Archiv für die Kategorie ‘Mannheim’

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Zwei weitere Jahre

21. Oktober 2009

Ich glaube, ich werde meinen Vertrag verlängern. Um damit mein Lotterleben um zwei weitere Jahre fortführen zu können, während ich vornerum tue, als wäre ich seriös+harmlos und hintenrum probiere ich alles mögliche aus. Und in zwei Jahren ist dann die 30 da. Dann werde ich vernünftig. Bis dahin…

  • Kunst kaufen trotz keinem Geld,
  • schwärmen, abwechselnd für Männer und für Mannheim,
  • die Stadt verschönern, auf verschiedene Arten,
  • nur zu Hause zu sein um zu schlafen, kochen, duschen und waschen,
  • andere Städte bereisen,
  • meine Familie und Freunde herzen,
  • ein Buch schreiben.

Da ist es. Ich gebe mir zwei Jahre. Mal gucken.

Mein aktueller Ohrwurm folgt. Ich strapaziere das aber auch immer so. Wenn mir ein Lied gefällt höre ich das vier Tage lang in Endlosschleife. Ein bisschen brutal, ich weiß. Aber:

Alles kann besser werden
Holen wir uns den Himmel auf Erden
Alles soll besser werden
Holen wir uns den Himmel auf Erden
Alles wird besser werden
Wir holen uns den Himmel auf Erden
Und keiner muss sein Leben mehr gefährden
Einer der kostbarsten Schätze auf Erden

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Sie schwankt

5. Oktober 2009

Ja, das ist der Normalzustand. Sie schwankt. Himmelhochjauchzend zu Tode betrübt. Sollte ich mich eventuell beizeiten auf Schizophrenie oder manische Depression untersuchen lassen?

Die Stadt M

Meine Liebe für diese Stadt ist unerklärlich. Wo kommt sie her? Wo führt sie hin? Ich weiß nicht, was ich euch sagen soll, damit ihr es einigermaßen nachvollziehen könnt oder es mir zumindest glaubt. Ich lasse mich anfahren, ich verschmiere mein Blut an Brücken, ich klebe mit bloßen Händen meine Bilder an Wände, ich bleibe zu lange in der Straße der Straßen, ich sitze an Ufern und in Cafés, ich rieche allerlei,  ich betrachte Gebäude, Plätze, Brücken. Ich finde einfach keinen hässlichen Ort. Alles gehört so. So ist das Leben. So sieht es aus. Ich möchte einen Menschen treffen, der so ist, wie diese Stadt.

Duale Persönlichkeit

Für Abwechslung und Aufregung sorgt die Tatsache, dass man zwei Seelen in sich trägt. Sagte ja auch Goethe schon. Befreiend und beängstigend zugleich, wenn man unterschiedliche Persönlichkeiten ausleben kann. Den angeblich spießigen Teil: Im Öffentlichen Dienst arbeiten, Pseudo-Sicherheit mit befristetem Vertrag, Tagungen, vor jungen Quälgeistern dozieren, sich über Drucker und Bürokratie aufregen und über die Servicementalität mancher „Abteilungen“ auch. Den angeblich wilden Teil: Rotwein bis zum Abwinken, Kleben Kleben Kleben, Hinz und Kunz treffen, mit 19-jährigen Briefträgern aus Berlin und 32-jährigen Informatikern und einem Darmstädter bei den Strümpfen kickern. Scheiße, war der Berliner gut. Mit einer Hand (in der anderen die Kippe oder die Bierflasche) gegen zwei und trotzdem scheißgut. Mann. Das will ich auch!

Ich weiß nicht, ob ich in 10 Jahren zwei Kinder und einen Arzt als Mann haben will, die ich täglich bekoche, nachdem ich morgens im Engelhorn BOSS-Pullis einkaufen war. Oder ob ich in Sneakers durch Gebüsche rennen und „on the edge“ leben soll, direkt in den Mund, eine kleine Mietwohnung haben, aber auf sämtlichen Gästelisten stehen, Hedonismus und Freiheit.

Mensch, ich bin sooo unentschlossen. Beides ist fatal und interessant zugleich.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
(Faust I)

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Über den Dächern…

27. Juli 2009

Leute mit Flachdach sind zu beneiden. Ich saß jedenfalls gestern Abend zum zweiten Mal auf einem Dach in der Schwetzinger Straße und durfte den Sonnenuntergang über Mannheim beobachten, von oben aufs Bernstein runter gucken, den Fernsehturm und der Christuskirche beim „angehen“ zuschauen (rot und weiß), den Mercedesstern aus der Ferne leuchten und die Flagge überm Maritim angestrahlt im Winde flackern sehen. Dabei ein Glas Rotwein trinken, die Schwalben zwitschern hören (viel besser als Twitter) und leichte Konversation betreiben. Wunderbar!

