Archiv für die Kategorie ‘youWISH’

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Ohne Models

18. November 2009

Ich bin ja Feministin (und darunter eine Differenzialistin, wen es genau interessiert). Was bleibt einem als Frau in einer pseudo-gleichberechtigten Welt auch anderes übrig? Und deshalb begrüße ich die Initiative „Ohne Models“ von Brigitte. Endlich traut sich mal jemand was! Auch wenn ich die Brigitte höchsten zwei Mal pro Jahr beim Zahnarzt lese. Ich glaube, ich bin im April wieder beim Zahnarzt. Mal sehen was bis dahin passiert ist. ;-)

Hierzu passt auch wunderbar dieses Zitat aus dem grandiosen „On beauty“ von Zadie Smith:

„Right. I look fine. Except I don’t,“ said Zora, tugging sadly at her man’s nightshirt. This was why Kiki had dreaded having girls: she knew she wouldn’t be able to protect them from self-disgust. To that end she had tried banning television in the early years, and never had a lipstick or a woman’s magazine crossed the threshold of the Belsey home to Kiki’s knowledge, but these and other precautionary measures had made no difference. It was in the air, or so it seemed to Kiki, this hatred of women and their bodies– it seeped in with every draught in the house; people brought it home on their shoes, they breathed it in off their newspapers. There was no way to control it.

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Sie schwankt

5. Oktober 2009

Ja, das ist der Normalzustand. Sie schwankt. Himmelhochjauchzend zu Tode betrübt. Sollte ich mich eventuell beizeiten auf Schizophrenie oder manische Depression untersuchen lassen?

Die Stadt M

Meine Liebe für diese Stadt ist unerklärlich. Wo kommt sie her? Wo führt sie hin? Ich weiß nicht, was ich euch sagen soll, damit ihr es einigermaßen nachvollziehen könnt oder es mir zumindest glaubt. Ich lasse mich anfahren, ich verschmiere mein Blut an Brücken, ich klebe mit bloßen Händen meine Bilder an Wände, ich bleibe zu lange in der Straße der Straßen, ich sitze an Ufern und in Cafés, ich rieche allerlei,  ich betrachte Gebäude, Plätze, Brücken. Ich finde einfach keinen hässlichen Ort. Alles gehört so. So ist das Leben. So sieht es aus. Ich möchte einen Menschen treffen, der so ist, wie diese Stadt.

Duale Persönlichkeit

Für Abwechslung und Aufregung sorgt die Tatsache, dass man zwei Seelen in sich trägt. Sagte ja auch Goethe schon. Befreiend und beängstigend zugleich, wenn man unterschiedliche Persönlichkeiten ausleben kann. Den angeblich spießigen Teil: Im Öffentlichen Dienst arbeiten, Pseudo-Sicherheit mit befristetem Vertrag, Tagungen, vor jungen Quälgeistern dozieren, sich über Drucker und Bürokratie aufregen und über die Servicementalität mancher „Abteilungen“ auch. Den angeblich wilden Teil: Rotwein bis zum Abwinken, Kleben Kleben Kleben, Hinz und Kunz treffen, mit 19-jährigen Briefträgern aus Berlin und 32-jährigen Informatikern und einem Darmstädter bei den Strümpfen kickern. Scheiße, war der Berliner gut. Mit einer Hand (in der anderen die Kippe oder die Bierflasche) gegen zwei und trotzdem scheißgut. Mann. Das will ich auch!

Ich weiß nicht, ob ich in 10 Jahren zwei Kinder und einen Arzt als Mann haben will, die ich täglich bekoche, nachdem ich morgens im Engelhorn BOSS-Pullis einkaufen war. Oder ob ich in Sneakers durch Gebüsche rennen und „on the edge“ leben soll, direkt in den Mund, eine kleine Mietwohnung haben, aber auf sämtlichen Gästelisten stehen, Hedonismus und Freiheit.

