Archiv für die Kategorie ‘TRANSkulturelleID’

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Hostelfeeling, wie es weiter gehen soll, D&SA

12. April 2012

Jetzt gerade sitze ich in einem Hostel in Lima. Endlich wieder Waerme, endlich wieder Meer. Seit 15 Jahren wieder den Pazifik gesehen, aber noch nicht beruehrt. Es gibt tausende Hostels auf der Welt und alle kommen mit dem typischen Hostelfeeling. Ein Stueckchen Heimat in einem fremden Land. In der Regel gibt es eine laute Bar. Einen Computer. Mehr oder weniger saubere Baeder. Im Idealfall Zimmer mit nur 6 Betten. Die Gespraeche laufen fast immer gleich ab. Woher kommst du, wo warst du schon, wohin gehst du, wie lange hast du noch? Auch das werde ich vermissen, obwohl es mir manchmal auf den Sack geht. Werde ich mich noch an dieses Gefuehl erinnern koennen, sobald ich zurueck bin? Wird mich meine Heimat (?) wieder verschlucken? Werde ich (ja), hoffentlich (ja) ein bisschen anders sein als vorher. Ja.

Dank suedamerikanischer Maenner weiss ich, dass ich anziehend bin. Das konnten mir die Deutschen nicht vermitteln. Ist das ein Grund mich besser zu fuehlen? Vielleicht. Dank Suedamerika weiss ich, dass ich nicht nur Deutsche bin und es nie werde sein koennen. Ich weiss, dass ich immer etwas vermissen werde. Hier dort, dort hier. Am liebsten waere mir jemand, der das versteht. Meine Geschwister? Vielleicht. Ich meine, das zwischen beiden Kulturen stehen. Beides sein. Auch wenn man meinen muesste, das schliesst sich aus, aber das tut es nicht. Das habe ich gelernt.

Traue ich mich Deutschland den Ruecken zu kehren? Langfristiger als das hier, meine ich. Was passiert mit den Freunden, die man dort laesst? Kontakt halten ist schwer, das hat mir auch diese Reise gezeigt. Manche melden sich, manche nicht. Interessant, manchmal schmerzhaft zu sehen. Wuerde mir das Chaos hier langfristig die Nerven rauben? Ich denke, man koennte es ausprobieren. Vielleicht ist das die Aufgabe fuer die naechsten 10 Jahre. Was weiss ich. Kinder kriegen und sie das Gleiche durchmachen lassen, ich meine, zwei Kulturen in einer Person zu sein. Kann ich das verantworten? Mit all dem Schmerz, den dies mit sich bringt, aber gleichzeitig auch diese Breite der Welt zu kennen, die das mit sich bringt. Zu wissen, dass es sowohl das eine, als auch das andere gibt und beides funktioniert?

Gruebelei. Weil ich sowieso nicht schlafen kann, weil die Bar zu laut ist.

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Viajar

29. März 2012

Y la aventura?
Cómo se recuperan los motivos imaginarios del viaje?
Cómo se mide la oscura distancia entre necesidad y deseo?

(Paloma Vidal, brasileira/argentina)

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Wörter, Sätze

7. November 2011

Vibrationshintergrund

“Man reißt sich um den Schmuck unserer nicht aussprechbaren Namen, um ihn an die Brusttasche des für den besonderen Anlass geliehenen Jacketts zu pappen.” (Editorial von “freitext”)

