Archiv für die Kategorie ‘pfui’

h1

Wissenschaftler

4. November 2009

Mist. Ich habe mir vor einiger Zeit ein grandioses Zitat rausgeschrieben und weiß nicht mehr wo her. Ich glaube es ist aus der IWP. Werde nochmal recherchieren und ggf. die Quelle ergänzen:

„Ein Wissenschaftler braucht Wahrheitsliebe. Darum werden wohl die heute von Hardlinern der Evaluation und ministeriellen Richtlinien gezüchteten neuen karriereglatten und anpassungsgeschmeidigen WissenschaftlerInnen, die nur mehr auf effizientes Erwirtschaften maximaler Journal-Impact-Faktor-Punkte und Drittmittel schielen, nur wenig echt Innovatives oder gar wissenschaftlich Revolutionäres hervorbringen.“

Es ist wirklich so. Wissenschaftler sind die Sklaven des Impact-Faktors. Und alle machen brav mit.

h1

Im Affekt geschrieben

15. Juni 2009

<zeter>

Heute auf dem Kicker:

Alle ungeduldigen Menschen zwischen 18 -24 Jahren. Mich nervt:

  • ihre Frech- und Unverschämtheit
  • ihre Annahme, dass alles selbstverständlich sei: Demokratie, funktionierende Drucker, satt sein, ein Bett haben, Markenklamotten tragen, volle Supermärkte mit absurd niedrigen Preisen und einen Golf besitzen
  • ihr verdammtes Gepose, ihre Politikverdrossenheit, ihr Egoismus
  • ihre Überzeugung, sie hätten schon was geleistet im Leben: Habt ihr nicht!
  • ihre Meinung, sie müssten den Po abgewischt bekommen, nur weil sie (sic! ihre Eltern!) 500 € Studiengebühren zahlen

Denen gehört allen mal der Popo versohlt!

because I’m so clever
but clever ain’t wise
and fuck forever
if you don’t mind

</zeter>

h1

Die Würde eines Schnitzels

16. März 2009

Jahr der Geisteswissenschaften. Jahr der Mathematik. Wie langweilig! Frau Frapeur ruft das Jahr der frustrierenden Facharztbesuche aus. Und seit dem ich heute Morgen noch auf den FAZ-Artikel „Mediziner sind noch keine Ärzte“ stieß, gibt´s kein Halten mehr, der Frust muss raus. Genau so ist es nämlich! Ich will auch, dass mir wenigstens die Würde eines Schnitzels zuteil wird.

In Deutschland herrscht Ärztemangel. Es mangelt an guten Ärzten. Es mangelt an Ärzten, die über ihr beschissenes Fachgebiet hinaus denken. Es mangelt an Ärzten, die einen Körper als Ganzes betrachten. Es mangelt an Ärzten, die ihre Patienten ernst nehmen und respektieren. Es mangelt an Ärzten mit Einfühlungsvermögen. Es mangelt an Ärzten mit Interesse für den Menschen, der sich hinter dem Stück Fleisch verbirgt, das seit 2 Std. im Wartezimmer sitzt.

Dr. House zu gucken macht Spaß. Dr. House zu erleben nicht.

h1

Prüfungen

16. Oktober 2008

Wir werden im Leben ja täglich aufs Neue geprüft. Die Frage ist nur: Wer prüft hier eigentlich. Der liebe Gott? Das Schicksal? Und warum werden wir geprüft? Um ein Level weiter zu kommen, weil wir den Entgegner (die gemeine Masse der Buchmessenbesucher) besiegt haben? Oder es ggf. nochmals probieren müssen?

Meine Prüfüngen der letzten Tage:

