Archiv für die Kategorie ‘Literatur’

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Miniberlin

12. Juni 2009

Die These, dass Mannheim eine Art Miniberlin ist, konnte ich gestern Abend erneut empirisch festigen: Während ich speisend mit einer Berlinerin vor der Alten Feuerwache saß, staunten wir nicht schlecht ob des Publikums, das sich in einer immer länger werdenden Schlange um Eintrittskarten für den gestrigen Poetry-Slam bemühte. Wo kommen die denn alle her?, fragten wir uns. Sie sahen nämlich aus wie ein Direktimport aus dem Prenzlauer Berg.

Nun gut, sicherlich waren das nicht alles Mannheimer, sondern auch Heidelberger Intellektuelle und LOHAS, die anreisten um sich an den Bühnenpoeten zu erfreuen. Trotzdem ergriff mich tiefe Befriedigung, dass 5 1/2 Std. Zugfahrt nicht zwingend sein müssen, um unter zumindest teilweise ähnlich interessierten, denkenden und bekleideten Menschen sein zu können.

Der Slam war übrigens großartig. Besonders wortgewand fand ich Hanz aus Backnang, Nico Semsrott und den Gewinner Jakob Nacken.

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Leo Leikes dieser Welt, wo seid ihr?

27. April 2009

Marie Jacqueline hatte das Vergnügen ein hervorragendes, intelligentes und Dauergrinsen hervorrufendes Buch zu lesen, das sie nur so verschlungen hat. Die Handlung klingt zwar banal, aber, wie ich schon in meinem vorherigen Eintrag schrieb, gute Gespräche sind halt einfach alles. Und in diesem Buch geht es darum, dass sich zwei Menschen über gute Gespräche (bzw. E-Mail-Verkehr) kennen lernen. Auch wird viel über die Liebe, über das Äußere und das Miteinander nachgedacht. Über zwischenmenschliche Interaktion. Ein echtes Lehrbuch für Männer und Frauen. Und bei allem Geschmachte ist es ein riesiges Vergnügen, weil so gar nicht abgehoben und irgendwie möglich.

Also, Leo Leikes dieser Welt. Wo seid ihr eigentlich alle? Lasst mich eure Emmi Rothner sein. :-)

Hier noch der Hinweis zu einer ordentlichen Rezension. Und die Frage: Ist das eigentlich ein Frauenbuch? Oder gefällt´s auch den Männern?

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Ein südamerikanisches „enfant terrible“

22. Dezember 2008

Teresa de la Parra: Tagebuch einer jungen Dame, die sich langweilt
Manesse Verlag Zürich 2008, 767 S.

„Die wichtigste und bewährteste Form menschlicher Herrschaft ist die einer hübschen Frau. Grenzenlos ist ihre Macht! Genial ihre Diktatur, in deren Schatten seit Jahrhunderten die Künste erblühen; und dann ihre bescheidene, so bezaubernde Gabe, in den Augen der Männer den uns angeborenen Gehorsam zu entdecken, den Gehorsam eines Hundes, der stets bereit ist, die strafende Hand seines Herrn zu lecken.“

Dies ist ein wahrlich unterhaltsamer Roman aus den 20er Jahren, in dem sich ein aus Paris heimkehrendes venezolanisches Fräulein nur schwer mit dem beschränkten und wenig aufregenden Leben als Frau in der lateinamerikanischen Oberschicht anfreunden kann. Die Autorin, Teresa de la Parra, elegantes enfant terrible der venezolanischen Oberschicht, veröffentlichte 1924 mit diesem erfolgreichen Debüt einen wahren Skandalroman, der große Verbreitung fand. Teilweise an ihre eigene Biographie angelehnt, erzählt sie mit satirischem Unterton die Geschichte der in Europa aufgewachsenen María Eugenia, einer lebhaften 18-jährigen, die nach dem Tod der Eltern in das Haus ihrer Großmutter nach Venezuela zurückkehrt. Dort sieht sie sich mit Vorstellungen konfrontiert, die ihr so gar nicht passen und einleuchten wollen. Dass nämlich eine Frau ihres Standes, ihrer Schönheit und ihrer Mittellosigkeit v.a. tugendhaft zu leben und „die Ehre des Ehemannes Tag und Nacht aufs Strengste zu hüten“ habe. Anfangs rebelliert María Eugenia mit voller Kraft dagegen, im Laufe des Romans jedoch passt sie sich den Erwartungen an und wird immer unglücklicher. Geschrieben aus der Ich-Perspektive, wird dem Leser erst die Aufmüpfigkeit und schließlich die innere Zerrissenheit der Figur eindringlich nahe gebracht. Ein lesenswertes und unterhaltsames Werk, das zu seiner Zeit viel Diskussion verursachte und auch heute noch beim Lesen zu einigem Schmunzeln und Kopfschütteln führt.