Danke, dass es diese Zeitschrift gibt, danke, dass ich sie entdeckt habe. Da geht mir richtig das Herz auf. Genauso “wie als” ich kürzlich in B war. In Berlin fühlt man sich so normal (was das Leben leichter macht), weil die Messlatte eine ganze andere ist. Hinter meinem eher links liegenden Punkt der Abgefahrenheit geht es dort noch Ewigkeiten weiter. In Mannheim bin ich eher am äußeren Rand, was manchmal anstrengend ist, da man sich alleine fühlt und viel um die Akzeptanz seiner Ansichten kämpfen muss. Auf der anderen Seite muss man sich nicht so sehr abgrenzen, weil das fast automatisch passiert (was das Leben auf einer anderen Seite leichter macht). Mit gewissen Hosen wird man hier in gewissen Teilen der Stadt schon komisch angeguckt und es führt zugleich zu einem Abspruch von Alter und Kompetenz. In Berlinski interessiert das keine Sau, ganz nach dem Motto “arm, aber sexy” bzw. abgefahren angezogen, aber kreativ/innovativ/anders (und impliziert dabei etwas Positives, nicht etwas Negatives). Grundsätzlich geht es mir darum, in Deutschland die Akzeptanz für Andersartigkeit zu erhöhen. Anders ist interessant und nicht erschreckend. Man muss nur offen sein. Und innerlich stabil. Wie oft muss ich mir die Verkürzung meines Namens auf den in Deutschland bekannten Teil anhören, weil “einfacher”. Well, fuck you, dann ist es eben etwas schwerer für dich. Gehirnjogging gratis, faules Pack!

Post-alles-mögliche

“Nun ist Jeffrey Eugenides ein Autor, der im Post-alles-möglichen ebenso versiert ist wie im Meta-alles-übrigen. In “Die Liebeshandlung” unternimmt er die Rekonstruktion des klassischen Liebesromans vor dem Hintergrund seiner Dekonstruktion. “ (dradio Kultur über JEs neuen Roman)

Nachdem ich vor etwa zwei Jahren erstmalig anfing zu begreifen, was es heißt in einer post-modernen Gesellschaft zu leben, in der sich alles auflöst (es ist so – wir können z.B. nicht kommunizieren, zumindest nicht auf einer höheren Verständnisebene, weil wir unterschiedliche Sinnstrukturen haben, und nur jemand der meinen “Vibrationshintergrund” hat, sich dem überhaupt ansatzweise annähern kann, weshalb Transkulturalität einen echten Vorteil darstellt, man versteht mehr Menschen bzw. man gibt sich mehr Mühe sie zu verstehen), habe ich kürzlich erst in besagter Zeitschrift das Adjektiv “post-migrantisch” entdeckt. Juhu! Und mich umsomehr geärgert, dass die Vorstellungen von “Verrücktes Blut” bei den Schillertagen ausverkauft waren und es bei meinem letzten Berlin-Aufenthalt keine Vorstellung im Ballhaus Naunynstraße gab. Nun gut, nächstes Mal. Wenn alles mögliche “post” und überwunden ist.

<Ergänzung>

Postkolonial: “Ziel ist es, Begriffspaare zu dekonstruieren, um dem damit ausgedrückten Machtgefüge entgegenzuwirken.” (aus Wikipedia).

Herr Bhaba ist da ja so ein spannender Typ. Und sein Konzept des dritten Raums erst: Im dritten Raum erfolgt eine Verschiebung / Dezentrierung / Umkehrung durch unpassenden Gebrauch von Symbolen und Repräsentationen, wodurch diese Zeichen  und ihre Bedeutung hybridisiert (verunreinigt / umgedeutet) werden: Vibrationshintergrund, eben. :-)

Und Herr Hall ist auch so ein spannender Typ. Weil endlich Bedeutungsproduktion durch Kodierung und Dekodierung erkannt statt Sender/Empfänger/Nachricht-Scheiße. Und jawohl, man kann sehr wohl nicht kommunizieren, Herr W. Wir können nämlich eigentlich überhaupt nicht kommunizieren! Weil das was ich denke, kann in keiner (oder nicht nur einer) Sprache ausgedrückt werden. Und ich kann nicht einmal ansatzweise ausdrücken, was ich fühle (weil es mehrdimensional, prozesshaft und ursächlich undeutlich ist), wie soll das also überhaupt jemand ansatzweise verstehen (heißt rationalisieren) können? Wir sind eben getrennte Systeme. Jeder für sich alleine. So sieht es nämlich aus, Herr Luhmann, und das ist ein wenig traurig. Ich glaube, deshalb strebt der Mensch überhaupt ständig nach “Sozialem”. Weil er verdrängen will, dass er eigentlich – tief in sich drin – alleine ist und auch alleine sterben wird.

