Archiv für die Kategorie ‘schreibenOHNEdenken’

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Papier, Gedanken, Abenteuer.

28. Mai 2008

Ich komme zu dem Schluss, dass alles was ich mir ausdenke nicht wahr werden kann. War ja schon immer so. Früher, da habe ich ganz viel auf dem Computer geschrieben, dann habe ich ihn aus meinem Zimmer rausgeschmissen. Als er dann nicht mehr da war, habe ich mir ein dickes Heft mit linierten Blättern gekauft, habe von da an dort hineingeschrieben. Nicht Tagebuch, das ist doof. Trotzdem kann man, glaube ich, an den Sachen die ich da hineingeschrieben habe, sehr viel darüber lesen, wie ich mich entwickelt habe und wie ich mich fühlte und so weiter, also viel persönliches. Meinem ersten Freund habe ich dieses dicke Heft gegeben, er hat sich ein paar Sachen durchgelesen, aber er hat sie nicht verstanden, er hat nur gesagt, dass sich das gut anhört und dass ich ein Talent habe zu schreiben. Aber er hat nicht verstanden, was es mich gekostet hat ihm dieses innere Stück von mir zu überreichen, das ist ja ein Stück Seele von mir. Und dann, als mein zweiter Freund kam, da habe ich immer weniger in dieses Buch geschrieben. Weil es nicht viel zu berichten gab? Weil ich zufrieden war? Relativ. Und zufrieden macht so unkreativ. Zufrieden sind bekanntlich nur die Lumpe.

Also, ich habe ja auch keine Zeit und meine Gedanken sind so schnell. Ich kann dann nicht per Hand schreiben, denn während ich schreibe, kommen schon neue Gedanken und die habe ich dann vergessen, wenn ich die vorherigen aufgeschrieben habe, das ist schlecht. Also bevorzuge ich doch wieder den Computer. Da drücke ich einfach Tasten, und es geht viel schneller und auch leichter, wenn man denn mit 10 Fingern schreiben kann. Etwas auf Papier zu bringen, hingegen, kostet einen viel mehr. Man erlaubt sich nicht, irgendetwas lediglich hinzuschreiben, irgendeinen Quatsch. Weil, das ist ja dann wirklich da, während es im Computer noch nicht ganz so wirklich da ist. Und das Wichtigste: Man überlegt sich nicht, ob man etwas weglässt, damit es schneller geht. Man lässt die kleinen Sachen draußen, wenn man auf Papier schreibt. Die sind aber auch wichtig. Ich gebe also folgende Empfehlung ab: Kondensierte Gefühle auf Papier (weil man sich mehr Gedanken über das macht was man schreibt und diese dann auch bewertet und nur diejenigen aufschreibt die man würdig genug findet um auf Papier zu stehen). Und der Computer ist also der Platz für Gedanken, die einem durch den Kopf gehen. Wild.

In letzter Zeit habe ich den Drang alles zu dokumentieren, denke, oh Mann, wenn ich das aufschreiben oder aufnehmen könnte und jemand anderem zeigen, oder mir noch einmal durchlesen. Ich glaube, wenn man schreibt, dann muss man den Leuten von der Realität erzählen und das was passiert oder passieren könnte. Klar, Fantasy, das ist cool, das lässt einen Träumen, aber das was einen erschüttert, das ist doch die Realität. Das ist der eigene, langweilige Alltag, all diese kleinen Dinge, die so viel sind, und so wenig gelten. Keine Abenteuer oder so. Abenteuer sind überhaupt Quatsch. Alle Deutschen sagen immer zu mir, oh Deutschland ist ein so biederes Land, und träumen nachts in ihren bayrischen Massivholz- oder Ikeabetten von der Karibik, dem Urwald oder Neuseeland und obendrüber immer die strahlende Sonne. Wisst ihr, alles Schöne entdecke ich hier. Das hier ist ein schönes Leben, ich mag Deutschland, ich liebe es, hier zu leben, das ist meine Erfüllung, ich liebe auch England, was wollt ihr denn alle immer mit euren Stränden und eurer Sonne, das verstehe ich nicht. Hier ist doch die Erfüllung. Aber da alle auf Abenteuer aus sind… Das verstehe ich nicht. Vielleicht hatte ich einfach schon zu viel Sonne in meinem Leben?

