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Werde ich…

20. Dezember 2009

jeden Tag mehr ich selbst? Und: Werde ich radikaler?

Ich glaube, ich kann mehr ich selbst sein, mich mehr finden, seitdem ich Single bin. Eine Beziehung lenkt da irgendwie ab. Ich bin unabhängig (bis auf meinen Arbeitgeber) und ich werde immer linker. Nicht, dass ich das schlecht finde – ganz im Gegenteil, weil um einen herum alles angepasster wird – , aber ich merke, wie ich weiter und immer weiter weg von der „Mitte der Gesellschaft“ rutsche.

Dabei hab ich in letzter Zeit immer öfter das Gefühl, sehr sehr sehr weit weg zu sein, aber manchmal – je nachdem auf was für einer Veranstaltung man so ist – denke ich mir: Ah, es gibt doch ein paar Menschen, die ähnliche Werte haben, ähnlich denken. Aber das reicht nicht, man muss auch tun. Man muss tun!

Ich versuche vorerst im Kleinen zu tun. Da gibt es eine ganze Menge. Aber es tut weh, zu sehen, dass nicht viele diese Einsicht haben. Dass man belächelt wird und ein bisschen ein Freak ist. (Lieber ein Freak als eine angepasste Tussi.) Muss ich denn nach Freiburg ziehen um mich nicht ganz als die totale Außenseiterin zu fühlen?

Wissen Sie, was ich glaube? Dass wir in eine Welt hineingeboren werden, in der sich niemand die Zeit nimmt, der zu werden, der er ist – und all diese Menschen, die nicht sie selbst sind, verletzen die wenigen Menschen, die sich diese Zeit nehmen.

(Sean Penn)

Ich verstehe nicht, wie wir alle so vor uns hin leben können: Arbeiten, studieren, uns unterhalten lassen (vom Fernseher oder Musik hörend), hier mal krank sein, da mal eine gescheiterte Beziehung, hier mal fett einkaufen gehen, da mal eine Reise in die DomRep, hier mal ein Kinderwagen für 500 Euro, da mal mein Audi, hier mal schnell zum Lidl gefahren, der 30 Km entfernt ist, da mal schnell mit Billigflieger nach London, hier mal dick die Heizung in meiner 8-Zimmer-Wohnung aufgedreht und im T-Shirt durch die Gegend gerannt, da mal schnell mit 8000 anderen Bekloppten Weihnachtskonsumterror in der Fußgängerzone gemacht, hier mal schnell Tickets für eine Kabarett gekauft, da 6 Std. lang Videos auf YouTube angeschaut, hier Alkohol getrunken und diesen Mann klargemacht, hier mal „I love college, I love women“ gehört, dumm gegrinst und Bier getrunken…

Das ist der zum Scheitern verurteilte Versuch sein langweiliges, weich ausstaffiertes Leben mit Sinn zu füllen. Das ist kein Glück, kann niemals Glück sein! Ein großer Flachbildfernsehr macht nicht glücklich. Eine Pseudo-Ehe auch nicht. Mancher stellt es erst mit 50 fest, kennt dann aber keine Alternativen.

Der Tod gibt dem Leben seinen Sinn. Es sind die Religionen, die das umdrehen, all diese menschenvernichtenden Religionen. Alle. Das ist der Lärm, der mich so ankotzt. Ich vertraue darauf, dass die Menschen eine Religion haben. Als Individuen, nicht als Gruppe. Wie bitte, man muss zu einem Club gehören, um etwas glauben zu dürfen? Das Einzige, was man mit Sicherheit sagen kann und worin sich die Wissenschaft und die Religion einig sind: Wir werden sterben. Wenn wir den Tod akzeptieren als die einzige wirkliche Veränderung in unserem Leben, dann haben wir auch die Möglichkeit, ein paar Antworten darauf zu finden, was wir mit unserem Leben anfangen sollen.

(Sean Penn)
Ich sehe zu viele aufwühlende Filme: Revolución, Baader-Meinhof-Komplex, The Age of Stupid, Garden State und gestern Abend „Into the Wild„. Und dieser Film hat mich sehr berührt. Sean Penn ist ein Leuchtturm.