</ ausufernde Ergänzung>

 

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Intellektuell und Chic!

16. Oktober 2011

Frankfurt this weekend. Buchmesse. Sehr interessante (und tief befriedigende) Podiumsdiskussionen mit den Intellektuellen: Hamed Abdel-Samad, Eva Illouz (absolut spannende Frau), Shi Ming (über den es keinen Wikipedia-Artikel gibt), Breyten Breytenbach, Louis-Philippe Dalembert, Rawi Hage.

“Es ist die Ironie der neuen Medien, dass wir für unsere vermeintlichen Einzigartigkeiten sensibilisert werden, auf der Frage, wer wir eigentlich sind, und gleichzeitig bringt uns die Technik in einen Wettbewerb mit einer Unzahl Namenloser, die uns vor anderen schwer macht, uns auszumachen.” (Wikipedia über die Theorien von Eva Illouz)

“Sein Werk ist geprägt vom Vagabundieren (ein Begriff, den er dem des Umherirrens vorzieht), geprägt von einer ständigen Spannung zwischen zwei Zeiten (der Kindheit, aus der heraus er die Welt betrachtet, und des Erwachsenenalters) und zwischen zwei, wenn nicht mehreren Orten.” (Wikipedia über Louis-Philippe Dalembert)

Habibi (aka. “The Bible”) von Craig Thompson signieren lassen. Schöner Mann, dessen Feinfühligkeit beim Comiczeichnen sich in seiner Person widerspiegelt, schmacht. Aber Avancen zu machen ist an dieser Stelle absolut undenkbar. Zu meiner Profession sagte er: “Bless the <Profession hier>”. :-)))

Und dann auf dem Flohmarkt am Mainufer diese Platte von 1979 gekauft – yeah! – und ein wenig Musikgeschichte nachvollzogen. Da kommt einem doch Einiges bekannt vor… Chic! :-)

Risqué = Side One

 

Risqué = Side Two

Can´t stand to love you – kein Video gefunden

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Halb-halb // Sur o no sur

15. Juni 2011

Ich bin halb-halb und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt. Ich weiß nicht warum (aber wer weiß diese Dinge schon?) meine Eltern – unterschiedlich wie Tag und Nacht – sich kennengelernt haben und mich, ausgerechnet mich, gezeugt und aufgezogen haben, um mit mir über Ozeane zu fliegen und mich in zwei verschiedene Welten zu stecken und herauszureissen. Hier bin ich nun, ein Wesen, das halb-halb ist. Geht das überhaupt, beides gleichzeitig zu sein? Hält man das aus? (Bisher offensichtlich, Fräulein!)

Ich bin hin- und hergerissen. Bin beides, brauche beides, kann mich nicht entscheiden. Kann aber nur an einem Ort sein. Aber dort mag ich nicht die Unordnung und den Machismus. Und hier mag ich nicht die Borniertheit und Gefühlskälte. Ich kann niemals mit jemandem glücklich werden, der dieses Dilemma nicht begreift.

Aber vielleicht muss ich mich gar nicht entscheiden?

Vielleicht kann man beides leben?

Vielleicht.

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No pasó nada

29. Mai 2011

- Por qué lloras? – me dijo.
– Porque sentí que ustedes estaban llorando.
– Eso no es un motivo – dijo -. Aquí se llora cuando no se aguanta más, y por cosas de importancia. Oyó?
– Sí, papi.
– La próxima vez que lo pille llorando le voy a sacar la chucha para que llore con ganas. Entendió?

