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Sozial konstruiert

10. November 2010

Hilfe! Ich habe Unglaubliches zu verkünden: Wirklichkeit ist sozial konstruiert. Und für jeden anders. Identität ist auch sozial konstruiert! Nicht, dass ich mir dies ausgedacht oder entdeckt habe, aber ich habe es verstanden, mir somit einverleibt und es somit für mich persönlich entdeckt.

Zwischen der konstruierten Wirklichkeit mit unseren konstruierten Identitäten wandeln wir Hanseln, die versuchen miteinander zu kommunizieren. Welch Kasperletheater! Wie Seifenblasen, die aneinanderstoßen und zerplatzen. Das muss ja daneben gehen, wenn meine Wirklichkeit nicht deine ist und meine Identität nur auf Geschichten basiert, die womöglich auch noch schlecht erinnert bzw. von anderen Leuten fälschlich aufgeschrieben und somit wiederum konstruiert wurden. Und: Ich kann mich und meine Realität nur durch das Aufwachsen und Interagieren mit anderen Menschen konstruieren. Alleine geht es also nicht. Trotzdem: Wir sind in Gemeinschaft alleine. Meine Realität kannst du niemals so erleben, so sehen, so nachvollziehen wie ich. Tief in mir drin, der Kern meines Konstrukts, den kenne nur ich. Wenn man sich selbst überhaupt bewusst kennen kann. Oder muss man sich selbst auch erstmal erkennen um sich zu kennen? Zumal sich der menschliche Zustand ja auch ständig ändert. Also sich quasi permanent auseinanderpflücken? Fragen nach: Motivation. Antrieb. Lebenswille. Sinn.

Wenn ich mich also konstruiere: Was BIN ich dann eigentlich? Wieso können wir nicht einfach nur SEIN? Wäre das langweilig? Essen, schlafen, überleben, wachsen… Etwas für niedere Wesen? Wir – die tollen, klugen, intelligenten – wir basteln uns eine zusätzliche Dimension, die da heißt Sinn durch Interaktion, Erfindung und Spinnerei.

Liebe Leute, ich bin verwirrt. All der Ärger mit den Männern, mit der Arbeit, mit der Selbstfindung und -verwirklichung nur, weil ich meinen Molekülen einen Sinn geben will/muss? Der von anderen nur ansatzweise nachvollzogen werden kann, wenn sie ähnlich sozialisiert wurden wie ich und somit meine Sinnstrukturen nachkonstruieren können? Welch gewaltige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für das Gehirn!

Wenn ich mich und meine Realität konstruiere, kann ich sie dann auch dekonstruieren? Und wenn ja: Wie geht das? Indem man sich auf Facebook umbringt? Womöglich ein erster Schritt. Den gestrickten Schal wieder auftrennen und mit einer anderen Wolle und einem anderen Muster weiterstricken. So in der Art?

Ich finde also jemanden anziehend, ich bin also mit jemandem befreundet, ich interagiere also, weil ich nach ähnlichen Sinnstrukturen und Verständnis suche? Die tiefe Sehnsucht zu Verstehen und Verstanden zu werden. TEILEN? Da ist es schon wieder das verdammte Wort!

Ok. Nun gut. Alla hopp. Meinetwegen. Dann ist es eben so.

Aber ein bisschen wundern darüber, darf man sich schon.

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3 Kommentare

  1. Wie anders sollte es auch sein? Man kann sich sicherlich alleine seine eigene Realität konstruieren. Nur wohin führt das? Ich glaube mindestens zu Vereinsamung. Eher aber zu Schizophrenie. Oder zu manischer Depression (neudeutsch: bipolar).

    Wie ich schon zu dir sagte: Der Mensch ist ein Herdentier und wird es immer sein! Der Mensch ist nicht dazu geschaffen, alleine zu sein. Es gibt Einzelgänger, sicherlich. Aber ich glaube nicht, dass man als Einzelgänger ein glücklicheres Leben hat. nein, ich weiß es sogar! Ich war zwei Jahre lang quasi ein Einzelgänger. Es war nicht grade meine beste Zeit…
    Du sagst es ja auch schon selbst: Teilen! Wer nicht teilt, nimmt nicht am Leben teil. Teilen = Teilnehmen. An Freud, an Leid, an Veränderungen. Und was ist mit der Liebe? Es heißt ja: „Liebe dich selbst und (nur) dann kannst du auch andere lieben“. Klar, stimmt schon irgendwie. Aber wenn man das nur auf das „sich selbst lieben“ beschränkt, da kann mir doch keiner erzählen, dass das erfüllend ist. Nein, ehrlich nicht.

    Logisch kann niemand deine (die eigene) Realität so fühlen wie du (man) selbst. Wie auch? Den Anspruch kann man auch beim noch so empathischsten Gegenüber nicht haben. Aber auch hier ist sicherlich „Teilen“ wieder das Zauberwort. Je mehr man teilt, desto weniger ist man alleine. Das glaube ich nicht nur, das weiß ich aus schmerzhafter Erfahrung. Erinnere dich nur an Sonntag, was ich alles mit dir geteilt habe. Ich habe dich in meine Wirklichkeit mit einbezogen und du hast mit mir zusammen diese Stunden, die einzelnen Momente „sozial konstruiert“. Irgendwie cool, oder? =)

    Und hey, platt gesagt „fressen, ficken, schlafen“ (= überleben) wäre schnell eintönig und langweilig. Findest du nicht? Ist doch schöner, wenn man sich gemeinsam das Hirn zermartern kann.

    Es lebe der Tiefsinn! Und zwar gaaaaaaaaaanz hoch! ;-)


  2. Wow! Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Danke! :-D


  3. Aber gerne doch! =)



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