Archiv für die Kategorie ‘schmalerGrat’

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Undankbar?

29. Juli 2009

Gestern bin ich wie jeden Morgen zur Arbeit gegangen, denke an nichts Bestimmtes und dann begegne ich einem kleinen Mädchen, etwa 2 Jahre alt, dessen Kopf komplett verbrannt ist. Narben ohne Ende. Sie hat mich mit ihren großen Augen angeschaut und es ist mir durch Mark und Bein gefahren.

Dieses Erlebnis hat mich sehr traurig gemacht. Und ich schäme mich dann immer, wenn ich an meine „Probleme“ denke und dass diese im Vergleich lächerlich sind. Ich weiß, es wird immer Menschen geben denen es besser oder schlechter geht als mir, aber trotzdem: Vielleicht bin ich manchmal zu undankbar.

Ich hoffe, dass dieses Mädchen den Mut hat zu leben. Mit den Blicken zurecht zu kommen und ihre eigene Würde nicht anzuzweifeln. Und nicht zu verzweifeln. Und wirklich zu glauben, dass die Oberfläche nicht alles ist. Das ist in unserer Gesellschaft eine tägliche Herausforderung.

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Über die Vorteile des Fixierens von Klingelschildern

13. Juli 2009

Frau Frapeur aka. Ghetto-Marie wurde gestern Abend beinahe in eine polizeiliche Begegnung involviert. Das passiert einem, wenn man nachts mit schwarzem Kapuzenpulli auf Brücken herum läuft. Höchst verdächtig! Warum muss auch just in dem Augenblick die Polizei vorbei kommen? Jedenfalls: So tun als wäre nix hilft. Also schön weiter die Brücke runter gelaufen (Sachen unterm Arm) und mental schon einmal mögliche Gesprächssituationen vorbereitet: „Junge Frau, laufen Sie immer mit Pinsel, Kleber und seltsamen Figuren bestückt über diese Brücke?“

Antwort A) „Bitte, bitte verhaftet mich nicht, das ist ein Kunstprojekt.“

Antwort B) „Nein, manchmal laufe ich auch unter den Brücken durch.“

Antwort C) „Ja, das mache ich zur Entspannung. Ist das etwa verboten?“

Antwort D) „Ich führe meine Mädels aus.“

Gottseidank kam es aber nicht zu diesem Gespräch. Als sie nämlich ein zweites Mal um den Block fuhren, war ich schon an der Straße und habe mich in das Lesen von Klingelschildern vertieft. Sie fuhren langsamer und hielten. Sie guckten, ich drehte mich um guckte frech zurück. Dann fuhren sie weiter. Puhhhh!

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Analog oder digital?

31. Januar 2009

Ich habe gerade das Vergnügen, die Magisterarbeit einer Freundin zu lesen, in der es um digitale und analoge Fotografie geht. Und ich meine das ernst: Es ist wirklich erhellend, das zu lesen. Ein paar Absätze möchte ich im Folgenden zitieren. Ich hoffe, ich kann sie davon überzeugen, es zu publizieren.

Die Gleichsetzung kognitiver Prozesse mit Digitalität, führte laut Schröter zu einem Antagonismus, der „das Analoge als das Ursprüngliche, Natürliche, Reale (oder kausal mit dem Realen Verbundene) – aber auch Unbestimmte und Amorphe; das Digitale und insbesondere das Binär-Digitale hingegen als das Omnipotente, Universelle, ja Kulturelle codiert“ . Schröter formuliert weiter, dass sich mit der Bezugnahme der Attribute analog/digital auf den Medienbegriff, die Dichotomie weiter verfestigt hat. Er verortet hierfür die Anfänge in den sechziger Jahren ; die breite Entwicklung dieser Differenz findet jedoch mit der Erfindung der CD (Compact Disc) in den achtziger Jahren statt. Damit hat sich in der Gegenüberstellung von Schallplatte und CD die „Dichotomie analog=real, aber auch mit den Trübungen der Welt behaftet vs. digital=hyperreal, also realer als real, aber potenziell auch irreal“ etabliert. Schröter beobachtet weiter eine sich durchsetzende normative Wertung der Kategorien analog und digital: Im Zuge der Verbreitung des Personal Computers, der digitalen Kamera und der Bildbearbeitungsprogramme, entwickelte sich schließlich ein Verständnis von digital als fortschrittlich und analog als überkommen.

