h1

Marrow

26. April 2013

Ich bemerke, ich löse mich ein wenig, von Menschen, von Orten, von Beschäftigungen. Ich denke, das gehört zum Leben und zur Entwicklung dazu.

Freundschaften bzw. Bekanntschaften die man führt, kann man auch überdenken, wenn man feststellt, dass es doch weniger Gemeinsamkeiten gibt bzw. grundlegende Unterschiede. Wenn sie einem eher schlecht tun, als gut. Wenn man das Gefühl hat, nur dann bedacht zu werden, wenn es der andere braucht. Manchmal besteht die Gemeinsamkeit lediglich darin, dass man vom Leben zusammengeführt wurde, aber sich nicht bewusst für einander entschieden hat. Gerade als Single neigt man ja dazu, sich möglichst mehrere Menschen warm zu halten, weil man seine Beziehungen mangels „der einen“ (die ich ja sowieso in ihrer permanenten Idealisierung anzweifle) diversifiziert. Trotzdem kann man feststellen, dass manchmal der Zeitpunkt kommt, an dem man sich auseinanderentwickelt. Und dann kann man auf Abstand gehen, man muss ja nicht gleich brutal beenden. Das ist das Schöne an platonischen Beziehungen, man muss nicht so krass definieren: Sind wir denn nun zusammen oder nicht. Und schließlich gibt es auch einfach Zyklen der Annährung und des Abstandes, die zum Leben dazu gehören.

Mit dem Ort… und weil ich ja gerne viel nach- und vordenke: Ich glaube, ich denke jetzt schon darüber nach, ohne dass es akut ist, weil ich dann, wenn der Wechsel kommt, besser damit umgehen kann. Ich glaube jetzt schon zu wissen, was ich vermissen werde. Aber da kommt sicherlich noch einiges hinzu und manches fällt gar einfacher als gedacht. Gestern Abend sagte ich zu A., mir würden die Jungbuschabende fehlen, sollte ich hier weggehen. Seine Mensa (sein dritter Ort), sei bei mir der Jungbusch.

Und Beschäftigungen… damit meine ich, ich fühle weniger die Notwendigkeit, unter Menschen zu gehen. Weil da kaum noch überraschende, authentische Verhaltensweisen kommen. Ich habe das (sicherlich leicht überhebliche Gefühl), dass mich hier kaum noch etwas überraschen kann. Oder anders ausgedrückt: Ich habe keine Erwartungen mehr. Es ist einfach viel zu wenig passiert, wenn ich zwischen ihnen war. Viel zu wenig, was mich ernsthaft begeistert/berührt hat. Und da ich, wie mein bester Freund gestern sagte (und er teilt diese Verhaltensweise) zur Überinterpretation sozialen Verhaltens neige, waren da oft Erwartungen, die nicht erfüllt wurden. Die möchte ich jetzt nicht mehr haben bzw. im Zaum halten. Und das ist keine zynische oder verbitterte Feststellung, sondern einfach die Erkenntnis, dass ich anders ticke und Bedürfnisse habe, die von der Allgemeinheit nicht verstanden/erwiedert werden. Also gehe ich nicht mehr so häufig unter die wilden Tiere. :-)

Ich halte mich an diejenigen, die mir Anstöße geben. An die, die ich erkannt habe. Oder die mich erkannt haben. Die hier auf dieser Erde nicht ihre Rolle abspulen/spielen, sondern überlegen, ausprobieren, versuchen und sich von niemandem vorschreiben lassen, wie sie zu leben haben. Sondern die (im Rahmen der Notwendigkeit, sich irgendwie Geld zu beschaffen, zu Essen zu haben und saubere Klamotten) frei sind und sich frei entwickeln wollen. Ethische Grundsätze respektierend, klar, dies ist schließlich kein Aufruf zur Anarchie und zum Egoistentum.

Heimat ist, wo man sich wohlfühlt, heißt es doch. Und da gehe ich hin: Wo ich mich wohlfühle. Das sind bestimmte Orte, bestimmte Menschen, bestimmte Tätigkeiten. Und es gibt noch viel mehr, was ich nicht kenne. (Übrigens auch in mir drin, nicht nur in der äußeren Welt). Aber ich weiß es ist da und ich muss nur Zeit und Raum dafür finden, um dem zu begegnen, und immer schön offen bleiben. Offen, bis zuletzt. Mein Ziel ist es, sich dem Tod offen in die Arme zu werfen. Klingt gar nach Selbstmord? Dann falsch interpretiert. Das Ziel ist gut zu leben und gut zu sterben. Sich dem hinzugeben, was kommt. Zu gucken, was dieses Leben mit dieser Seele macht. Zu lieben, ernsthaft zu leben, mit Wonne zu sterben. Klingt vielleicht krasser als es ist, denn ich bin völlig normal. Ich denke nur gerne. :-)

Taking detours to the marrow. Ich hätte nie gedacht, dass dieser Titel, den ich vor 8 Jahren diesem Blog gab, so lange Gültigkeit behalten und dass ich so konsequent an DIESEM Ort festhalten würde.

Grenzgängerin. :-)

„Wenn du dich positioniert hast in deinem Leben, sagt sie, ziehst du den(/die) entsprechenden (Menschen) automatisch an.“ (taz vom 20./21. April)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: