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Gott und die Welt

18. März 2011

Natürlich diskutiere ich mit meinen Freunden. Über Gott und die Welt. Die Welt, den Zustand der Welt und wo Gott jetzt eigentlich gerade ist, zum Beispiel oder grundsätzlich. Es herrscht Verwirrung, große Verwirrung. Darüber und über alles mögliche. Vokabeln gelernt (Abklingbecken! Drohne! Daiichi! Daini!), Namen (Hetkämper!) von Wörtern umzingelt („offenbar“), von Zahlen (1, 2, 4, 3, jetzt wieder 4…), von Werten (gestiegen, gesunken), von Elementen (Feuer, Wasser, Cäsium, Plutonium…). Das Gefühl der Machtlosigkeit. Das Gefühl, ein Voyeur zu sein. Ein ARD-Newsticker-Klicker. Ändert sich da eigentlich was? Die Zahlen ändern sich… Aber grundsätzlich? Information. Desinformation. Halbinformation. Warum schaue ich mir das überhaupt an? Warum diese Wissbegierde? Ich kann doch nichts tun! Da geht der Strom aus (weswegen auch immer!) und das reicht für all… das? Strom aus, Kühlung weg, Hölle an? So einfach geht das?! Und das eigentliche Problem dahinter: Unser beständiger Energieverbrauch. Die Einstellung: Nach mir die Sintflut. Wer spricht darüber?

Ich habe keine Angst oder Panik, aber ich bin verwirrt. Man lebt so vor sich hin, weiß dass diese AKWs in der Nähe stehen (Biblis, Neckarwestheim, Phillipsburg) und verdrängt es im Alltag erfolgreich. So war ich vor 10 Jahren zuletzt auf einer Demo gegen Biblis. Wenn dann aber so etwas Unfassbares wie in Japan passiert, rüttelt das total auf und zeigt, dass es Risiken gibt, die wir nicht kontrollieren können. Und dass sich keiner hinstellen kann und sagen kann: Etwas ist sicher! Nichts ist sicher, außer: Wir werden alle sterben. Nicht jetzt, nicht deswegen, aber früher oder später. Friedlich oder nicht. Alles andere ist NICHT SICHER.

Elegant hier rauskommen? Das „Beste“ aus seinem Leben machen? Etwas bewirken? Mehr zu sein, als reiner Ressourcenverbraucher? In die Oper gehen, darf man das unter diesen Umständen? Verstrahlt werden, erschossen werden oder eben, in die Oper gehen: Das sind die Optionen auf diesem Planeten. Aber was hat das alles mit mir zu tun? Wir sind eine Welt: Alles hat mit Allem zu tun. Oder? Aber es ist zu komplex um alle Zusammenhänge, alle Konsequenzen zu sehen. Also doch: Leben und es möglichst elegant überstehen?

Dinge dann tun können, wenn einem danach ist. Eine großartige Freiheit.

Sich der Verwirrung hingeben. Mir ist gerade danach.

福島
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One comment

  1. Liebe MJF,

    ich sehe das Leben inzwischen als einen ganz ganz großen Haufen an Widersprüchen. Und das schon lange vor Japan.

    Wir hier machen uns Sorgen über CO2, die angstfreie Schlachtung von Tieren, Nanopartikel oder beispielsweise den Umgang mit Öl, Gas oder Bio-Ethanol. Alles richtige und gute Überlegungen, was mach ich wie in meinem Leben, was find ich gut oder falsch etc.

    Und dann weiss ich da aber noch von Freunden in Afrika, wo es um existenzielle Dinge geht wie: wie krieg ich keine Parasiten, keine tödlichen Krankheiten? Wer wird für freie Meinungsäußerung wo und wie umgebracht, oder fürs Anders-Sein, fürs Schwul-Sein o.ä.?

    Wahrscheinlich muss man sich (wie ein anderer Freund sagte) bewusst werden: unsere Gesellschaft befindet sich an vielen Stellen der Welt in einer Art mentalen Dekadenz. Die reine Möglichkeit, tolerant gegenüber vielen Dingen sein zu können, oder über viele Dinge nachdenken zu *können* – eben weil man keine wichtigeren Probleme hat als diese, wie beispielsweise das reine Überleben zu sichern, ist reine DEKADENZ.

    Was heisst das jetzt für uns? Ist das gut oder schlecht? Puh. Schwierig.



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