Archive for the ‘GraphicNovels’ Category

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It tugs and pushes

25. Januar 2014

Träume aus 1001 Nacht, während ich im westlichen Alltag ankomme. Wieso gelingt es uns nicht, von einer Reise wenigstens die Gefühle mitzunehmen?

Oder wie Harold Brodkey sagen würde:
„…reality tugs and pushes at a sane sense of things.“

Seite aus Habibi

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Sag „FUCK“, Chester!

8. April 2009

Chester Brown: Fuck – Reprodukt, 2008.

Originaltitel: I never liked you.

Dieser Comic wurde 1994 zum ersten Mal in kleiner Auflage auf Deutsch veröffentlicht. Nun hat der für seine gehaltvollen Graphic Novels bekannte und von mir heißgeliebte Berliner Verlag Reprodukt die autobiografische Geschichte des Kanadiers Chester Brown erneut aufgelegt. Dabei sollte der Titel nicht abschrecken: Dahinter verbirgt sich kein Teenager Sex-Drama. Dies ist eine harmlose, mitunter zärtlich anrührende Geschichte eines Teenagers, der in den 70er Jahren in einer kanadischen Kleinstadt aufwächst. Der kleine Chester weiß dabei nicht immer etwas mit seinen Gefühlen anzufangen, geschweige denn sie zum Ausdruck zu bringen. Dies fällt ihm nicht nur bei gleichaltrigen Nachbarschaftsmädchen, sondern auch in Gegenwart seiner kranken Mutter schwer. Ein feinfühlig, mit klaren Linien gezeichneter Comic, der inhaltlich am ehesten mit einem Entwicklungsroman zu vergleichen ist. Wer Craig Thompsons „Blankets“ mochte, wird sicherlich auch an dieser Graphic Novel Gefallen finden.

Der deutsche, äh englische, Titel erklärt sich übrigens deshalb, weil Chester nicht flucht und von seinen Schulkameraden damit immer aufgezogen wird.

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Reisebericht aus Kuba

6. März 2009

Kleist, Reinhard:

Havanna – eine kubanische Reise. Carlsen, 2008. 80 S.

Reisetagebücher oder Berichte aus einem anderen Land zu schreiben, scheint in der Graphic Novel Szene in den letzten Jahren ein besonders begehrtes Thema zu sein. Auch Reinhard Kleist, der durch seine Comic-Biografie „Cash – I see a darkness“ bekannt gewordene deutsche Comic-Künstler, reiste im März 2008 für vier Wochen nach Kuba. In „Havanna“ hält er in stimmungsvollen Zeichnungen, bei denen er sich unterschiedlicher zeichnerischer Techniken bedient, die Eindrücke seiner Reise fest.

Ähnlich wie in Craig Thompsons Comic „Tagebuch einer Reise“ (Reprodukt 2005) spielt die eigentliche Handlung nur eine untergeordnete Rolle, denn Kleist gibt vor allem durch kurze Episoden und Begegnungen einen Einblick in Land und Leute. Dem Autor gelingt es dabei, die Zustände im real existierenden Kommunismus Kubas darzustellen ohne sie zu werten. Dies überlässt er in dieser Graphic Novel, die auch in der hochwertigen Herstellung voll überzeugt, dem Leser.

Besonders schön fand ich eine aufklappbare Doppelseite in der Mitte, die ein Strandpanorama in Havanna zeigt.

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Israel as seen by Mr. Desisle

4. Februar 2009

This is why I should have learned more French in school: Mr. Desisle, blessed author of many graphic novels, most of them dealing with the cultural clash people experience while going abroad, has set up a blog called „Jérusalem, un canadien errant dans la ville sainte„. Here he tells us about his life in Israel, where he moved to some months ago.

I will hopefully keep up trying to understand parts of it. But even not understanding the language fully does not really matter, as he equips his posts with beautiful images and drafts. Really worth a look!

Read about this on graphic-novels.info.

Read my short review of his graphic novel „Shenzhen“ (in German).

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Zwei anspruchsvolle Comic-Biografien aus dem Carlsen Verlag

21. November 2008

Héctor Osterheld (Text), Alberto und Enrique Breccia (Grafik): Che (2008)

Ho Che Anderson : Martin Luther King (2008)

Die nun zum ersten Mal auf Deutsch erscheinende graphische Biografie des kubanischen Revolutionärs Che Guevara ist ein Gemeinschaftswerk dreier südamerikanischer Künstler. Es entstand, wie im Vorwort erklärt wird, bereits ein Jahr nach seinem Tod und war in den darauffolgenden Jahren in ganz Lateinamerika stark nachgefragt.

