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Unsere Nächte sind farbiger als eure Tage

27. Januar 2002

Ich weiß nicht, warum nach einer guten Nacht immer so eine gewisse Sehnsucht bleibt. Es ist, als ob einem die Leute fehlen, als wären sie Freunde oder Bekannte, obwohl man sie eigentlich gar nicht kennt. Man vermisst die Masse, weil sie sich in den Momenten fühlt wie man selbst. Ich bin die Masse. Alle diejenigen, die mitmachen, die ebenfalls elektrisiert sind, die all das fühlen, sind wie ich. Und ich bin wie sie. Egal, wie sie aussehen wenn sie tanzen und schwitzen. In den Momenten sind sie wichtig. Und danach, im Bett mit dem ewigen Tinitus, vermisst man sie.

Ich habe ein Mädchen gesehen, das wundervoll tanzen konnte. Perfekte Bewegung zur perfekten Musik. Da spielt der Körper keine Rolle mehr…

Als ich klein war, wollte ich irgendwann ein Bild malen, dass die Leute zum Weinen bringt. Dabei stelle ich es mir immer als eine richtige Attraktion vor: Das Bild würde in einem Museum einen kleinen schwarzen Raum für sich alleine bekommen, wegen der Wirkung. An den Wänden hängen sonst nur noch Taschentuchspender. Und alle Leute die reingehen und sich das Bild angucken, müssen weinen.

Jetzt wo ich etwas größer bin und schon viele schreckliche und traurige Sachen gesehen habe, stelle ich fest: mit Bildern Gefühle zu erwecken ist schwer. Das liegt daran, dass die Augen so viel sehen und dabei abstumpfen. Wir haben doch bereits in jungen Jahren alles gesehen und gehört. Die Jugend von heute hat mit 14 Jahren Sex. Was kann da noch kommen? Es gibt keine Geheimnisse mehr, und dort wo es keine Geheimnisse gibt, gibt es keine Kindheit.

Richtige Gefühle erweckt man mit Musik. Was wäre ein trauriger Film ohne die Hintergrundmusik? Er wäre nicht traurig! Kauft man sich einen Soundtrack, stellt man fest, dass Musik alleine jedoch die traurige Wirkung nicht verliert. Also werde ich irgendwann einmal Musik machen. Die erweckt richtige Gefühle.

Ich hatte immer feste Richtlinien: Keine Drogen außer Alkohol und Hasch in meinem Leben. Letztes Wochenende stand ich dann vor der Wahl: B. hatte Pilze dabei. Zu Pillen und Tickets konnte ich bisher immer problemlos NEIN sagen, aber zu Pilzen? Hmmm, die sind doch natürlich, dachte ich mir. Auf der einen Seite wollte ich es: Aufgedreht sein, wegfliegen, Alltag abstreifen. Auf der anderen Seite hatte ich Angst. Wer weiß, wie ich reagiere (und ich hasse den Verlust der Selbstkontrolle). Und was, wenn es mir zu gut gefiel? Ich habe dann nichts genommen. Heute frage ich mich warum, und ich frage mich, ob man überhaupt Drogen nehmen kann, ohne süchtig zu werden. Ich hatte immer feste Richtlinien.

Gestern habe ich festgestellt, man braucht gar keine Drogen. Vodka Red Bull und geile Musik, das ist Droge genug. Man kann plötzlich so rumspringen. Ich wollte ja drauf kommen, also das Zeug super schnell runtergespült. Dann eine riesige Wolke in meinem Kopf. Geil, geil, geil…. Ich muss die Musik in Bewegung umsetzen und alle Leute gucken so, weil sie sehen, dass es passt. Meine Bewegungen passen. Der Mensch kann sich mit Vodka Red Bull und einem mächtigen Gehirn sehr viel einreden. Man kann sich Gott und die Welt einreden…

Es lebe das Robert Johnson. Es lebe gute elektronische Musik.

Wer braucht schon Drogen, wenn er die beste Musik hat? Keiner! Und es ist vollkommen ok irgendwann müde zu sein. Gute Dinge müssen ein Ende haben. Sonst wären sie nicht so gut.

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One comment

  1. […] bekanntlich von mir. ;-) Und ich stehe heute noch dazu. Das ist ein ganz einmaliges Gefühl, auch ohne Drogen, das ich nur jedem einmal empfehlen kann, der Techno nicht mag weil es nur Bumm-Bumm ist. Was wir […]



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