Durch die Fotografie wird ein neuer Wirklichkeitsbegriff definiert, „der die Simulation und Virtualität als neue Ontologie proklamiert“ . Während die analoge Fotografie die Realität als Simulacrum im Sinne des Ebenbilds wiedergibt, gibt die digitale Fotografie sie als neuartiges Simulacrum wieder. Für dieses ist charakteristisch, dass es „die Wirklichkeit absorbiert hat und zur neuen Wirklichkeit geworden ist“ oder wie Schaesberg es formuliert: „Im Simulakrum wird die Wirklichkeit durch ihre Repräsentation ersetzt.“ Als Beispiel können die Aufnahmen von weiblichen Porträts in der Werbefotografie genannt werden. Diese vermittelt das Bild einer Frau, die es in der Realität nicht gibt, mitunter gar nicht geben kann. Durch Beauty-Retuschen werden Idealbilder von Frauen geschaffen, wie dies Feron mit seiner Retusche von Behnaz Sarafpour getan hat, die jedoch auf viele Frauen als verbindliche Realität wirken und so in Form des Vorbilds zur faktischen Realität werden.

Auch Batchen setzt sich mit dem Gedanken der Simulation auseinander. Er argumentiert im Sinne der Zeichentheorie, dass vor allem mit Hilfe von Bearbeitungssoftware die Möglichkeit gegeben ist, Bilder ohne jeglichen Wirklichkeitsbezug zu schaffen, die jedoch real erscheinen. Diese ‚Fotografien’, es handelt sich hierbei faktisch um Computerbilder, simulieren Realität, sind in Wahrheit jedoch von virtueller Natur.

Auch Rötzer vertritt die These, dass die „Täuschung (..) das innerste Prinzip der technischen Bilder“ sei und „deren Realismus stets ein Selbstbetrug“ . Wobei durch die mannigfachen Möglichkeiten der Bildbearbeitung, eine Steigerung dieses Prinzips in der Digitalfotografie für ihn zu beobachten ist. Die Fotografie ist für ihn jetzt eine „perfekte Malerei eines digitalen Surrealismus“ – das Bild wird zur „nackte[n] Imaginationsfläche, die der subjektiven Aufzeichnung offen steht“ .

Für René Berger ist das Wesentliche und gleichzeitig qualitativ Nneue am digitalen Bild, dass es die „Technologie als Ko-Autor“ hat. Das Neue an diesem Bildtypus ist daher die doppelte Autorenschaft, die in Form von unter anderem automatischer Einstellung der Blende, der Belichtungszeit, des Kontrast, des Weißabgleichs, der ISO-Werte und des Autofokus starken Einfluss auf das Endresultat einer Fotografie nimmt. Der Claim von Kodak „You press the button, we do the rest“ bringt diesen Aspekt der digitalen Fotografie gut zum Ausdruck und zeigt, dass sich diese Entwicklung schon seit 1888 begann abzuzeichnen und ihren Höhepunkt in der Digitalfotografie erlebt.

Bei der Frage nach der Objektivität von Fotografien, vor allem angesichts der Entwicklungen im digitalen Bereich, wird oft vergessen, dass der Fotograf sowohl im analogen als auch im digitalen Bereich bereits im Voraus des Fotosvor dem eigentlichen Fotografieren, viele Entscheidungen treffen muss. Entscheidungen, die die Wirkung des Fotos deutlich entscheidend beeinflussen und damit individuell färben. Der manipulative Charakter dieser Entscheidungen wird in Wolfgang Coys Terminus für sämtliche Maßnahmen, die vor der Aufnahme vorgenommen werden, deutlich: primäre Fälschung . „Das Objektiv (…) ist [eben] nicht so objektiv“ , wie es Damisch formuliert.

„[Bei der Digitalfotografie] handelt [es] sich um eine neue ‚Schrift’, die von allen beherrscht werden sollte, wenn sich zwischen den gebildeten und allmächtigen Hohepriestern und den digitalen Analphabeten, die eine leichte Beute in den Händen der Magier der Information sind, nicht immer tiefere Gräben bilden sollten“ (Quéau 1996: 111).

Deussen dagegen, schlägt einen Perspektivenwechsel vor: Alle Bilder sollten demnach zunächst als manipuliert betrachtet werden. Als authentisch würden sie nach seiner Theorie erst durch die Auszeichnung mit einem speziellen Gütesiegel gelten. Bei Verwendung des Gütesiegels verpflichtet sich der Fotografen dazu, das Bild im Internet zur Verfügung zu stellen, so dass es von jedem mit geeigneten frei zugänglichen Analyseprogrammen, wie gerade beschrieben, getestet werden kann. Die Urheberrechte müssen selbstverständlich dabei gewahrt werden. Des weiteren müsste der Fotograf das Bild in einem speziellen Format speichern, so dass alle Arbeitsschritte von der Aufnahme an nachvollziehbar sind. Um die Authentizität der Ausgangsdatei zu gewährleisten, schließlich könnte die Ausgangsdatei ja bereits manipuliert sein, schlägt Deussen weiter vor, dass von der Kamera ein digitaler Fingerabdruck eines jeden Bildes erzeugt werden müsste, der garantiert, dass das Foto mit der Kamera aufgenommen wurde. Dieser Abdruck müsste in Kamera und Bilddatei gespeichert werden, so dass ein Abgleich mit den im Internet publizierten Daten jederzeit durchgeführt werden kann.