Mensch, ich bin sooo unentschlossen. Beides ist fatal und interessant zugleich.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
(Faust I)

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Das Leben als Kleinkunst

14. Juli 2009

Heute ist so ein Tag an dem man langsame Musik hören, sich mit einem guten Buch auf die Couch verziehen und Tee trinken sollte. Vielleicht noch Kerzen anmachen und dem Regen dabei zuhören wie er leise an die Scheibe klopft.

Im Leben läuft nicht alles so, wie man es gerne hätte. Aber: Oft weiß man auch gar nicht was wirklich gut für einen ist. Das Leben kriegt es dann erstaunlicherweise rückblickend gesehen doch ganz gut hin. Man erkennt es halt in diesem Moment oft nicht.

Gestern „Kabale und Liebe“ gesehen. Mitgelitten.

Heute Privatsphäre überprüft. Fleck entdeckt. E-Mail geschrieben. Hoffen.

Morgen sollen es 30 Grad werden und schwül. Schwitzen.

Menschen, die sich nicht permanent in Frage stellen, gibt es die eigentlich? Und wenn ja, wie geht das? Kann mir das jemand erklären? Obwohl. Ich weiß, dass es die gibt. Es gibt sie ganz oft. Und ich will nicht so werden. Also gut, dann stelle ich mich halt jeden Tag in Frage. Und mache Kleinkunst.

Ihr sitzt in euren Zimmern und ihr wartet auf das Glück
und ihr habt schon 20000 Zigaretten ausgedrückt
redet nur von den Projekten und von eurem neuen Stück
manchmal frag’ ich mich : „Bin ich oder ihr verrückt ?“
Ich will nicht schlecht über euch reden, es ist ja doch nur primitv
Ich verabscheue euch wegen euerer Kleinkunst zutiefst
Es gibt eine Herzlichkeit jenseits vom Jonglieren
Das ist doch wirklich gar nicht allzu schwierig zu kapieren
Ihr werdet 100000-mal Kaffee trinken gehen
Und werdet 100000-mal wieder nichts verstehen
Ich will nicht schlecht über euch reden, es ist ja doch nur primitv
Ich verabscheue euch wegen euerer Kleinkunst zutiefst

(Tocotronic: Ich verabscheue euch wegen euerer Kleinkunst zutiefst)

Ah, die Sonne geht auf. :-)

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Hombre lobo

13. Juni 2009

Wunderbar sehnsüchtig und deshalb empfehlenswert ist die neue CD von Mr. E, aka Eels. Da stimmt einfach alles: Lyrics + Melodien. Wenn ihr nach dem Hören vor Sehnsucht vergeht: Ich habe euch hiermit gewarnt!

The longing is a pain
A heavy pressure on my chest
It rarely leaves
And my day becomes a quest
To try not to think about her
And all that she brings
Forget about her magic
All the beautiful things

Surely there are other things to life
But I can’t think of one single thing
That matters more
Than just to see her
Her smile, her touch, her smell, her laugh

The longing is a friend
A way to stay close
And feel like she’s here
And feel like she knows
That when I say I would die for her
It’s not just words, I really would
And to make the world a safer place for her
Well, I believe I really could

Surely there are other things to life
But I can’t think of one single thing
That matters more
Than just to see her
Her tears , her sorrow, her faults, her doubts
I love them all

(Longing, Eels)

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Leo Leikes dieser Welt, wo seid ihr?

27. April 2009

Marie Jacqueline hatte das Vergnügen ein hervorragendes, intelligentes und Dauergrinsen hervorrufendes Buch zu lesen, das sie nur so verschlungen hat. Die Handlung klingt zwar banal, aber, wie ich schon in meinem vorherigen Eintrag schrieb, gute Gespräche sind halt einfach alles. Und in diesem Buch geht es darum, dass sich zwei Menschen über gute Gespräche (bzw. E-Mail-Verkehr) kennen lernen. Auch wird viel über die Liebe, über das Äußere und das Miteinander nachgedacht. Über zwischenmenschliche Interaktion. Ein echtes Lehrbuch für Männer und Frauen. Und bei allem Geschmachte ist es ein riesiges Vergnügen, weil so gar nicht abgehoben und irgendwie möglich.