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Die männliche Amélie

1. September 2008

Francesc Miralles: Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen, List, 2008, 272 S.

Originaltitel: Amor en minúscula

Der einsame, sozial-scheue Samuel, ein in Barcelona lebender Germanist mit festgefahrenem Alltag, entdeckt plötzlich, dass sich sich Leben komplett verändern kann, wenn man das Augenmerk auch auf die kleinen Dinge legt. Dabei erinnert er mich sehr an Amélie, naja, eine etwas langweiligere männliche Version von Amélie.

Der in Spanien sowohl für seine Romane als auch für seine Selbsthilferatgeber bekannte Autor Francesc Miralles erzählt in diesem leichtfüßigen Roman die Geschichte dieser „männlichen Amélie“. Eines Tages merkt Samuel, wie der Alltag, durch kleine liebevolle Handlungen, z.B. dem Hinstellen einer Schale Milch für eine Katze und dem Besuch eines Nachbarn, in dessen offene Wohnungstür besagte Katze hinein rennt, ungeahnte Entwicklungen durchlaufen kann. Immer öfter dieses Prinzip anwendend, bricht Samuel plötzlich aus seiner engen Welt mit ihren bewährten Gewohnheiten aus und erlebt skurrile und bereichernde Begegnungen, die sein Leben verändern und ihn durch die ganze Stadt treiben, immer auf der Suche nach der Dame mit dem „Schmetterlingskuss“. Es sind eben doch die kleinen Dinge, die das Leben besonders schön machen. Dem Autor ist hier jedenfalls ein kurzweiliges Werk gelungen, das sich wunderbar leicht lesen lässt und einem bei der Lektüre das Herz erwärmt, ohne kitischig zu sein.

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Patty Diphusa

8. August 2008

Manchmal bekomme ich Bücher auf meinen nicht vorhandenen Schreibtisch, bei denen ich wirklich nicht weiß, ob ich sie der breiten Öffentlichkeit empfehlen soll oder nicht. Eines davon ist das als Taschenbuch erschienene Bändchen „Patty Diphusa“. Darin berichtet ein von Pedro Almodóvar kreierter weiblicher Charakter amüsant und explizit über Sex, Drogen und Partys und das exaltierte Leben im Madrid der 80er Jahre zur Zeiten der „móvida„.

Spaniens schillerndster Filmregisseur versucht sich damals als Schriftsteller. Heraus kam POP. Heraus kam die später zu einem Buch zusammengefasste monatliche Kolumne der Patty Diphusa. Dieser von Almodóvar kreierte und mit einem maßlosem Selbstbewusstsein bestückte Charakter, definiert sich selbst als internationales Sexsymbol und weiblicher Pornostar. Eine ganze Diva, die eingebildet ist, ohne dabei arrogant zu sein. Das geht? Ja, ohne Zweifel. In der Kolumne, die ursprünglich in der Zeitschrift „La Luna“ erschien, erzählt Patty aus ihrem exaltierten Leben, das sich hauptsächlich um Männer, Sex, Drogen und Partys dreht. Von literarisch sicherlich zweifelhafter Qualität, dabei jedoch durchaus amüsant zu lesen, ist dieses dünne Taschenbuch eher denjenigen Leserinnen und Lesern zu empfehlen, die am Gesamtwerk Almodóvars interessiert sind. Eine Lektüre, die mich an die Bücher von Irvine Welsh erinnert und unbedingt mit einem zwinkernden Auge gelesen werden sollte.

