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Schlafstörungen und Schwächen

17. April 2008

MJF zieht heute einmal wieder ihr psychologisches Mäntelchen über und sinniert über Schlafstörungen.

Interessanterweise kenne ich bisher nur Männer (alle zwischen 25-35), die darunter leiden. Und ich habe mir überlegt, dass dies vielleicht daher kommt, dass Männer in unserer Gesellschaft grundsätzlich noch weniger Schwächen zeigen dürfen als Frauen. Da baut sich also ein gewisser Druck auf, der daher kommt, dass man gut sein möchte, seine Ziele erreichen, Anerkennung ernten möchte, sich selbst verwirklichen will. Dazu kommt, dass jeder gescheite Mensch sich ab und zu in Frage stellt, Zweifel hat. Und dieser Druck, denke ich, ist die Mutter der Schlafstörung. Vielleicht können Männer diesen Druck weniger abbauen, weil sie es nicht zugeben wollen, dass er da ist. Weil es „unmännlich“ ist, etwas nicht im Griff zu haben oder etwas nicht standhalten zu können. Dies widerum bringt mich zu der Frage: Warum ist das eigentlich so?

Alle Menschen haben Schwächen. Schwäche an sich, ist schon ein falscher Begriff, finde ich. Sagen wir also eher „Eigenschaften, die negativ belegt sind“. Aber, kein Mensch redet darüber. Es ist ja eine Schwäche! Die will ich nicht preisgeben! Und so kommt es, dass Schwächen, außer im Vorstellungsgespräch, nicht gefragt sind und zumeist nur unzureichend thematisiert werden.

Aber warum? Weil sich im Kapitalismus nur das oberflächlich einwandfreie Gemüse gut verkauft und die schrumpeligen Zucchinis liegen bleiben? Was aber, wenn die pralle, tiefrote Paprika toll aussieht, aber nach nix schmeckt. Die kleine runzelige Paprika aber super lecker ist. Liebe Leute: Um hier mal kurz und prägnant darzustellen was ich meine, greife ich in die „Bilder mit Worten“-Kiste:

Ich will mehr Bio-Gemüse unter den Menschen! Mehr Menschen mit Schwächen, die keine Angst haben, diese zu zeigen. Die ihre Schwächen akzeptieren und vielleicht sogar zu ihnen sagen: „Hey, alte Freundin, da bist du ja wieder. Komm, lass uns zusammen ein Bier trinken gehen.“ Und weniger Douglas-verblödete Menschen, die nur BWL in ihren Venen fließen haben. Die vor lauter Perfüm und Makeup gar nicht mehr lecker sind, von innen. Deren einzige Schwäche ist, dass sie „ihre eigene Ordnung haben“ oder „sehr ehrgeizig“ sind. Lecker sind die, die sich ihrer Schwächen bewusst sind, zu ihnen stehen und dabei sagen können: „Ok, ich habe da eine Delle (sei es körperlich oder psychisch), aber ich bin trotzdem cool!“ Und dies gilt insbesondere für Männer. Männer dieser Welt: Zeigt uns eure Schwächen. Das macht euch interessanter und liebenswerter als ein Waschbrettbauch vorweisen zu können. Wobei, der wäre natürlich auch nett. ;-)

Um gleich Gerüchten vorzubeugen: Ich habe keine Schlafstörungen. Deshalb gehe ich jetzt auch ins Bett. Gute Nacht, eure Jacqueline.

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4 Kommentare

  1. Hmm … hm …
    Vorneweg, ich habe keine Schlafstörungen (ausser vor Weihnachten, wenn ich mich auf Geschenke freue), kenne aber Männer und Frauen, die welche haben.

    Wie viele Männer kennst Du, die Schlafstörungen haben? 4? Das wären viele. 10? Das wären sehr viele.
    Und von weniger als 50 Einzelfällen leitest Du ein gesellschaftliches Phänomen ab? Najaaaa…

    scnr


  2. Ich kenne tatsächlich nur 3 Männer mit Schlafstörungen. Und ja, ich leite auch von Einzelfällen gesellschaftliche Phänomene ab. Das Gesamte ist auch immer bereits im Individuum zu finden.

    Meint die leidenschaftliche Laienpsychologin


  3. Hi,

    ich hätte auch vermutet, dass Männer stärker unter Schlafstörungen leiden (kenne 2 Männer, die drunter leiden und keine Frau). Das scheint aber umgekehrt zu sein:

    http://www.medizinfo.de/kopfundseele/schlafen/frauen.htm

    Allerdings kann man auch aus kleinen Zahlen (z.B. 3) schon etwas schließen. Es geht dabei ja um die Verhältnisse der Zahlen. Wenn man z.B. 10 Frauen und 10 Männer so gut kennt, dass man es wüsste, wenn sie Schlafstörungen hätten, und 3/10 Männern haben Schlafstörungen, dagegen 0/10 Frauen, dann könnte das fast schon signifikant sein (d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Zusammenhang zufällig ist, ist sehr gering). Hab allerdings jetzt keine Lust meine Statistikkenntnisse mühsam zu aktivieren, um das auszurechnen. Ausserdem ist das mit den Schlafstörungen ja keine ja/nein Frage, sondern man müsste das wohl mindestens ordinal skalieren (sorry, für die Klugscheisserei, einer meiner Fehler ;-) …)

    Allerdings müsste man noch drüber nachdenken ob die „Stichprobe“ (= dein Bekanntenkreis) repräsentativ ist. Ich vermute eher nicht.

    Allerdings ändert die Fehlannahme in Bezug auf Schlafstörungen ja vermutlich nicht viel an dem Rest.


  4. Ich danke für den sachkundigen Kommentar. Und freue mich sehr, dass du meinen Blog liest. :-)

    Wie auch immer das jetzt ist, mit den Männern und den Schlafstörungen: Diese Druck-Geschichte, also dieses „keine Schwächen zeigen dürfen“, das trichtern wir unseren kleinen Jungs irgendwie eher ein, als den kleinen Mädchen. Warum? Warum erziehen wir unsere Kinder eigentlich in Rollen hinein? Ich wünschte, ich könnte das bei meinen eigenen (wenn es denn mal welche gibt) umgehen.



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