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Papier, Gedanken, Abenteuer.

28. Mai 2008

Ich komme zu dem Schluss, dass alles was ich mir ausdenke nicht wahr werden kann. War ja schon immer so. Früher, da habe ich ganz viel auf dem Computer geschrieben, dann habe ich ihn aus meinem Zimmer rausgeschmissen. Als er dann nicht mehr da war, habe ich mir ein dickes Heft mit linierten Blättern gekauft, habe von da an dort hineingeschrieben. Nicht Tagebuch, das ist doof. Trotzdem kann man, glaube ich, an den Sachen die ich da hineingeschrieben habe, sehr viel darüber lesen, wie ich mich entwickelt habe und wie ich mich fühlte und so weiter, also viel persönliches. Meinem ersten Freund habe ich dieses dicke Heft gegeben, er hat sich ein paar Sachen durchgelesen, aber er hat sie nicht verstanden, er hat nur gesagt, dass sich das gut anhört und dass ich ein Talent habe zu schreiben. Aber er hat nicht verstanden, was es mich gekostet hat ihm dieses innere Stück von mir zu überreichen, das ist ja ein Stück Seele von mir. Und dann, als mein zweiter Freund kam, da habe ich immer weniger in dieses Buch geschrieben. Weil es nicht viel zu berichten gab? Weil ich zufrieden war? Relativ. Und zufrieden macht so unkreativ. Zufrieden sind bekanntlich nur die Lumpe.

Also, ich habe ja auch keine Zeit und meine Gedanken sind so schnell. Ich kann dann nicht per Hand schreiben, denn während ich schreibe, kommen schon neue Gedanken und die habe ich dann vergessen, wenn ich die vorherigen aufgeschrieben habe, das ist schlecht. Also bevorzuge ich doch wieder den Computer. Da drücke ich einfach Tasten, und es geht viel schneller und auch leichter, wenn man denn mit 10 Fingern schreiben kann. Etwas auf Papier zu bringen, hingegen, kostet einen viel mehr. Man erlaubt sich nicht, irgendetwas lediglich hinzuschreiben, irgendeinen Quatsch. Weil, das ist ja dann wirklich da, während es im Computer noch nicht ganz so wirklich da ist. Und das Wichtigste: Man überlegt sich nicht, ob man etwas weglässt, damit es schneller geht. Man lässt die kleinen Sachen draußen, wenn man auf Papier schreibt. Die sind aber auch wichtig. Ich gebe also folgende Empfehlung ab: Kondensierte Gefühle auf Papier (weil man sich mehr Gedanken über das macht was man schreibt und diese dann auch bewertet und nur diejenigen aufschreibt die man würdig genug findet um auf Papier zu stehen). Und der Computer ist also der Platz für Gedanken, die einem durch den Kopf gehen. Wild.

In letzter Zeit habe ich den Drang alles zu dokumentieren, denke, oh Mann, wenn ich das aufschreiben oder aufnehmen könnte und jemand anderem zeigen, oder mir noch einmal durchlesen. Ich glaube, wenn man schreibt, dann muss man den Leuten von der Realität erzählen und das was passiert oder passieren könnte. Klar, Fantasy, das ist cool, das lässt einen Träumen, aber das was einen erschüttert, das ist doch die Realität. Das ist der eigene, langweilige Alltag, all diese kleinen Dinge, die so viel sind, und so wenig gelten. Keine Abenteuer oder so. Abenteuer sind überhaupt Quatsch. Alle Deutschen sagen immer zu mir, oh Deutschland ist ein so biederes Land, und träumen nachts in ihren bayrischen Massivholz- oder Ikeabetten von der Karibik, dem Urwald oder Neuseeland und obendrüber immer die strahlende Sonne. Wisst ihr, alles Schöne entdecke ich hier. Das hier ist ein schönes Leben, ich mag Deutschland, ich liebe es, hier zu leben, das ist meine Erfüllung, ich liebe auch England, was wollt ihr denn alle immer mit euren Stränden und eurer Sonne, das verstehe ich nicht. Hier ist doch die Erfüllung. Aber da alle auf Abenteuer aus sind… Das verstehe ich nicht. Vielleicht hatte ich einfach schon zu viel Sonne in meinem Leben?

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2 Kommentare

  1. Hi,

    hast du schon mal drüber nachgedacht, dass es vielleicht ein Fehler ist, alles aufschreiben zu wollen? Mir ist folgendes eingefallen, was bis zu einem gewissen Grad analog sein könnte (aber in anderer Hinsicht auch wieder nicht).