Aber auch für Künstler wie beispielsweise Pedro Meyer ist die Kennzeichnung manipulierter Fotografien interessant. Dieser fügt zwar nicht das Kürzel [M] hinzu, gibt aber sowohl Aufnahmedatum der Fotografie wie auch das Datum der Fotomanipulation an. Fotografien mit zwei Aufnahmedaten können bei ihm daher sofort als manipulierte Fotografien erkannt werden.

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It´s a free world

4. Januar 2009

Aua, dieser Film tut weh. Ist es dies, an dem unsere Gesellschaft krankt? Jeder versucht das Beste für sich herauszuholen. Koste es was es wolle. Und sie sieht dabei noch gut aus und spricht diesen herrlichen englischen Akzent.

Und dann ist es auch so unbequem, wenn man sich als Zuschauerin nicht mit der Hauptdarstellerin identifizieren kann. Will man das an einem Samstag Abend?  Im Kino war es jedenfalls atmosphärisch so unangenehm, dass ich fast froh war, mit meinem Fahrrad bei -3 Grad in die dunklen Straßen flüchten zu können.

Ausführliche Kritik der SZ.

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Die innerpsychische Welt

28. November 2008

Heute im Studium gelernt: Ich kann mir einen Sahne-Joguhrt kaufen, der in der Werbung mit „Weekend-Feeling“ verbunden ist. Aber ob ich „Weekend-Feeling“ beim Essen des Joguhrts verspüre, liegt immer noch an meiner innerpsychischen Welt.

Aha! *blingbling* Wenn ich also wirklich will, dann kann ich auch Weekend-Feeling beim Kotzen haben. Oder – schöner gesagt – jeden Abend beim Schlafen. D.h. wiederum: Man kann sich alles einreden, wenn man es nur ernsthaft genug betreibt. Und das wiederum bedeutet: Ich muss keine Drogen nehmen, ich muss keine coolen Klamotten kaufen, ich muss nicht mit hübschen Männern flirten, ich muss nicht tanzen gehen. All das brauche ich nicht, wenn ich mir mit der ganzen Mächtigkeit meines Gehirns einrede, dass es mir gut geht. Dass ich auch Spaß habe, wenn ich Freitags über meinen Büchern hänge!

Das Verrückte ist: Ich hab wirklich Spaß. Und warum? Weil ich jetzt fleißig bin und weiß, dass ich morgen – wenn ich Lust habe – kotzen, Drogen nehmen, flirten, tanzen oder einkaufen gehen kann. Yes I can, yes you can, yes we all can!

Ich glaube, was ich eigentlich sagen will ist: Glück ist dann, wenn man in sich selber ruht und ganz ohne äußere Einwirkung oder Besitztümer sagen kann: Mir geht es in diesem Moment einfach so gut und ich bin von ganzem Herzen dankbar dafür, dass ich gerade so fühlen darf.

Beziehungsweise: Excuse me, while I throw up. ;-)

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Your endless dream

9. Juli 2008

Manchmal komme ich nicht dazu etwas zu schreiben. Entweder es ist die Zeit die mir oder das Thema das mir fehlt. In den letzten zwei Wochen dachte ich des Öfteren, du musst mal wieder was schreiben, Jacqueline. Und mir fielen Dinge ein wie „Filme, die ich in den letzten zwei Wochen gesehen habe“ oder „Fussball und dass die Begeisterung für diesen Sport bei mir so schnell wieder geht, wie sie kommt und meistens mit abstrusen Schwärmereien einhergeht, die ebenfalls so schnell wieder nachlassen, wie sie entstehen“. Und zuletzt meine derzeitige Lektüre „Tagebuch einer jungen Dame, die sich langweilt“, in der ich schon ganz viel unterstrichen habe, dies sich aber teilweise über mehrere Seiten erstreckt, weil so gut geschrieben und damit gleichzeitig völlig unbrauchbar wird, um es irgendwo einzubringen. Zumal ich vermutlich auch gleich gegen das Urheberrecht verstoßen würde, da ich fast das halbe Buch hier niederschreiben täte vor lauter Begeisterung. Statt all dem also, denke ich mir, schreibe ich mal wieder etwas, was zu meinem Blogthema passt.