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Das Institut

25. April 2008

Kommen Sie mit mir in das Institut. Eine wissenschaftliche Einrichtung des Landes, vor wenigen Jahren auf Initiative der Landesregierung und einiger sie weise beratenden Korifeen gegründet. In kurzer Zeit sich zu einer der renommiertesten Forschungseinrichtungen auf ihrem Fachgebiet entwickelten Institution. Wachsende Mitarbeiterzahlen im wissenschaftlichen Bereich bei gleichbleibend schlanker Verwaltung und zunehmendem Drittmittelaufkommmen. Angestrebte Internationalisierung und Verbesserung der länderübergreifenden Kooperation. Erweiterung der Forschungsgebiete, vielfältiger Methodenkanon, zunehmende Anzahl an Forschungs- und Beratungsprojekten. Flache Hierarchien, gute kollegiale Atmosphäre, Ideenreichtum und Freude an Innovation, gelebte Gleichberechtigung, erkenntnisförderne Integration von Jung und Alt, familienfreundlich, unbürokratisch, kurz: Eine Vorzeigeinstitution. Brennende Fackel der Wissenschaft, des Respekts und der gegenseitigen Wertschätzung.

Nun treten Sie doch ein, keine falsche Schüchternheit, Sie sind herzlich willkommen. Wir bewegen uns durch die weitläufige, helle Eingangshalle. Freundliche, immer hilfsbereite Empfangsdamen (und -herren, bedenken Sie, wir leben Gleichberechtigung!) begrüßen Sie und zeigen Ihnen kompetent den Weg zur Ihren Gesprächspartnern, der Institutsleitung. Ein Anruf und Sie werden von der adretten Sekretärin in einen angenehm temperierten, mit neuester Technologie ausgestatteten Besprechungsraum geführt. Dort sitzt man schon und wartet auf Sie. Man begrüßt Sie freundlich, redet über Wetter und Anfahrt und überbrückt so, unverbindlich, aber sympathisch, die kurze Zeit bis die Personalreferentin eintritt. Sie ist irgendwas zwischen peinlich und geil, wird Ihnen einer der ältesten Kollegen mit Leitungsfunktion etwa ein Jahr später bei der Weihnachtsfeier gestehen. Aber das wissen Sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Erwartungsfroh und mit keckem Blick sieht sie Sie an. Sie stellen sich vor, viele berechtige Fragen werden gestellt, Ihre Kompetenz und Erfahrung gelobt und schließlich kommt man schnell überein, dass Sie bald zu den Glücklichen gehören werden, denen es eine besondere Ehre ist, in diesen heiligen Hallen an etwas Großem mitarbeiten und teilhaben zu dürfen. Hier können Sie sich entwickeln, fortbilden und lernen. Nette Kollegen werden Sie betreuen und Sie stets zuvorkommend in das wissenschaftliche Umfeld einführen. Wissenschaftler brauchen schließlich eine besonders aufmerksame Betreuung.