Also, Leo Leikes dieser Welt. Wo seid ihr eigentlich alle? Lasst mich eure Emmi Rothner sein. :-)

Hier noch der Hinweis zu einer ordentlichen Rezension. Und die Frage: Ist das eigentlich ein Frauenbuch? Oder gefällt´s auch den Männern?

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Alles heiß, alles still

9. April 2009

Es gibt so ein paar Situationen, bei denen ich mich ein wenig grusele.

Zeiten wie vor Ostern oder vor Weihnachten zum Beispiel, wenn einen langsam alle Leute verlassen. Die Kollegen verabschieden sich einer nach dem anderen, Freunde und Familie auch und man kommt sich vor wie der letzte Mohikaner. Und Hochsommer:  Wenn alles heiß ist, die Städte ausgestorben sind und so eine Trägheit über allem liegt. Dann fühle ich mich sonderbar.

Und gerade treffen diese beiden Sachen zu. Insofern wünsche ich mir ein paar schöne Ostertage und danach – für den Rest der Welt sicherlich völlig unverständlich – wieder richtiges Aprilwetter und quirrliges Miteinander.

Ich bin nicht gerne alleine.

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Vitamin B

5. März 2009

In der Kulturbranche scheint Vitamin B die einzig wirksame Methode zu sein, um an gute Stellen zu kommen. So etwas wird nicht ausgeschrieben, so etwas wird szeneintern vergeben. Man muss einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und die richtigen Leute kennen.

Heißt: Wenn man da mitmischen will, muss man sich in die Szene hineinstürzen. Kontakte knüpfen. Telefonieren. E-Mails schreiben. Auf Vernissagen erscheinen. Am Ball bleiben. Vitamin B in rauen Mengen. So läuft der Hase.

Ist vermutlich allgemein bekannt, nur die kleine MJF stellt es wieder einmal mit Verwunderung fest.

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Mein Jahr

31. Dezember 2008
  • Der Job: Ich habe gewechselt und bin im Paradies gelandet. Was macht es pardiesisch? Wie immer sind es die Menschen, die Begegnungen, die Einblicke und die Erfahrungen. Wird man allerdings auf dem alljährlichen Stufentreffen danach gefragt und man bekommt (wie immer unqualifizierte Kommentare von Unwissenden) zu hören: „Hat das denn noch Zukunft?“, dann ärgert man sich kurz und denkt sich dann: Ach Junge, wenn du wüsstest. Ich kann mir zwar keinen BMW kaufen, aber ich will auch keinen. Mein Job besteht darin Leuten zu helfen. Was gibt es Besseres? (Ein „Unternehmen“ zu beraten? Hell no! ;-). Menschen sind wichtiger. Den Job zu wechseln und sich nebenher weiter zu bilden, das war die beste Entscheidung in diesem Jahr.
  • Das „Selbststudium“: Ich habe mich ein Stückchen weit wieder gefunden. Und das besonders Schöne daran: Ich mag mich. Von meiner Lieblingskrankheit einmal abgesehen. Aber: Sie ist nebensächlich, das muss ich weiterhin lernen. Meine Einbildungskraft ist „at its best“. Jetzt müsste ich diese Kraft nur endlich mal in was Gescheites umwandeln, statt pausenloses Kopfkino. Überhaupt: Ich habe manchmal so viele Ideen und statt diese umzusetzen, denke ich: „Ach nee, ist doch nix.“ Das muss sich ändern!
  • Jungsein: Ich habe gemerkt, dass ich noch jung bin. (Haha, Frau Frapeur und ihre sagenhafte Erkenntnisse). Und das ist gut, Leute, das ist gut. Vernünftig sein, das mache ich dann in ein paar Jahren mit Mann, Kind und Gedanken über frühkindliche Förderung, zweisprachige Kindergärten, Impfungen und so weiter. Langweiliger Erwachsenenkram. Aber solange noch eine 2 vorne dran steht, ihr Lieben, gilt es die Stadt unsicher zu machen (durch wahnwitziges Fahrradfahren), die Stadt zu verschönern (durch paste-ups), Bücher zu lesen, sinnlos im Internet zu surfen, schlecht Klavier zu spielen und aus Spaß an der Freud dazu lauthals zu singen, Träume zu haben, zu reisen (dieses Jahr: BCN, Frankreich, Wien, nächstes hoffentlich: BCN, GB, Berlin), frei zu sein, wahrlich das zu tun, was man will.
  • Gesund leben: Denn das heißt nicht nur gesunde Ernährung in einer einer Welt voller Scheißessen, Bewegung in einer Welt voller Sofas und SUVs, Hormone absetzen und dabei nicht die Selbstachtung verlieren, Geistesruhe in einer Welt voller naja, Kopfkino, HouseMDgucken bis man glaubt eine Thrombose zu haben, Tanzen, Tanzen, Tanzen und Kunstüberfluß, sondern auch: Sich vor allem und in erster Linie wohl fühlen, um jeden Abend sagen zu können: Liebe Thrombose, solltest du heute Nacht über mich kommen und mich ins Jenseits befördern, so bin ich dir nicht böse und habe keine Angst, weil mein Leben schön war. Danke dafür.
  • Menschen: Es gibt nichts großartigeres auf der Welt als Menschen. Dass ich interessante Menschen kennen lernen durfte und darf, dass ich Menschen kenne, die mich mögen und ich sie auch, die für mich da sind in Freude, Zweifel, Leid und Glück, macht mich glücklich und tröstet mich über die Tatsache hinweg, dass es auf diesem Planeten so einige Deppen gibt, die ich natürlich auch respektiere (äh, ehrlicher: hinnehme). Aber Zuneigung, Verständnis, Mitgefühl? Entschuldigung, nein!
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My aunt says