Bin ich eigentlich die Einzige, die an einem Tag noch behauptet, sie sei glücklich und in sich ruhend, und am nächsten schon wieder mit dunklen Gedanken im Kopf und schweren Herzens in den wolkenverhangenen Abendanbruch schaut? Es geht einem mehrere Wochen gut, das Leben ist ganz leicht, es gibt tausend Dinge zu erledigen und zu entdecken, Ideen und Wünsche, die einen antreiben und man erwischt sich dabei, wie man denkt: Das Leben ist schön! Und dann, wir müssen hier den Anlass nicht näher definieren, ist plötzlich alles was zuvor war und die „Leichtigkeit des Seins“ so banal, zu wenig nachwirkend, als dass es einen längerfristig hochhalten könnte. Man stellt sich in Frage, seine Gefühle, und springt einmal wieder nach einiger Zeit an der sonnigen Oberfläche hinab in die dunkle Tiefe. Um dann irgendwann wieder hochzukommen und wieder abzutauchen. Das ist so. Kann ich nach 26 Jahren sagen. Aber muss es so sein? Funktioniert es nur auf diese Art und Weise, das Leben? Mein Leben? Man kann nur hoffen, dass es alles seinen Sinn hat. Tief hoffen.

Your endless dream (Get well soon)

Good morning, sister! Why so sad?
They broke your heart, you fell again
What is it they never let you
Be the one they miss when they’re blue
Don’t you say you’ve never been loved
Don’t you think you’ll never be loved
I hold your hand till the bleeding stops
I hold your hand till you fall apart
And you dream your endless dream

Good morning, brother! I’m so sad!
They broke my heart, I fell again
What is it they never want me
To be the one that they want to see
And it feels like I’ve never been loved
And it seems like I’ll never be loved
One by one they got you where you are now and you’ll be
Further down that road if you don’t stop fighting this war
One by one they tear up your heart with their coldness and words
One by one you stop to feel your bleeding knees and heart
And everything that’s real

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Endlich ist es kalt genug.

18. Dezember 2007

Und ich war mittlerweile auf drei Weihnachtsmärkten. Fast alle Geschenke sind besorgt, die Riesterrente abgeschlossen, die Wirtschaft angekurbelt und ich habe nun Lust feiern zu gehen. Mit Simone und Julia in die Sauna, auf das man so schön zurückglotzen kann wie man angeglotzt wird (was einem aber bei 3,5 Dioptrin nicht viel bringt). Mit Kollegen im Ballett und im Café Flo, wobei man feststellen kann, von Kultur zu Unkultur braucht es nur ein paar Getränke. Auf der Weihnachtsfeier des Instituts, die dann wohl morgen ist, und bei der ich versprochen habe bis um 5 Uhr zu bleiben. Ohje. Im neu eröffneten VaPiano in Mannheim, als Ausklang in eine besinnliche Stimmung. Und was da noch so kommen möge.

Gestern bei der fabelhaften Patsy Jones weise Worte gelesen:

  • „Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand.“
  • „Man sollte über möglichst viele Dinge mit möglichst vielen Leuten möglichst häufig reden. Ist doch völlig klar.“
  • „Es sind nicht die Orte, die es ausmachen. Es sind immer die Begegnungen.“

Kennt ihr dieses „ich lasse alle meine Freunde zurück“-Gefühl? Früher hatte ich das immer kurz vor den Sommerferien. Da habe ich mich so prima mit den Leuten verstanden, dass es mir fast das Herz zerrissen hat, diese Pausengespräche, die Witze, die Anspielungen 6 Wochen lang nicht mehr zu haben. Und jetzt: Ich freue mich zwar auf die freien Tage, aber ich habe ein wenig die Befürchtung, alleine zu sein. Nicht, weil man wirklich alleine ist, sondern weil man sich alleine fühlt. Ups. Da war sie. Die blanke und nackte Wahrheit. Alleine inmitten von Menschen? Ok. Soldat. Pflücken sie sich vom Boden. Die Strategie:

* Sex and the City zu Ende gucken. Tatsächlich Liebe sehen. Und vielleicht Atonement, um sich über Briony aufzuregen.
* Scheuklappen aufziehen. Und Blick nach vorne.
* Unterhaltungen mit brasilianischen Austauschstudenten. Und Bruderherzen.
* Lampen kaufen. Bücher lesen. Regale bauen. Wandaufkleber befestigen.
* Gefühlschaos. Verblendung. Ablenkung.
* Leute treffen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat.