    Ich war mal mit einer Kollegin auf Forschungsreise in einem weit entfernten, abenteuerlichen Land (klingt irgendwie als wäre ich Archäologe oder sowas). Sie hatte natürlich, wie auch fast jeder andere, eine Digitalkamera. Dass ich sowas nicht besitze hat sie schockiert, die ganze Reise (abgesehen von dem Forschungszweck, hatte was mit kryptischen Schriftzeichen zun tun) sei damit irgendwie nur noch halb so toll für mich.

    Der Besitz dieser Kamera hatte zu Folge, wie kanns anders sein, dass sie ständig alles mögliche fotografieren musste. Also ist sie oft abrupt stehengeblieben und wurde angerempelt („unfreundlich sind die leute hier“). An einem Tag war sie krank und konnte deshalb keine Fotos machen (musste im Hotel bleiben). Das schlimme war aber nicht, dass sie Tempel xy und Palast abc nicht sehen konnte, sondern dass sie keine Fotos davon machen durfte! Und das ist der Punkt der irgendwie … sagen wir mal mindestens schief ist.

    Wenn das Aufschreiben so ist wie Fotos machen, was ist dann auf den Fotos? Vermutlich das Aussen und das Innen (das Innen gibts bei Fotos nicht wirklich) und die Relation zwischen Innen und Aussen. Okay, das ist nicht alles, man hat noch die Zeit, dadurch kann man noch Aufnahmen zweiter Ordung machen in denen Aufnahmen erster Ordung vorkommen und in Relation zueinander stehen. Ein weiterer Unterschied ist der, dass man beim Schreiben eventuell erst danach das zu sehen bekommt „was man gerade aufnimmt“, weil es sich vorher sozusagen noch entzogen hat.

    Trotz dieser Verschiedenheit (vielleicht ist es ja doch nicht so analog?) irgendwie bleibt es schief alles aufnehmen/aufschreiben zu wollen. Aber jetzt bin ich mir doch nicht mehr sicher … die Frage ist: Verpasst man etwas, wenn man zu oft nach Innen guckt und dann auch noch (!) versucht das zu verstehen und aufzuschreiben?

    MFG
    Indiana Jones


  2. Hallo IndianaJones,

    schöne, komplizierte Gedanken, die du mir und der Welt da draußen mitteilst. Davon hätte ich gerne mehr auf diesem Blog.

    Erstens finde ich es grandios, wie du während des Schreibens deine ursprüngliche Meinung hinterfragst, weil du merkst, dass Fotografieren und Aufschreiben doch nicht so analog sind. Das nennt man wohl reflektiert sein. Dazu möchte ich noch hinzufügen: Etwas aufschreiben impliziert für mich auch gleich eine subjektive Interpretation einer Situation. Jeder würde sie vermutlich verschieden empfinden, unterschiedlich bewerten und in anderen Worten aufschreiben. Fotos sind da, meiner Meinung nach, doch objektiver. Weil sie – zumeist – etwas zeigen wie es ist (wenn man sie nicht manipuliert).

    Zweitens: Kann ich deine Aufregung über die Kollegin nachvollziehen. Man sieht ja auch ständig die Kids, die ununterbrochen Fotos mit ihrem Handy (in, nebenbei bemerkt, Grottenqualität!) machen. Von allem und jedem. Nach dem Motto: Wenn es davon kein Foto gibt, ist es nie passiert! Man sollte in der Tat vielmehr die Situation genießen, ohne diese durch ständigen Dokumentationszwang zu unterbrechen und damit auch den Genuß, wie ich finde.

    Drittens: Trotzdem ist es herrlich, ab und zu Vergangenes wieder aufleben zu lassen und seine Erinnerung mit Hilfsmitteln anzukurbeln. Manche mögen dafür ein Fotoalbum haben (bzw. heutzutage 1.000 Digitalfotos von einem 1-wöchigem Urlaub, auf denen zu 70% die gleichen Motive drauf sind). Für mich sind meine Aufschriebsel interessanter. Denn: Es zeigt mir zugleich, wie ich die Situation damals bewertet habe. Auch die Wortwahl sagt ja viel darüber aus, wie man selbst zu diesem Zeitpunkt war. Wenn du also willst, könnte man sagen: Fotografie hat einen weniger künstlerischen Anspruch, weil sie exakter ist und weniger Spielräume für Interpretation bietet. Aber ab und zu gibt es auch dort interessante Perspektiven.



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