Archive for the ‘StrangeWorld’ Category

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Prüfungen

16. Oktober 2008

Wir werden im Leben ja täglich aufs Neue geprüft. Die Frage ist nur: Wer prüft hier eigentlich. Der liebe Gott? Das Schicksal? Und warum werden wir geprüft? Um ein Level weiter zu kommen, weil wir den Entgegner (die gemeine Masse der Buchmessenbesucher) besiegt haben? Oder es ggf. nochmals probieren müssen?

Meine Prüfüngen der letzten Tage:

  • Polizei und Ordnungsamt prüften mein verbotenes Fahrradfahren in der Fussgängerzone. Das freundliche Gespräch („Ay wisse Sie net, dass ma hier in der Fussgängerzooon net fahre derf? Wie lange wohne Sie dann schon hiea?“) kostete nur 10 Euro. Wieso kommt man sich dabei eigentlich wie ein Schwerverbrecher vor?
  • Möglichst unbeschadet durch möglichst viele Gänge der Buchmesse an den sogenannten „Fachbesuchertagen“ (ich glaube selbst der UPS-Zusteller mit Amazon-Päckchen gilt als Fachbesucher) durchqueren und sich von wahnsinnigen Besuchern fern halten, die sich stündlich auf die Langenscheidt-Taschen stürzen oder sich vor dem GU-Kochstudio auf die Füße treten. Das ist eine körperliche Prüfung.
  • Noch eine Geduldsprüfung: Ehemalige Studienkollegen ertragen, denen man während einer Fachtagung begegnet und einem lang und breit erzählen, dass sie nun eine gut bezahlte Stelle an einer großen Einrichtung innehaben und an einem der wichtigsten Projekte unseres Arbeitsbereiches in Deutschland teilhaben. Mal ganz im Ernst: Was entgegnet man Leuten, die so selbstüberzeugt sind, dass sie platzen? Außer einem Lächeln und der Versicherung, dass man sich sehr für sie freut? (Was ich auch tue, aber ich bin eher eine Freundin der Bescheidenheit, wenn jemand toll ist, dann erkenne ich das schon selbst.)
  • Suchtfaktor prüfen: Der kleinen MJF die 2. Staffel von Dr. House unterjubeln und gucken was passiert. Ok, diese Prüfung habe ich nicht überstanden und bin zum Junkie geworden. Aber das ist einfach zu gut. Nachts murmele ich nun englische Fachbegriffe vor mich hin: MRI, brain biopsy, full blood work, cardiac arrest, epi, tumor markers, clot, intubation, clinic duty, bone marrow, underlying condition. Ich werde es nachträglich als Fortbildung beantragen.
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I fuck on the first date

8. September 2008

No, this time it´s not about me. Sorry to those of you who thought so. My indecency does not comprise these kind of details, so keep wondering.

This is about a man I saw this Friday. He was standing infront of our most central department store, wearing a t-shirt with this slogan. One asks oneself what exactly he is trying to tell the world. That he´s very straightforward? Well yes, you could put it that way. That he´s a honk?  He wouldn´t need this shirt if he was one, right? That he fucks on the first date? Hell yes and who cares? Probably only very desperate women. And I doubt even those feel attracted by him.

Anyway, he got me thinking. What if a woman was wearing this shirt? It would somehow taste slutty and cheap. And here comes the big question: Why? I do not have an answer. But I realize that there´s still a long way to go in order to achieve gender equality when even I as a woman feel that for me it makes a difference whether a man or woman wears a shirt like this. And let me tell you that I´m not exactly happy about this finding.

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Objektorientierte Geschichten: Gefälschte Handtaschen

10. August 2008

Frauen und Männer dieser Welt, lernt Jerome kennen. Jerome ist Franzose, dunkelhaarig gelockt, schlacksiger Körperbau mit einer steilen Nase, die voll von seinem Biologie-Studium ist. Weshalb er sich letzten Freitag spontan ein Interrailticket gekauft hat und damit nach Barcelona gefahren ist. Die Fahrt war anstrengend, aber lustig, da er zwei Gleichaltrige aus Indonesien getroffen hat, die per EuroDomino Ticket durch Europa fahren, aussteigen, ein Foto machen und wieder einsteigen. Nur um am Ende ihrer Reise festzustellen, dass sie nun wissen, dass sich die Toiletten der französischen und der italienischen Nachtzüge gleichen, dass die Deutsche Bahn die schönsten Züge mit den unterkühltesten Schaffnern hat und dass sie mehr über die Verbindungen zwischen den Städten, als über die Städte selbst wissen.

