Archive for the ‘DieJugend’ Category

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after the rain comes sun

19. August 2010

after the sun comes rain again…

N: when I first saw you I was deep in clear blue water… ;-)
MJ: no my dear, when you first saw me we were sitting in a shabby classroom full of aufgedrehter Erstsemester ;-)
N: yeah, that’s actually correct. :)

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Mein Sommer

14. August 2010

… nachdem die Sonne in Urlaub ging:

  • Es war hier in letzter Zeit so ruhig weil ich einen tief vergrabenen Teil von mir selbst wieder hervorgeholt und belebt habe. Das ist mit eines der wichtigsten Dinge, die in meinem Leben bisher passiert sind. Und ich bin sehr stolz darauf. Von innen verstehe ich mich jetzt besser, von außen bin ich jetzt noch unverstehbarer.
  • Einraumhaus. Sehr schönes Konzert. Und die Kunst mit dem Kasettenband hat gefallen.
  • Von 23-Jährigem unter dem Vorwand rumänischer Austauschstudent zu sein, angelabert worden: „Do you know Café Lavandou? Maybe we could go there have some wine and then make love afterwards?“
  • Am nächsten Tag: Lavandou. Tee trinkend mit einer Freundin. So sieht es nämlich aus.
  • Jedes Jahr eine schwere Geburt: Lohnsteuererklärung. Angeblich ein Monatsgehalt zurück. Hübsches Kind. :-)
  • Theater: Norma im Werkhaus. Grandios.
  • Film: London Nights. Achja. Seuftz. Wenn es doch bloß so einfach wäre.
  • Master läuft tröpfchenweise. Muss besser werden.
  • Arbeit ist entspannt, weil die Kinder im Urlaub sind. Aber immer dann kommen ein paar gruselige Kollegen aus Ihren Ecken hervorgekrochen und stiften Unruhe.
  • Film: Auf der anderen Seite. Geheult.
  • Ehrenamt macht Arbeit. Anfang 20-Jährige, die von nix ne Ahnung haben, geben einem süße Tipps. In meinem Kopf bildet sich das nur für ganz auserwählte Fälle reservierte F-Wort.  MAL über MICH SELBST nachdenken? Been doing that for the past 28 years, du blöde F.
  • Die Plastikmadonna. Sehr süße Graphic Novel.
  • Ich komme arrogant rüber. Hmmmm, warum bloß? Ja mei, wenn die Doofen glauben, ich sei arrogant, habe ich damit kein Problem. Aber könnte das auch die Guten abhalten? (*erschrockenes Gesicht*) Wirke ich unantastbar? Unansprechbar? Streng? Das wäre fatal! Ok, vielleicht mehr lächeln? :-) Schon besser.
  • Mark Terkessidis: Interkultur. Sehr lesenswert.
  • Musik: Südamerikanisch. Tape.tv hat leider nix davon. (War ja klar.)

In einer Woche bin ich für drei Wochen weg. Paris. BCN. Costa Blanca. Und dann wieder in MA. Beloved MA.

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Meine zweite Pubertät

26. Mai 2010

Meine zweite Pubertät begann vor etwa zwei Jahren. Also quasi mit 26. Ein Abschluss ist derzeit noch nicht in Sicht, aber wenn er mit 30 erreicht ist, bin ich zufrieden. Diese Entwicklungsphase äußert sich beispielsweise darin, dass ich nochmal studiere. Dass ich mich schriller kleide (dies lässt sich mit einer Begrüßung zwischen mir und einem sehr guten Freund veranschaulichen, die sich letztens wie folgt zutrug. Ich: „Hallo, du Pilzkopf“, er: „Hallo Aerobic-Lehrerin aus den early 80ies“), dass ich mir körperlichen Schaden zufüge (beim Fahhradfahren und Snowboarden), dass ich zweifle, zweifle, zweifle und alles in Frage stelle, dass ich darunter leide, dass sich meine Eltern trennen, dass ich illegal Hauswände dekoriere, dass ich unsicher bin und launisch, dass offene Tabs wie Klamotten im Zimmer teilweise wochenlang in meinem Browser herumliegen…

Eine Sache allerdings ist anders: Ich bin unabhängig. And that feels quite good. Also gucke ich mir die armen Anfang 20er an, völlig desorientiert, verplant, Party constantly on their mind, mit großem, aber ungenutztem Potential zur Selbstreflektion, und denke mir: Da bin ich gottseidank schon drüber. Arrogant, nicht? Egal. In diesem Fall nämlich angemessene Arroganz. So, und jetzt ein paar Zitate:

„Die Außenwirkung unserer Arbeit an uns selbst erzeugt idealerweise die kulturelle Welt.“

„Wir Menschen sind aufeinander bezogen, wir sind kontextuell konzipiert.“

„Der Bildungsbegriff bezeichnet den Modus der Identitätsfindung konkreter Subjekte durch Repräsentanz der Welt als kultureller Konstruktion im sich formenden Ich.“

(alle drei aus Rüsen/Laass: Interkultureller Humanismus)

„Things are, because we see them.“

(Oscar Wilde)

„Eine Handlung, die Kreativität beweist, bewirkt mehr als die Behauptung: Ich bin kreativ!“

„Mit guter Musik sind Launen selten schlecht.“

„Ein paar Extra-Level auf der Playstation des Nachtlebens gespielt.“

(alle drei, weiß nicht woher)

„Grace is a beautiful thing to loose.“

(MBWETYP)

„don´t forget I´m in your extended network“

(Tracky Birthday)

„Internet-Ausdrucker“ und „Generation Münzfernsprecher“

(über die heute 50-jährigen)

