Archive for the ‘schreibenOHNEdenken’ Category

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Dieses eine Ding, verdammt.

14. März 2008

Seit ich klein bin, gibt es diese eine Sache, die ich will. Die irgendwann kommen muss, die sich aber sehr viel Zeit lässt. Die in mir brodelt, wie eine Marmelade, die 10 Std. kochen muss. Nur dass meine Skala 1 Std = 1 Jahr ist und die Marmelade nicht annähernd als fertig bezeichnet werden kann. Und noch gar nicht eingedickt ist. So sieht es nämlich aus, Welt.

Den ersten Satz habe ich mit 16 geschrieben. Es regnete draußen, ich war in irgendeiner dieser komischen Teenager-Stimmungen (die, ehrlich gesagt, auch heute manchmal noch da sind ;-): Unsicherheit, sich fragend was das Leben soll und was man falsch macht und wie schön es doch auch widerum ist. Da war diese Idee, dieses Mädchen. Sie hat Teile von mir, ist wie ein Kind von mir. Eines meiner Gedanken. Eigenes Blut und doch keine Kopie meines Selbst, sondern auch sehr eigenständig und anders.

Da war also zuallererst sie. Und Situationen mit ihr. Aber irgendwie waren das nur Punkte auf einem Blatt. Sie hierbei, sie dabei. Sie Musik hörend, sie spazieren gehend, sie in Bahnhöfen. Sie auf Videoabenden. Sie mit blutendem Herzen. Und vor mir nur dieses Gewirr an Punkten, die keinen Sinn ergeben, die kein Bild ergeben, die ich aber irgendwie verknüpfen und verbinden musste, damit es weiter gehen kann.

Ein Freund sagte, mach einen Entwurf. Aber bitteschön, das ist doch keine wissenschaftliche Arbeit, bei der ich mir eine Gliederung ausdenke. Ich schreibe angetrieben von Gefühlen. Mord im Affekt sozusagen. Die Handlung ergibt sich im Laufe meines Älterwerdens und im Laufe der Zeit, da die Charaktere mehr Gestalt annehmen. Das Schlimme ist, das Leben, mein Leben, hält mich davon ab zu schreiben. Ständig gibt es andere Dinge zu erledigen. Arbeiten, essen, reden, schlafen, erleben, usw.

Es gibt so viel zu bedenken: In welcher Sprache? Ich habe nämlich auf Englisch angefangen. Komisch. Als müsste ich eine andere Sprache nehmen, um eine Distanz herzustellen. Oder um mich mit der Geschichte zu verbinden, eine eigene Sprache finden und dabei gerade nicht seine eigene nehmen. Jetzt habe ich auf Deutsch gewechselt und irgendwie klingt alles so banal, so ganz und gar unprosaisch. Mal sehen. Und: In welcher Form erzähle ich? Gibt es einen Erzähler? Oder Ich-Form? Ich wechsle jetzt ab. Wir hören sie und dann wieder den Erzähler, der natürlich auch mehr weiß, als sie. Aber sie muss auch zu Wort kommen, denn dadurch lernen wir sie besser kennen. Sie hat nämlich so eine ganz eigene, recht naive und spontane Art.

Ihr Bruder spielt eine Hauptrolle, das weiß ich seit 4 Jahren. Er ist deutlich älter und ist die Antriebskraft der Geschichte. Er hat seinem Leben ein Ende gesetzt, sehr brachial, obwohl er doch ganz andere Möglichkeiten gehabt hätte, und sie will herausfinden warum. Das ist zumindest das, was sie sich einredet. Also macht sie sich auf die Suche und versucht das Leben ihres Bruders zu rekonstruieren. Sie fährt in die Städte, in denen er gelebt hat, trifft seine Freunde, trifft seine Frauen. Und versucht ihren Bruder zusammen zu puzzeln. Oft sind es doch die uns am nächsten stehenden Leute, die wir gar nicht wirklich kennen. Und doch ist es auch eine Suche nach sich selbst, nach dem Sinn des Lebens. Nur, dass sie das gar nicht so sieht. Sie fühlt sich schon sehr erwachsen und sie ist nur unterwegs um ihren Bruder zu finden. Ist klar. ;-) Aber eigentlich, der Erzähler weiß das, ist es eine Reise zu sich selbst und eine Art und Weise mit ihrem Schmerz umzugehen. Denn ihre Eltern sind keine große Hilfe. Sie sind sind Apotheker („Einhorn-Apotheke“ am Marktplatz), bedienen sich oftmals selbst (obwohl jeder es vor dem anderen verheimlicht) und sie führen keine gute Ehe. Seit dem das mit Bruder passiert ist, sind sie nur noch wandelnde Wracks. Jeder flüchtet in sich selbst. Sie hält das natürlich nicht aus, das ist unter anderem ein Grund dafür, dass sie sich aufmacht. Sie grübelt sehr viel, das hat sie definitv von mir. ;-)

