Ja, das ist der Normalzustand. Sie schwankt. Himmelhochjauchzend zu Tode betrübt. Sollte ich mich eventuell beizeiten auf Schizophrenie oder manische Depression untersuchen lassen?
Die Stadt M
Meine Liebe für diese Stadt ist unerklärlich. Wo kommt sie her? Wo führt sie hin? Ich weiß nicht, was ich euch sagen soll, damit ihr es einigermaßen nachvollziehen könnt oder es mir zumindest glaubt. Ich lasse mich anfahren, ich verschmiere mein Blut an Brücken, ich klebe mit bloßen Händen meine Bilder an Wände, ich bleibe zu lange in der Straße der Straßen, ich sitze an Ufern und in Cafés, ich rieche allerlei, ich betrachte Gebäude, Plätze, Brücken. Ich finde einfach keinen hässlichen Ort. Alles gehört so. So ist das Leben. So sieht es aus. Ich möchte einen Menschen treffen, der so ist, wie diese Stadt.
Duale Persönlichkeit
Für Abwechslung und Aufregung sorgt die Tatsache, dass man zwei Seelen in sich trägt. Sagte ja auch Goethe schon. Befreiend und beängstigend zugleich, wenn man unterschiedliche Persönlichkeiten ausleben kann. Den angeblich spießigen Teil: Im Öffentlichen Dienst arbeiten, Pseudo-Sicherheit mit befristetem Vertrag, Tagungen, vor jungen Quälgeistern dozieren, sich über Drucker und Bürokratie aufregen und über die Servicementalität mancher „Abteilungen“ auch. Den angeblich wilden Teil: Rotwein bis zum Abwinken, Kleben Kleben Kleben, Hinz und Kunz treffen, mit 19-jährigen Briefträgern aus Berlin und 32-jährigen Informatikern und einem Darmstädter bei den Strümpfen kickern. Scheiße, war der Berliner gut. Mit einer Hand (in der anderen die Kippe oder die Bierflasche) gegen zwei und trotzdem scheißgut. Mann. Das will ich auch!
Ich weiß nicht, ob ich in 10 Jahren zwei Kinder und einen Arzt als Mann haben will, die ich täglich bekoche, nachdem ich morgens im Engelhorn BOSS-Pullis einkaufen war. Oder ob ich in Sneakers durch Gebüsche rennen und „on the edge“ leben soll, direkt in den Mund, eine kleine Mietwohnung haben, aber auf sämtlichen Gästelisten stehen, Hedonismus und Freiheit.
Mensch, ich bin sooo unentschlossen. Beides ist fatal und interessant zugleich.
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
(Faust I)



Und ich war mittlerweile auf drei Weihnachtsmärkten. Fast alle Geschenke sind besorgt, die Riesterrente abgeschlossen, die Wirtschaft angekurbelt und ich habe nun Lust feiern zu gehen. Mit Simone und Julia in die Sauna, auf das man so schön zurückglotzen kann wie man angeglotzt wird (was einem aber bei 3,5 Dioptrin nicht viel bringt). Mit Kollegen im Ballett und im Café Flo, wobei man feststellen kann, von Kultur zu Unkultur braucht es nur ein paar Getränke. Auf der Weihnachtsfeier des Instituts, die dann wohl morgen ist, und bei der ich versprochen habe bis um 5 Uhr zu bleiben. Ohje. Im neu eröffneten VaPiano in Mannheim, als Ausklang in eine besinnliche Stimmung. Und was da noch so kommen möge.