Anbei noch ein Hinweis auf eine etwas ausführlichere Rezension. Ein Zitat darf natürlich auch nicht fehlen:

„Wenn du für mich tanzt, kannst du von mir haben, was du willst.“ – „Ich tanze weiter, aber du musst mir dafür nichts geben. Ich mache es einfach, weil es mir Spaß macht.“ Tina Turner wäre nass geworden, wenn sie gesehen hätte, was dieser Junge bei ihrem neuestem Hit veranstaltete. Und als er mit seiner Darbietung von Dirty Mind loslegte, hätte Prince keine Sekunde gezögert und gratis eine Spanien-Tournee gemacht, nur um mit dem da frühstücken zu können. Mit einem Wort: Die Show, die der Junge abzog, war ein Augenschmaus. Man hätte glauben können, er sei von einem „Jugend tanzt“-Wettbewerb abgehauen. Eine halbe Stunde lang wäre das vielleicht langweilig geworden (was wird schon nicht langweilig, wenn man es eine halbe Stunde lang tut), aber fünf Minuten lang war es wie ein Glas Schnaps direkt in die Adern gespritzt. War keine schlechte Idee gewesen, ihn zu bitten, dass er tanzte. Er kam zurück zu mir. „Ich habe Pillen geschmissen, ich könnte die Nacht durchtanzen. Ich wäre jetzt zu allem fähig.“ – „Komm“, sagte ICH und nahm ihn bei der Hand. „ICH schulde dir was. ICH habe ein Geschenk für dich.“ Und ich entführte ihn zu den Toiletten. Wir gingen bei „Kleine Jungs“ rein, weil die immer liberaler sind, und verrigelten uns in einer Kabine. „Was ist los, hast du Koks?“ – „Hab ICH.“ Und kaum hatte ICH das gesagt, stürzte ICH mich auf seine Lippen, damit er nicht nach noch mehr Drogen fragen konnte. Beim Kapitel Drogen sind die jungen Menschen unersättlich. Während ICH ihm mit meinem Kuss den Mund versiegelte, öffnete ICH Knopf für Knopf seinen Hosenstall. Das LEBEN vergeht wie im Flug, und manchmal bleibt dir nichts weiter übrig, als mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, wenn du dein Stück abhaben willst vom Kuchen.“

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Die feuchten Gebiete der Frau R.

5. März 2008

„Ein Minenfeld des Ekligen.“

„Schleimporno gegen Hygienezwang.“

„Ekelprosa mit sekretfixierter Heldin.“

„… reichhaltiges Sperma- und Eiterreservoir gegen die überreinliche, sakrotangetränkte westliche Welt.“

„Ich benutze mein Smegma wie andere ihre Parfümflakons. Mit dem Finger kurz in die Muschi getunkt und etwas Schleim hinters Ohrläppchen getupft und verrieben. Wirkt schon beim Begrüßungsküsschen Wunder.“

Helen Memel in „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche

Seit Samstag ist dieses Buch in meinem Besitz. Sonntag Abend angefangen. Fasziniert gelesen. Und etwas geekelt. Wobei eher gelacht. Krass, die Frau. Die Sex- und Unhygienegeschichten der Helen ekeln mich eigentlich nicht. Sowas finde ich eher „interessant“. Aber ich bin etwas delikat was detaillierte medizinische Beschreibungen angeht. Und deshalb bin ich nur bis Seite 174 gekommen. Und da ich im Zug nicht so gerne in Ohnmacht falle, und mir auch beim zweiten Versuch diese Seite zu lesen schwarz vor Augen wurde und ich mich nur mit Landschaft gucken und etwas ujjayi Atmung beruhigen konnte, habe ich es dann gelassen.

Das ist sicherlich keine hochwertige Literatur (dafür ist die Handlung etwas zu banal und die psychologischen Hintergründe der Frau Memel zu wenig ausgearbeitet). Aber interessant ist´s allemal. Und wenn ein Wort passt, dann krass. Endlich mal ist etwas wirklich krass. Und das Thema an sich, die verordnete, teilweise recht unnatürliche Hygiene, die vor allem Frauen betreiben (müssen / wollen / sollen), ist etwas worüber man und frau nachdenken sollte.