Thomas Mann schrieb ja eine Seite pro Tag. Vorher stand er nicht vom Schreibtisch auf. Sehr diszipliniert, der Herr. Das geht bei mir ja gar nicht. (Ich hab noch nicht einmal einen Schreibtisch!) Es ist nämlich so, dass ich nicht nur Zeit brauche, sondern auch Muse. Und die kommt nicht häufig bei mir vorbei. Und trotzdem gibt es nichts Vergleichbares was mich in ähnlicher Qualität antreibt. Nur ist antreiben hier vielleicht zu viel gesagt. Wirklich dringlich ist es der Geschichte nicht. Aber in mir drin, weiß ich, dass es das eine Ding ist, was ich wirklich machen muss. Vorher kann ich diese Welt nicht verlassen.

Also gut, Wiedervorlage. ;-)

Bon soiree.

Marie Jacqueline

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Absurdistan

27. Juli 2007

Man wähnt es immer in der Ferne, dabei ist es doch so nah. Es ist das Land in das viele Leute aufbrechen, um Urlaub zu machen. Urlaub? Eher Zwangsverschickung. Viele gehen nur einmal dort hin, manche kommen immer und immer wieder und einige bleiben sogar ihr Leben lang. Nicht weil es dort so schön ist, ganz im Gegenteil. Man kommt einfach hin, die Anreise ist unkompliziert und schnell und ehe man sich versieht, gibt es keinen Weg zurück. Kein Flugzeug, Züge gibt es nicht, die Busse sind schlecht und verrostet. Die Taxifahrer zeigen dir einen Vogel, wenn du sie bittest, dich an die Grenze zu fahren.

Und so bleibt der gemeine Tourist zumeist ein wenig hilflos in dem schlecht gelüfteten Hotel zurück. Der Taschentuchverbrauch ist ohne Grenzen, aber die Absurden haben nie enden wollende Felder voller Baumwolle angelegt. Für all diejenigen, die verdammt sind, in dem dunklen Land erst einmal eine Weile zu wohnen. Die sich einrichten und auf Demokratie hoffen. Aber der weibliche Diktator Ana Maria Desesperación kennt keine Gnade. Und die Neuangereisten nehmen ab, weil sie kein Appetit mehr haben. Nie wieder wird einem so klar, wie eng Geist, Seele und Körper miteinander verwoben sind. Aber hier wird es offensichtlich. Und was tun die Touristen in ihrer aussichtslosen Lage? Sie denken nach. Und grübeln. Liegt es an mir, dass ich im Katalog des Reisebüros nicht erkannt habe, was für ein Scheissland das hier ist? Bin ich ins falsche Flugzeug gestiegen? War es die gut aussehende Kauffrau, die meinen Mann dazu gebracht hat, mir ein One-way-Ticket nach Absurdistan zu buchen? Und dann wundert man sich, weil er einem plötzlich erzählt, er komme nach, er nehme ein anderes Flugzeug. Und du fliegst und hast ein doofes Gefühl und wenn du aussteigst, weißt du sofort warum. Wollten wir nicht gemeinsam nach Florida auswandern?

In Absurdistan begegnet man manchmal auch netten Menschen. Sie versuchen den Touristen den Weg zu erklären, wie man am besten zu Fuß das Land verlässt. Über die große Bergkette. Aber die meisten Touristen glauben Ihnen nicht. Doch eines Tages machen sie sich schließlich doch auf den Weg. Er ist beschwerlich, man fällt tausend Mal und schlägt sich die Knie wund. Aber sie sagen, es sei der einzige Weg hier raus.

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Wieso kann ich nicht?

17. Dezember 2006

Wieso kann ich nicht von Saul erzählen? Wie wirkt sich das auf die Welt aus? Und auf mich? Es ist nämlich so: ich möchte Geschichten schreiben. Am Anfang habe ich gedacht: gut, ich kann mir die Dinge einfach ausdenken. Aber das hat nicht so geklappt. Ich habe angefangen zu schreiben und kam nie darauf wie es enden sollte, die Geschichte hatte einfach keine Handlung. Mir fiel immer nur der Anfang ein, aber wie es dann weitergehen sollte, das wusste ich nicht. Ich hatte Szenen im Kopf, aber sie kamen nur wenn ich kurz davor war einzuschlafen. Und dann war ich immer zu faul noch einmal aufzustehen und sie aufzuschreiben. So kann man doch keine ernsthafte Schriftstellerin werden.

Also habe ich gedacht: keine erfundenen Geschichten, in deinem Leben passiert doch sowieso genug, wieso schreibst du das nicht auf? Ich finde sowieso, dass der Alltag viel erschütternder ist, als die Phantasie. Wir sollen uns schließlich in den Geschichten wiedererkennen, und wie soll das gehen, wenn mir jemand erzählt ich sei eine Elfe in einem dunklen Wald? Ich kann es mir zwar vorstellen und schön ist es natürlich auch, aber: hat es einen großen Effekt auf mich? Nein, weil: es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich mich mit der Elfe im dunklen Wald identifizieren kann, da ich noch nie in ihrer Situation war. Es muss sich also um konkretere, wahrscheinlichere Dinge handeln.

