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Der alltägliche Wahnsinn / Stadt / Interaktion

16. November 2011

Seit drei Jahren die halbbewusste Strategie: Flucht / Bewegung / Interaktion.

Meine Mutter sagt: Ich unternehme zu viel.

Ein Freund sagt: Du hast immer nur Zeitfenster für mich.

Eine Freundin sagt: Du bist ja nie zu Hause.

Also, ihr Lieben: Ich verbringe mindestens 10 Std. pro Tag zu Hause, eher 12. Klingt schon mal gut. Ist aber vermutlich wenig, im Vergleich mit dem Durchschnitt. Gut, wenn ich also nicht zu Hause bin, ist es sehr wahrscheinlich, dass ich in Mannheim unterwegs bin (auf irgendwelchen Kulturveranstaltungen, in irgendwelchen Cafès/Kneipen/Lokalen, auf einer meiner Arbeit(en)). Da ich mich gewissen Technologien verweigere, kann man leider zum Glück nicht sehen, wo genau gerade, aber – um das mal zu spezifizieren und ein bisschen Humangeografie zu betreiben – könnte ich eine Karte anlegen. Ich überlege das schon länger, bin aber unentschlossen in Sachen Datenschutz / Privatsphäre. Nicht nur meine, sondern auch die meiner Freunde und überhaupt, was bezwecke ich denn damit? Genauer gesagt: Ego, was bezweckst du damit? Stalkerei? Identitätskonstruktion über Verortung? Guck mal wie geil/toll/alternativ/intellektuell/schräg ich bin und wo ich mich überall herumtreibe? Belassen wir es vorerst bei der Aussage: Ich bin zumeist in Mannheim unterwegs und auf dem Handy erreichbar.

Ich gebe zu, ein gewisser Zwang ist schon dabei. Ich fühle mich unruhig zu Hause, weil es dort kaum Interaktionspotential gibt. Klar, der sympathische Mitbewohner, die Telefonanrufe von Freunden, das Laptop als Tor zur Bitwelt (ganz zu schweigen von dem grummelnden Kühlschrank, aber „dem seine“ Nachrichten konnte ich bisher nicht dekodieren)… aber eben deutlich weniger atomare/physische Serendipität. Deswegen gehe ich raus und bewege mich im Stadtraum. Vielleicht ist jedoch die eingebildete Interaktionsmöglichkeit dort viel geringer, als ich impliziere. Gehen wir nicht immer wieder an Orte, die wir schon kennen? Treffen wir aufgrund des Lebensstils nicht immer wieder auf Leute, die wir schon kennen? Ich habe den Eindruck, ich bewege mich in Mustern und die Stadt existiert als dreidimensionale (?) Matrix für mich ganz anders als für andere. Aber sie überschneidet sich (manchmal).

Die Idee ist, mehr an Orte zu gehen, die ich noch nicht kenne. Die Idee ist, zu erfahren, wie andere Menschen leben. Die Idee ist, der Versuch einer ganzheitlichen Erfassung: Was ist Mannheim? Um der „absoluten Wahrheit“ ein Stückchen näher zu kommen, wobei mein Instrument (Körper/Geist) durch und durch von immanenter Subjektivität geprägt ist. Kann ich trotzdem, zumindest versuchen, die Stadt (als „soziales Totalphänomen“, als „kulturelles Projekt“, als „mehrschichtiges, komplexes kulturelles System“) ehrlicher zu erfassen? Versuch es! Aufgeben, so ein Freund, sei grundsätzlich keine Option.

Vielleicht ist es aber nur die Flucht vor oder die Verdrängung der Erkenntnis, dass jeder von uns alleine ist. Herrje, ich wiederhole mich, nicht wahr? Naja. Man könnte auch sagen, ich konstruiere Realität. :-)

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3 Kommentare

  1. mir fällt auf:

    du hast bei „dein instrument (körper/geist)“
    die seele weggelassen

    die hält nämlich
    die andern beiden zusammen

    als

    emotion
    bedürfnis
    wunschkraft


    • Lustig, dass du es ansprichst. Das war mir nämlich beim Schreiben schon aufgefallen, aber dann tat ich mich irgendwie schwer, die Seele als Instrument zu deklarieren. Aber klar, G + K + S gehören eigentlich zusammen. :-)


  2. wie eine flöte sein
    die seelenmelodie
    spielt



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