  • Polizei und Ordnungsamt prüften mein verbotenes Fahrradfahren in der Fussgängerzone. Das freundliche Gespräch („Ay wisse Sie net, dass ma hier in der Fussgängerzooon net fahre derf? Wie lange wohne Sie dann schon hiea?“) kostete nur 10 Euro. Wieso kommt man sich dabei eigentlich wie ein Schwerverbrecher vor?
  • Möglichst unbeschadet durch möglichst viele Gänge der Buchmesse an den sogenannten „Fachbesuchertagen“ (ich glaube selbst der UPS-Zusteller mit Amazon-Päckchen gilt als Fachbesucher) durchqueren und sich von wahnsinnigen Besuchern fern halten, die sich stündlich auf die Langenscheidt-Taschen stürzen oder sich vor dem GU-Kochstudio auf die Füße treten. Das ist eine körperliche Prüfung.
  • Noch eine Geduldsprüfung: Ehemalige Studienkollegen ertragen, denen man während einer Fachtagung begegnet und einem lang und breit erzählen, dass sie nun eine gut bezahlte Stelle an einer großen Einrichtung innehaben und an einem der wichtigsten Projekte unseres Arbeitsbereiches in Deutschland teilhaben. Mal ganz im Ernst: Was entgegnet man Leuten, die so selbstüberzeugt sind, dass sie platzen? Außer einem Lächeln und der Versicherung, dass man sich sehr für sie freut? (Was ich auch tue, aber ich bin eher eine Freundin der Bescheidenheit, wenn jemand toll ist, dann erkenne ich das schon selbst.)
  • Suchtfaktor prüfen: Der kleinen MJF die 2. Staffel von Dr. House unterjubeln und gucken was passiert. Ok, diese Prüfung habe ich nicht überstanden und bin zum Junkie geworden. Aber das ist einfach zu gut. Nachts murmele ich nun englische Fachbegriffe vor mich hin: MRI, brain biopsy, full blood work, cardiac arrest, epi, tumor markers, clot, intubation, clinic duty, bone marrow, underlying condition. Ich werde es nachträglich als Fortbildung beantragen.
h1

Wie ärgert man Franzosen?

5. Oktober 2008

1) The bad-poisson-scene

Bei einem Fischhändler fragen: C´est le poission d´aujourd´hui? (Meine Tante, ich sag´s euch. Ich: Por favor, no le preguntes eso. Und sie: Me dirá que es de hoy, pero huele como si fuera de una semana. Todos los pescaderos mienten.) Er war daraufhin sehr empört. Und der Fisch natürlich von heute und sehr lecker, pero no es como el del mediterraneo, claro.

2) The bad-restaurant-scene

Hatte ich vor genau einem Jahr schon einmal in Grenoble. Wir gehen in ein Restaurant, keiner kümmert sich um uns, also gehen wir rein. Man wird ignoriert und kein Kellner kommt. Warum? Weil man sich setzen lassen muss. Ich also abends bei meinem französischem Gastgeber nachgefragt, ob das ein totaler faux-pas ist oder was. Und er: O, forget se french. C´est terrible. You should have left se restaurant, come again and bring a matress. Sen you lie on se floor and say, hey, maitre, I´m sleeping. So fucking come over here or I´m leaving. Na, wenn er das sagt, dann werde ich es beim nächsten Mal ausprobieren.

h1

J´oublie le look bling-bling

3. Oktober 2008

In der Bretagne gibt es wunderschöne, weisse Sandstrände. Ich überlege, ob ich Algen mitnehmen und meine private Thalassotherapie starten soll. Hab ich dann aber doch gelassen und statt dessen neue Vokabeln gelernt:

  • le USB-clé = USB-Stick
  • disc ammovible = Wechseldatenträger
  • c´est ridicule = das ist lächerlich
  • pas de pub = bitte keine Werbung (auf Briefkästen)

Und aus der „Marie Claire“: „J´oublie le look bling-bling“. Was soviel heißt wie: Ich werde mir keine blinkenden Steinchen mehr anhängen. Also: Keine Klunker an den Fingern, kein Strass auf der Unterwäsche oder dem Handy. Keine bis auf die Schultern hängende Brillantenohringe mehr. C´est ne pas chic anymore.

Le look bling-bling.

h1

Patty Diphusa

8. August 2008

Manchmal bekomme ich Bücher auf meinen nicht vorhandenen Schreibtisch, bei denen ich wirklich nicht weiß, ob ich sie der breiten Öffentlichkeit empfehlen soll oder nicht. Eines davon ist das als Taschenbuch erschienene Bändchen „Patty Diphusa“. Darin berichtet ein von Pedro Almodóvar kreierter weiblicher Charakter amüsant und explizit über Sex, Drogen und Partys und das exaltierte Leben im Madrid der 80er Jahre zur Zeiten der „móvida„.

Spaniens schillerndster Filmregisseur versucht sich damals als Schriftsteller. Heraus kam POP. Heraus kam die später zu einem Buch zusammengefasste monatliche Kolumne der Patty Diphusa. Dieser von Almodóvar kreierte und mit einem maßlosem Selbstbewusstsein bestückte Charakter, definiert sich selbst als internationales Sexsymbol und weiblicher Pornostar. Eine ganze Diva, die eingebildet ist, ohne dabei arrogant zu sein. Das geht? Ja, ohne Zweifel. In der Kolumne, die ursprünglich in der Zeitschrift „La Luna“ erschien, erzählt Patty aus ihrem exaltierten Leben, das sich hauptsächlich um Männer, Sex, Drogen und Partys dreht. Von literarisch sicherlich zweifelhafter Qualität, dabei jedoch durchaus amüsant zu lesen, ist dieses dünne Taschenbuch eher denjenigen Leserinnen und Lesern zu empfehlen, die am Gesamtwerk Almodóvars interessiert sind. Eine Lektüre, die mich an die Bücher von Irvine Welsh erinnert und unbedingt mit einem zwinkernden Auge gelesen werden sollte.

Anbei noch ein Hinweis auf eine etwas ausführlichere Rezension. Ein Zitat darf natürlich auch nicht fehlen:

„Wenn du für mich tanzt, kannst du von mir haben, was du willst.“ – „Ich tanze weiter, aber du musst mir dafür nichts geben. Ich mache es einfach, weil es mir Spaß macht.“ Tina Turner wäre nass geworden, wenn sie gesehen hätte, was dieser Junge bei ihrem neuestem Hit veranstaltete. Und als er mit seiner Darbietung von Dirty Mind loslegte, hätte Prince keine Sekunde gezögert und gratis eine Spanien-Tournee gemacht, nur um mit dem da frühstücken zu können. Mit einem Wort: Die Show, die der Junge abzog, war ein Augenschmaus. Man hätte glauben können, er sei von einem „Jugend tanzt“-Wettbewerb abgehauen. Eine halbe Stunde lang wäre das vielleicht langweilig geworden (was wird schon nicht langweilig, wenn man es eine halbe Stunde lang tut), aber fünf Minuten lang war es wie ein Glas Schnaps direkt in die Adern gespritzt. War keine schlechte Idee gewesen, ihn zu bitten, dass er tanzte. Er kam zurück zu mir. „Ich habe Pillen geschmissen, ich könnte die Nacht durchtanzen. Ich wäre jetzt zu allem fähig.“ – „Komm“, sagte ICH und nahm ihn bei der Hand. „ICH schulde dir was. ICH habe ein Geschenk für dich.“ Und ich entführte ihn zu den Toiletten. Wir gingen bei „Kleine Jungs“ rein, weil die immer liberaler sind, und verrigelten uns in einer Kabine. „Was ist los, hast du Koks?“ – „Hab ICH.“ Und kaum hatte ICH das gesagt, stürzte ICH mich auf seine Lippen, damit er nicht nach noch mehr Drogen fragen konnte. Beim Kapitel Drogen sind die jungen Menschen unersättlich. Während ICH ihm mit meinem Kuss den Mund versiegelte, öffnete ICH Knopf für Knopf seinen Hosenstall. Das LEBEN vergeht wie im Flug, und manchmal bleibt dir nichts weiter übrig, als mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, wenn du dein Stück abhaben willst vom Kuchen.“

h1

Die feuchten Gebiete der Frau R.

5. März 2008

„Ein Minenfeld des Ekligen.“

„Schleimporno gegen Hygienezwang.“

„Ekelprosa mit sekretfixierter Heldin.“

„… reichhaltiges Sperma- und Eiterreservoir gegen die überreinliche, sakrotangetränkte westliche Welt.“

„Ich benutze mein Smegma wie andere ihre Parfümflakons. Mit dem Finger kurz in die Muschi getunkt und etwas Schleim hinters Ohrläppchen getupft und verrieben. Wirkt schon beim Begrüßungsküsschen Wunder.“

Helen Memel in „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche

Seit Samstag ist dieses Buch in meinem Besitz. Sonntag Abend angefangen. Fasziniert gelesen. Und etwas geekelt. Wobei eher gelacht. Krass, die Frau. Die Sex- und Unhygienegeschichten der Helen ekeln mich eigentlich nicht. Sowas finde ich eher „interessant“. Aber ich bin etwas delikat was detaillierte medizinische Beschreibungen angeht. Und deshalb bin ich nur bis Seite 174 gekommen. Und da ich im Zug nicht so gerne in Ohnmacht falle, und mir auch beim zweiten Versuch diese Seite zu lesen schwarz vor Augen wurde und ich mich nur mit Landschaft gucken und etwas ujjayi Atmung beruhigen konnte, habe ich es dann gelassen.