 

En la vida uno se encuentra con muchos libros. Por lo general unos te excitan más, otros menos. La mayoría de veces están “bien”, es decir: no ha estado mal leerlos, pero tampoco han cambiado tu vida. Pero muy rara vez pasa que uno se encuentra con un libro que por razones x en éste justito momento encaja bárbaramente en tu vida. A mi me acaba de pasar eso con un texto del año 1980, el cuál me ha dejado fascinada y “alucinando” (como dirían los españoles) y que por lo tanto he tenido que leer dos veces seguidas este fin de semana. Se trata de “No pasó nada” del chileno Antonio Skármeta y este relato realmente me ha reventado el corazón. Ese lenguaje sabroso, que combina lo vulgar y la tristeza de una forma tan bella, que me ha dejado boquiabierta. Siempre me fascina cuando me encuentro con un escritor que – tratando temas tristes – es capaz de hacernos reír a la misma vez. Aquí un par de ejemplos:

“El papi para variar me dijo que me iba a sacar la chucha por andar preguntando huevadas. Como se habrán dado cuenta mi papito colabora con cariño y entusiasmo a la educación de sus hijos.”

“Yo al comienzo me sentí más tirado que pucho en Berlín. Para más remate a mi hermano y a mí nos metieron de cabeza en la Escuela del barrio. Cuando nos decían “Guten Morgen” creíamos que nos estaban sacando la madre.”

“Era mayor que yo, pero sería de mi mismo tamaño. Y tenía una cara chiquita, así como de conejo, y unos ojos inmensos que se los aleteaba a cada rato con esas pestañas falsas cargadas de su buena libra de petróleo. Las pestañas de Sophie eran la falsedad absoluta, pero no la mirada. Era la vendedora más convincente que he conocido, incluyendo a los que venden “Die Wahrheit” en Turmstraße, los sábados a la salida del Hertie.”

Gracias por este libro!

El cartel de la adaptación filmográfica alemana.

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Was es heißt, transnational zu sein

11. Februar 2011

Vater aus A, Mutter aus B. Aufgewachsen in A und C.
Lebt in A. Regelmäßiger Kontakt nach B. Sehnt sich nach C (Teilen von C).
Weil es die in A nicht gibt, aber in B auch nicht.
Konsumiert regelmäßig die Kultur aus D, trotz ambivalentem Verhältnis.
(Aber: Wer kann sich dem schon entziehen?)

Man muss lernen, dass alles gleichzeitig sein kann, ist und sein darf.
Man muss sich nicht entscheiden.

Kann denn die Pflanze sagen, ob ihr Erde, Wasser oder Sonne wichtiger ist?
Nein. Also!

Freundeskreis bisher überwiegend (warum eigentlich?) aus rein A-lern.
Große Sehnsucht nach transnationaler Diversifizierung desselbigen.
Der Versuch zu verstehen. Die Sehnsucht, verstanden zu werden.

trans = lateinisch für: durch, über, hinüber, jenseits, auf die andere Seite

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Gespräche, Gedanken, Interpretationen

19. Januar 2011

Ihr kennt das ja, in meinem Kopf wuseln immer mehrere Gedanken herum:

  • Es gibt keine Zeichen. Frauen? Meiner Familie? Also, genauer gesagt: Meine Mutter und ich tendieren dazu in allem Zeichen zu sehen. Dies impliziert, dass es jemanden gibt, der all das hier ordnet / plant und dann hin und wieder zur Besänftigung, weil er sich sonst so wenig blicken lässt, ein paar dubiose Zeichen in der Welt hinterlässt, die man dann wahrnimmt und wohlwollend interpretiert, weil es dem Ganzen einen vermuteten Sinn gibt. Ein alter Freund sagte mir dann gestern, es gäbe keine Zeichen. Ich glaube er hat recht und ich bin ihm dankbar, dass er direkt und ehrlich zu mir ist.  Alles ist Zeichen, wenn man es zu einem Zeichen macht. Im Kopf. Casa de los espiritus. Daraus: Vengo a sacarlo de aquí. – ¿Por qué? – Porque Blanca me lo pidió. – Váyase al carajo. – Bueno, para allá vamos. Usted viene conmigo.
  • Gespräche sind das Kostbarste wo gibt. Mein Lebenselexir. Nach einem guten Gespräch fühle ich mich wohl und besänftigt. Weil ich mich i.d.R. danach weniger seltsam fühle. Man hat sich ausgetauscht. Dieser Austausch ist wichtiger als der von Körperflüßigkeiten. Lasst euch das gesagt sein, ihr Jugendlichen.  “Was ist herrlicher als Gold?”, fragte der König. “Das Licht”, antwortete die Schlange. “Was ist erquicklicher als Licht?”, fragte jener. “Das Gespräch”, antwortete diese. (Johann Wolfgang von Goethe)
  • Menschen, umarmt eure Single-Freunde. Sie haben deutlich weniger Körperkontakt als die Menschen mit Beziehungen. Also tut ihnen einen Gefallen und herzt sie. Da werden irgendwelche guten Hormone ausgeschüttet und dem Stress entgegen gewirkt.
  • Bloggen, Zeit, Publikum, Gedanken: Ganz viel mit dem Kopf nicken muss ich bei Frau Schrupps Beitrag Ich schreibe nicht für euch! So spricht sie mir aus dem Herzen, wenn sie sagt: “Leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, auch meine Gedanken nach verschiedenen Projekten auseinanderzudividieren, die gehen einfach durcheinander.” Das Ergebnis dieser Tatsache sieht man ja auch bei mir. Und sie bloggt, “damit ich nicht vergesse, was ich mal gedacht habe und was mir wichtig ist.” Auch dem muss ich zustimmen. Und der folgende Satz affiziert mich ebenso: “Einen Gedanken nicht nur im Kopf zu haben, sondern ihn zu verschriftlichen, zwingt nämlich dazu, ihn ordentlich zu denken.” Deshalb musste ich während des Verfassens meiner Masterarbeit auch dringend bloggen, um nämlich im Kopf zu ordnen.
  • Vegetarier: Lesenswerte Besprechung  des Foer´schen Vegetarismus-Buchs von einem New Yoker Gleichgesinnten, den ich gerne wegen seiner humorvollen amerikanischen Art lese. Daraus der Satz: “Foer never examines the implications of a vegetarian food system.” Der großflächige Sojaanbau ist nämlich durchaus auch beklagenswert, liebe Vegetarier. Und ich mag die Bezeichnung “ethical meat eaters”.
  • Ich höre / listening to / escuchando: Clown and Sunset, a small label by Nicolas Jaar (New York City / Chile). Und ich klicke jetzt nicht auf einen Knopf und sage Like. Sondern ich nehme mir die Zeit und beschreibe es: Für mich ist diese Musik transkulturell und verursacht Resonanzen, weil sie meine inneren Sinnstrukturen in Bewegung setzt. Weil ich elektronische Musik mag und schon mit 17 meine Frankfurter Erfahrungen gemacht habe. Weil ich ein paar lateinamerikanische Erfahrungen habe. Weil das großartige “bandido del amor“… ok: too personal. Alles klar? Und ihr Einfältigen sagt Like. Hahaha! Versteht ihr, dass qualitative Information verloren geht zwischen dem was ich soeben beschrieben habe und dem Klicken eines Like-Knopfes? Das ist es, was ich nicht (mehr) mag.
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Kreativität durch Selbstreflektion in transkulturellen Prozessen

23. November 2010

Keine (kulturelle) Kreativität ohne Selbstreflektion. Selbstreflektion z.B. durch transkulturelle Prozesse.