Charlotte meint übrigens: „Ich bin nicht so cool, wie man nach der Lektüre des Buches denken könnte. Wenn ich bei einer Freundin eine Intimwaschlotion auf dem Badewannenrand sehe, spreche ich sie nicht drauf an. Diese Lotionen senden die Botschaft aus: Du stinkst. Jede Frau hat irgendwann mal gehört, dass ihr Geschlechtsorgan angeblich schlecht riecht. Das macht es unmöglich, selbstbewusst zu sagen: Ja, leck mich, ich stinke. Wer ist denn so cool? „

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Mein März

29. Februar 2008

Ganz im Sinne des Kulturspiegels plant Frau Frapeur ihren März.

  • Beginnen soll er mit einer Kurzreise nach Berlin. Dort geht es zunächst auf eine eintägige Fortbildung mit dieser äußerst interessanten Dame, auf die ich schon sehr gespannt bin. Außerdem langersehntes Wiedersehen mit den Berlinmädels und Berlinjungs. Besuch von Monsieur Vuong. Das Restaurant, nicht den Social-Bookmark-Dienst!
  • Bücher lesen: Ich werde vermutlich keine Zeit haben, aber falls doch, würde ich gerne die zwei folgenden neuen Skandalbücher lesen: „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche (die mir schon immer sympathisch war), in dem es darum geht, den Körperkult der Frauen auf eine krasse Art zu entmystifizieren. Und „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Littell, von dem Jorgé Semprún sagt „Dieses Buch ist das Ereignis unserer Jahrhunderthälfte.“
  • Ausgetrickst“ von Alex Robinson besprechen. Endlich einen/eine (?) „graphic novel“!!!
  • Meinen Resturlaub verbraten, vermutlich um Ostern herum. Nur wohin es gehen soll, weiß ich noch nicht. Irgendelche Tipps (bitte keine die ein Flugzeug erfordern ;-)?
  • Folgende Filme scheinen mir interessant: Control, Unsere Erde, Märzmelodie.
  • Ins Nationaltheater zu einem Stück von Lars von Trier gehen: Der Boss vom Ganzen / The Boss of it all.
  • Hoffentlich schaffe ich es auch in die Ausstellung Comics made in Germany in der DNB in Frankfurt.

Soweit, so gut. Ich informiere dann, wie erfolgreich ich war. :-)
Gruß von den Rechercheclients der ZLB in Berlin
sendet euch
Marie Jacqueline

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Spritz

27. Februar 2008

dieses Bild ist zu gut um es nicht zu posten.

via toothsoup  // webseite des künstlers

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Endlich Abbitte (und Gedanken über Krieg)

21. Februar 2008

Endlich war ich in dem Film Abbitte (Atonement) und fand ihn großartig: Hervorragende Schauspieler, gute Filmmusik, perfekt fotografiert sowie eine der besten Kriegsszenen, welche die Absurdität und den Greul zeigen, wie schon das Buch. Highlights: Brionys kindliches Gesicht und ihre blühende Fantasie. Cees Kleider und ihre Art zu rauchen. Und Robbies Grinsen nach DEM Satz mit dem „worst word of the world“ auf der Schreibmaschine – einfach göttlich.

Als ich 2003 den Roman von Ian McEwan las, habe ich mich dermaßen über Briony aufgeregt, dass ich tatsächlich durch die Wohnung gelaufen bin und vor mich hin gesagt habe: „Das kann doch nicht wahr sein. Briony, du kleines Miststück!“ Und zugleich ist sie so naiv und kindlich, dass sie einem wiederum leid tut, und das Mitgefühl auch bei ihr ist. Ist es nicht letztendlich sie, die das härteste Schicksal hat?