Das ist sicherlich keine hochwertige Literatur (dafür ist die Handlung etwas zu banal und die psychologischen Hintergründe der Frau Memel zu wenig ausgearbeitet). Aber interessant ist´s allemal. Und wenn ein Wort passt, dann krass. Endlich mal ist etwas wirklich krass. Und das Thema an sich, die verordnete, teilweise recht unnatürliche Hygiene, die vor allem Frauen betreiben (müssen / wollen / sollen), ist etwas worüber man und frau nachdenken sollte.

Charlotte meint übrigens: „Ich bin nicht so cool, wie man nach der Lektüre des Buches denken könnte. Wenn ich bei einer Freundin eine Intimwaschlotion auf dem Badewannenrand sehe, spreche ich sie nicht drauf an. Diese Lotionen senden die Botschaft aus: Du stinkst. Jede Frau hat irgendwann mal gehört, dass ihr Geschlechtsorgan angeblich schlecht riecht. Das macht es unmöglich, selbstbewusst zu sagen: Ja, leck mich, ich stinke. Wer ist denn so cool? „

h1

Outing: Ich gehöre zu den LOHAS

5. September 2007

Wie einige von euch bereits wissen, neigt MJF ja durchaus zu einer gewissen Radikalität. Was vielleicht auf die südländische Mentalität zurück zu führen ist? Keine Ahnung. Wie auch immer: Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann bin ich meist sehr hartnäckig darin. Und dann muss auch erstmal etwas Dickes passieren, um mich davon wieder abzubringen. Beim Vegetarismus ist dies noch nicht passiert (das klappt seit 7 Jahren sehr gut, und da zwischenzeitlich kein Gammelgemüse aufgetaucht ist, vermutlich auch weiterhin).

Grundsätzlich bin ich ja auf dem Gesundheits-Trip. :-) D.h. ich bin der Meinung, die Gesundheit ist eines unserer höchsten Güter und viele Leute werfen sie täglich weg und gehen schlecht mit ihrem Körper um, weil man meistens erst dann jammert wenn es weh tut. Für mich gibt es nichts Abschreckenderes als Krankenhäuser. Deshalb will ich gesund leben. Und überhaupt. Die Gesundheit setzt sich (nur die körperlichen Aspekte betrachtend) aus drei Faktoren zusammen: Nahrung, Bewegung, Entspannung.

Bewegung: Dass regelmäßig Sport treiben ganz gut ist, hat jeder mittlerweile zumindest schon einmal gehört. Entspannung: Gut die meisten denken, das würde auch prima vor dem Fernseher klappen, eigentlich gehört etwas mehr dazu, aber immerhin: Die meisten Leute sind der Meinung sie können sich prima entspannen. Aber Nahrung? Sie essen alles. Alles. Und denken nicht darüber nach. So gibt es Menschen, die viel Geld für Klamotten ausgeben, aber Lebensmittel immer nur zum billigsten Preis kaufen möchten. Diese Menschen finde ich seltsam. Viele stopfen extrem viel Müll in sich hinein. Was daran liegt, dass ihr Vertrauen in die Lebensmittelhersteller recht groß ist.