Nach Abschluss des äußerst informativen und freundlichen Gesprächs begegnen Sie auf Ihrem Weg nach unten der Putzfrau im Aufzug. Sie wissen jetzt noch nicht, dass diese hübsche Frau mit sorgfältig geknotetem Kittel in weniger als sechs Monaten in genau diesem Fahrstuhl entrüstet zu Ihnen sagen wird, dass man hier einen Porno drehen könne, gerade habe sie erneut jemanden bei einer ganz unwissenschaftlichen Tätigkeit im Archiv erwischt. Zu Recht!, wie Sie in sechs Monaten und zwei Wochen selbst an eigenem Leibe erfahren dürfen, als ihre attraktive wissenschaftliche Hilfskraft Sie ganz ungwohnt bei ihrer geistigen Arbeit stört und Sie, nach kurzer Entkleidung, ungestüm daran erinnert, dass jeder Kopf, auch der eines Wissenschaftlers, auf einem Körper sitzt. Dem können Sie nur zustimmen. Und: Es dient der Wissenschaft! Wie flott geht das Paper danach aus der Hand, wie mühelos beherrschen Sie anschließend das Editieren der Formeln mit LaTex, wie schnell sind die Literaturangaben Korrektur gelesen, wenn Ihre wissenschaftliche Hilfskraft bei Ihnen war. Da lohnen sich die 7,82 Euro pro Stunde für den Steuerzahler allemal!

Aber: Sie sind immer noch im Aufzug. Und Sie wissen ebenfalls nicht, dass Sie selbst in sieben Monaten Ihre Tutorin, eine gebildete Frau mit PhD aus Harvard, dabei überraschen werden wie sie mit einem Kollegen, der letztes Jahr den begehrten Nachwuchspreis für junge Wissenschaftler erhalten hat, ganz unwissenschaftlich an seinem Schreibtisch steht, während er im Eifer des Gefechts auf der Tastatur sitzt und nicht mehr aufhören zu scheinende As in ihr Gutachten für den Wissenschaftsrat einfügt. Zum Glück stellt die EDV Sicherungskopien bereit!

Wie gesagt: Sie sind noch völlig unberührt, jungfräulich und haben noch nicht an eigenem Leibe gespürt, dass der Teppich der Bibliothek böse Kratzspuren an den Knien und Unterarmen hinterlässt, die Regale scheinbar nicht ganz erschütterungsfest sind und Zeitschriften auch keine ideale Unterlage darstellen. Sie wissen noch nicht, was Freitag und Samstag abends in der Kaffeküche, lediglich erhellt durch das Notausgangslicht, geschieht. Sie haben beim Gießen der Topfpflanzen noch keine Überbleibseln der Nacht flüchtig vergraben gefunden. Auch die halbangebrochenen Sektflaschen im Kühlschrank werden Ihnen frühestens in drei Monaten auffallen. Was Sie allerdings schon bald bemerken werden, ist, dass mangelnde wissenschaftliche Erfahrungen bei Hilfskräften kein Hinderungsgrund zur Einstellung sind, solange sie im Vorstellungsgespräch einen Hang zu devotem Verhalten kund tun.

Dies wird die beste Zeit Ihres Lebens. Solange Sie keine Konflikte mit Kollegen herbeiführen oder diskret genug sind, solange Ihr Stehvermögen Ihrem wissenschaftlichen Anspruch entspricht, solange Sie nicht darauf bestehen, als erster auf einer Publikation genannt zu werden, weil Sie Ihrer Mitschreibenden ein paar Glücksmomente beschert haben. Solange wird dies Ihr Zuhause sein. Danach müssen Sie gehen. Aber jetzt kommen Sie erst einmal. Kommen Sie!

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Dieses eine Ding, verdammt.

14. März 2008

Seit ich klein bin, gibt es diese eine Sache, die ich will. Die irgendwann kommen muss, die sich aber sehr viel Zeit lässt. Die in mir brodelt, wie eine Marmelade, die 10 Std. kochen muss. Nur dass meine Skala 1 Std = 1 Jahr ist und die Marmelade nicht annähernd als fertig bezeichnet werden kann. Und noch gar nicht eingedickt ist. So sieht es nämlich aus, Welt.

