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I go for a coffee

24. Mai 2007

Ich sitze im Zug auf dem Weg von Lissabon nach Hendaye. Bisherige Stationen waren: Fátima, Coimbra, Permilhosa, Santa Comba und nun halten wir in Nelas. Der Zug, der vor jedem Bahnübergang hupt, ist schon etwas älter, verströmt ein 50er Jahre Ambiente und ist mittlerweile relativ gut gefüllt. Ich teile mein Abteil im Liegewagen mit zwei jungen Chinesen, einer dunkelhäutigen französischen Immigratin, die mir erzählte, sie fahre mit dem Zug nach Paris, da sie so viel Gepäck habe, dass ein Flug zu teuer gewesen wäre, und einem alten Franzosen, der die ganze Zeit die Nase hoch zieht und mir sein Geflügelsandwich zum Abbeißen hinhält, den ich jedoch dankend ablehne.

Da es mir im Abteil etwas zu eng wurde, sitze ich nun im Speisewagen und stelle fest: Es ist schön hier zu sitzen, einen „galao“ zu trinken, Zeitung zu lesen und ab und zu einen Blick auf die grüne, bergige Landschaft im Norden Portugals zu werfen, die manchmal durch große schwarze Seen mit lehmigem Ufer durchbrochen wird. Ich bin schon oft Zug gefahren, aber nun fällt mir auf, dass ich bisher noch nie im Speisewagen gesessen habe und nehme mir vor, dies in Zukunft öfter zu tun. Hinter mir deckt der Kellner die Tische mit gelben Tischdecken, weißen Tellern, Besteck und Weingläsern. Gerade fahren wir in Mangualde ein.

Begonnen hat meine Fahrt heute morgen in Funcheira, der nächsten Bahnstation mit direkter Verbindung nach Lissabon. Etwas seltsam ist, dass die Bahnstrecken im Süden nicht durch größere Städte führen, sondern mitten durch die Felder. Ich habe mir jedoch sagen lassen, dass dies daran liegt, dass die Gleise früher vor allem für Industrietransporte genutzt (im Alentejo gibt es viele Mienen) und erst in den letzten Jahren auch für Personenverkehr geöffnet wurden. So sind um die Bahnhöfe herum erst kleine Häuseransammlungen entstanden und in Funcheira ist der Bahnhof weiterhin das größte Gebäude. Ein Ticketautomat gibt es nicht, da zu wenige Passagiere einsteigen damit sich ein solcher lohnen würde. Der mir empfohlene Trick, sich schlafend zu stellen um vom Schaffner nicht abkassiert zur werden, ist aber nicht gefruchtet und so musste ich ordnungsgemäß zahlen.

Kurz vor Lissabon werde ich von Christo Rei begrüßt und muss an Mateja denken, die slowenische Mitbewohnerin meiner Schwester, die bei jedem Anlass „ O Christo“ stöhnt und einen reizenden Akzent hat, wenn sie Englisch spricht. Des öfteren hat sie sich ob morgens, nachmittags oder abends bei uns abgemeldet und gesagt „I go for a coffee. I´ll be back soon.“ , und ist dann erst am nächsten Morgen wieder eingetrudelt. Mein „galao“ ist mittlerweile leer und ich überlege, ob ich auch erst morgen früh in mein Abteil zurück kehre.

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