Archive for the ‘entgiften’ Category

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Renunciation

11. August 2016

1. „The map is not the territory.“ ~ Alfred Korzybski ~

2. „The real spirit of renunciation is willingness. And willing renunciation comes when one has risen above the thing one renounces.“ ~ Leo Babauta ~

3. „Sincere forgiveness isn’t coloured with expectations that the other person apologise or change. Don’t worry whether or not they finally understand you. Love them and release them. Life feeds back truth to people in its own way and time.“ ~ Sara Paddison ~

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Schreiben

15. September 2015

Ich glaube, ich muss schreiben, um mich selbst zu verstehen. In der oberen Etage wabert das ja alles in einer ziemlich undefinierten Masse, die mal in diesen, mal in jenen Winkel schleicht, mal diese, mal jene Gehirnwindung erkundet. Nebenher soll man aber trotzdem funktionieren. Ich glaube, wenn ich schreibe, dann gebe ich dieser Masse Struktur, bringe Ordnung ins Chaos und bin irgendwie Herr der Gedanken. Das ist gut. Etwas aufzuschreiben bedeutet, ihm eine Form zu geben. Sprache ist eine Art Geburtsvorgang.

Ich sollte wieder viel öfter die Zügel in die Hand nehmen.
Um weniger beeindruckt/bedrückt von dem Nebel zu sein.
Ordnung und Struktur.

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Maradonavirus

23. Mai 2013

Hui… schon länger nichts geschrieben. Vermutlich weil ich arbeitstechnisch eingebunden bin. Und wenn ich nicht arbeitstechnisch eingebunden bin, dann mache ich Urlaub (in den zwei B Städten). Und werfe Bälle ins Leben und gucke, was das Leben zurückwirft.

Habe mein erstes Herpesrezidiv. Mein Herpes (HSV-1) habe ich mir vor 14 Monaten bei einem entfernten Verwandten von Diego Maradona geholt. Da hatte ich die Erstinfektion, so eine Art Mundfäule, mit Fieber und Schüttelfrost, richtig schlimm. Und an einem der unwirtlichsten Orte, die ich jemals aufgesucht habe. Das läutert. Danach haben die Viren sich erstmal schlafen gelegt und diesen Dienstag sind sie aufgewacht und haben Hallo gesagt, uns gibt es auch noch. Naja. So ist das halt. Man muss lernen zu teilen.

„De acuerdo. Nosotros, los argentinos, somos especialistas. Ni en el cajon podemos quedarnos tranquilos. Somos algo asi como ‚la crem de la crem‘ del quilombo universal.“

(Inés Fernández Moreno: Un amor de agua. Alfaguara, 1997)

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Marrow

26. April 2013

Ich bemerke, ich löse mich ein wenig, von Menschen, von Orten, von Beschäftigungen. Ich denke, das gehört zum Leben und zur Entwicklung dazu.

Freundschaften bzw. Bekanntschaften die man führt, kann man auch überdenken, wenn man feststellt, dass es doch weniger Gemeinsamkeiten gibt bzw. grundlegende Unterschiede. Wenn sie einem eher schlecht tun, als gut. Wenn man das Gefühl hat, nur dann bedacht zu werden, wenn es der andere braucht. Manchmal besteht die Gemeinsamkeit lediglich darin, dass man vom Leben zusammengeführt wurde, aber sich nicht bewusst für einander entschieden hat. Gerade als Single neigt man ja dazu, sich möglichst mehrere Menschen warm zu halten, weil man seine Beziehungen mangels „der einen“ (die ich ja sowieso in ihrer permanenten Idealisierung anzweifle) diversifiziert. Trotzdem kann man feststellen, dass manchmal der Zeitpunkt kommt, an dem man sich auseinanderentwickelt. Und dann kann man auf Abstand gehen, man muss ja nicht gleich brutal beenden. Das ist das Schöne an platonischen Beziehungen, man muss nicht so krass definieren: Sind wir denn nun zusammen oder nicht. Und schließlich gibt es auch einfach Zyklen der Annährung und des Abstandes, die zum Leben dazu gehören.

Mit dem Ort… und weil ich ja gerne viel nach- und vordenke: Ich glaube, ich denke jetzt schon darüber nach, ohne dass es akut ist, weil ich dann, wenn der Wechsel kommt, besser damit umgehen kann. Ich glaube jetzt schon zu wissen, was ich vermissen werde. Aber da kommt sicherlich noch einiges hinzu und manches fällt gar einfacher als gedacht. Gestern Abend sagte ich zu A., mir würden die Jungbuschabende fehlen, sollte ich hier weggehen. Seine Mensa (sein dritter Ort), sei bei mir der Jungbusch.

Und Beschäftigungen… damit meine ich, ich fühle weniger die Notwendigkeit, unter Menschen zu gehen. Weil da kaum noch überraschende, authentische Verhaltensweisen kommen. Ich habe das (sicherlich leicht überhebliche Gefühl), dass mich hier kaum noch etwas überraschen kann. Oder anders ausgedrückt: Ich habe keine Erwartungen mehr. Es ist einfach viel zu wenig passiert, wenn ich zwischen ihnen war. Viel zu wenig, was mich ernsthaft begeistert/berührt hat. Und da ich, wie mein bester Freund gestern sagte (und er teilt diese Verhaltensweise) zur Überinterpretation sozialen Verhaltens neige, waren da oft Erwartungen, die nicht erfüllt wurden. Die möchte ich jetzt nicht mehr haben bzw. im Zaum halten. Und das ist keine zynische oder verbitterte Feststellung, sondern einfach die Erkenntnis, dass ich anders ticke und Bedürfnisse habe, die von der Allgemeinheit nicht verstanden/erwiedert werden. Also gehe ich nicht mehr so häufig unter die wilden Tiere. :-)

Ich halte mich an diejenigen, die mir Anstöße geben. An die, die ich erkannt habe. Oder die mich erkannt haben. Die hier auf dieser Erde nicht ihre Rolle abspulen/spielen, sondern überlegen, ausprobieren, versuchen und sich von niemandem vorschreiben lassen, wie sie zu leben haben. Sondern die (im Rahmen der Notwendigkeit, sich irgendwie Geld zu beschaffen, zu Essen zu haben und saubere Klamotten) frei sind und sich frei entwickeln wollen. Ethische Grundsätze respektierend, klar, dies ist schließlich kein Aufruf zur Anarchie und zum Egoistentum.

Heimat ist, wo man sich wohlfühlt, heißt es doch. Und da gehe ich hin: Wo ich mich wohlfühle. Das sind bestimmte Orte, bestimmte Menschen, bestimmte Tätigkeiten. Und es gibt noch viel mehr, was ich nicht kenne. (Übrigens auch in mir drin, nicht nur in der äußeren Welt). Aber ich weiß es ist da und ich muss nur Zeit und Raum dafür finden, um dem zu begegnen, und immer schön offen bleiben. Offen, bis zuletzt. Mein Ziel ist es, sich dem Tod offen in die Arme zu werfen. Klingt gar nach Selbstmord? Dann falsch interpretiert. Das Ziel ist gut zu leben und gut zu sterben. Sich dem hinzugeben, was kommt. Zu gucken, was dieses Leben mit dieser Seele macht. Zu lieben, ernsthaft zu leben, mit Wonne zu sterben. Klingt vielleicht krasser als es ist, denn ich bin völlig normal. Ich denke nur gerne. :-)

Taking detours to the marrow. Ich hätte nie gedacht, dass dieser Titel, den ich vor 8 Jahren diesem Blog gab, so lange Gültigkeit behalten und dass ich so konsequent an DIESEM Ort festhalten würde.

Grenzgängerin. :-)

„Wenn du dich positioniert hast in deinem Leben, sagt sie, ziehst du den(/die) entsprechenden (Menschen) automatisch an.“ (taz vom 20./21. April)

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Alemana de papel, latina de corazón!

14. Februar 2013

Queridos seres de otros lugares. Les cuento que los alemanes estan bien loquitos, pero relocos! Ir al trabajo acá significa ir a la guerra. La guerra de los argumentos, de la lucha por el poder, de ser el más bacán, de tener razón, de amargarse la vida. Generalmente hablando, de buscarse problemas donde no hay! Tanto sufrimiento en vano, tanta energía malgastada, increíble!

Lo lindo es: Camino por las calles, por el trabajo, por mi casa y soy mucho más yo que antes. Me chupa un huevo lo que hagan o digan los otros. Yo soy yo. Ya no me importan sus reglas cómo hay que vestirse, cómo hay que comportarse, qué se pueda decir, simplemente me chupa un huevo. Tienen que aprender que existe la alteridad, que existe lo otro y que no por ser diferente sea malo.

  • Acá, todo lo que es diferente es malo.
  • Acá la gente se ignora cuando no se conoce.
  • Acá los hombres no te paran bola. Lo máximo que hacen es mirarte 1 segundo y desviar la mirada enseguida.
  • Acá mostrar emociones es una debilidad. Se las castiga, porque las emociones son malvistas.
  • Acá se crean problemas, porque realmente no hay problemas.

Cada vez me identifico menos con ciertas circunstancias acá.
Me voy a ir. Este año me voy a ir.
Porfavor, no te olvides.
Rutina, no te tragues ese sentimiento.
Quiero vivir en Latinoamérica.

Recordálo!

Sólo soy alemana de papel, pero latina de corazón.

Y mis argentinos me mandan cosas hermosas como las del posting anterior, o esta siguiente:

Hola MJ
¿Cómo estás? ¿Ya comenzaste con la rutina del año?
Estoy algo sorprendido pensando si han decidido importar un poco de viveza criolla. Me imagino que no habrás sido tú la que le llevó idea a la ministra Annette Schavan. Ja, ja, ja. Cuando necesites los contactos en Munich para la edición de tu novela, avisame.
Besos, te quiero mucho
J

ESA es la puta diferencia, me entendés?

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Upside down

20. November 2012

England ist allein deswegen schon toll, weil man 15 Freiminuten WiFi pro Zugfahrt hat (zumindest bei EastCoast), was ich cool finde. Könnte die DB sich mal abschauen. Nur deshalb gibt es diesen Eintrag. Außerdem sind die Briten höflich und – was ich aus 20 Minuten Übergang St. Pancreas nach Kings Cross ablesen kann – wohlorganisiert. Zudem ist es recht leise im Zug, viel leiser als in D. Sind die Briten die neuen Deutschen?

Mein Herbst ist die gelebte Version von Tori Amos Lied „Upside down“. Schön, wenn einem Lieder nach 15 Jahren immer noch was sagen, oder wieder was sagen. :-) Die Stimmungsschwankungen sind recht krass. Von sehr in mich selbst gekehrt, gelassen und glücklich hin zu komplett enttäuscht und bar jeglicher Hoffnung. Warum das so schwankt, weiß ich nicht. Vielleicht das mangelnde Vitamin D? Vielleicht ist Vitamin D sowieso wichtiger als man denkt?

Heute einen furchtbaren Albtraum gehabt: Ich sitze alleine in einem Zug (eher einem Gerippe von einem Zug, denn er hatte keine Fensterscheiben), der durch ein trockenes Gebirge durchfährt. Und weil ich unbedingt rechtzeitig an mein Ziel muss, kommt bei der Durchfahrt durch einen zur Seite hin offenen Tunnel die Durchsage: Jetzt bitte nicht aus dem Fenster schauen, wir müssen durch einen Tatort durchfahren, die Polizei weiß noch nicht was geschehen ist, aber wir werden durchfahren – wenn auch langsam – weil Frau F. an ihr Ziel kommen muss. Ich guckte trotzdem, und draußen neben den Gleisen lagen lauter tote Inder und Körperteile von toten Indern. Grausam. Wie lässt sich dieser Wust, dieser Abfall des Gehirns interpretieren? Hat es einen oder hat es keinen Sinn? Irgendwie schon denke ich, aber nicht „literally“.

Thank God for England! I am so easily eased by a cosy room under the rooftop of a Bed&Breakfast called „The Fourposter Lodge“. I´d almost forgotten this feeling that only England is able to give you. The taxidriver asked me: „What are you doing alone in a fourposter room, luv?“

Yeah! Right! Exactly! What am I doing alone in a Fourposter room?

Cosy. Easy. Sleepy. No fear, no nightmares allowed here.

god i love to turn my little blue world upside down
god i love to turn my little blue world upside down
inside my head the noise
chatter chatter chatter chatter chatter
you see i’m afraid i’ll always be
still coming out of my mother
upside down

don’t you love to turn this little blue girl upside down?
i know you love to turn this little blue girl baby upside down
but my heart it says you’ve been
shatter shatter shatter shatter shattered
and i know you’re still a boy
still coming out of your mother

but when you gonna stand on your own?
i say the world is sick
you say, ‚tell me what that makes us darlin‘
you see you always find my faults
faster than you find your own
you say the world is getting rid of her demons
i say ‚baby what have you been smokin‘
well i dreamed i dreamed i dreamed
i loved a black boy
my daddy would scream

don’t you love to turn this little blue girl upside down?
any kind of touch i think is better than none
even upside down
but you see i’m tangled up
got a kitten kitten kitten in my hair
Cincinnati – i like the word
it’s the only thing we can’t seem
to turn upside down

well i found the secret to life
i found the secret to life
i’m okay when everything is not okay

don’t we love to turn our little blue world upside down?
don’t we love to turn our little blue world baby upside down?
inside my head a voice
chatter chatter chatter chatter chatter
and it says ‚girl you’re all the same
still comin‘ out of your mother
still comin‘ out of your mother
upside down‘

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Statt zu schreien…

23. September 2012

Das ist ein richtig beeindruckender Roman. Auch wenn er nicht dick ist und nicht mit einem komplizierten Sprachstil aufwartet. Die Art des Erzählens ist das Geniale daran. Weil: So muss das wohl sein, wenn man Romane schreibt und versucht den autobiografischen Teil Fiktion werden zu lassen. So muss das wohl sein, wenn man versucht, schreibend seine Kindheit zu verstehen.

Die zwei dem Buch vorangestellten Zitate sind auch bezeichnend:

„Nun kann ich gehen; gehen lernen nicht mehr.“ W. Benjamin

„Statt zu schreien, schreibe ich Bücher.“ R. Gary