“For self-reflexivity, involved in comparing and relativizing your own culture, is implicit in inter-culturality – but this does not mean rejecting the one or surrendering wholesale to the other as though they were exclusive. The capacity to gain autonomy from your own culture, open yourself to other cultures, take and incorporate into your own symbolic repertoire selective elements creates the “decontextualized cultural capital” of cosmopolitans. Though this is treated as though it were the attribute of a small elite, it is an integral part of everyday life – interacting with “others” through trans-national trade flows of products, cultural artifacts and services which we consume, and through the global communications networks that filter music, images, ideas into our contemporary mental worlds. The foreign and the local combine all the time [...] Thus cultural literacy has to be rethought, not only in pluralistic, but also in inter-cultural terms. Inter-cultural literacy is based on the capacity not only to interpret your own culture but other cultures, and to engage in a creative process of interaction, transformation and fusion.” (Bloomfield/Bianchini)

Ok. Kreatitvität entsteht also durch Selbstreflektion, durch Offenheit, durch Mischung. Durchmischung.

So wie meine Gedanken sich durchmischen, jetzt einmal wieder.

Kreativität ist aber nicht gleich Produktivität.

Also, ran an die Arbeit, junge Frau!

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Verschwendung, Vergangenheit

14. November 2010

“Das Verfassen von Texten kann ein Weg sein, das neu zu gestalten, was als die Welt gilt.”

~ Judith Butler

War das, ist das ausgedacht oder wird das noch wahr?

Ist denn die Vergangenheit so weit weg, wie der Ort, an dem sie statt gefunden hat? Und dann auch noch die Frechheit, der Weiterexistenz dieses Ortes OHNE mich. Frechheit! Und die Frage, ob alles kollabiert, wenn die mühselige Reise dorthin aufgenommen wird. (“Vorstellungen sind mitunter das Schlimmste.” – Theodor Fontane).

15 Jahre war ich nicht dort. Ich wollte nicht fliegen. Ich wollte nichts wissen. Ich wollte die Sprache nicht sprechen. Ich wollte die Ausreden nicht hören. Ich wollte die Oberfläche abstreifen. Ich wollte einfach nichts mehr außer Vergessen und die Vergangenheit sein lassen. Es war vorbei.

Jetzt sitze ich im Flugzeug, was ich all die Jahre nicht einmal denken konnte, ohne Panik zu kriegen, und blicke auf die Lichter Frankfurts. Die tausende Lichter Frankfurts lasse ich hinter mir, was für ein Ausblick. Ich lasse alles Deutsche hier, in diesem Flugzeug. Lufthansa, noch ein wenig Deutsches haftet an. Aber die Räder sind schon in der Luft, kein Kontakt mehr. Ich lasse alles Deutsche sein. Ich lasse alles Kleine hinter mir. Aber auch alles Geliebte. Dies kann nur ein Teil der Menschheit verstehen.

Ich weiß, es ist keine Lösung Teile seiner Identität zu verleugnen. Kann ich auch gar nicht, seht her, in welcher Sprache ich dies schreibe. Ich muss einfach verstehen, beides sein zu können. Ohne Widerspruch. Man muss sich nicht entscheiden: Beides ist gleichzeitig möglich. Ich habe etwas gebraucht, um das zu verstehen.

Ich fliege in die Unterentwicklung. Nicht, dass es bei uns besser wäre. Es ist mehr so, dass ich aus der Überentwicklung in die Unterentwicklung fliege. Im Herzen den linken Wunsch, überall nur Entwicklung zu haben. Weder über noch unter. Gleich!

Ich liebe Mannheim. Ich herze auch Berlin, Darmstadt, Frankfurt und Freiburg, aber vor allem liebe ich Mannheim. Mannheim ist die Entwicklung. Für mich. Ich weiß vieles zu schätzen, was wir in Deutschland haben. Vieles, was für uns so selbstverständlich ist, dass es uns manchmal auch anödet, wir Ignoranten. Oder uns, die wie Anderes kennen, manchmal nervt, weshalb wir manchmal sehnsüchtig an das Andere denken.

