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Wörter, Sätze

7. November 2011

Vibrationshintergrund

„Man reißt sich um den Schmuck unserer nicht aussprechbaren Namen, um ihn an die Brusttasche des für den besonderen Anlass geliehenen Jacketts zu pappen.“ (Editorial von „freitext“)

Danke, dass es diese Zeitschrift gibt, danke, dass ich sie entdeckt habe. Da geht mir richtig das Herz auf. Genauso „wie als“ ich kürzlich in B war. In Berlin fühlt man sich so normal (was das Leben leichter macht), weil die Messlatte eine ganze andere ist. Hinter meinem eher links liegenden Punkt der Abgefahrenheit geht es dort noch Ewigkeiten weiter. In Mannheim bin ich eher am äußeren Rand, was manchmal anstrengend ist, da man sich alleine fühlt und viel um die Akzeptanz seiner Ansichten kämpfen muss. Auf der anderen Seite muss man sich nicht so sehr abgrenzen, weil das fast automatisch passiert (was das Leben auf einer anderen Seite leichter macht). Mit gewissen Hosen wird man hier in gewissen Teilen der Stadt schon komisch angeguckt und es führt zugleich zu einem Abspruch von Alter und Kompetenz. In Berlinski interessiert das keine Sau, ganz nach dem Motto „arm, aber sexy“ bzw. abgefahren angezogen, aber kreativ/innovativ/anders (und impliziert dabei etwas Positives, nicht etwas Negatives). Grundsätzlich geht es mir darum, in Deutschland die Akzeptanz für Andersartigkeit zu erhöhen. Anders ist interessant und nicht erschreckend. Man muss nur offen sein. Und innerlich stabil. Wie oft muss ich mir die Verkürzung meines Namens auf den in Deutschland bekannten Teil anhören, weil „einfacher“. Well, fuck you, dann ist es eben etwas schwerer für dich. Gehirnjogging gratis, faules Pack!

Post-alles-mögliche

„Nun ist Jeffrey Eugenides ein Autor, der im Post-alles-möglichen ebenso versiert ist wie im Meta-alles-übrigen. In „Die Liebeshandlung“ unternimmt er die Rekonstruktion des klassischen Liebesromans vor dem Hintergrund seiner Dekonstruktion. „ (dradio Kultur über JEs neuen Roman)

Nachdem ich vor etwa zwei Jahren erstmalig anfing zu begreifen, was es heißt in einer post-modernen Gesellschaft zu leben, in der sich alles auflöst (es ist so – wir können z.B. nicht kommunizieren, zumindest nicht auf einer höheren Verständnisebene, weil wir unterschiedliche Sinnstrukturen haben, und nur jemand der meinen „Vibrationshintergrund“ hat, sich dem überhaupt ansatzweise annähern kann, weshalb Transkulturalität einen echten Vorteil darstellt, man versteht mehr Menschen bzw. man gibt sich mehr Mühe sie zu verstehen), habe ich kürzlich erst in besagter Zeitschrift das Adjektiv „post-migrantisch“ entdeckt. Juhu! Und mich umsomehr geärgert, dass die Vorstellungen von „Verrücktes Blut“ bei den Schillertagen ausverkauft waren und es bei meinem letzten Berlin-Aufenthalt keine Vorstellung im Ballhaus Naunynstraße gab. Nun gut, nächstes Mal. Wenn alles mögliche „post“ und überwunden ist.

<Ergänzung>

Postkolonial: „Ziel ist es, Begriffspaare zu dekonstruieren, um dem damit ausgedrückten Machtgefüge entgegenzuwirken.“ (aus Wikipedia).

Herr Bhaba ist da ja so ein spannender Typ. Und sein Konzept des dritten Raums erst: Im dritten Raum erfolgt eine Verschiebung / Dezentrierung / Umkehrung durch unpassenden Gebrauch von Symbolen und Repräsentationen, wodurch diese Zeichen  und ihre Bedeutung hybridisiert (verunreinigt / umgedeutet) werden: Vibrationshintergrund, eben. :-)

Und Herr Hall ist auch so ein spannender Typ. Weil endlich Bedeutungsproduktion durch Kodierung und Dekodierung erkannt statt Sender/Empfänger/Nachricht-Scheiße. Und jawohl, man kann sehr wohl nicht kommunizieren, Herr W. Wir können nämlich eigentlich überhaupt nicht kommunizieren! Weil das was ich denke, kann in keiner (oder nicht nur einer) Sprache ausgedrückt werden. Und ich kann nicht einmal ansatzweise ausdrücken, was ich fühle (weil es mehrdimensional, prozesshaft und ursächlich undeutlich ist), wie soll das also überhaupt jemand ansatzweise verstehen (heißt rationalisieren) können? Wir sind eben getrennte Systeme. Jeder für sich alleine. So sieht es nämlich aus, Herr Luhmann, und das ist ein wenig traurig. Ich glaube, deshalb strebt der Mensch überhaupt ständig nach „Sozialem“. Weil er verdrängen will, dass er eigentlich – tief in sich drin – alleine ist und auch alleine sterben wird.

</ ausufernde Ergänzung>

 

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3 Kommentare

  1. jaa berlin
    da will ich hin
    schon lange

    meine definition:
    dort ist alles erlaubt
    was keinem andern wehtut

    und so solls sein
    punkt.


  2. Hmmm… Die Stadt Mannheim wirbt mit dem Slogan „Mannheim ist wie Berlin. Kratzt auch, tut aber nicht so weh.“ ;-)


    • eeeecht?
      nix wie hin
      sag ich da nur
      :-D



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