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Das dringende Gefühl

11. März 2011

Mein alter Freund M. rief mich an, sagte mir, ich glaube, ich muss kommen und er kam, gleich am nächsten Tag aus B. angefahren, um mit mir zu Essen, anschließend nach Heidelberg zu fahren und auf dem Weg dorthin gemeinsam zu bemerken, dass wir nicht rechtzeitig zum beginnenden Theaterstück ankommen würden, so dass wir entschieden, erneut gemeinsam, erst den Berg rechts des Neckars hoch, wo ich vom Lichtermeer begeistert war, und dann wieder herunter zu fahren und anschließend den links des Neckars hochzulaufen, zumindest ein Stück weit, und dann erneut hinunter, wobei wir uns erst über die Dualität des Lebens unterhielten und ich ihm später, dann schon am Neckarufer entlang zurück zum im Parkhaus einer Privatklinik parkenden Auto laufend, gestand, ich müsse zum Schreiben aus Mannheim und meinem dortigen Leben und Alltag hinaus, an einen Ort der von Bedeutung frei ist und an dem ich mir einen Tee kochen und vor dem Laptop sitzend aus dem Fenster auf den Fluss guckend schreiben könne, über das, was mich bewegt, was in mir brennt, was mir zu artikulieren notwendig scheint, vielmehr für mich selbst als für andere, die es jedoch auch lesen können, im Kopf vielleicht den Wunsch es verstehen zu wollen oder aber auch nicht, weshalb M. mir sagte, ich glaube, du musst hierher, in deine Geburtsstadt, die vor beschaulich romantischer Schönheit strotzende, dir aber doch sehr fremde Stadt, da du dich in Mannheim aufgrund der raueren Gegebenheiten wohler fühlst und deshalb nicht oft hier bist, denn du weißt, dass das Leben nicht nur schön ist oder sein kann, weshalb dir Mannheim ehrlicher erscheint, du aber trotzdem daraus flüchten musst, um einen ästhetischen Prozess beginnen zu können, der seit Ewigkeiten als verhaltener Wunsch in dir brütet: Schreiben, schreiben um zu leben, leben um zu schreiben, schreibend leben, lebend schreiben, geschriebenes und beschriebenes Leben, deines, das deiner Gedanken und das anderer, mit denen du dich umgeben hast, obwohl es vielmehr das Leben war, das dich mit ihnen umgeben hat, und das jetzt geschrieben und beschrieben werden will, weshalb du schon seit zwei Wochen das dringende und drängende Gefühl verspürst, dass es hinaus artikuliert werden muss, weil du gar nicht mehr anders kannst und es auch zutiefst willst.

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