Bei mir ist das anders. Einerseits versuche ich vielseitig zu essen, d.h. auch nicht so viel Süßzeug sondern viel Gemüse und Obst. Auf der andern (der radikaleren) Seite zweifle ich grundsätzlich daran, dass Lebensmittelhersteller daran interessiert sind, ein gutes Produkt zu verkaufen. In erster Linie wollen sie Profit machen. Punkt. Profit macht man mit Scheisse. Mit wohlschmeckender und gutaussehender Scheisse. Da ich dies glaube (warum ich das glaube, das „würde diesen Beitrag sprengen“, ich möchte hier nur auf sämtliche Skandale verweisen bzw. zum Gucken von „We feed the World“ raten) bin ich (entgegen der Behauptung auf dem Button oben rechts) eine optimale Zielgruppe für Bio-Produkte. Junge Dame mit akademischen Hintergrund, die gesundheitsbewusst lebt, bereit ist dafür viel Geld auszugeben und dies zu ihrem Lifestyle macht, somit neusoziologisch zugehörig zu den LOHAS („Lifestyle of Health and Sustainability“). Gesundheitsförderung besteht im salutogenetischen Ansatz darin, die stabilisierenden, gesunden Anteile in den Vordergrund zu stellen, d.h. sie zu benennen, zu begünstigen und sich entsprechend zu verhalten. Also kauft diese Dame gerne Bio-Produkte (im Bioladen, im Reformhaus, im Biosupermarkt, ja, auch im Discounter), glaubt, damit die Welt zu verbessern und sich selbst gesund zu essen. (Übrigens: Ich finde bei vielen Bio-Produkten schmeckt man, dass sie Bio sind).

Deshalb bin ich momentan etwas erschüttert über den Fakt, dass es auch bei den Biolebensmitteln Skandale gibt (siehe den Titel des dieswöchigen Spiegels), dass LIDL bei Basic einsteigt und ich eigentlich dieser Verarschung und dem Essen von Scheisse aus dem Weg gehen wollte. Aber: Es ist schwer! Und deshalb bin ich etwas deprimiert, weil ich quasi feststelle, das Gott nicht aussieht wie David Hasselhof sondern wie Bart Simpson. Im übertragenen Sinne zu verstehen.

Ich höre euch schon sagen: „Liebe Marie-Jacqueline, das Leben ist nicht schwarz-weiß.“ Ich weiß. Aber es wäre einfacher, wenn es so wäre. Und ich möchte doch so gerne gut sein. Gut zu mir, gut zu anderen, gut zu der Welt. *seuftz*

„Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.“ (Definition der WHO). Wenn man das nimmt: Wer von uns ist dann eigentlich gesund?

Die schicke Kette gibt´s übrigens bei Katis Atelier.

h1

Gourmets, Ratten und ein Hauch von Edgar Allan Poe

7. August 2007

Carlos Balmaceda: Das Kochbuch des Kannibalen : ein kulinarischer Thriller, 2000 Seiten, Piper 2007, Originaltitel: Manual del caníbal

Der argentinische Schriftsteller Carlos Balmaceda erzählt die Geschichte einer italienischen Einwandererfamilie, deren Angehörige im argentinischen Mar del Plata über Generationen hinweg ein für seine exquisiten Speisen bekanntes Restaurant führen. Im Mittelpunkt des das gesamte 20. Jh. umspannenden Romans steht dabei das geheimnisvolle „Handbuch der südatlantischen Küche“. Dieses von den Vorfahren selbst verfasste, handschriftliche Kochbuch wird von den Nachfahren, zumeist ebenfalls leidenschaftliche Köche, geschätzt, verfeinert und weitergegeben. Doch hinterlässt im Laufe des Romans die wechselhafte, von politischen Irrungen und Wirrungen gespickte italienische und argentinische Geschichte Spuren der Gewalt in der Familie, so dass der jüngste Sprössling schließlich zu einer makaberen Interpretation der von seinen Vorfahren hinterlassenen Rezepte übergeht. Die Ungeheuerlichkeit dieser Vorkommnisse beschreibt Balmaceda, der bereits mit seinem ersten Roman („La plegaria del vidente“, nicht auf Deutsch verfügbar) für den in der spanischsprachigen Welt bekannten Literaturpreis Premio Planeta nominiert war, hierbei mit der blumigen Sprache eines Gourmets. Auch durch die zeitlichen Wechsel im Erzählstil stellt dieser die Grenzen der Ethik hinterfragende Roman eine anspruchsvolle aber nicht immer leicht verdauliche Lektüre dar.

Hilfreich ist der auf der letzten Seite aufgeführte Stammbaum der Familie, ohne den ich kaum klar gekommen wäre. Und Ratten spielen auch eine Rolle. Übrigens: Thriller, das klingt nach Spannung. So spannend ist es dann aber gar nicht… Eher eine mit Liebe zum kulinarischen Detail geschriebene Familiensaga. Plus Rezeptbuch: Man nehme eine dicke Arschbacke, lege sie ein in Marinade…