Archive for the ‘Mist!’ Category

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Maradonavirus

23. Mai 2013

Hui… schon länger nichts geschrieben. Vermutlich weil ich arbeitstechnisch eingebunden bin. Und wenn ich nicht arbeitstechnisch eingebunden bin, dann mache ich Urlaub (in den zwei B Städten). Und werfe Bälle ins Leben und gucke, was das Leben zurückwirft.

Habe mein erstes Herpesrezidiv. Mein Herpes (HSV-1) habe ich mir vor 14 Monaten bei einem entfernten Verwandten von Diego Maradona geholt. Da hatte ich die Erstinfektion, so eine Art Mundfäule, mit Fieber und Schüttelfrost, richtig schlimm. Und an einem der unwirtlichsten Orte, die ich jemals aufgesucht habe. Das läutert. Danach haben die Viren sich erstmal schlafen gelegt und diesen Dienstag sind sie aufgewacht und haben Hallo gesagt, uns gibt es auch noch. Naja. So ist das halt. Man muss lernen zu teilen.

„De acuerdo. Nosotros, los argentinos, somos especialistas. Ni en el cajon podemos quedarnos tranquilos. Somos algo asi como ‚la crem de la crem‘ del quilombo universal.“

(Inés Fernández Moreno: Un amor de agua. Alfaguara, 1997)

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Stuttgart, Mannheim, Freiburg, Katzen und Hunde.

2. Dezember 2010
  • Sonntag früh in Stuttgart: Man wird von einem Englisch sprechenden, offensichtlich hochgradig erkältetem Mann angelabert, der sein Herkunftsland für ein veraltetes Konzept hält („ya know, ah don´t believe in cantries“) und wissen möchte, wo die Jugendherberge ist, was ich ihm seelenruhig und in aller Ausführlichkeit erkläre (und was – lucky guy – eines der wenigen Dinge ist, die ich über Stuttgart weiß, neben Hügel, Schwaben, Autos und das Alter, man will sie auf 21 operieren, aber in Wahrheit ist sie eine MILF). Dabei steckt man sich an. Mist! Statt wegzulaufen und zu schreien: Geh mit deinen Bakterien doch wo anders hin!
  • Montag Abend in Mannheim: Man fällt auf Körperteile, die dieses Jahr bereits aufgrund eines anderen Sturzes mehrmals geröntgt und MRTet wurden. Dem Orthopäden passt das nicht, mir auch nicht. Und nur, weil so ein Arsch mir vor´s Fahrrad läuft. Statt in ihn reinzufahren (wie es jeder vernünftige Mensch getan hätte), habe ich gebremst und falle – NATÜRLICH – auf mein Kreuzbein. Das ist mal wieder am Arsch. (Wobei, es ist eigentlich grundsätzlich am Arsch ;-D ) Wisst ihr eigentlich, wie wichtig dieses Teil ist? Man braucht es in jeglicher Hinsicht. Z.B. auch beim Niesen und Husten! Nicht zu verwechseln mit dem Kreuzband. Sagte doch beim letzten Mal einer zu mir: Gute Besserung für dein Knie. Laie!
  • Mittwoch Abend in Freiburg, laut niesend und mit kleinen Schritten gehend: Natürlich muss ich immer an Tocotronic denken. Allein schon, wenn man aus dem Bahnhof heraus kommt und den Leuten begegnet. Alternative linke Socken everywhere. Da gibt es die 68er, die sich niemals die Haare färben würden und deshalb gut an weiß-gräulichen Strubbelmähnen und einer gewissen Nachlässigkeit in der Kleidung  zu erkennen sind. Wichtig auch, bei den Frauen, es muss möglichst alles so weit sein, dass die Figur umweht wird und nicht erraten werden kann, wie das evtl. ohne aussehen könnte. Dann gibt es die Studenten, die in teurer Outdoorkleidung stecken. Die jungen Männer haben Bärte, die jungen Frauen lange, nachlässig hochgesteckte Haare. Alle sind sie hübsch, alle sind sie sexy, alle sind sie gewappnet für die Unwägbarkeiten der Natur. Und die Kinder der Touristen fallen in das sämtliche Straßen der Stadt durchziehende Bächlein und fangen an zu weinen. Ich bin alleine, und ich weiß es, und ich find es sogar cool. Und ihr demonstriert Verbrüderung.

Die Schwester einer guten Freundin, que la conocí allá, hat mal in Freiburg studiert und brachte zur Geburtstagsparty ihrer Schwester (in Stuttgart) eine CD mit Reggaeton-Liedern mit (der Tanz dazu heißt „perreo“ von Hund und impliziert auch die Stellung, aber sehen Sie selbst – hierzu braucht man sein Kreuzbein übrigens auch!). Man kann da schon zu tanzen. Aber wenn man die Texte versteht, dann vergeht einem ein wenig die Lust dazu. Das ist quasi Hörporno. Típico, típico, típico latinoamericano. Immer schön christlich, schön getrennt, Frauen hier, Männer da, no se le acerque demasiado, mija… a ver, papito, qué le gustaría comer, vengase y sientese aqui que yo le preparo una comida bien rica, und dann macht man das Radio an und hört „steck es mir von hinten rein“ und „noche de sexo“ und „la gasolina“ – aber bitte keinen Sex vor der Ehe. Meine Fresse, das ist so bigott! Como les gusta la apariencia…

In vielen Texten des Reggaetón wird die Frau als gata (Katze) bezeichnet – als wilde Katze (‚gata fiera‘), als ‚felina‘ (Wildkatze) oder als läufige Katze (‚gata suelta‘). Diese Katze ist schön und anmutig (‚gata sandunguera‘), aber auch Banditin (‚gata bandida‘, ‚gata gangster‘) und Wegelagerin (‚bandolera‘), die den Männern auflauert und sie zu ihrer Beute macht. Dabei betrügt und hintergeht sie die Männer durchaus (‚gata traicionera‘), sie ist souverän, und man kann ihr nicht trauen. Sie ist eine Teufelin im Bett (‚diabla en la cama‘), sie missbraucht Männer (‚abusadora‘), sie ist ein Killer (‚la killer‘).“ (Wikipedia) –> Hierzu fällt mir NATÜRLICH dieses Lied ein. Erinnerung, Erinnerung, Erinnerung. OMFG! ;-)))

Also musste ich mir in Erinnerung rufen, dass es auch andere Musik gibt. Und dann habe ich die nächsten Tage etwas zu viel Manu Chao gehört. Ich mag ihn sehr. Wenn ich von Deutschland die Nase voll habe, wenn es kalt ist, wenn sie alle nur konsumieren wollen, dann höre ich Manu Chao. Schöner Rhythmus, der einem die Stimmung erhellt und die Texte sind eben auch super, z.B. „Tú no tienes la culpa, mi amor, de que el mundo sea tan feo. Tú no tienes la culpa, mi amor, de tanto tiroteo.“ Oder: „Me dicen el desaparecido, fantásma que nunca está. Me dicen el desagradecido, pero esa no es la verdad. Yo llevo en el cuerpo un motor, que nunca deja de rolar, yo llevo en el alma una condenda, que siempre me hecha a caminar.“

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Alle reden vom Wetter

20. Januar 2010

Eine ältere Kollegin hat mir heute erzählt, dass ihr Haus mal durchsucht wurde, weil ihre Adresse bei Ulrike Meinhof im Notizbuch stand.

„Wissen Sie, früher haben alle CDU gewählt. Wenn man das nicht gemacht hat, war man schon radikal.“

„Wissen Sie eigentlich, was wir alles erkämpft haben, was für Ihre Generation  selbstverständlich ist? Das waren ganz andere Zeiten früher, ganz anders ist es da zugegangen.“

Schön fand ich auch den Kommentar: „WGs? Das haben wir erfunden!“

Ich schäme mich ein wenig. Irgendwie hatten die Studenten damals mehr im Kopf als heute. Sie waren viel politischer, wollten die Welt verändern und haben auch etwas erreicht. Heutzutage wollen die meisten doch nur eine gute Note und Party machen. Mist, irgendwie läuft da was schief mit unserer Bildungselite.

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Stadtreinigung Mannheim

11. Juni 2009

… fuck off!

Ok, ich hab´s verstanden: Eure Brücken sind euch heilig. Kaum ist man mal zwei Wochen weg, wird mit grau drüber gestrichen. Arghgh! Rache ist bitter. Ihr macht etwas Kleines weg? Ich mach etwas Größeres hin. ;-)

See you soon.

MJF

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Der Knackpunkt mit den Gedanken

13. März 2009

Zu wenig ist schlecht, zu viel ist auch schlecht. Also quasi, wie fast alles. Das Mittelmaß ist der richtige Weg.

Ich sitze hier und lebe gar nicht im Jetzt, sondern denke schon an die Zukunft. Statt dass ich mich also freue, Blicke austauschen, leben, arbeiten zu können, denke ich schon an das, was danach kommt. Wieso? Ist doch völlig unsinnig, mir jetzt schon Gedanken darüber zu machen, welche Probleme in der Zukunft auftreten könnten. Dieses super rationale Vorgehen, dieses „Bloß die richtige Entscheidung treffen“-Wollen und die ganzen Konsequenzen möglichst genau abschätzen ist doch beschissen. Hindert einen am unbeschwerten Leben.

Was ich damit sagen will ist, ich schränke mich mental schon vorher ein, indem ich mir irgendwelche möglichen Abläufe vorstelle, bewerte, bedenke. Schon bevor irgendetwas auch nur passiert ist. Und das ist doch blöd, das frustriert. Ich bremse mich aus, obwohl es nichts zum Bremsen gibt, sozusagen. Und ich erinnere mich daran, dass ich schon so war, als ich 16 war. Warum?

Es ist zwar schön, dass ich vernünftig bin. Aber ist es vernünftig, sich vor lauter Vernunft Überlegungen zu machen, die man jetzt noch gar nicht so en-detail machen muss? Muss ich immer alles bedenken? Und hilft es überhaupt, alles zu bedenken? Auf vieles habe ich ja doch kein Einfluss. Vielleicht stelle ich mich gerade deshalb hin und bin so pedantisch mit den Überlegungen und Möglichkeiten, weil ich denke, dass ich das worauf ich Einfluss habe, dann aber auch ordentlich beeinflussen will.

Herrje!

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Prüfungen

16. Oktober 2008

Wir werden im Leben ja täglich aufs Neue geprüft. Die Frage ist nur: Wer prüft hier eigentlich. Der liebe Gott? Das Schicksal? Und warum werden wir geprüft? Um ein Level weiter zu kommen, weil wir den Entgegner (die gemeine Masse der Buchmessenbesucher) besiegt haben? Oder es ggf. nochmals probieren müssen?

Meine Prüfüngen der letzten Tage:

  • Polizei und Ordnungsamt prüften mein verbotenes Fahrradfahren in der Fussgängerzone. Das freundliche Gespräch („Ay wisse Sie net, dass ma hier in der Fussgängerzooon net fahre derf? Wie lange wohne Sie dann schon hiea?“) kostete nur 10 Euro. Wieso kommt man sich dabei eigentlich wie ein Schwerverbrecher vor?
  • Möglichst unbeschadet durch möglichst viele Gänge der Buchmesse an den sogenannten „Fachbesuchertagen“ (ich glaube selbst der UPS-Zusteller mit Amazon-Päckchen gilt als Fachbesucher) durchqueren und sich von wahnsinnigen Besuchern fern halten, die sich stündlich auf die Langenscheidt-Taschen stürzen oder sich vor dem GU-Kochstudio auf die Füße treten. Das ist eine körperliche Prüfung.
  • Noch eine Geduldsprüfung: Ehemalige Studienkollegen ertragen, denen man während einer Fachtagung begegnet und einem lang und breit erzählen, dass sie nun eine gut bezahlte Stelle an einer großen Einrichtung innehaben und an einem der wichtigsten Projekte unseres Arbeitsbereiches in Deutschland teilhaben. Mal ganz im Ernst: Was entgegnet man Leuten, die so selbstüberzeugt sind, dass sie platzen? Außer einem Lächeln und der Versicherung, dass man sich sehr für sie freut? (Was ich auch tue, aber ich bin eher eine Freundin der Bescheidenheit, wenn jemand toll ist, dann erkenne ich das schon selbst.)
  • Suchtfaktor prüfen: Der kleinen MJF die 2. Staffel von Dr. House unterjubeln und gucken was passiert. Ok, diese Prüfung habe ich nicht überstanden und bin zum Junkie geworden. Aber das ist einfach zu gut. Nachts murmele ich nun englische Fachbegriffe vor mich hin: MRI, brain biopsy, full blood work, cardiac arrest, epi, tumor markers, clot, intubation, clinic duty, bone marrow, underlying condition. Ich werde es nachträglich als Fortbildung beantragen.
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Ich strippe innerlich…

