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Verrannt

26. Juni 2009

Erkenntnis ist ja bekanntlich immer der erste Schritt zur Besserung: Heute morgen bekenne ich also schamlos, dass ich mich verrannt, verlaufen und verirrt habe.

Auf der Arbeit sitze ich neben einem großen Fenster. Obwohl wir diese dämlichen Aufkleber drauf haben, gibt es ab und zu ein paar Vögel, die dagegen fliegen. Seit einiger Zeit komme ich mir vor wie einer dieser Vögel. Wisst ihr, nicht die, die einmal dagegen fliegen, sich eine Beule holen, runter rutschen, sich kurz schütteln und merken: Nee, dat jeht nich. Sondern wie einer von denen, die dagegen fliegen, runter rutschen, sich aufrappeln und anfangen ganz ungläublig mit dem Schnabel gegen die Scheibe zu picken. Pick, pick, pick. Geht dat echt nüscht? Kann doch gar nicht sein! Ich probiere es einfach nochmal. Und rumms, wieder liegen die armen Kerlchen da. Schütteln sich und zur ersten Beule gesellt sich eine zweite. Und eventuell eine dritte. Life is pain.

Es gibt bei mir grundsätzlich zwei Sorten von Ideen:

1. Ideen, die mir des nachtens kommen und die mich in diesem wunderbaren Zustand des Halbschlafs derart begeistern, dass ich – trotz extremer Faulheit – sogar schaffe, sie manchmal aufzuschreiben. Am nächsten Morgen gucke ich dann auf das Geschriebene und denke: Achherrje, ist ja alles ganz nett, aber… die Begeisterung ist irgendwie verschwunden. Neuerdings sammele ich diese Ideen dann auf Post-its, die ich von innen an meinen Kleiderschrank klebe. Da kleben sie – es werden immer mehr – und ab und zu sortiere ich sie um. Nach oben die, die mich langfristig begeistern, nach unten die, die auf den zweiten und dritten Blick nicht mehr so interessant scheinen. Jetzt müsste ich  mir halt mal endlich die oberen nehmen und in die Tat umsetzen. Wie sagt schon Antigone? „Ich mag nicht Liebe, die mit Worten liebt.“ Also: Go, go, go! Do, do, do! Yeah, Baby, yeah… Mal sehen.

2. Ideen, die klein anfangen und die immer größer werden. Die eher früher als später in Kopfkino ausarten. Mein Kopfkino ist… sagenhaft. Es läuft und läuft und läuft. Ich kann sogar Gespräche führen, den Leuten ins Gesicht gucken, nicken, hmmm sagen und in mir drin bin ich meilenweit weg und gucke Kopfkino. (Gut, manchmal kommt es durchaus vor, dass ich zuhöre ;-). Problem mit diesem Kopfkino ist, dass es eben nicht die Realität ist, sondern eine Vision. Eine Vision in der alles so ist, wie ich es gerne hätte. Also eine extrem unrealistische Version der Vision. Traumwelten. Und manchmal gehe ich darin so auf, dass es Auswirkungen darauf hat, wie ich mich in der Realität fühle. Und dann war´s mal wieder zu viel. Und es lässt sich nur ganz schwer rückgängig machen. Loslassen! Diese Ideen muss man dann wieder mühsehlig loslassen. Sich abkratzen wie klebrigen Teig von den Händen. Loslassen ist sooo schwierig!

Loslassen! Vergessen! Sein lassen!

Panta rhei, Freunde. Ich komme immer wieder an diesen Punkt.

„Wer in denselben Fluß steigt, dem fließt anderes

und wieder anderes Wasser zu.“

Wir steigen in denselben Fluß und doch nicht in denselben,

wir sind es und wir sind es nicht.“

„Man kann nicht zweimal in denselben Fluß steigen.

„Die primäre Welterfahrung liegt nach der Flusslehre in dem fortwährenden Stoff- und Formwechsel. Sie ist eine Metapher für die Prozessualität der Welt. Das Sein ist das Werden des Ganzen. Das Sein ist demnach nicht statisch, sondern als ewiger Wandel dynamisch zu erfassen. Doch hinter und zugleich in dem unaufhörlichen Fluss steht die Einheit: Einheit in der Vielheit und Vielheit in der Einheit.“

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2 Kommentare

  1. Ach verirrt!
    Auch hier hilft der Blues! Man lernt, sich down (blue) zu fühlen, ohne das man sich schlecht fühlt.
    Nach dem Motto: Ja, mir gehts schon scheisse, na und? Mir doch egal.
    Man darf sich auch nicht so ernst nehmen. Dann bekommt man halt seine Vision nicht. Nimmste die nächste oder eben die Realität, die an der nächsten Ecke wartet.
    Nur auf dich. :-)

    P.B.


  2. Ach Peter, mein Held!

    Dann gehe ich mal eben schnell um die Ecke. ;-)



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