Den ersten Satz habe ich mit 16 geschrieben. Es regnete draußen, ich war in irgendeiner dieser komischen Teenager-Stimmungen (die, ehrlich gesagt, auch heute manchmal noch da sind ;-): Unsicherheit, sich fragend was das Leben soll und was man falsch macht und wie schön es doch auch widerum ist. Da war diese Idee, dieses Mädchen. Sie hat Teile von mir, ist wie ein Kind von mir. Eines meiner Gedanken. Eigenes Blut und doch keine Kopie meines Selbst, sondern auch sehr eigenständig und anders.

Da war also zuallererst sie. Und Situationen mit ihr. Aber irgendwie waren das nur Punkte auf einem Blatt. Sie hierbei, sie dabei. Sie Musik hörend, sie spazieren gehend, sie in Bahnhöfen. Sie auf Videoabenden. Sie mit blutendem Herzen. Und vor mir nur dieses Gewirr an Punkten, die keinen Sinn ergeben, die kein Bild ergeben, die ich aber irgendwie verknüpfen und verbinden musste, damit es weiter gehen kann.

Ein Freund sagte, mach einen Entwurf. Aber bitteschön, das ist doch keine wissenschaftliche Arbeit, bei der ich mir eine Gliederung ausdenke. Ich schreibe angetrieben von Gefühlen. Mord im Affekt sozusagen. Die Handlung ergibt sich im Laufe meines Älterwerdens und im Laufe der Zeit, da die Charaktere mehr Gestalt annehmen. Das Schlimme ist, das Leben, mein Leben, hält mich davon ab zu schreiben. Ständig gibt es andere Dinge zu erledigen. Arbeiten, essen, reden, schlafen, erleben, usw.

Es gibt so viel zu bedenken: In welcher Sprache? Ich habe nämlich auf Englisch angefangen. Komisch. Als müsste ich eine andere Sprache nehmen, um eine Distanz herzustellen. Oder um mich mit der Geschichte zu verbinden, eine eigene Sprache finden und dabei gerade nicht seine eigene nehmen. Jetzt habe ich auf Deutsch gewechselt und irgendwie klingt alles so banal, so ganz und gar unprosaisch. Mal sehen. Und: In welcher Form erzähle ich? Gibt es einen Erzähler? Oder Ich-Form? Ich wechsle jetzt ab. Wir hören sie und dann wieder den Erzähler, der natürlich auch mehr weiß, als sie. Aber sie muss auch zu Wort kommen, denn dadurch lernen wir sie besser kennen. Sie hat nämlich so eine ganz eigene, recht naive und spontane Art.

Ihr Bruder spielt eine Hauptrolle, das weiß ich seit 4 Jahren. Er ist deutlich älter und ist die Antriebskraft der Geschichte. Er hat seinem Leben ein Ende gesetzt, sehr brachial, obwohl er doch ganz andere Möglichkeiten gehabt hätte, und sie will herausfinden warum. Das ist zumindest das, was sie sich einredet. Also macht sie sich auf die Suche und versucht das Leben ihres Bruders zu rekonstruieren. Sie fährt in die Städte, in denen er gelebt hat, trifft seine Freunde, trifft seine Frauen. Und versucht ihren Bruder zusammen zu puzzeln. Oft sind es doch die uns am nächsten stehenden Leute, die wir gar nicht wirklich kennen. Und doch ist es auch eine Suche nach sich selbst, nach dem Sinn des Lebens. Nur, dass sie das gar nicht so sieht. Sie fühlt sich schon sehr erwachsen und sie ist nur unterwegs um ihren Bruder zu finden. Ist klar. ;-) Aber eigentlich, der Erzähler weiß das, ist es eine Reise zu sich selbst und eine Art und Weise mit ihrem Schmerz umzugehen. Denn ihre Eltern sind keine große Hilfe. Sie sind sind Apotheker („Einhorn-Apotheke“ am Marktplatz), bedienen sich oftmals selbst (obwohl jeder es vor dem anderen verheimlicht) und sie führen keine gute Ehe. Seit dem das mit Bruder passiert ist, sind sie nur noch wandelnde Wracks. Jeder flüchtet in sich selbst. Sie hält das natürlich nicht aus, das ist unter anderem ein Grund dafür, dass sie sich aufmacht. Sie grübelt sehr viel, das hat sie definitv von mir. ;-)

Thomas Mann schrieb ja eine Seite pro Tag. Vorher stand er nicht vom Schreibtisch auf. Sehr diszipliniert, der Herr. Das geht bei mir ja gar nicht. (Ich hab noch nicht einmal einen Schreibtisch!) Es ist nämlich so, dass ich nicht nur Zeit brauche, sondern auch Muse. Und die kommt nicht häufig bei mir vorbei. Und trotzdem gibt es nichts Vergleichbares was mich in ähnlicher Qualität antreibt. Nur ist antreiben hier vielleicht zu viel gesagt. Wirklich dringlich ist es der Geschichte nicht. Aber in mir drin, weiß ich, dass es das eine Ding ist, was ich wirklich machen muss. Vorher kann ich diese Welt nicht verlassen.

Also gut, Wiedervorlage. ;-)

Bon soiree.

Marie Jacqueline

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Absurdistan

27. Juli 2007

Man wähnt es immer in der Ferne, dabei ist es doch so nah. Es ist das Land in das viele Leute aufbrechen, um Urlaub zu machen. Urlaub? Eher Zwangsverschickung. Viele gehen nur einmal dort hin, manche kommen immer und immer wieder und einige bleiben sogar ihr Leben lang. Nicht weil es dort so schön ist, ganz im Gegenteil. Man kommt einfach hin, die Anreise ist unkompliziert und schnell und ehe man sich versieht, gibt es keinen Weg zurück. Kein Flugzeug, Züge gibt es nicht, die Busse sind schlecht und verrostet. Die Taxifahrer zeigen dir einen Vogel, wenn du sie bittest, dich an die Grenze zu fahren.

Und so bleibt der gemeine Tourist zumeist ein wenig hilflos in dem schlecht gelüfteten Hotel zurück. Der Taschentuchverbrauch ist ohne Grenzen, aber die Absurden haben nie enden wollende Felder voller Baumwolle angelegt. Für all diejenigen, die verdammt sind, in dem dunklen Land erst einmal eine Weile zu wohnen. Die sich einrichten und auf Demokratie hoffen. Aber der weibliche Diktator Ana Maria Desesperación kennt keine Gnade. Und die Neuangereisten nehmen ab, weil sie kein Appetit mehr haben. Nie wieder wird einem so klar, wie eng Geist, Seele und Körper miteinander verwoben sind. Aber hier wird es offensichtlich. Und was tun die Touristen in ihrer aussichtslosen Lage? Sie denken nach. Und grübeln. Liegt es an mir, dass ich im Katalog des Reisebüros nicht erkannt habe, was für ein Scheissland das hier ist? Bin ich ins falsche Flugzeug gestiegen? War es die gut aussehende Kauffrau, die meinen Mann dazu gebracht hat, mir ein One-way-Ticket nach Absurdistan zu buchen? Und dann wundert man sich, weil er einem plötzlich erzählt, er komme nach, er nehme ein anderes Flugzeug. Und du fliegst und hast ein doofes Gefühl und wenn du aussteigst, weißt du sofort warum. Wollten wir nicht gemeinsam nach Florida auswandern?

In Absurdistan begegnet man manchmal auch netten Menschen. Sie versuchen den Touristen den Weg zu erklären, wie man am besten zu Fuß das Land verlässt. Über die große Bergkette. Aber die meisten Touristen glauben Ihnen nicht. Doch eines Tages machen sie sich schließlich doch auf den Weg. Er ist beschwerlich, man fällt tausend Mal und schlägt sich die Knie wund. Aber sie sagen, es sei der einzige Weg hier raus.

