geschlafen.
  • Un día de estos nos verán sonriendo.
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Noch nicht drei, aber halb zwei.

27. März 2010

Na klar, mal wieder nachts. Zwar noch nicht drei, aber halb zwei.

Was tue ich hier eigentlich? Ich wette, keine Sau fragt sich das so oft wie ich. Die Bäcker backen. Die Unternehmensberater beraten Unternehmen. Die Lehrer lehren. Die Briefträger tragen die Post aus. Der Musikmensch macht das Booking. Selbstverliebte 28-jährige designen Webseiten. Und nebenher leben sie. Essen, Einkaufen, Sport, Duschen, Entertainment, Urlaub und hin und wieder eine soziale Zusammenkunft. Frauen kriegen Kinder und bleiben zu Hause, wie eh und je. Und dann sind da noch die Hedonisten, die von einem Kulturevent zum nächsten rennen, nur mit ausgewählten Menschen reden und keine Kinder haben, außer die Selbstverwirklichung in ihrem Kopf.

Und ich zwischen all dem, ohne Plan, ohne Sinn und Verstand und mit tausend Fragen im Kopf. Wohin? In welche Richtung? Warum? Es gibt eben keine Berufsbezeichnung für das was ich mache. Es gibt eben keine Beschreibung für den Mann, den ich suche. Es gibt eben keine ewig gültige Defintion von Freundschaft. Es gibt keine Antwort auf das was ich mich frage. Es gibt keine benennbaren Ziele. Ich bin so undefiniert und vielfältig. Selbstbewusst und zweifelnd zugleich. Intensives, durch immerwährende Grübelei geplagtes Leben.

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