Völlig übermüdet und verschwitzt kommt Jerome in Barcelona an. Unter den Brücken, die in die Stadt hinein führen und an denen der Zug vorbeifährt, sieht er schwarze Menschen hausen. Sie sind sehr schwarz und haben vermutlich 7.000 Euro dafür bezahlt, dass sie hier sind. Nun fährt der Zug unterirdisch und er kann sie nicht mehr sehen.

Er steigt an der Plaza de Catalunya zum ersten Mal an die Oberfläche. Sofort gerät er in einen riesigen Schwarm voller Mücken. Die Viecher sitzen im Café, gucken ihn mit ihren grün schimmernden Facettenaugen sinnentleert an, schlürfen an ihren Getränken und sind so unzulänglich bekleidet, dass man ihre weißen, haarigen Beine sieht und bei der weiblichen Spezies Blicke ins Innerste ermöglichen. Jeromes Kopf schmerzt. Kann das sein? Oder was waren das für Tickets gestern, die ihm die indonesischen Gleichaltrigen angeboten hatten? Er schüttelt sich, guckt nochmals zu den zahlreichen Straßencafés hinüber. Ach, es sind doch nur die Paket-Touristen, 5 Tage Barcelona für 250 Euro. Prost! Wer will da 7.000 Euro an irgendwelche Marrokaner zahlen, die einem nur eine sehr ungemütliche Überfahrt mit ungewissem Ziel anbieten?

Zwischen den Touristen breiten auf den Bürgersteigen Schwarzafrikaner Laken aus, auf denen sie gefälschte Handtaschen (Prada, Gucci, Fendi, YSL, Louis Vuitton) anbieten. An jeder Ecke des Lakens eine Schnur, die in der Mitte zu einer Schlinge zusammen führt. Jerome schlendert in der elenden Abendhitze die Ramblas entlang. Touristen, Bierdosen verkaufende Straßenhändler, geschlossene Blumenläden, Artisten, get-your-comic-in-20-min, Trickbetrüger und dazwischen die Schwarzafrikaner mit ihren aufmerksamen weißen Augen. Sie gucken rechts, sie gucken links. Nice bag for the lady, Mister?

Vielleicht hätte er doch mit seinen Eltern nach Deauville fahren sollen? Immer dieser Scheiß. Er hat keine Lust mehr auf das Familiengetue, keine Lust mehr auf die Mädchen reicher Eltern, die sich alle gleichen. Die alle diesen Taschen hinterher rennen. Lächerlich. Deshalb ist er hier, inmitten dieser Masse. Plötzlich heult neben ihm eine Polizeisirene auf („Tonino tonino toninooo“). Wie in einer perfekten Choreografie, ziehen alle Schwarzafrikaner gleichzeitig an ihrer Schlinge, alles verschwindet in dem Sack aus Laken und ein schwarzer Schwarm rennt unter lauten Rufen hinein ins Barrio Gótico, in dessen engen, nach Urin stinkenden Gässchen die Flucht vor dem Polizeitauto erneut möglich ist. Die Ware ist gerettet. Das Leben vorerst auch.

Jerome bleibt weitere 5 Tage, es geht noch billiger als 250 Euro, um schließlich zurück nach Frankreich zu fahren und über der Kategorisierung von Ameisenarten dieses Elend schnell wieder zu vergessen. So wie wir alle, denen es gut geht und die hier und da zwar davon hören, dass es anderen nicht so gut geht. Denen es kurz leid tut, die tatsächlich den Bruchteil einer Sekunde eine gewisse Dankbarkeit verspüren, von der die meisten aber nicht wissen, an wen sie diese richten sollen, und die dann weiter machen. Wie bisher. Während da draussen alle zwei Wochen Leute ertrinken, die für eine Überfahrt in einem schlecht geflickten, verrosteten Kahn mehr zahlen als so manche für 3 Wochen DomRep Halbpansion.

Frauen und Männer dieser Welt, lernt Jerome kennen.

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Neues Vokabular

15. Mai 2008

Fängt man wo neu an (schönes Deutsch!), dann taucht man ein in eine völlig neue Sprache und bekommt Ausdrücke um die Ohren geschmissen, von denen man noch nie gehört hat bzw. die zur Unternehmenskultur gehören. So erzählte mir ein sehr gute Freund letztens, dass es bei ihm öfter heißt „das ist nicht mein Beritt“ oder „dann holen wir ihn aus seiner Burg„.