And yet again: I love this city. Nonetheless I´m looking forward to visiting the two big Bs in August. Berlin and Barcelona. But I´ll be back, beloved.

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Industrieromantik

3. Juli 2009

Warum lernen, wenn man auch mit Inlinern durch den Hafen fahren kann? Manchmal ist es so unglaublich, dass all das gar nicht so weit weg von einem existiert. Das kann man übrigens grundsätzlich im Leben sagen: Etwas passiert direkt neben uns und wir haben keine Ahnung.

I love summer awesomeness.

I love industrial beauty.

And I love having this all for myself.


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Rhodos

13. Juni 2009

… ist für die meisten Menschen eine griechische Insel, auf der man Urlaub machen und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen kann. Für Mannheimer, die nicht nach Hause gehen wollen, bedeutet es hingegen die letzte Zuflucht.

Wenn man also mit Bassisten im Rhodos sitzend, interessante Menschen anschauend, jemanden erkennt und denkt, ach, die ist auch hier, ach, mit dem?, sie zurückwinkt, aber nicht mehr so richtig weiß, in welche Schublade sie einen stecken soll, und man nach einigen Getränken den gegenüberliegenden Waschsalon in „Langsam & Dreckig“ umdichtet, weiß man, der Abend war lang und gut. Oder eher: Zu lang und zu gut.

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Miniberlin

12. Juni 2009

Die These, dass Mannheim eine Art Miniberlin ist, konnte ich gestern Abend erneut empirisch festigen: Während ich speisend mit einer Berlinerin vor der Alten Feuerwache saß, staunten wir nicht schlecht ob des Publikums, das sich in einer immer länger werdenden Schlange um Eintrittskarten für den gestrigen Poetry-Slam bemühte. Wo kommen die denn alle her?, fragten wir uns. Sie sahen nämlich aus wie ein Direktimport aus dem Prenzlauer Berg.

Nun gut, sicherlich waren das nicht alles Mannheimer, sondern auch Heidelberger Intellektuelle und LOHAS, die anreisten um sich an den Bühnenpoeten zu erfreuen. Trotzdem ergriff mich tiefe Befriedigung, dass 5 1/2 Std. Zugfahrt nicht zwingend sein müssen, um unter zumindest teilweise ähnlich interessierten, denkenden und bekleideten Menschen sein zu können.

Der Slam war übrigens großartig. Besonders wortgewand fand ich Hanz aus Backnang, Nico Semsrott und den Gewinner Jakob Nacken.

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Stadtreinigung Mannheim

11. Juni 2009

… fuck off!

Ok, ich hab´s verstanden: Eure Brücken sind euch heilig. Kaum ist man mal zwei Wochen weg, wird mit grau drüber gestrichen. Arghgh! Rache ist bitter. Ihr macht etwas Kleines weg? Ich mach etwas Größeres hin. ;-)

See you soon.

MJF

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Zu viel Musik?

12. Mai 2009

Nachdem die Drogen vergangenen Wochenendes mittlerweile aus meinem Körper ausgeschieden sind, kann ich nun vom Samstag Abend berichten. Ich stand auf der Gästeliste für diese exklusive Veranstaltung… Diesel U Music. Natürlich Industriestraße. Ziemlich coole Location, muss man schon sagen. Mich und meine zwei Begleiter erwartete ein rosa bestrahltes Haus, das teilweise entkernt war und einen schönen Halbbruchbudenlook vermittelte. Hip halt. Wunderschön war der Hof, man konnte fast bis an den Rhein ran und den verklärten Blick auf die nächtlichen, hell beleuchteten Industrieanlagen werfen. Industrieromantik, es gibt sie wirklich. Vor allem in dieser Stadt.

Was weniger cool war, waren die Leute. Was heißt hier weniger cool? Zu cool. Alles so hippe Musikbusinessmenschen. Models. Betrunkene, sehr gutaussehende 19-jährige Leadsänger aus Rostock. Dazu hat eine Band im Nazi-schick furchtbare Musik gespielt und bestimmt Jeans von Diesel getragen. Toiletten waren unisex, sehr gewöhnungsbedürftig. Auf der anderen Seite… Wenn sowieso schon so viele metrosexuelle Männer da herum rennen, warum dann noch getrennte Klos? In einem oberen Stockwerk gab es Singstar (ständig besetzt) und in dem Stockwerk drüber haben Sicherheitsleute „Artists only“ verkündet. Getränke waren umsonst. Dementsprechend ging es da ab. Als ich deshalb zwischen all diesen aufgestylten Menschen einen normalen Studi von uns erblickte, war ich dann doch erleichtert.