Selten hat ein Buch so starke Gefühle in mir ausgelöst. Und eine Liebe, wie in diesem Buch, das ist – glaube ich – die wonach wir uns alle sehnen. Aber ist sie vielleicht nur durch den schicksalhaften Verzicht so glühend, so sehnend? Wären Robbie und Cecilia nie durch Brionys Lüge und den Krieg getrennt worden, wären sie dann das glückliche Paar auf dem Lande geworden? Man weiß es nicht. Vielleicht bedarf eine große Liebe, eine solch unglaublich leidenschaftliche Liebe, vielleicht bedarf diese einer Katastrophe, eines Krieges, einer Trennung.

Und jetzt werde ich naiv und gebe mich einer gefährlichen Fantasie hin: Leben wir nicht in langweiligen Zeiten? Weil bei uns alles stabil, alles ruhig und sicher zugeht. Weil uns nichts bedroht. Weil wir deshalb das Wesentliche nicht sehen. Und uns mit dem, was das Leben bietet, nicht zufrieden geben. Entertainment brauchen. One-night-stands. Handyfotos vom letzten Konzert. Flachfernsehdinger. Pauschalurlaub.

Ich will keinen Krieg erleben. Und ich wäre vor Angst gestorben. Aber: Kann es vielleicht sein, dass man damals intensiver gelebt hat? Wenn ich mir aussuchen dürfte, in welcher Zeit ich sonst gerne gelebt hätte, dann müsste ich wohl, naiv wie ich gerade bin, sagen: Ich wäre gerne 1910 geboren. Nicht weil ich es mir lustig, romantisch und bohemisch vorstelle. Sondern weil ich einfach gerne erlebt hätte, wie es wirklich war. Wie war Berlin in den 20ern, wie war Deutschland in den 30ern und wie war der Krieg? Denkt was ihr wollt, haltet mich für plemplem, aber ich weiß durchaus die Vorzüge meiner Zeit zu schätzen und frage mich trotzdem: Wie wäre es damals gewesen?

In dem Roman heißt es in dem Gespräch zwischen Lola und Briony (als sie ihr von dem Brief erzählt) dann übrigens noch:

„He was thinking about it all the time?“ – „The man´s a maniac!“ ;-)

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Sie zitiert

15. Februar 2008

aus den Büchern, die sie in der letzten Zeit gelesen hat:

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„Wir stellen zugleich unser aufgetakeltes Äußeres und unser niedergeschlagenes Inneres zur Schau.“ Ice Cream in La la la

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„Ich hätte sie so richtig durchschütteln und dabei anschreien sollen, wie dumm, wie arg dumm sie sei: warum denn sterben wollen, du hast doch dein ganzes Leben noch vor dir! Wir haben ja alle ein Leben, von dem niemand weiß, wie es sein wird, doch je mehr noch vor uns liegt, desto größer ist auch die Hoffnung. Das Leben ändert sich bei jeder Gelegenheit im Jahr, und vielleicht ist´s ein Milch-und-Honig-Jahr, aber es geht zu Ende, und das neue ist wieder anders; ich weiß das von klein auf: nach dem Kummer die Freude.“ Mercè Rodoreda, Weil Krieg ist

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„In dieser grellen, von lärmender Musik beherrschten Sorglosigkeit wird es dir leicht fallen zu tanzen. Dein Körper wird sich von den Fesseln des Willens lösen, und in dieser Welle rastlos zuckender Arme, Beine und Füße wirst du dich amphibisch frei fühlen.“ Joseba Sarrionandia, Der gefrorene Mann

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„Von zwei Psychopathen vergewaltigt zu werden, ist normal, aber dass sie mich danach im Casa de Campo liegen lassen, spät in der Nacht, wo ICH doch so zugerichtet war wie in einem mexikanischen Vampirfilm, das halte ICH nicht aus. ICH sage ihnen noch, wenn sie mich schon vergewaltigt hätten, dann könnten sie mich wenigstens nach Hause bringen, weil ICH ein Bad brauchte und es in der Gegend keine Taxis gab. Sie sagten, sie trauten sich nicht, mir ins Gesicht zu sehen, sie würden lieber alles vergessen, und ICH solle auch lieber alles vergessen. Das ärgert mich wirklich, ICH begriff, dass es Situationen gibt, da kann eine Frau einfach nicht anders, da muss sie zur Feministin werden. Das war so eine. „