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Wieso kann ich nicht?

17. Dezember 2006

Wieso kann ich nicht von Saul erzählen? Wie wirkt sich das auf die Welt aus? Und auf mich? Es ist nämlich so: ich möchte Geschichten schreiben. Am Anfang habe ich gedacht: gut, ich kann mir die Dinge einfach ausdenken. Aber das hat nicht so geklappt. Ich habe angefangen zu schreiben und kam nie darauf wie es enden sollte, die Geschichte hatte einfach keine Handlung. Mir fiel immer nur der Anfang ein, aber wie es dann weitergehen sollte, das wusste ich nicht. Ich hatte Szenen im Kopf, aber sie kamen nur wenn ich kurz davor war einzuschlafen. Und dann war ich immer zu faul noch einmal aufzustehen und sie aufzuschreiben. So kann man doch keine ernsthafte Schriftstellerin werden.

Also habe ich gedacht: keine erfundenen Geschichten, in deinem Leben passiert doch sowieso genug, wieso schreibst du das nicht auf? Ich finde sowieso, dass der Alltag viel erschütternder ist, als die Phantasie. Wir sollen uns schließlich in den Geschichten wiedererkennen, und wie soll das gehen, wenn mir jemand erzählt ich sei eine Elfe in einem dunklen Wald? Ich kann es mir zwar vorstellen und schön ist es natürlich auch, aber: hat es einen großen Effekt auf mich? Nein, weil: es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich mich mit der Elfe im dunklen Wald identifizieren kann, da ich noch nie in ihrer Situation war. Es muss sich also um konkretere, wahrscheinlichere Dinge handeln.

Gut. Also Geschichten aus meinem Leben rausgelöst, sie müssten noch nicht einmal ein Ende haben. Aber: ich kann den Personen unmöglich andere Namen geben als sie in Wirklichkeit haben. Das würde wahrscheinlich alles ganz anders machen. Und wer sagt mir, dass sie sich nicht auch dann wiedererkennen, wenn ich sie anders nenne? Das heißt für mich, ich muss meine Sachen mit erfundenen kombinieren und die Namen ändern und am besten noch unter einem Pseudonym schreiben. Aber ist das nicht lächerlich? Ich kann doch und will ja auch zu den Dingen stehen die aus mir kommen. Das tue ich ja auch, trotz Pseudonym.

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Die Zeit

30. Dezember 2004

Gerade heute schrieb ich eine E-Mail an einen Schulfreund zu dem ich lange keinen Kontakt hatte, den ich dann vor zwei Wochen wieder getroffen habe, wobei wir feststellten, dass viel Zeit vergangen ist, seit dem wir uns das letzte Mal sahen. In der E-Mail ging es darum wie schnell die Zeit vergeht und wie wir uns mit ihr und durch sie ändern, so dass man immer nur eine Momentaufnahme seines Selbst ist. Und ist dies nicht auch ein Grund dafür, überhaupt etwas zu Papier zu bringen, um sich selbst nachvollziehen zu können?

Wie schon oft erwähnt, kommen meine Gedanken wie ein schneller Strom, von dem ich vollkommen unterworfen werde, so dass ich mich gezwungen sehe, etwas aufzuschreiben. Ich versuche deshalb immer ein Stift dabei zu haben und war schon oft genötigt auf unmöglich kleine Papierfetzchen zu schreiben. Diese verteilen sich dann letztendlich in meinem ganzen physischen Lebensumfeld, so dass einem manchmal ein vor langer Zeit beschriebenes Papierchen über den Weg läuft, auf dem man erstaunt lesen kann, welche Schlüsse man einmal gezogen hat. Das ist für mich wie eine Reise ins vergangene Selbst und mitunter kommt einem diese Person fremd vor, nein vielmehr unbekannt, aber positiv unbekannt, so dass ich mich freue, Dinge zu lesen, die ich einmal aufgeschrieben habe.