13. August 2008

… that I look like a „Chica Labanda“ (by Jordi Labanda),

means more or less like this:

Actually this could be me. Infront of a Pollock. Certainly not liking it.

And certainly not knowing who the guy at my right is!

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Kongresse

6. Juni 2008

Ich habe gerade vier Tage auf einem Kongress verbracht. Das ist zwar immer anstrengend, aber auch schön. Und irgendwie kommt eine Aufbruchsstimmung auf, wenn man so viele Fachkolleginnen und -kollegen um sich herum hat, die einem Neues vorstellen. So viele Dinge könnte man auch einmal ausprobieren. Ständig gibt es etwas zu verbessern. Aber auch teilweise die Feststellung: Das machen wir ja schon ganz gut.

Was ich auch mag: Die Lieferanten treffen, mit Bretzeln und Kaffee auf Standpartys verwöhnt zu werden, After-Congress-get-togethers mit Fingerfood. All das erfordert gute Kenntnisse in der Kunst des Smalltalks. Denn man möchte nicht nur stillschweigend stehen und essen. Allzeit beliebt die Themen: Wetter, Kongressorganisation, die gastgebende Stadt, die Klimatisierung, der Stand, Anekdoten aus dem Betriebsalltag, gemeinsame Bekanntschaften.

Was ich vor allem mitgenommen habe: Wir brauchen mehr Informationsempathie. Das bedeutet „sich in die Voraussetzungen und Bedürfnisse der Informationsnutzer zu versetzen und diese so besser verstehen, antizipieren und interpretieren zu können“. Allerdings habe ich gerade vor wenigen Tagen der Informationskompetenz-Schulung einer Kollegin beiwohnen dürfen: Wenn die Studierenden dann trotz großer vorangegangener Erklärung eine bibliografische Angabe per copy&paste „as is“:

„The use of virtual acoustics in the evaluation and development of binaural hearing aid algorithms. J Acoust Soc Am. 2008 May;123(5):3861″

in den Katalog eingeben, dann kann man als Infospezialist manchmal nur noch die Hände vor dem Kopf zusammen schlagen. In Zukunft werde ich dies nicht mehr tun, sondern freundlich lächeln und es NOCH EINMAL erklären.