Pedro Almodóvar, Patty Diphusa

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Aus Sten Nadolnys Netzkarte gibt es auch so einiges:

„Die Wahrheit ist, daß ich gern im Zug sitze und aus dem Fenster sehe, meine Phantasie in Gang kommen lasse und allerlei Pläne mache. Das einzige, was mich bisher daran gestört hat, war die Zumutung, irgendwo aussteigen zu müssen, weil die Fahrt zu Ende war. Aus diesem Grunde kaufte ich mir die Netzkarte.“

„In einem Bus ist es nahezu unmöglich, im Stehen jemanden zärtlich zu berühren und sich gleichzeitg bei jähen Bodenwellen und Straßenecken, die man nicht kennt, festzuhalten. Es endet oft damit, daß man sich gerade an der Person festhält, zu der man zärtlich sein wollte, sie gar umreißt und durcheinanderbringt, unverhofft schwängert und ähnliches. Da ich all das vielfach erfahren habe, unterließ ich jeden Versuch, der zu einem bösen Ende hätte führen können, und die Busfahrt verlief ereignislos.“

„Es ist seltsam, jemanden zu betrachten, der aus einem fahrenden Zug in den Wald schaut. Das Auge nimmt nicht einfach alles auf, was vorüberfegt, sondern muß von Einzelheit zu Einzelheit springen. Die Augen meines Gegenübers sind nach draußen gerichtet und flackern unablässig. Das gibt seinem Blick etwas Aufgescheuchtes, Dramatisches. So ähnlich guckt eine Katze durchs Gartentor, wenn hintereinander fünf Feuerwehrwagen vorbeifahren.“

„Eine Straße mit Birken nähert sich erst zaghaft, dann immer schneller, stürzt auf den Bahndamm zu, entledigt sich hastig der Birken und verschwindet unter mir in einer Unterführung.“

„<<Frankfurt.>> Aus meinem Zug steigen nur Männer aus, auch zwei von meinen vier Abteilgenossen. Was Frauen anbelangt, ist dieser Zug eine Pleite. Wieso gibt es keine Gschäftsfrauen, die in wichtiger Mission von ihren Firmen per Erster Klasse durch die Bundesrepublik geschickt werden? Ich gehe in den Speisewagen. Die Serviererin vergißt mein Frühstücksei. Ich brauche nur Sekunden, um zu wissen, wie sie es wieder gutmachen könnte. Aber sie bringt dann doch lieber das Ei.“

„<<Sulz am Neckar.>> Zwei Mädchen steigen ein, mit roten Bäckchen, frisch miteinander schwäbelnd, mit neugierigen, freundlichen Augen. Mein innerer Raubvogel wird wach. Die Schwaben sind seelisch alle irgendwie übermäßig gesund.“

„Auf dem ganzen Heimweg sprachen wir über Frauen, die er mochte – dazu zählte er vor allem seine Ehefrau -, und über Frauen, die ich mochte. <<Frauen>>, sagte er, das Gartentor in der Hand, <<sind keine besseren Menschen. Aber sie sind mir die lieberen.>> Ich stimmte zu, und für halb zwei Uhr nachts war das zwischen zwei Männern, die sich vorher nie gesehen, dafür aber heute dem Wein gut zugesprochen hatten, ein beachtliches Fazit.“

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„Da taucht das einzig wirklich wichtige Problem auf: Was soll ich anziehen?

Stil zukünftige Autorin und ohne jede Eleganz, denn das wahre Leben spielt anderswo. Lieben Sie mich nicht wegen meiner vollen Brüste, lieben Sie mich wegen meines geistigen Gehalts.

Stil zukünftige Legehenne für Bestseller, mit Dauerwelle, denn das wahre Leben ist hier. Lieben Sie mich nicht wegen meines Talents, lieben Sie mich wegen meiner Nähe zum Volk.

Stil Aufreißerin für elegante Männer an der Rive gauche, zum sofortigen Verzehr, denn das wahre Leben spielt sich auf Ihrem Schreibtisch ab. Lieben Sie mich nicht wegen meines Manuskripts, lieben Sie mich wegen meines gehaltvollen Innenlebens.“

Anna Gavalda, Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet