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Einmischungen, Rechtfertigungen

13. November 2010

„But I am particularly interested in the practical understandings, the practical frameworks which people use and which are largely unconcious. When people say to you, „Of course that´s so, isn´t it?“ that „of course“ is the most ideological moment, because that´s the moment at which you´re least aware that you are using a particular framework, and that if you used another framework the things you are talking about would have a different meaning.“

~ Stuart Hall

Eigentlich möchte ich lieber (m)ein Buch schreiben, als meine Masterarbeit. Das „Schlimme“ ist, dass sich das alles gegenseitig beeinflusst. Ich lese etwas für meine Masterarbeit und plötzlich gibt mir das eine Idee (oder: Hinweis) auf eine Wendung im Buch. Das ist krass: Ständig entstehen Ideen und sie sind derart aufdringlich, diese Viecher. Sie quetschen sich zwischen mich und meine Arbeit. Aber wie sollte es auch anders sein, es wird ja schließlich alles von dem gleichen Gehirn bearbeitet (oder soll ich sagen „konstruiert“ ;-). Schöne Rechtfertigung! Es IST aber „wirklich“ (sprich: bei mir) so.

Die „Wirklichkeit“ (in diesem Falle möglichst objektiv durch Handlungen zu beschreiben versucht, weil diese für andere „Systeme“ beobachtbar sind) sieht nämlich so aus: Sie lebt, sie arbeitet, sie selbstverwirklicht*, sie schreibt, sie interagiert. Räumlich hält sie sich in dieser Stadt auf, denkt über diese Stadt nach (das ist nicht beobachtbar, das müsst ihr mir jetzt einfach glauben), fährt durch die Stadt, „erlebt“ die Stadt, durquert den Raum, riecht, fühlt, schmeckt (glaubt mir das bitte auch). Jetzt wird´s nur nachverfolgbar, weil ich es aufschreibe: Mental duchquert sie die Vergangenheit, um die Gegenwart verstehen und genießen, die Zukunft wahrhaftiger (im Sinne von MEINER Wahrheit), sinnmaximierter (und MEINEM Sinn) gestalten zu können.

Und sie versucht diese Ideen und das Gelesene zu ordnen (deshalb wohl auch der Beruf!). Schreiben ist letztendlich auch nur ordnen. Wobei „ordnen“ und „einordnen“ ja die erzwungene mentale Vorgehensweise von uns allen ist. Menschen müssen ordnen, sonst gibt es keinen Sinn. Und ohne Sinn geht es nicht. Und hier mal wieder ein Beispiel für eine Einmischung, während ich schreibe (Frechheit!): Der Sufismus mit seiner Leinwand voller Farbe. (Du bist nicht die Leinwand, betrachte Sie von außen, identifizier dich nicht mit ihr.) Es ist schwer, das Chaos auszuhalten und nur zu betrachten. Der analytische Geist will ordnen. Ich will ordnen! (Seht, wie ich die Kurve wieder gekriegt habe!) Wenn ich nur „SEIN“ sollte, dann hätte mir der liebe Gott doch kein Gehirn gegeben, ihr Yogis und Sufis. Wenn ich nur „SEIN“ sollte, dann bitte gib mir das KOMA jetzt! Bzw. empfinde ich tiefe Dankbarkeit für den Schlaf. Schlafen ist etwas Tolles. Und Träumen ist unsere Müllabfuhr. Alles was nicht geordnet wurde, wird – Gott hat extremen Humor – miteinander zu abstrusesten Dingen verbunden, abgespielt, mental mehr oder weniger bewusst durchlebt, um am nächsten Morgen wieder Platz für Neues zu haben, das geordnet werden will.

Leben um zu Ordnen. Ordnen um zu Leben.

Wenn ich also Masterarbeit schreibe (oder schreiben will, ich will wirklich! –> glaubt mir) und statt dessen Ideen habe, die ich aufschreiben muss, die ich verarbeiten oder einordnen muss, und zwar in mein ganzes Sein, zum Beispiel in dem ich das hier schreibe, dann ist all das der gleiche Prozess. All das bin ich. Und zwar JETZT. Ich kann nicht nur eines machen, ich muss alles machen, was mich gerade an- und aufregt. Bzw. ich kann nur das machen, wofür ich brenne. Denn nur das ist wirklich authentisch. Ich möchte meine Ideen nicht disziplinieren. Ich möchte lieber sagen: Du willst jetzt sein? Na gut, dann komm. (So müsste man überhaupt leben, aber nur, wenn es nicht in Egoismus und Hedonismus ausartet. Wobei es auch Leute gibt, deren Egoismus darin besteht, Altruistisch zu sein, dazu zähle ich mich. Einige Ideen diszipliniere ich jedoch: Würde ich zum Beispiel allem stattgeben, dann hätte ich jetzt Sex mit dem Typen neben mir, trotz Neonröhrenbeleuchtung!, Gebot zum Stillsein und unrasierten Beinen. Aber zum Glück sind wir ja kulturalisiert! Haha! Meine Ideen lassen mich grinsen und DAS könnte man jetzt beobachten.)

Man ist, weil man Ideen hat. Oder wie Max Frisch sagen würde: „Man ist nicht realistisch, indem man keine Idee hat“. Aber, man wäre vermutlich schneller mit seiner Mastarbeit fertig. *seuftz*

So, und jetzt, da das verarbeitet ist und es in mir drin wieder ruhiger und geordneter zugeht, kann ich schreiben. :-)

* allein wenn ich mir das Wort be/erdenke, muss ich schon grinsen: sich selbst verwirklichen! ver WIRKLICHEN!, also kann man ohne diese Tätigkeit quasi nicht ECHT sein ;-)

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