Dann bin ich dort und grinse herzlich über den Klappstuhl des Busfahrers. In Deutschland undenkbar, aber – ihr Daheimgebliebenen – lasst es euch sagen, so etwas gibt es wirklich. Und es geht gut. Nicht immer, aber oft.

Ich frage mich, ob wir auf dieser Erde irgendwann an den Punkt kommen, wo sich alles mischt, wo wir das Gute aus allem Verschiedenen zu einem Ganzen kombinieren. Ich fürchte, wir löschen uns vorher aus. Aber denkbar ist es. Denkbar ist alles, im Rahmen unserer Möglichkeiten. Die aber auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind.

Ich lasse mich von dem Klappstuhl-Busfahrer in seinem Bus mit eingebautem Schrein durch die Gegend fahren und stelle fest, die Stadt ist sauberer geworden. Ich frage mich wie. Ob es beim Saubermachen sauber zu ging, oder nicht. Ich fürchte nicht. Das Resultat ist Sauberkeit, aber die Frage ist, wie ist es dazu gekommen. Sauberkeit durch Schmutz? Ich fürchte ja.

Ich treffe die Menschen der Oberschicht und schlafe bei ihnen. Manche leben und zweifeln an nichts. Nicht an ihren Autos, nicht an ihren gut umzeunten Häusern, nicht an ihren Hausangestellten. Nicht an den privaten Schulen ihrer Kinder, nicht an ihrem Strandhaus, nicht an ihrem Bankkonto. Manche leben und sagen dir offen ins Gesicht: Ja, wir beuten sie aus. Das machen wir hier schon immer so. Lachen und leben weiter.

Ich treffe Menschen aus der Unterschicht. Ich will helfen und kann es doch nicht in dem Ausmaß, wie ich gerne würde. Am liebsten würde ich denen aus der Oberschicht in den Arsch treten und schreien: Es sind doch eure Leute! Das sind doch Leute wie du und ich, du Arsch, es ist auch dein Interesse, dass es ihnen gut geht. Es ist unser aller Interesse. Wieso ist das so schwierig zu verstehen? Ich weiß es: Ihr habt es einfach nicht gelernt.

Ich bin Verschwendung, ich weiß. Ich bin der Tropfen auf dem heißen Stein, der sich sofort in Luft auflöst und verdampft. Aber ich weiß, wenn wir viele wären, dann würde der Stein abkühlen. Und ich kann sagen: Ich war einer davon. Ich verschwende mich gerne für das was mir richtig scheint. Nichts anderes hat Sinn. Ich weiß, dass Anderen Anderes wichtig ist. Ich weiß, das Andere anders sind. Ich weiß, ich weiß, ich weiß.

Ich weiß, dass ich erschossen und vergewaltigt enden werden. Ich weiß, ich werde im Straßenrand verroten und die Vögel werden an meinen Eingeweiden fressen. Bio, ihr Arschgeier! Es ist nicht sicher, aber viel wahrscheinlicher, als in Deutschland. Dort könnte ich es gemütlich haben, ich könnte es sicherer haben, ich könnte es bequemer haben. Aber auch sinnloser. Für mich.

Trotz all dem: Trotzdem!

Voy.

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“I don´t think identity´s fixed, the real, true self. It is constructed from historical processes: I´m the sum of that boy called a “coolie”, the Rhodes scholar, the socialist from Jamaica. Every identity that feels so solid is the result of excluding things you could have been. I go back to Jamaica and I adore it, but I couldn´t be a Jamaican. I ache for a parallel life I could have lived. I also couldn´t disappear into Englishness. I understand Britian; but I´m only British in a hyphenated way”.

~ Stuart Hall ~

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