Bei mir gibt es bisher folgende interessante Neuzugänge zu verzeichnen:

  1. abgefrühstückt (im Sinne von: das ist erledigt),
  2. angehübscht (im Sinne von verbessert, schicker gemacht),
  3. darüber absterben (im Sinne von: es aufgeben).
  4. das können wir nicht mit Bordmitteln machen (im Sinne von: unsere Kenntnisse dazu sind nicht ausreichend)

Sollte sich in den nächsten Wochen noch mehr bemerkenswertes Vokabular ergeben, werde ich dies hier niederschreiben.

[update 20/06/2008] Andere Leute finden ihr Firmenvokabular auch grausam. Siehe BBC News vom 16. Juni. [/update]

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Wenn man geht…

20. Februar 2008

* erfährt man die ganzen Sex-Geschichten. Z.B., dass ein anderes im Haus ansässiges Institut sich wohl mal beschwert hat, dass es bei uns keine Vorhänge gibt. (O-Ton unsere Putzfrau: „Een Borno könnt man hier drehe.“)

* ist man plötzlich völlig cool, weil keiner einem mehr was kann. Man sollte dieses Gefühl aber grundsätzlich haben, finde ich. Nach dem Motto: Hallo, ich arbeite nicht für Geld, ich arbeite hier weil ich Lust darauf habe.

* wird geweint und gratuliert. Und man selbst weint und gratuliert sich auch innerlich.

* erfährt man die ganze Wertschätzung, die man vorher vermisst hat. Wieso erst jetzt? Das ist wie gute Reden am Grab halten. Man sollte sich die Wertschätzung für einander jeden Tag zeigen. Und zwar während man lebt.

* wird man plötzlich zum seelischen Mülleimer einiger Kollegen. Das ist sehr interessant, weil Sachen an den Tag kommen, die zumindest mich in meiner Entscheidung bestätigen.

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Journals you never thought existed

7. Januar 2008

You come across the weirdest journal titles. My favourite today:

Journal of Sandwich Structures & Materials“ – Sage Publications.

Maybe the editor is called Ronald McDonald?

[update 11.01.2008] After having looked into this subject more deeply it turn´s out that „sandwich structures“ are not burgers, but something that has to do with material science. Anyway, it sounds funny. ;-) [/update]

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Hör zu und es erschließt sich die Welt

6. Dezember 2007

Ich fahre ja bekanntlich viel Zug. Ihr glaubt gar nicht, was man da alles für Weisheiten zu hören bekommt. Wenn ich einen Stift zur Hand habe und einen freien Zettel, schreibe ich mir diese Dinge auf. Hier möchte ich einige Highlights zum Besten geben:

„Es ist irgendwie demütigend und gar nicht cool, wenn unsere polnische Putzfrau mir eine Plastikhaube aufzieht, Löcher reinmacht und einzelne Strähnen rausholt um sie mit dieser stinkenden Paste einzuschmieren. Aber billiger als Friseur halt.“

„Ich wusste von Anfang an, dieses Mädchen hat ein Geheimnis. Die trägt irgendein Geheimnis mit sich herum. Als wir dann schon länger zusammen waren, hat sie mir erzählt, dass sie vergewaltigt wurde und hat geweint. Klar, dass die psychische Schäden hat. Ich meine, wer zeigt einem danach, wie man Sex hat?“

„Weißt du, mein Vater ist total stolz darauf, dass ich weiter studieren will. Klar, er ist Professor. Es ist so ein geiles Gefühl, wenn der Sohn stolz auf seinen Vater und vor allem wenn der Vater stolz auf seinen Sohn ist.“

„Ich hab gesagt: Hey, das ist die geilste Party der Welt. Und der hat im Auto gepennt!“ – „Ahja, die haben einen Fahrer gebraucht, also bin ich dahin. Eigentlich wollte ich auch reingehen, aber mir war den ganzen Tag nicht so gut, ich war schlecht drauf und als ich die Leute gesehen habe, du, die waren alle gleich. Da wollte ich nicht mehr rein.“

„Die wollte ´ne Sozialwohnung. Obwohl ihr Vater Pilot ist. Stell dir das mal vor!“

Und schließlich noch die besten Betreffs aus meinen SPAM-Mails:

* Turn your weewee into real monster!

* Stir up a passion in her heart with your magic wand.

* If your warrior of love is too small, you may lose this war.

* The volume of your male meat is absolutely essential!

* You won’t need to furtively put socks into your trunks anymore!

* Santa will bring more length and strength to your willy!

Ohne Worte.