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2 Wochen in Berlin

29. August 2004

Ich bin jetzt seit fast zwei Wochen in Berlin und habe mich mittlerweile schon recht gut eingelebt. Ich habe ein Hippie-Fahrrad geliehen bekommen (mit Blümchen), das garantiert nicht geklaut wird und mit dem ich mich fast noch nicht verfahren habe und bisher jeden Unfall mit Fußgängern, die einfach mal spontan auf den Fahrradweg wechseln, vermeiden konnte. Ich weiß schon, an welcher Seite der U-Bahn-Station ich am gescheitesten rausgehe, um so wenig wie möglich zu laufen. Ich habe einen Lidl, einen Reichelt und einen Rossmann gefunden, sowie eine türkische Bäckerei, deren Bedienung weiß was „Weckle“ sind. Und ich habe mitgekriegt, wie hip die „Ankerklause“ ist, eine ziemliche olle Bar am Maybachufer (bei mir um die Ecke). Außerdem habe ich einen SMS-Service abonniert, der mir mitteilt, wann die Wartezeit für das MoMA unter 2 Std. beträgt (sehr selten!).

Mein Zimmer ist wunderschön (obwohl diejenigen, die bereits hier waren, große Diskussionen über zwei tschechische Bilder angefangen haben, die hier im Zimmer hängen), ich habe viele unbekannte Bücher zum Lesen und mehr oder weniger bekannte Musik zum Hören, sowie einen großen schwarzen Schreibtisch. Ich wohne bei Kathrin, Mitte 20 aus Dortmund, die seit Beginn ihres Studiums (Bio, Deutsch, Theologie auf Lehramt) in Berlin wohnt. Ihr Freund, in dessen Zimmer ich hause, verbringt ein Semester beim Sheriff von Nottingham. Mein Freund bleibt nun glücklicherweise bis Ende September hier und wohnt weiterhin in seiner Wohnung in Schmargendorf (Bezirk Wilmersdorf). Da in der Gegend lässt sich vorzüglich der Sport (Joggen) mit dem Neid verbinden: viele große Villen, Botschaften, dicke Autos, lange Alleen, viel Grün und ein Biobäcker um die Ecke. Außerdem heisst der U-S-Bhf Heidelberger Platz, da sind viele Bilder von Heidelberg zu besichtigen und man fühlt sich fast wie daheim.

Die Berliner sind teilweise unfreundlich (lächeln ist absolut unmöglich), teilweise auch ganz nett. So wurde ich letztens von einem Opa angelabert, als ich meine überdimensionale Berlin-Karte auspackte, um zu gucken, wie ich am besten wo hin komme (ist übrigens kein touristisches Vergehen, viele Berliner haben daheim auch Karten, und gucken, wie sie wo hin kommen). Ich sage ihm also wo ich hin will, und er berechnet mir voll die abwegigen Routen, ich denke mir insgeheim, naja, fährste lieber wie du ursprünglich geplant hattest. Als er dann endlich fertig ist (U1, U2 und dann U8), traue ich mich darauf hinzuweisen, dass die Ring-S-Bahn direkt dorthin fährt. Er dann: „Ach ja, stimmt, die S-Bahn gibt es ja auch noch. Ja wissen Sie, wir haben die immer ignoriert, weil das war ja früher die Reichsbahn der DDR war, und die hat man boykottiert.“

Was mache also nun, unter dem Dach eines der schicksten Gebäude am Hackeschen Markt? Ich schlage mich mit Menschen  herum, schimpfe hinter klingelnden Handys her, helfe beim Kopieren des Personalausweises, stelle neue Ausweise aus, verleihe Medien, weise darauf hin, dass man nur 3 DVDs auf einmal ausleihen kann, finde mich mühselig in der CDU zurecht, kämpfe mit dem Computersystem, mache zu viele Ausnahmen für die Lehrer und Diplomaten, bewundere in einer ruhigen Minute den 1a-Blick über den Hackeschen Markt und die Kuppel der Synagoge in der Oranienstraße (aber nur wenn die Blenden nicht wegen dem ständigen Regen automatisch heruntergefahren sind). Nebenbei klebe ich Barcodes, ordne und lerne viele neue Fachbegriffe. Am Ende des Tages (nach fünf Stunden Arbeit), bin ich relativ fertig und brauche etwa 1/2 Stunde nach Hause. Ich arbeite Mo – Do, der Freitag ist neuerdings frei. D.h. mein Wochenende geht von Donnerstag 19:00 – Montag 14:00 Uhr. Sehr angenehm.

Aber ich werde meine freie Zeit hoffentlich gut nutzen: Diplomarbeitsthemafindung steht an, Vorlesungen aus der Ferne bestehen, Berlin kennen lernen, viele spanische Bücher lesen und DVDs schauen.

Liebe Grüße aus dem verregneten Berlin

Marie Jacqueline

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