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Kongresse

6. Juni 2008

Ich habe gerade vier Tage auf einem Kongress verbracht. Das ist zwar immer anstrengend, aber auch schön. Und irgendwie kommt eine Aufbruchsstimmung auf, wenn man so viele Fachkolleginnen und -kollegen um sich herum hat, die einem Neues vorstellen. So viele Dinge könnte man auch einmal ausprobieren. Ständig gibt es etwas zu verbessern. Aber auch teilweise die Feststellung: Das machen wir ja schon ganz gut.

Was ich auch mag: Die Lieferanten treffen, mit Bretzeln und Kaffee auf Standpartys verwöhnt zu werden, After-Congress-get-togethers mit Fingerfood. All das erfordert gute Kenntnisse in der Kunst des Smalltalks. Denn man möchte nicht nur stillschweigend stehen und essen. Allzeit beliebt die Themen: Wetter, Kongressorganisation, die gastgebende Stadt, die Klimatisierung, der Stand, Anekdoten aus dem Betriebsalltag, gemeinsame Bekanntschaften.

Was ich vor allem mitgenommen habe: Wir brauchen mehr Informationsempathie. Das bedeutet „sich in die Voraussetzungen und Bedürfnisse der Informationsnutzer zu versetzen und diese so besser verstehen, antizipieren und interpretieren zu können“. Allerdings habe ich gerade vor wenigen Tagen der Informationskompetenz-Schulung einer Kollegin beiwohnen dürfen: Wenn die Studierenden dann trotz großer vorangegangener Erklärung eine bibliografische Angabe per copy&paste „as is“:

„The use of virtual acoustics in the evaluation and development of binaural hearing aid algorithms. J Acoust Soc Am. 2008 May;123(5):3861“

in den Katalog eingeben, dann kann man als Infospezialist manchmal nur noch die Hände vor dem Kopf zusammen schlagen. In Zukunft werde ich dies nicht mehr tun, sondern freundlich lächeln und es NOCH EINMAL erklären.

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2 Kommentare

  1. Hallo,

    also ich finde ja grade die Zwischenakte bei Konferenzen (Smalltalk mit Kaffestückchen) gruselig. Machen mir genaugenommen sogar regelrecht Angst. Da MUSS man nämlich socializen.

    Witzigerweise hätte ich bei der Konferenz von der du höchstwahrscheinlich redest (die war doch in MA?) um ein Haar einen Vortrag halten müssen, obwohl ich eigentlich keinen blassen Schimmer von den Themen habe. Ersatzweisen für meinen Chef Heiner, der auf ’ner anderen Konferenz in Teneriffa war. Konnte mich aber grade noch rausreden.

    Mein Plan war ja unter anderer Identität hinzugehen und in ganz schlechtem Englisch zu zu tun als sei ich ein absoluter Spezialist aus dem Ostblock. Da hätte ich dann was wirres erzählen können, das hätte eh keiner kapiert „Well, look, my friend Heiner asked me to tell you something about the semantic web, he’s on other conference … you are more concerned with books, he? am i right? … so, yeah, its kind of different, but also related, somehow …“

    … und jetzt muss ich dringend weiter warten, dass nach fast 3 Tagen Mailserver-Ausfall das RZ der Uni die Sache endlich mal geregelt kriegt :-(


  2. Hi Christian,

    ich kann mir sicherlich auch einen besseren Zeitvertreib als Smalltalk mit Kaffeestückchen vorstellen. Aber ab und zu ist es ein MUSS. Vieles erreicht man nur darüber. Z.B. dass ein großer Wissenschaftsverlag einen Knebelvertrag rückgängig macht. Dazu muss man schon gemeinsam Kaffee trinken, dem Partner tief in die Augen schauen und sagen: „Leider ist aber unser Projekt zur frühkindlichen Entwicklung ein zeitlich begrenztes. Deshalb würden wir die beiden Zeitschriften gerne wieder aus dem eJournal-Packet heraus nehmen, ohne dafür 12,5% mehr content fee zu zahlen.“ Und dann ist es gut, wenn man vorher (im Smalltalk) gezeigt hat, dass man menschlich ist. Und kein eiskalter Geschäftspartner. Ehrlich gesagt: Mit den meisten Kollegen macht es auch wirklich Spaß. Und mit den interessanten Leuten entwickelt sich das Gespräch ja dann auch meist in spannendere Gefilde hinein.

    Weißt du, das ist genau das Problem. Alle glauben immer, Bibliothekare hätten nur mit gedruckten Büchern zu tun. Dieser Glauben lässt sich kaum aus den Köpfen entfernen. Aber: falsch! Wir sind mittlerweile so vielfältig und beschäftigen uns von A wie Altdatenarchvierung bis Z wie Zukunftsmusik. Semantic Web, da wärest du richtig gewesen. Wobei es schon anwendungsorientiert hätte sein müssen. Theoretischer Schnickschnack hilft einem wenig, wenn man einen Benutzer aus Fleisch und Blut vor einem stehen hat, der wissen möchte, was ihm diese Technologie im Alltag bringt.

    Beim nächsten Mal komm doch! Gerne auch mit falscher Ostblock-Identität. ;-) Das wäre doch ein riesen Spaß gewesen. Außerdem sind fast alle Bibliothekare (vor allem die jungen) sehr nett und neuen Technologien aufgeschlossen.

    LG MJF

    PS: Besagtes RZ scheint auch mir nicht immer das kompetenteste und schnellste der BRD zu sein…



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