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Sie zitiert

15. Februar 2008

aus den Büchern, die sie in der letzten Zeit gelesen hat:

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„Wir stellen zugleich unser aufgetakeltes Äußeres und unser niedergeschlagenes Inneres zur Schau.“ Ice Cream in La la la

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„Ich hätte sie so richtig durchschütteln und dabei anschreien sollen, wie dumm, wie arg dumm sie sei: warum denn sterben wollen, du hast doch dein ganzes Leben noch vor dir! Wir haben ja alle ein Leben, von dem niemand weiß, wie es sein wird, doch je mehr noch vor uns liegt, desto größer ist auch die Hoffnung. Das Leben ändert sich bei jeder Gelegenheit im Jahr, und vielleicht ist´s ein Milch-und-Honig-Jahr, aber es geht zu Ende, und das neue ist wieder anders; ich weiß das von klein auf: nach dem Kummer die Freude.“ Mercè Rodoreda, Weil Krieg ist

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„In dieser grellen, von lärmender Musik beherrschten Sorglosigkeit wird es dir leicht fallen zu tanzen. Dein Körper wird sich von den Fesseln des Willens lösen, und in dieser Welle rastlos zuckender Arme, Beine und Füße wirst du dich amphibisch frei fühlen.“ Joseba Sarrionandia, Der gefrorene Mann

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„Von zwei Psychopathen vergewaltigt zu werden, ist normal, aber dass sie mich danach im Casa de Campo liegen lassen, spät in der Nacht, wo ICH doch so zugerichtet war wie in einem mexikanischen Vampirfilm, das halte ICH nicht aus. ICH sage ihnen noch, wenn sie mich schon vergewaltigt hätten, dann könnten sie mich wenigstens nach Hause bringen, weil ICH ein Bad brauchte und es in der Gegend keine Taxis gab. Sie sagten, sie trauten sich nicht, mir ins Gesicht zu sehen, sie würden lieber alles vergessen, und ICH solle auch lieber alles vergessen. Das ärgert mich wirklich, ICH begriff, dass es Situationen gibt, da kann eine Frau einfach nicht anders, da muss sie zur Feministin werden. Das war so eine. “

Pedro Almodóvar, Patty Diphusa

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Aus Sten Nadolnys Netzkarte gibt es auch so einiges:

„Die Wahrheit ist, daß ich gern im Zug sitze und aus dem Fenster sehe, meine Phantasie in Gang kommen lasse und allerlei Pläne mache. Das einzige, was mich bisher daran gestört hat, war die Zumutung, irgendwo aussteigen zu müssen, weil die Fahrt zu Ende war. Aus diesem Grunde kaufte ich mir die Netzkarte.“

„In einem Bus ist es nahezu unmöglich, im Stehen jemanden zärtlich zu berühren und sich gleichzeitg bei jähen Bodenwellen und Straßenecken, die man nicht kennt, festzuhalten. Es endet oft damit, daß man sich gerade an der Person festhält, zu der man zärtlich sein wollte, sie gar umreißt und durcheinanderbringt, unverhofft schwängert und ähnliches. Da ich all das vielfach erfahren habe, unterließ ich jeden Versuch, der zu einem bösen Ende hätte führen können, und die Busfahrt verlief ereignislos.“

„Es ist seltsam, jemanden zu betrachten, der aus einem fahrenden Zug in den Wald schaut. Das Auge nimmt nicht einfach alles auf, was vorüberfegt, sondern muß von Einzelheit zu Einzelheit springen. Die Augen meines Gegenübers sind nach draußen gerichtet und flackern unablässig. Das gibt seinem Blick etwas Aufgescheuchtes, Dramatisches. So ähnlich guckt eine Katze durchs Gartentor, wenn hintereinander fünf Feuerwehrwagen vorbeifahren.“

„Eine Straße mit Birken nähert sich erst zaghaft, dann immer schneller, stürzt auf den Bahndamm zu, entledigt sich hastig der Birken und verschwindet unter mir in einer Unterführung.“

„<<Frankfurt.>> Aus meinem Zug steigen nur Männer aus, auch zwei von meinen vier Abteilgenossen. Was Frauen anbelangt, ist dieser Zug eine Pleite. Wieso gibt es keine Gschäftsfrauen, die in wichtiger Mission von ihren Firmen per Erster Klasse durch die Bundesrepublik geschickt werden? Ich gehe in den Speisewagen. Die Serviererin vergißt mein Frühstücksei. Ich brauche nur Sekunden, um zu wissen, wie sie es wieder gutmachen könnte. Aber sie bringt dann doch lieber das Ei.“

„<<Sulz am Neckar.>> Zwei Mädchen steigen ein, mit roten Bäckchen, frisch miteinander schwäbelnd, mit neugierigen, freundlichen Augen. Mein innerer Raubvogel wird wach. Die Schwaben sind seelisch alle irgendwie übermäßig gesund.“

„Auf dem ganzen Heimweg sprachen wir über Frauen, die er mochte – dazu zählte er vor allem seine Ehefrau -, und über Frauen, die ich mochte. <<Frauen>>, sagte er, das Gartentor in der Hand, <<sind keine besseren Menschen. Aber sie sind mir die lieberen.>> Ich stimmte zu, und für halb zwei Uhr nachts war das zwischen zwei Männern, die sich vorher nie gesehen, dafür aber heute dem Wein gut zugesprochen hatten, ein beachtliches Fazit.“

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„Da taucht das einzig wirklich wichtige Problem auf: Was soll ich anziehen?

Stil zukünftige Autorin und ohne jede Eleganz, denn das wahre Leben spielt anderswo. Lieben Sie mich nicht wegen meiner vollen Brüste, lieben Sie mich wegen meines geistigen Gehalts.

Stil zukünftige Legehenne für Bestseller, mit Dauerwelle, denn das wahre Leben ist hier. Lieben Sie mich nicht wegen meines Talents, lieben Sie mich wegen meiner Nähe zum Volk.

Stil Aufreißerin für elegante Männer an der Rive gauche, zum sofortigen Verzehr, denn das wahre Leben spielt sich auf Ihrem Schreibtisch ab. Lieben Sie mich nicht wegen meines Manuskripts, lieben Sie mich wegen meines gehaltvollen Innenlebens.“

Anna Gavalda, Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet

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