Und weil´s so gut passt, ein wenig Edna St. Vincent Millay:

If to be left were to be left alone,
And lock the door, and find one’s self again,
Drag forth and dust Penates of one’s own,
That in a corner all too long have lain;
Read Brahms, read Chaucer, set the chessmen out
In classic problem, stretch the shrunken mind
Back to its stature on the rack of thought
Loss might be said to leave its boon behind.
But fruitless conversation and the exchange
With callow wits of bearded cons and pros
Enlist the neutral daylight, and derange
A will too sick to battle for repose.
Neither with you nor with myself, I spend
Loud days that have no meaning and no end.

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Ameisen und Gefängnisse

17. Oktober 2007

Ihr lieben Leute: Statt mir Küchen bei Ikea anzuschauen, was dringend notwendig wäre, oder mir jemanden zu organisieren, der den Kabelsalat aus der Wand mit meinem Telefon verbindet, gehe ich viel lieber auf das Internationale Filmfestival.

Am Montag habe ich dort den belgischen Film „Le fourmis rouges“ (eigentlich: Die roten Ameisen, aber auf deutsch: Ein langer Abschied) gesehen. Vater und Tochter leiden unter dem Tod der Mutter, die bei einem Autounfall ums Leben kam, bei dem Bäume involviert waren. Während der Vater sich damit hilft, sämtlich Bäume entlang der Strecke zu fällen (ob das eine Lösung ist?) und die täglichen Pflichten an seiner Tankstelle derartig vernachlässigt, dass bald das Geld knapp wird, versucht die Tochter, so gut wie möglich, Geld zu organisieren. Am Anfang noch mit Hilfsarbeiten bei einer älteren, strengen Dame, dann mit ihrem Körper. Glücklicherweise lernt sie einen jungen Mann kennen, der in einer ähnlich festgefahrenen Situation steckt. Zusammen merken sie dann, dass sie sich von ihren problematischen Familienangehörigen lösen müssen. Wunderschöne Aufnahmen, hervorragende Schauspieler. Die etwas krassere Variante von „Zusammen ist man weniger allein“.

Und am Dienstag habe ich „Por sus propios ojos“ (Mit ihren eigenen Augen) gesehen. Dieser Film ist eher dokumentarisch angehaucht und erzählt von zwei Filmstudentinnen, die eine Reportage über die Mütter und Frauen von Häftlingen drehen möchten. Deshalb finden sie sich regelmäßig vor einem argentinischen Gefängnis ein und versuchen mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. Dass diese viel zu erzählen haben, wird schnell klar. Dass es jedoch sehr schwer wird, die Frauen zum Reden zu bringen, hatten sich die Studentinnen nicht gedacht. Schließlich freunden sie sich mit einer älteren Frau an, und plötzlich sind sie nicht mehr diejenigen, die alles objektiv von außen sehen, sondern sind mitten drin im Schicksal dieser Menschen. Bewegend.

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Zu verkaufen

15. Juni 2007

Liebes Publikum: Eine erfreuliche Nachricht. Mein Stolz hat mich angerufen und mir Bescheid gegeben, dass er bald wieder aus dem Urlaub zurück kommt.

Nach dem er sich vor anderthalb Wochen mit einem lauten Türschlag davon gemacht hatte, versuchte ich die Wut anzurufen. Aber die war nicht da, die blöde Kuh. Sondern nur ihre Mitbewohnerin, die Verzweiflung, die ich überhaupt nicht leiden kann.

Nun gut, er kommt ja nun gottseidank bald wieder, der liebe Stolz.

Ich fürchte, ich bin weiterhin zu verkaufen. Aber nicht länger im Sonderangebot.

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Zu persönlich…

4. Juni 2007

Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich mal wieder über das Ziel (welches eigentlich?) hinaus schiesse und habe deshalb einige Freunde gefragt, ob dieser Blog in seiner bisherigen Form zu persönlich sei. Gestern also mit einem alten Freund telefoniert, was ungefähr so ablief:

MF: „Findest du, ich schreibe zu persönliche Dinge auf meinem Blog?“

Er: „Nun, viel persönlicher kann es ja nicht werden.“

Mist, als hätte ich es geahnt. Recht hat er, der junge Mann. Gut, also treffe ich jetzt zwei Maßnahmen: (1) Alle Fotos, auf denen ich zu identifizieren bin, verschwinden. (2) Ein paar „zu persönliche“ Beiträge werden zunächst mit Passwort versehen und evtl. irgendwann gelöscht.

Um es mit Alanis Morisette zu sagen: „You live, you learn.“ bzw. „You blog, you learn.“