Gut. Also Geschichten aus meinem Leben rausgelöst, sie müssten noch nicht einmal ein Ende haben. Aber: ich kann den Personen unmöglich andere Namen geben als sie in Wirklichkeit haben. Das würde wahrscheinlich alles ganz anders machen. Und wer sagt mir, dass sie sich nicht auch dann wiedererkennen, wenn ich sie anders nenne? Das heißt für mich, ich muss meine Sachen mit erfundenen kombinieren und die Namen ändern und am besten noch unter einem Pseudonym schreiben. Aber ist das nicht lächerlich? Ich kann doch und will ja auch zu den Dingen stehen die aus mir kommen. Das tue ich ja auch, trotz Pseudonym.

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Die Zeit

30. Dezember 2004

Gerade heute schrieb ich eine E-Mail an einen Schulfreund zu dem ich lange keinen Kontakt hatte, den ich dann vor zwei Wochen wieder getroffen habe, wobei wir feststellten, dass viel Zeit vergangen ist, seit dem wir uns das letzte Mal sahen. In der E-Mail ging es darum wie schnell die Zeit vergeht und wie wir uns mit ihr und durch sie ändern, so dass man immer nur eine Momentaufnahme seines Selbst ist. Und ist dies nicht auch ein Grund dafür, überhaupt etwas zu Papier zu bringen, um sich selbst nachvollziehen zu können?

Wie schon oft erwähnt, kommen meine Gedanken wie ein schneller Strom, von dem ich vollkommen unterworfen werde, so dass ich mich gezwungen sehe, etwas aufzuschreiben. Ich versuche deshalb immer ein Stift dabei zu haben und war schon oft genötigt auf unmöglich kleine Papierfetzchen zu schreiben. Diese verteilen sich dann letztendlich in meinem ganzen physischen Lebensumfeld, so dass einem manchmal ein vor langer Zeit beschriebenes Papierchen über den Weg läuft, auf dem man erstaunt lesen kann, welche Schlüsse man einmal gezogen hat. Das ist für mich wie eine Reise ins vergangene Selbst und mitunter kommt einem diese Person fremd vor, nein vielmehr unbekannt, aber positiv unbekannt, so dass ich mich freue, Dinge zu lesen, die ich einmal aufgeschrieben habe.

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München

27. Oktober 2003

Mal sehen ob ich ein schönes Wochenende an einem Platz verbringen kann, der mich unsicher macht. Unsicher, weil hier eine ganze Vergangenheit zwischen zwei Personen abgelaufen ist und eine von ihnen ist mir jetzt sehr wichtig. Ich fühle mich jetzt, wo ich noch nicht dort bin, so, als würde ich, morgen wenn ich ankomme, eine Bühne betreten, die von ihren Schauspielern verlassen wurde, weil beide jetzt an anderen Theatern spielen. Aber ich renne auf der leeren Bühne rum, und alles was sie liegen lassen haben, und alle Requisiten mit denen sie gespielt haben, liegen noch da.

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Ich habe keine Lust mehr

27. Oktober 2003

Ich sitze auf der Arbeit und picke aus dem Studentenfutter, dass mir die Mutter meines Freundes gemischt hat, in mühevoller Kleinarbeit die Rosinen und Mandeln heraus. Nebenbei darf ich endlose Listen bearbeiten. Ich bin gelangweilt, mein Gehirn ist unterfordert und es macht keinen Spaß. Plötzlich höre ich im Gang eine unserer älteren Mitarbeiterinnen, die immer leise ein wenig vor sich hin summt, singen: „Ich habe keine Lust, ich habe keine Lust mehr“ und muss herzlich grinsen.

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I doubt my own depth

9. Juli 2003

Of course I believe that many people are superficial and no, I am not like that. Now how on earth does measurement work, does my personal measurement work? Because sometimes I do doubt my own depth. I believe in loving people for what they are, but sometimes I get a feeling, which makes me doubt everything I am. And the thing is: men make me forget my depth. So, it´s them and their appearance, it´s this “tú sabes que estoy a tus pies”-thing. They open my pandora´s box, which is full of my surface I´ve managed to scratch off through all these years.

Yes, I feel pity for the woman who has to go to prison because of being obsessed with Mel Gibson. I don´t understand the Mel-Gibson-part of it, but I understand that she´s attracted to someone by merely seeing his face and body. And let me tell you, it´s not the feeling men have for pin-ups, for Playboys starring naked women. When I look at a man and he is attractive to me, a jar opens inside me, and a thick, bittersweet liquid runs out of it and flows under my skin, making me feel comfortable and at the same time making me feel an eternal lack.