Die in Comicform gebrachte Lebensgeschichte bietet ihren Lesern einen eindrucksvollen und kondensierten Bericht über das Leben und Wirken des Ernesto Guevara. Besonders die oftmals groben Zeichnungen vermitteln ein bedrückendes Gefühl und Verständnis für die Motivation des Revolutionärs.

Der anspruchsvolle Comic ist aufgrund der dichten Erzählweise und Zeichentechnik nicht ganz einfach zu lesen und erfordert zum Verständnis eine gewisses Hintergrundwissen über die Person Che Guevaras. Abgerundet wird die Ausgabe durch eine Chronologie des Lebens des Che sowie Informationen über die Künstler.

Vom Anspruch ist dieses Werk am ehesten vergleichbar mit der in diesem Jahr ebenfalls bei Carlsen erschienenen biografischen Graphic Novel „Marthin Luther King“. An dieser hat Autor und Zeichner Ho Che Anderson über 10 Jahre gearbeitet. Sie erschien zum 40. Jahrestag des Todes des afroamerikanischen Bürgerrechtlers auf Deutsch.

Die künstlerische Interpretation der Biografie beeindruckt v.a. durch die Bandbreite der gestalterischen Techniken. So arbeitet Anderson viel mit Linolschnitt, aber auch stark gerasterte Fotos aus dem Archiv sowie Pastell-, Kohle- und Tuschezeichnungen kommen zum Einsatz. Die Grafiken sind überwiegend in schwarz-weiß gehalten, nur bei Schlüsselszenen kommt Farbe ins Spiel.

Herausgekommen ist ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk, das King nicht nur als die in der Öffentlichkeit bekannte Symbolfigur, sondern auch als Privatmenschen zeigt. Allerdings liest sich der Comic nicht ganz leicht, denn durch die verwendeten Techniken ist das Wiedererkennen der Figuren oft erschwert. Auch ist er im Vergleich mit anderen Werken des Genres recht textlastig. Beides macht ihn zu einer anspruchsvollen Lektüre.

Weitere Infos über die beiden Werke erhält man auf der – für alle Liebhaber des Genres sowieso sehr empfehlenswerten – Webseite Graphic-Novel.info.

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Signierstunde

17. Oktober 2008

Das war gestern noch sehr schön: Ganz unverhofft hatte Jason Lutes genau dann Signierstunde, als ich mit dem offiziellen Teil der Buchmesse fertig war. Also gleich Berlin 2 gekauft und mir signieren lassen, was bei Comiczeichnern natürlich noch spannender ist als bei normalen Autoren, weil es eben auch was Gezeichnetes dazu gibt. Besonders wenn es so schön ist wie das hier:

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Ausgetrickst

16. April 2008

Ein melancholischer Rockstar, eine sitzengelassene Kellnerin, ein fanatischer Irrer, eine aufstrebende Büroaushilfe, eine verlorene Tochter und ein Fälscher: Die Geschichten dieser sechs unterschiedlichen Protagonisten verbinden sich im Laufe dieses Comics zu einem unvorhersehbaren Finale.

Ausgetrickst“ aus dem Hause Edition 52 (bei diesem Verlag ist bspw. der ebenfalls lesenswerte Comic „Eigentlich ist das Leben schön“ erschienen) erzählt im Sinne eines Romans die Geschichte von sechs Charakteren, die zu Beginn scheinbar gar nichts miteinander verbindet. Wie ein Countdown zählt der Autor und Zeichner, Alex Robinson, jedoch 50 Kapitel herunter und verbindet die sechs Erzählstränge immer enger miteinander, bis es in Kapitel 1 zu einem fulminanten Finale kommt. Dabei gibt er in seinem zweiten Werk (das erste liegt noch nicht auf Deutsch vor) tiefe Einblicke in menschliche Schwächen und das schwierige Miteinander in Beziehung, Freundschaft und Familie. Sowohl der Zeichenstil, der sehr explizit und in der Anordnung der Panels innovativ ist, als auch die eigensinnigen und in ihrem Alltag gefangenen Personen, erinnern mich an Comics von Adrian Tomine (bspw. „Sommerblond“, Reprodukt 2004).

„Graphic novel“ ist der englische Ausdruck für diese anspruchsvolle Gattung des Comics. Für „Ausgetrickst“ erhielt Robinson 2006 den „Harvey Award for Best Original Graphic Novel“ und den „Ignatz Award for Outstanding Graphic Novel“. Zurecht, wie ich finde, denn dieses Buch ist ein beeindruckendes Beispiel eines niveauvollen Erwachsenencomics und es zeigt, dass das Genre Comic auch durchaus anspruchsvolle Inhalte zu bieten hat. Denn, mal ehrlich, Superheldinnen und -helden sind ´ne feine Sache. Aber lebensnahe Inhalte haben auch ihren Reiz.