Im Zweifel für den Zweifel
Das Zaudern und den Zorn
Im Zweifel fürs Zerreißen
Der eigenen Uniform

Im Zweifel für den Zweifel
Und für die Pubertät
Im Zweifel gegen Zweisamkeit
Und Normativität

Im Zweifel für den Zweifel
Und gegen allen Zwang
im Zweifel für den Teufel
Und den zügellosen Drang

Im Zweifel für die Bitterkeit
Und meine heißen Tränen
Bleiern wird mir meine Zeit
Und doch muss ich erwähnen:

Im Zweifel für Ziellosigkeit
Ihr Menschen, hört mich rufen!
Im Zweifel für Zerwürfnisse
Und für die Zwischenstufen

(Tocotronic – Im Zweifel für den Zweifel)

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Alle reden vom Wetter

20. Januar 2010

Eine ältere Kollegin hat mir heute erzählt, dass ihr Haus mal durchsucht wurde, weil ihre Adresse bei Ulrike Meinhof im Notizbuch stand.

„Wissen Sie, früher haben alle CDU gewählt. Wenn man das nicht gemacht hat, war man schon radikal.“

„Wissen Sie eigentlich, was wir alles erkämpft haben, was für Ihre Generation  selbstverständlich ist? Das waren ganz andere Zeiten früher, ganz anders ist es da zugegangen.“

Schön fand ich auch den Kommentar: „WGs? Das haben wir erfunden!“

Ich schäme mich ein wenig. Irgendwie hatten die Studenten damals mehr im Kopf als heute. Sie waren viel politischer, wollten die Welt verändern und haben auch etwas erreicht. Heutzutage wollen die meisten doch nur eine gute Note und Party machen. Mist, irgendwie läuft da was schief mit unserer Bildungselite.

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Die Theorie der Postadoleszenz

10. Januar 2010

„Was das Alter betrifft, umfasst die so genannte Postadoleszenz in den meisten europäischen Untersuchungen die Gruppe der 20- bis 29-Jährigen. Als soziale Kategorie bezeichnet sie jene Personen, die nicht mehr völlig von der Herkunftsfamilie abhängig sind, aber noch keine eigene Familie haben beziehungsweise sich noch nicht auf eine alternative Lebensform festgelegt haben. Die Lebensläufe haben sich also um eine neue Altersphase, die Postadoleszenz, erweitert, eine Phase, in der die heutigen Jugendlichen eine Vielzahl von Berufen, Lebensmöglichkeiten, Partnerschaften usw. ‚testen‚ oder ‚ausprobieren‚ können und in der sie auch neue und flexiblere Ziele für das Erwachsenenleben formulieren.“

– R. Bendit: Jugend in Europa. Theoretische Konzepte, Entwicklungen, Probleme. In: Frölich et al.: Interkulturalität in europäischer Perspektive. Jugendliche aus Migrationsfamilien und ihre Integrationschancen, Frankfurt a.M., 2004

*** 1,2,3, Test *** ja, ich probiere aus *** funzt das, oder wat? *** hallo? ***

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Im Affekt geschrieben

15. Juni 2009

<zeter>

Heute auf dem Kicker:

Alle ungeduldigen Menschen zwischen 18 -24 Jahren. Mich nervt:

  • ihre Frech- und Unverschämtheit
  • ihre Annahme, dass alles selbstverständlich sei: Demokratie, funktionierende Drucker, satt sein, ein Bett haben, Markenklamotten tragen, volle Supermärkte mit absurd niedrigen Preisen und einen Golf besitzen
  • ihr verdammtes Gepose, ihre Politikverdrossenheit, ihr Egoismus
  • ihre Überzeugung, sie hätten schon was geleistet im Leben: Habt ihr nicht!
  • ihre Meinung, sie müssten den Po abgewischt bekommen, nur weil sie (sic! ihre Eltern!) 500 € Studiengebühren zahlen

Denen gehört allen mal der Popo versohlt!

because I’m so clever
but clever ain’t wise
and fuck forever
if you don’t mind

</zeter>

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Sag „FUCK“, Chester!

8. April 2009

Chester Brown: Fuck – Reprodukt, 2008.

Originaltitel: I never liked you.

Dieser Comic wurde 1994 zum ersten Mal in kleiner Auflage auf Deutsch veröffentlicht. Nun hat der für seine gehaltvollen Graphic Novels bekannte und von mir heißgeliebte Berliner Verlag Reprodukt die autobiografische Geschichte des Kanadiers Chester Brown erneut aufgelegt. Dabei sollte der Titel nicht abschrecken: Dahinter verbirgt sich kein Teenager Sex-Drama. Dies ist eine harmlose, mitunter zärtlich anrührende Geschichte eines Teenagers, der in den 70er Jahren in einer kanadischen Kleinstadt aufwächst. Der kleine Chester weiß dabei nicht immer etwas mit seinen Gefühlen anzufangen, geschweige denn sie zum Ausdruck zu bringen. Dies fällt ihm nicht nur bei gleichaltrigen Nachbarschaftsmädchen, sondern auch in Gegenwart seiner kranken Mutter schwer. Ein feinfühlig, mit klaren Linien gezeichneter Comic, der inhaltlich am ehesten mit einem Entwicklungsroman zu vergleichen ist. Wer Craig Thompsons „Blankets“ mochte, wird sicherlich auch an dieser Graphic Novel Gefallen finden.

Der deutsche, äh englische, Titel erklärt sich übrigens deshalb, weil Chester nicht flucht und von seinen Schulkameraden damit immer aufgezogen wird.