Archive for the ‘live’ Category

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Sophia

13. Mai 2010

Endlich, nachdem ich ihn letztes Jahr verpasst hatte, konnte ich Robin Proper-Sheppard live hören und sehen. In einer sehr kleinen, sehr intimen Location. Es war leicht schwül, ein Fenster war offen und in der Ferne grollte leise ein Gewitter. Wir waren nur ungefähr 50 Leute und ich war schon lange nicht mehr an jemandem so nah dran.

Eine Freundin von mir würde schmachtend über ihn sagen: „Was für ein Mann. Das ist ein Mann, Marie Jacqueline, das ist ein Mann.“ Ja, es ist wirklich war: Das ist ein Mann. Wie er in unserem Bilderbuche steht, das selbstverständlich unveröffentlicht in unseren Köpfen herumschwirrt. Und woran liegt es, dass er „was für ein Mann“ ist? Vermutlich daran, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Auch in mir reift langsam die Erkenntnis: Männer werden mit dem Alter besser. Steht da auf der Bühne, schwarze Stoffhose, schwarzes Body-Fit-Hemd, seine gefühlvolle (und dieses Adjektiv verwende ich nicht gerne, weil es in mir blöderweise untrennbar mit dem Wort Kondome verheiratet ist, aber an dieser Stelle geht einfach nichts anderes) Stimme und seine männlichen Hände spielen auf seiner braunen Gitarre, unglaublich. Er zieht seine braunen Lederschuhe aus, weil die Geräusche seiner Füße ansonsten vom sehr sensiblen Mikrofon erfasst würden, was er, wie er uns erklärt, nicht mag. Ok, dieser Mann hat Stil.

Jedes Lied handelt letztendlich von Herzschmerz. Ja, der Typ hat scheinbar echt gelitten. Auf der anderen Seite, wenn man sich so anhört, was er zwischen den Liedern erzählt, dann denkt man sich auch: Gut, wenige Frauen hatte der jetzt scheinbar auch nicht. Astrid hier, dann this girl there und that other one, well, she really fucked me up.

Was ich sagen möchte ist: Es ist so unfassbar männlich, Emotionen zeigen. Das ist es. Und so viele Männer machen das nicht, weil sie glauben, männlich sei „nicht heulen“, „keine Schwächen zeigen“ und dererlei „bullshit“, wie er jetzt sagen würde. Männlich sein, ihr Männer, ist mehr sowas:

Hey, what am I supposed to say?

Babe, can´t you see I´m hurting here?

And I know that I promised I would never be your shadow

But why you´d have to bring your light back into my life?

I am jealous and possessive.

Neurotic, insecure and obsessive.

I ain´t much, what´s half of nothing?

I never felt like I was something.

And I know that I ain´t easy.

When you´re only trying to please me.

And I know that I ain´t easy.

But I love you.

Marie Jacqueline Frapeur tonight on Sophia´s „Oh my love“:

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Man kann nicht alles haben

29. September 2009

Leider konnte ich nicht zu:

  • Naked Lunch nach LU (der verkanntesten Stadt Deutschlands)
  • Sophia nach KA (der Stadt mit dem vielen Testosteron)

Dafür war ich bei:

  • Sophie Hunger in MA (*alle schon anstrengende Liebesode an MA*)

Und kann nur noch schmachten. Musikalisch ähnliche Bühnenperfektion wie Get well soon. Krass!

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Miniberlin

12. Juni 2009

Die These, dass Mannheim eine Art Miniberlin ist, konnte ich gestern Abend erneut empirisch festigen: Während ich speisend mit einer Berlinerin vor der Alten Feuerwache saß, staunten wir nicht schlecht ob des Publikums, das sich in einer immer länger werdenden Schlange um Eintrittskarten für den gestrigen Poetry-Slam bemühte. Wo kommen die denn alle her?, fragten wir uns. Sie sahen nämlich aus wie ein Direktimport aus dem Prenzlauer Berg.

Nun gut, sicherlich waren das nicht alles Mannheimer, sondern auch Heidelberger Intellektuelle und LOHAS, die anreisten um sich an den Bühnenpoeten zu erfreuen. Trotzdem ergriff mich tiefe Befriedigung, dass 5 1/2 Std. Zugfahrt nicht zwingend sein müssen, um unter zumindest teilweise ähnlich interessierten, denkenden und bekleideten Menschen sein zu können.

Der Slam war übrigens großartig. Besonders wortgewand fand ich Hanz aus Backnang, Nico Semsrott und den Gewinner Jakob Nacken.

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Erkenntnisse des Wochenendes

8. Februar 2009

Man gebe sich ein Kontrastprogramm. Hinsichtlich des Alters.

Ich war auf der Vernissage der „Strümpfe“ und konnte mehr oder weniger ansprechende Kunst in einem sehr ansprechenden, wunderbaren, kleinen Raum begutachten. Dabei interessante Menschen kennen lernen, die jugendlich und sehr kreativ gekleidet waren, aber nicht mehr so jugendlich sind. Aber innerlich jung geblieben, und das ist das was zählt, oder? Jedenfalls kamen wir auch auf die Onkel Otto Bar zu sprechen, von der ich der Meinung bin, sie ist das Mannheimer Auffangbecken für Männer mittleren Alters (30-40), die auf der Jagd sind. Und als Beute stellen sich – von mir arroganter Sau einmal abgesehen – hübsche und einfach mit nach Hause zu nehmende Frauen zur Verfügung, die sicherlich nicht zur intelligenten Elite dieser Nation zählen. *räusper* Jedenfalls wurde gemeinsam erörtert: Die OO-Bar ist ein Ort für Frotteure. Wie geil ist dieses Wort! Also Leute, die sich an anderen reiben wollen, was in der OO-Bar hervorragend möglich ist. Trotzdem: OO-Bar rules. Ab und zu kann man (und frau) sich ihr nicht entziehen. :-)

Wer sich an jüngeren Körpern reiben will, der möge sich in die Alte Feuerwache auf ein Konzert der „The Subways“ begeben. Frottieren in der OO-Bar ist, verglichen mit dem Körperkontakt der da stattfand, eine geradezu prüde Angelegenheit. Die Subways sind musikalisch ebenfalls nicht elitär und der Sänger ist für sein Alter ganz schön arrogant. (Hier fällt mir der geniale Zwischenruf eines Berliner Konzertbesuchers ein, der damals in der Kalkscheune den ebenfalls sich zu Tode possierenden „Sugarplum Fairies“ entgegen rief: „You´re not the Hives!“). Aber sie rocken, rocken, rocken! Junge, wohltrainierte, tätowierte, nackte Männeroberkörper mit Guitarrendeko sind hübsch anzusehen. Aber rechtfertigen sie eine Orgie mit der schwitzenden Jungfleischmasse? Ich bin noch unschlüssig. Lustig war´s aber auf jeden Fall. Das lag aber vor allem an den guten Freunden, die dabei waren und mich vor so manchem Ellbogen im Gesicht bewahrt haben. Blaue Flecken hab ich leider trotzdem. Zukünftig also lieber wieder OO-Bar?

Ich hoffe, diese zwei Absätze können das Dilemma der 25-30-Jährigen annähernd wiedergeben. Oder um es mit der Überschrift eines Artikels aus dem U_mag zu sagen: „Niemand will alt werden, doch zu jung ist auch irgendwie uncool.

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Kulturnovember

7. November 2008

Bekanntlich ist Kultur ja das beste Mittel gegen Depressionen, die im grauen Herbst manchmal sogar das sonnigste Gemüt ereilen. Deshalb hinein!

Was schon war:

  • „Wenn du deinen Schwanz aus mir raus nimmst, das ist schlimmer als Terrorismus.“ – Ich gebe zu, dieser Satz klingt, so ganz aus dem Kontext gerissen, etwas brachial. Er brachte mich aber während des genialen Theaterstücks „Bilder von Männern und Frauen“ des Studio Werkbühne sehr zum Lachen. Wobei einem bei manchen Szenen das Lachen auch schnell wieder weg bleibt. Das ganze Drama einer Beziehung in 75 Minuten auf einer geschätzten 4x4m-Bühne, sehr empfehlenswert!
  • Ebenfalls sehenswert: Brad Pitt in der charmanten Rolle eines Dummbatzes aus dem Fitnessstudio, in bester Fargo-Manier, zeigt der Film „Burn after reading„.
  • Nach einem Vortrag von Frau Hoppe-Ritter von Ritter Sport weiß ich jetzt warum sie quadratische Kunst sammelt und dass die beiden hässlichen grauen Blöcke am Mannheimer Hauptbahnhof tatsächlich von einem bekannten Architekten entworfen wurden. Wer hätte das gedacht.

Was hoffentlich noch kommt:

Und wo geht ihr hin?

Und nun noch ein paar abschließende Erkenntnisse aus meinem neuen Studium:

Der professionelle Kulturmanager ist ein Grenzgänger, der fähig sein muss in unterschiedlichen Kontexten zu denken und durch das Wahrnehmen verschiedener Perspektiven Felder unter Spannung und Bewegung zu setzen. Sein Vorbild ist der „Magier“: Er steuert indirekt, interveniert und greift in autonome Systeme ein, ohne deren Autonomie zu zerstören. Darüber hinaus muss er strategische Visisionen vermitteln können, damit er diese in einer komplexen, erlebenisdynamischen Gesellschaft, deren Orientierungslinien diffus sind, kommunizieren kann. Er verbindet strategisches Denken und kommunikative Kompetenzen um zwischen unterschiedlichen Sprach- und Sinnwelten zu vermitteln.