14. Juni 2008

= heißt nicht, dass ich mir in meinen Tagträumen ausmale, wie es wäre eine Stripperin zu sein. Nein, da male ich mir natürlich aus, wie es wäre eine erfolgreiche Autorin zu sein. ;-) Es heißt: Manche strippen außen. Ich strippe innen. Sprich: Manchmal erzähle ich zu viel über mich selbst. Aber wem erzähle ich das? Ihr könnt diese Tatsache ja wöchentlich hier nachverfolgen. ;-)

Manche finden es heiß. Manche finden es pornografisch. Wie im echten Leben halt. Dem einer Stripperin, natürlich. Es ist so, dass ich immer dachte: „Show me your inside, I already know your outside.“ Und wenn ich dies von anderen erwarte, dann muss ich selbst mit gutem Beispiel voran gehen. *sagt sie, und trägt eine wehende Fahne hinter sich her*

Nun lässt sich dies leicht sagen, wenn man unter einem Pseudonym einen Blog bestückt, den Leute lesen, die man nicht kennt. Nun lesen hier aber auch Leute mit, die ich kenne. Und dass sie dies tun ist ein Vertrauensbeweis meinerseits, der ihnen zeigen soll: Ich offenbare mich mehr als ich sollte. And I hope you treasure this and keep it quiet. Das erwarte ich im Gegenzug. Damit wären meine Erwartungen öffentlich formuliert und ihr könnt nicht mehr sagen, ihr habt davon nichts gewusst. Es wäre also nicht nett, Leuten davon zu erzählen. Das mache ich – nach sorgfältiger Auswahl – schon selbst. Dafür schon einmal ein herzliches Dankeschön!

Strippen an sich ist ja eine tolle Sache, wie ich finde. Aber das sollte man nur mit sich selbst. Beim äußerlichen Strippen ist das ja auch fast nicht anders möglich. Ich kann nur mich selbst entkleiden. Gut, oder mit Gewalt halt andere, aber davon gehen wir jetzt mal nicht aus. Schlimm ist, dass man beim innerlichen Strippen auch andere Leute innerlich „entstrippen“ kann. Z.B. in dem man Dinge weiter erzählt, die sie einem im Vertrauen gesagt haben.

Ich versuche ein guter Mensch zu sein, aber manchmal klappt es halt nicht. Kennt ihr sicherlich auch von euch. Also hab ich jemandem etwas erzählt, über jemand anderen, was ich nicht hätte tun sollen. So weit, so schlimm. Aber das der andere das dann wieder derjenigen erzählt, ist äußerst ungünstig und dumm gelaufen. Das hätte ich nicht gedacht, aber gut, so ist das nun mal. Und ich kann ihm keine Fehler vorwerfen, die ich selbst begangen habe. Und deshalb ärgere ich mich heute Abend über mich selbst. Ich bin 26 und sollte es besser wissen, wann ich Dinge für mich behalten muss.

Es gibt offensichtlich noch viel zu lernen!

Also, liebe Leute, strippt äußerlich und innerlich soviel ihr wollt. Aber nur für euch selbst. Reißt anderen nicht die Kleider vom Leib (es sei denn, sie bitten euch darum) und im übetragenen Sinne, reißt ihnen die Kleider auch nicht innerlich herunter. Für das innerliche Strippen gilt ab sofort: Jeder möge sich selbst entkleiden und zwar nur sich selbst!

Mit einem lauten „Guten Abend“ verabschiedet sie sich und schwenkt den schwarzen Zylinder der Gewissensbisse. Er glänzt heute Abend besonders schön.