Ich komme zu dem Schluss, dass alles was ich mir ausdenke nicht wahr werden kann. War ja schon immer so. Früher, da habe ich ganz viel auf dem Computer geschrieben, dann habe ich ihn aus meinem Zimmer rausgeschmissen. Als er dann nicht mehr da war, habe ich mir ein dickes Heft mit linierten Blättern gekauft, habe von da an dort hineingeschrieben. Nicht Tagebuch, das ist doof. Trotzdem kann man, glaube ich, an den Sachen die ich da hineingeschrieben habe, sehr viel darüber lesen, wie ich mich entwickelt habe und wie ich mich fühlte und so weiter, also viel persönliches. Meinem ersten Freund habe ich dieses dicke Heft gegeben, er hat sich ein paar Sachen durchgelesen, aber er hat sie nicht verstanden, er hat nur gesagt, dass sich das gut anhört und dass ich ein Talent habe zu schreiben. Aber er hat nicht verstanden, was es mich gekostet hat ihm dieses innere Stück von mir zu überreichen, das ist ja ein Stück Seele von mir. Und dann, als mein zweiter Freund kam, da habe ich immer weniger in dieses Buch geschrieben. Weil es nicht viel zu berichten gab? Weil ich zufrieden war? Relativ. Und zufrieden macht so unkreativ. Zufrieden sind bekanntlich nur die Lumpe.
Also, ich habe ja auch keine Zeit und meine Gedanken sind so schnell. Ich kann dann nicht per Hand schreiben, denn während ich schreibe, kommen schon neue Gedanken und die habe ich dann vergessen, wenn ich die vorherigen aufgeschrieben habe, das ist schlecht. Also bevorzuge ich doch wieder den Computer. Da drücke ich einfach Tasten, und es geht viel schneller und auch leichter, wenn man denn mit 10 Fingern schreiben kann. Etwas auf Papier zu bringen, hingegen, kostet einen viel mehr. Man erlaubt sich nicht, irgendetwas lediglich hinzuschreiben, irgendeinen Quatsch. Weil, das ist ja dann wirklich da, während es im Computer noch nicht ganz so wirklich da ist. Und das Wichtigste: Man überlegt sich nicht, ob man etwas weglässt, damit es schneller geht. Man lässt die kleinen Sachen draußen, wenn man auf Papier schreibt. Die sind aber auch wichtig. Ich gebe also folgende Empfehlung ab: Kondensierte Gefühle auf Papier (weil man sich mehr Gedanken über das macht was man schreibt und diese dann auch bewertet und nur diejenigen aufschreibt die man würdig genug findet um auf Papier zu stehen). Und der Computer ist also der Platz für Gedanken, die einem durch den Kopf gehen. Wild.
In letzter Zeit habe ich den Drang alles zu dokumentieren, denke, oh Mann, wenn ich das aufschreiben oder aufnehmen könnte und jemand anderem zeigen, oder mir noch einmal durchlesen. Ich glaube, wenn man schreibt, dann muss man den Leuten von der Realität erzählen und das was passiert oder passieren könnte. Klar, Fantasy, das ist cool, das lässt einen Träumen, aber das was einen erschüttert, das ist doch die Realität. Das ist der eigene, langweilige Alltag, all diese kleinen Dinge, die so viel sind, und so wenig gelten. Keine Abenteuer oder so. Abenteuer sind überhaupt Quatsch. Alle Deutschen sagen immer zu mir, oh Deutschland ist ein so biederes Land, und träumen nachts in ihren bayrischen Massivholz- oder Ikeabetten von der Karibik, dem Urwald oder Neuseeland und obendrüber immer die strahlende Sonne. Wisst ihr, alles Schöne entdecke ich hier. Das hier ist ein schönes Leben, ich mag Deutschland, ich liebe es, hier zu leben, das ist meine Erfüllung, ich liebe auch England, was wollt ihr denn alle immer mit euren Stränden und eurer Sonne, das verstehe ich nicht. Hier ist doch die Erfüllung. Aber da alle auf Abenteuer aus sind… Das verstehe ich nicht. Vielleicht hatte ich einfach schon zu viel Sonne in meinem Leben?