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Mein Känguruhbeutel

19. April 2009

Mannheim ist für mich zur Zeit der schönste Platz auf der Welt. Wenn ich wegfahre und mir aus dem Zug die Quadrate und den Jungbusch, den Rhein und den Neckar, den Fernsehturm und das Collini-Center anschaue, wie sie schnell an mir vorbeirauschen und verschwinden, dann werde ich sentimental und denke sehnsüchtig an die Heimkehr. Und wie groß ist die Freude, wenn ich zurück komme und mich wieder in meinen Känguruhbeutel begeben kann. Unermesslich!

Rational und objektiv ist das nicht. Sondern durch und durch emotional und subjektiv. Hat alles damit zu tun, dass mein Leben besser ist, seit ich hier wohne. Dass mein Leben sich hauptsächlich hier und in 50 Km Umkreis abspielt. Dass Mannheim und die Menschen, die hier wohnen, mich nie enttäuscht haben. Oder vielleicht auch daran, dass ich mich hier wiedererkenne. Ich habe halt auch dunkle und schmutzige Stadtviertel in mir, in denen kaum Deutsch gesprochen wird. :-)

Es ist ehrlich hier. Wenn ich mir diese Stadt angucke, dann denke ich: Ja, so ist das Leben. Und es ist alles ablauf- und abfahrbar (mit dem Rad). Ich entdecke tausend Orte für mich und einige Leute. Und ich habe irgendwie das seltsame, aber warme Gefühl: Das bin alles ich, das ist alles meins. Das ist mein zu Hause. :-)

Ach, Pathos… Schmacht. Seuftz. Usw. I love MA.

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Erkenntnisse des Wochenendes

8. Februar 2009

Man gebe sich ein Kontrastprogramm. Hinsichtlich des Alters.

Ich war auf der Vernissage der „Strümpfe“ und konnte mehr oder weniger ansprechende Kunst in einem sehr ansprechenden, wunderbaren, kleinen Raum begutachten. Dabei interessante Menschen kennen lernen, die jugendlich und sehr kreativ gekleidet waren, aber nicht mehr so jugendlich sind. Aber innerlich jung geblieben, und das ist das was zählt, oder? Jedenfalls kamen wir auch auf die Onkel Otto Bar zu sprechen, von der ich der Meinung bin, sie ist das Mannheimer Auffangbecken für Männer mittleren Alters (30-40), die auf der Jagd sind. Und als Beute stellen sich – von mir arroganter Sau einmal abgesehen – hübsche und einfach mit nach Hause zu nehmende Frauen zur Verfügung, die sicherlich nicht zur intelligenten Elite dieser Nation zählen. *räusper* Jedenfalls wurde gemeinsam erörtert: Die OO-Bar ist ein Ort für Frotteure. Wie geil ist dieses Wort! Also Leute, die sich an anderen reiben wollen, was in der OO-Bar hervorragend möglich ist. Trotzdem: OO-Bar rules. Ab und zu kann man (und frau) sich ihr nicht entziehen. :-)

Wer sich an jüngeren Körpern reiben will, der möge sich in die Alte Feuerwache auf ein Konzert der „The Subways“ begeben. Frottieren in der OO-Bar ist, verglichen mit dem Körperkontakt der da stattfand, eine geradezu prüde Angelegenheit. Die Subways sind musikalisch ebenfalls nicht elitär und der Sänger ist für sein Alter ganz schön arrogant. (Hier fällt mir der geniale Zwischenruf eines Berliner Konzertbesuchers ein, der damals in der Kalkscheune den ebenfalls sich zu Tode possierenden „Sugarplum Fairies“ entgegen rief: „You´re not the Hives!“). Aber sie rocken, rocken, rocken! Junge, wohltrainierte, tätowierte, nackte Männeroberkörper mit Guitarrendeko sind hübsch anzusehen. Aber rechtfertigen sie eine Orgie mit der schwitzenden Jungfleischmasse? Ich bin noch unschlüssig. Lustig war´s aber auf jeden Fall. Das lag aber vor allem an den guten Freunden, die dabei waren und mich vor so manchem Ellbogen im Gesicht bewahrt haben. Blaue Flecken hab ich leider trotzdem. Zukünftig also lieber wieder OO-Bar?

Ich hoffe, diese zwei Absätze können das Dilemma der 25-30-Jährigen annähernd wiedergeben. Oder um es mit der Überschrift eines Artikels aus dem U_mag zu sagen: „Niemand will alt werden, doch zu jung ist auch irgendwie uncool.