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München

27. Oktober 2003

Mal sehen ob ich ein schönes Wochenende an einem Platz verbringen kann, der mich unsicher macht. Unsicher, weil hier eine ganze Vergangenheit zwischen zwei Personen abgelaufen ist und eine von ihnen ist mir jetzt sehr wichtig. Ich fühle mich jetzt, wo ich noch nicht dort bin, so, als würde ich, morgen wenn ich ankomme, eine Bühne betreten, die von ihren Schauspielern verlassen wurde, weil beide jetzt an anderen Theatern spielen. Aber ich renne auf der leeren Bühne rum, und alles was sie liegen lassen haben, und alle Requisiten mit denen sie gespielt haben, liegen noch da.

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Ich habe keine Lust mehr

27. Oktober 2003

Ich sitze auf der Arbeit und picke aus dem Studentenfutter, dass mir die Mutter meines Freundes gemischt hat, in mühevoller Kleinarbeit die Rosinen und Mandeln heraus. Nebenbei darf ich endlose Listen bearbeiten. Ich bin gelangweilt, mein Gehirn ist unterfordert und es macht keinen Spaß. Plötzlich höre ich im Gang eine unserer älteren Mitarbeiterinnen, die immer leise ein wenig vor sich hin summt, singen: „Ich habe keine Lust, ich habe keine Lust mehr“ und muss herzlich grinsen.

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I doubt my own depth

9. Juli 2003

Of course I believe that many people are superficial and no, I am not like that. Now how on earth does measurement work, does my personal measurement work? Because sometimes I do doubt my own depth. I believe in loving people for what they are, but sometimes I get a feeling, which makes me doubt everything I am. And the thing is: men make me forget my depth. So, it´s them and their appearance, it´s this “tú sabes que estoy a tus pies”-thing. They open my pandora´s box, which is full of my surface I´ve managed to scratch off through all these years.

Yes, I feel pity for the woman who has to go to prison because of being obsessed with Mel Gibson. I don´t understand the Mel-Gibson-part of it, but I understand that she´s attracted to someone by merely seeing his face and body. And let me tell you, it´s not the feeling men have for pin-ups, for Playboys starring naked women. When I look at a man and he is attractive to me, a jar opens inside me, and a thick, bittersweet liquid runs out of it and flows under my skin, making me feel comfortable and at the same time making me feel an eternal lack.

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Don´t give me that attitude thing, honey

5. Januar 2003

I spent the most terrible year of my life in the USA, as an Au Pair. Even today I can´t tell you why I didn´t quit it and went home earlier. The family I lived in was detestable. The mother was a little slut, she would not clean the kitchen, she would not wash her children´s cloths, but buy them new ones and throw the old stuff away. They didn´t have much money, actually they even begged me to pay their energy bill one time, money which I never saw again. But she had money for new cloths and ebay auctions, only that her husband didn´t seem to know.

I felt sorry for Mr. Slut because he seemed to be a nice person. The woman he was living with wasn´t the woman he´d married anymore. She had turned into the deception of his life. And yes, does it work that way? A friend of mine once told me that the thing she liked about marriage was the fact that you didn´t have to make efforts to look beautiful once you had married a man. And no, I don´t feel that way.

But I also don´t want to spend hours in the bathroom, when the sex I´m getting will be as boring as always, just because I don´t like to wear slinky red things. And I´m convinced that men who didn´t get to see many porns are better to live with, because their minds are not perverted. I mean, who will ever be satisfied with „simple sex“ after having seen all these… things! I don´t know. And sometimes I´m so glad and thankful to be a woman. The way we´re not too tied to this sex drive men are tied to makes me happy, but the way we´re too emotional sometimes makes me sad.

And I say: You know, I don´t really want to go out with your friends, they´re boring, they don´t talk to me, because they don´t know how to treat a woman decently. And he says: Don´t give me that attitude thing, honey.