Ich weiß nicht, wohin das alles führt, aber es fühlt sich grundsätzlich gut an, obwohl manchmal auch Gefühle wie Wut, Hilflosigkeit, Einsamkeit dazu gehören. Es führt irgendwo hin. Zum Tod sicherlich. Aber das ist ja sowieso unser aller Ziel. ;-)

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9 Kommentare

  1. ‚into the wild‘ ist wirklich eine sehr beeindruckende geschichte und bringt einen auch sehr viel zum nachdenken..

    und sean penn ist einer der wenigen schauspieler, die auch noch einen funken verstand besitzen.


  2. Zum Nachdenken bringt einen die Geschichte definitiv. Mich hat der Film richtig aufgewühlt. Ich bin leider nicht mutig genug so aufzubrechen von allem und alles hinter sich lassen, wie die Hauptfigur. Aber Unzufriedenheitsgefühle darüber wie es manchmal in unserer Gesellschaft läuft, habe ich auch.

    Was mich auch ärgert ist, er war mit seinem Bus gar nicht so weit weg von dem nächsten Dorf! Er hatte sich einfach keine Karte besorgt (alles in der Wikipedia nachzulesen). Die Erkenntnis am Schluss: Man kann halt doch nicht alleine, die ist ebenfalls sehr berührend.


  3. Hmm, dazu fällt mir Konfuzius ein: „Der Weg ist das Ziel“…

    Oder um gemeinsame Erinnerungen zu wecken „Das Leben ist nun mal kein Ponyhof!“ ;)

    Wer von sich behauptet er oder sie sei „fertig“ „gefestigt“ oder was weiss ich blaht in meinen Augen bloss – klar, man hat Charakterzüge, aber das einzig Stete ist der Wandel – okay, ich glaub das waren zu viele Gin Tonics, ich werd philosophisch!


  4. Herr Ober, bitte öfter Gin Tonics für die CrazyCatLady. Ich mag Philosophie! :-)


  5. Folgendes Szenario: Ein Abend bricht an. Alle Verpflichtungen sind erfüllt. Es ist Zeit, Zeit ein langweiliges Leben mit Sinn zu füllen, mit Glück. Die Erkenntnis ist klar, die Bereitschaft vorhanden, aber wie? Ich glaube, wir sind uns einig, dass ein Abend mit „Deutschland sucht Germany’s Next Super Nanny“ nicht der richtige Weg ist. Aber ich könnte ja auch eine Dokumentation auf Arte sehen, die meinen Horizont erweitert. Ein Buch lesen? Da gibt es soviel belangloses Zeug. Ein Instrument üben? Vielleicht schon. Aber ist das richtiger Sinn, echtes Glück, oder doch nur Ablenkung auf höherem Niveau?

    Lässt sich Sinn und Glück sub- oder gar objektiv definieren? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, wie?

    Wie unterscheidest Du Dinge, die die Leere füllen, von denen, die ihr nur ein Mäntelchen umhängen?


  6. Echtes Glück ist subjektiv und läßt sich nicht objektivieren. Glück ist immer dann, wenn man es fühlt. Ob das jetzt beim Drogen nehmen, beim Klavier spielen oder beim „Super Nanny gucken“ ist… jedem das Seine!

    Ich kann mir nicht anmaßen darüber zu urteilen, was echtes Glück für andere ist. Ich weiß nur „Super Nanny gucken“ wäre es für mich nicht! :-)


  7. Oh, ein Widerspruch. Oder kann ich davon ausgehen, dass Du „Das ist kein Glück, kann niemals Glück sein!“ inzwischen revidiert hast?


  8. Gut, ich widerspreche mir. Also versuche ich es auszuführen: Sie glauben, es sei Glück. Aber sie wissen nicht, dass echtes Glück etwas ganz anders ist. Jemand der es gefühlt hat, weiß was ich meine.

    Hab ich mir jetzt noch mehr widersprochen?


  9. Hmm, dann bin ich wohl wieder auf Anfang mit der Frage, wie sich echtes und falsches Glück anfühlt, und wie man es unterscheiden kann.

    Aber wahrscheinlich muss ich das selbst herausfinden. Ist wohl nix mit der Glücksformel für alle.



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