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Endlich Abbitte (und Gedanken über Krieg)

21. Februar 2008

Endlich war ich in dem Film Abbitte (Atonement) und fand ihn großartig: Hervorragende Schauspieler, gute Filmmusik, perfekt fotografiert sowie eine der besten Kriegsszenen, welche die Absurdität und den Greul zeigen, wie schon das Buch. Highlights: Brionys kindliches Gesicht und ihre blühende Fantasie. Cees Kleider und ihre Art zu rauchen. Und Robbies Grinsen nach DEM Satz mit dem „worst word of the world“ auf der Schreibmaschine – einfach göttlich.

Als ich 2003 den Roman von Ian McEwan las, habe ich mich dermaßen über Briony aufgeregt, dass ich tatsächlich durch die Wohnung gelaufen bin und vor mich hin gesagt habe: „Das kann doch nicht wahr sein. Briony, du kleines Miststück!“ Und zugleich ist sie so naiv und kindlich, dass sie einem wiederum leid tut, und das Mitgefühl auch bei ihr ist. Ist es nicht letztendlich sie, die das härteste Schicksal hat?

Selten hat ein Buch so starke Gefühle in mir ausgelöst. Und eine Liebe, wie in diesem Buch, das ist – glaube ich – die wonach wir uns alle sehnen. Aber ist sie vielleicht nur durch den schicksalhaften Verzicht so glühend, so sehnend? Wären Robbie und Cecilia nie durch Brionys Lüge und den Krieg getrennt worden, wären sie dann das glückliche Paar auf dem Lande geworden? Man weiß es nicht. Vielleicht bedarf eine große Liebe, eine solch unglaublich leidenschaftliche Liebe, vielleicht bedarf diese einer Katastrophe, eines Krieges, einer Trennung.

Und jetzt werde ich naiv und gebe mich einer gefährlichen Fantasie hin: Leben wir nicht in langweiligen Zeiten? Weil bei uns alles stabil, alles ruhig und sicher zugeht. Weil uns nichts bedroht. Weil wir deshalb das Wesentliche nicht sehen. Und uns mit dem, was das Leben bietet, nicht zufrieden geben. Entertainment brauchen. One-night-stands. Handyfotos vom letzten Konzert. Flachfernsehdinger. Pauschalurlaub.

Ich will keinen Krieg erleben. Und ich wäre vor Angst gestorben. Aber: Kann es vielleicht sein, dass man damals intensiver gelebt hat? Wenn ich mir aussuchen dürfte, in welcher Zeit ich sonst gerne gelebt hätte, dann müsste ich wohl, naiv wie ich gerade bin, sagen: Ich wäre gerne 1910 geboren. Nicht weil ich es mir lustig, romantisch und bohemisch vorstelle. Sondern weil ich einfach gerne erlebt hätte, wie es wirklich war. Wie war Berlin in den 20ern, wie war Deutschland in den 30ern und wie war der Krieg? Denkt was ihr wollt, haltet mich für plemplem, aber ich weiß durchaus die Vorzüge meiner Zeit zu schätzen und frage mich trotzdem: Wie wäre es damals gewesen?

In dem Roman heißt es in dem Gespräch zwischen Lola und Briony (als sie ihr von dem Brief erzählt) dann übrigens noch:

„He was thinking about it all the time?“ – „The man´s a maniac!“ ;-)

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2 Kommentare

  1. Ich halte dich nicht für plemplem. Ich habe dieselben Gedanken. Abbitte, der Film hat mich sehr bewegt. Ein Schicksal, so tragisch, und das alles nur durch eine Lüge. Aber vielleicht hast du recht, die Liebe wäre wahrscheinlich nicht so intensiv, wenn alles perfekt gewesen wäre. Und doch hat jeder eine großartige Zeit mit seiner großen Liebe verdient, die wir alle ersehen und suchen.


  2. Danke, Stefanie, das hast du schön gesagt.

    Erstens finde ich es schön, dass du mich nicht für plemplem hältst. Außerdem ist es schön zu wissen, das jemand ähnliche Gedanken hat. Und deinem letzten Satz kann ich auch nur zustimmen.

    Solche Kommentare erfreuen. :-)



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