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You promised me

29. Oktober 2008

Ganz und gar begeistert bin ich von der derzeitigen Sonderausstellung der Kunsthalle Mannheim, die zum ersten Mal eine umfassende Werksschau von Miriam Vlaming zeigt. Das sind großformatige Werke, mit ganz eigener Technik, die teilweise an Schablonen-Graffitis erinnern, die man auf Häusern sieht. Die Bilder sind zutiefst atmosphärisch und erzeugen eine düstere Stimmung, die viele Fragen aufwirft. Auch habe ich mich beim Betrachten der Bilder oft allein gefühlt, alleine in einer seltsamen Welt. Am besten gefällt mir das Bild mit dem Orchester, weil der Hintergrund fast feuerwerksartig gestaltet ist, in Vlamings ganz spezieller Loslöse-Terpentin-Zerstör-Technik. Hach, wenn ich könnte, würde ich mir eines für mein Wohnzimmer kaufen. Allerdings bräuchte ich dann auch erstmal ein Wohnzimmer…

PS: Super cool war auch die Kunst-vs-Party- bzw. Party-vs-Kunst-Party der Artgenossen. Es spielten die Exilfranzosen Mini-Moustache live, da gab es kein Halten mehr…

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Elektronische Musik, erklärt.

19. Oktober 2008

Es geht um Musik. Zur Abwechslung…

Ich bin gestern aus Versehen auf einer Goa-Party, pardon, Psytrance-Party gelandet. Das sind ja oft die interessantesten Momente des Lebens, weil es anders ist, aber gut. Ich, versierte Liebhaberin der elektronischen Musik*, war mit dieser Richtung bisher noch nicht per du. Aber jetzt habe ich sie näher kennen gelernt. Das Publikum ist etwas gewöhnungsbedürftig: Zwischen Althippies, Jungspunden mit Kapuzenpullis, Mädels mit Röckchen über Hose + Schal, hängengebliebenen Kreaturen und coolen Sonnenbrillenträgern kann man jedenfalls bei zuviel UV-Licht und Neon-Deko schwitzen, schwitzen, schwitzen. Macht wirklich Spaß darauf zu tanzen und hat mich an einen ehemaligen Kommilitonen erinnert, der zuviel kifft. Und an das Mädel aus dem Aussteigercamp in Portugal, die jeden Abend mit jemand anderem schlief.

Zurück zum Thema: Das Zitat „Wer noch nie zu elektronischer Musik getanzt hat, weiß nicht was es heißt loszulassen.“ stammt ja bekanntlich von mir. ;-) Und ich stehe heute noch dazu. Das ist ein ganz einmaliges Gefühl, auch ohne Drogen, das ich nur jedem einmal empfehlen kann, der Techno nicht mag weil es nur Bumm-Bumm ist. Was wir Verrückten da eigentlich tun, ihr Nichteingeweihten, hat Sven Väth mal so oder ähnlich schön in seinem TRAUM-Artikel der Zeit gesagt: „Ich bin der Schamane und alle geben sich meinem Rhythmus hin.“ Richtig: Wir tanzen Takka-Tukka um das Lagerfeuer, während die Trommeln ryhthmisch schlagen, unsere Arme und Beine zucken und unser Geist über uns schwebt. Das sind die Basics, das ist back to the roots, das ist das was uns mit unsern Vorfahren verbindet (was sich oft auch direkt auf der Tanzfläche manifestiert, wenn einige Männer sich wie Gorillas bewegen).

Apropos Männer. Eine Sache verstehe ich nicht: Warum waren da so überdurchschnittlich viele Männer unterwegs? Kann mir das ein Althippie unter euch vielleicht erklären? Ist Goa Männermusik? Der Held des Abends war übrigens Herr Neelix, über den in der Wikipedia steht, er hätte eine Beziehung. Schön für ihn.

Heute Abend war ich bei Emiliana Torrini, die wirklich eine süße Gestalt auf der Bühne abgibt, viel zu viel quatscht und gestikuliert (aber zumeist sehr lustig dabei ist) und eine tolle Stimme hat. Ihr neues Album „Me an Armini“ gefällt mir sehr gut, viel eigensinniger als die anderen. Und die Liste mit den Orten wo man gutaussehende Männer betrachten kann, wird ergänzt um GOA, äh Psytrance-Partys und Karlstorbahnhof-Konzerte. Vorheriger Eintrag war Pariser Museen. Für alle, die mitschreiben. ;-)

Jetzt aber hurtig ins Bett, Jacqueline.

* Dorian Gray, U60311, Paramount Park (ok, das ist peinlich), Robert Johnson, MTW, Loft, Registratur, SoHo, Natrix, 603qm und wie die Clubs meiner Jugend alle hießen