Archive for the ‘ZUGfahren’ Category

h1

Upside down

20. November 2012

England ist allein deswegen schon toll, weil man 15 Freiminuten WiFi pro Zugfahrt hat (zumindest bei EastCoast), was ich cool finde. Könnte die DB sich mal abschauen. Nur deshalb gibt es diesen Eintrag. Außerdem sind die Briten höflich und – was ich aus 20 Minuten Übergang St. Pancreas nach Kings Cross ablesen kann – wohlorganisiert. Zudem ist es recht leise im Zug, viel leiser als in D. Sind die Briten die neuen Deutschen?

Mein Herbst ist die gelebte Version von Tori Amos Lied „Upside down“. Schön, wenn einem Lieder nach 15 Jahren immer noch was sagen, oder wieder was sagen. :-) Die Stimmungsschwankungen sind recht krass. Von sehr in mich selbst gekehrt, gelassen und glücklich hin zu komplett enttäuscht und bar jeglicher Hoffnung. Warum das so schwankt, weiß ich nicht. Vielleicht das mangelnde Vitamin D? Vielleicht ist Vitamin D sowieso wichtiger als man denkt?

Heute einen furchtbaren Albtraum gehabt: Ich sitze alleine in einem Zug (eher einem Gerippe von einem Zug, denn er hatte keine Fensterscheiben), der durch ein trockenes Gebirge durchfährt. Und weil ich unbedingt rechtzeitig an mein Ziel muss, kommt bei der Durchfahrt durch einen zur Seite hin offenen Tunnel die Durchsage: Jetzt bitte nicht aus dem Fenster schauen, wir müssen durch einen Tatort durchfahren, die Polizei weiß noch nicht was geschehen ist, aber wir werden durchfahren – wenn auch langsam – weil Frau F. an ihr Ziel kommen muss. Ich guckte trotzdem, und draußen neben den Gleisen lagen lauter tote Inder und Körperteile von toten Indern. Grausam. Wie lässt sich dieser Wust, dieser Abfall des Gehirns interpretieren? Hat es einen oder hat es keinen Sinn? Irgendwie schon denke ich, aber nicht „literally“.

Thank God for England! I am so easily eased by a cosy room under the rooftop of a Bed&Breakfast called „The Fourposter Lodge“. I´d almost forgotten this feeling that only England is able to give you. The taxidriver asked me: „What are you doing alone in a fourposter room, luv?“

Yeah! Right! Exactly! What am I doing alone in a Fourposter room?

Cosy. Easy. Sleepy. No fear, no nightmares allowed here.

god i love to turn my little blue world upside down
god i love to turn my little blue world upside down
inside my head the noise
chatter chatter chatter chatter chatter
you see i’m afraid i’ll always be
still coming out of my mother
upside down

don’t you love to turn this little blue girl upside down?
i know you love to turn this little blue girl baby upside down
but my heart it says you’ve been
shatter shatter shatter shatter shattered
and i know you’re still a boy
still coming out of your mother

but when you gonna stand on your own?
i say the world is sick
you say, ‚tell me what that makes us darlin‘
you see you always find my faults
faster than you find your own
you say the world is getting rid of her demons
i say ‚baby what have you been smokin‘
well i dreamed i dreamed i dreamed
i loved a black boy
my daddy would scream

don’t you love to turn this little blue girl upside down?
any kind of touch i think is better than none
even upside down
but you see i’m tangled up
got a kitten kitten kitten in my hair
Cincinnati – i like the word
it’s the only thing we can’t seem
to turn upside down

well i found the secret to life
i found the secret to life
i’m okay when everything is not okay

don’t we love to turn our little blue world upside down?
don’t we love to turn our little blue world baby upside down?
inside my head a voice
chatter chatter chatter chatter chatter
and it says ‚girl you’re all the same
still comin‘ out of your mother
still comin‘ out of your mother
upside down‘

h1

Europe by train once again

27. Mai 2009

Hi audience,

MJF is travelling again. I´m on a sort of UK round trip with a short stop in Brussels. My friend in Brussels has a lovely flat and an 8 week old baby. I really must say: I had no idea what that means. It means: No time for yourself. It means: a 20 hours a day job. And maybe 4 hours of sleep. It means this baby controls your life. And I do not know if I could to this right now. Right now I am a rather (notice my UK vocabulary) self-focused and self-centered being who needs all her time for herself because she is still searching for the meaning of life. So I guess this wish for children that has come up in me in the last year has to be resettled. Children? Yeah. But I think 30 is early enough for me. So, I did not really see much of Brussels, but I liked the small parts I saw. It´s like Paris but a bit less arrogant.

Travelling through the chunnel is always nice. Changing in St. Pancras to King´s Cross is easy. And then I just met the coolest actress on the train and we had a three hours talk in which I became deeply sorry for my American accent because British English is just so beautiful. Sorry, gorgeous! ;-) Maybe I can catch some in the next two weeks.

Late in the afternoon I arrived at Edinburgh, which looks like a medieval city. It was very sunny yesterday.  When you buy things in the supermarket you scan them yourself. How cool is that?

DSC00393

St. Pancras Eurostar arrival

DSC00395

Changing at King´s Cross

DSC00399

Calling at…

DSC00413

Irgendwo hinter Newcastle

h1

Völkerverständigung

14. September 2008

Heute hatte ich eine interessante Begegnung im Zug. Und zwar saß neben mir ein Chirurg aus Kabul mit dem ich nach einer Stunde gemeinsamen Schweigens doch ins Gespräch kam. Er sei für drei Monate in Freiburg um dort in der Frauenklinik eine Fortbildung in „obstetric surgery“ zu machen (chirurgisches Teilgebiet der Geburtshilfe).

Nachdem er mir erst einmal 60 Bilder seines einwöchigen Wienurlaubs gezeigt hatte, auf dessen Rückreise er sich gerade befand („I have three cousins in Vienna.“) , und mir ausführlich vorgeschwärmt hatte, wie schön diese Stadt doch sei, habe ich ihn ein bißchen über Afghanistan ausgefragt. Es sei „very different from Germany“, was ich glatt glaube. Es gäbe dort keine Züge. Daraufhin ich: Aber vielleicht in 10 Jahren? Und er: „I don´t think so, the Americans don´t want us to have trains.“ Hm, ok.

Dann habe ich ihn gefragt, wie ihm seine Fortbildung gefällt und er erzählte begeistert davon. Er lerne so viele neue Methoden kennen. Ich, mit meinem kürzlich angeeigneten, noch deutlich ausbaufähigen Medizinwissen: „Minimalinvasive Chirurgie“? Er: „No, we don´t have the instruments to do this.“ Ich, Dappes, schämte mich dann natürlich etwas. Klar, dass die in Afghanistan für diese Methoden nicht genug Geld haben. Eine Privatklinik mache das, aber in seinem staatlichen Krankenhaus würden sie so etwas nicht einsetzen. Auch erzählte er mir, dass es immer noch einige Männer gäbe, die ein ziemliches Problem damit hätten, wenn ein Arzt eine Frau untersucht. In solchen Fällen müssten dann die wenigen Medizinerinnen, die es an seinem Krankenhaus gäbe, die Voruntersuchung machen. Die OP würde er dann aber wieder selber machen dürfen/müssen.

Am Ende haben wir E-Mail-Adressen ausgetauscht und er sagte mir, er wolle mir Fotos von seinem Krankenhaus in Kabul schicken. Also bin ich gespannt und werde euch auf dem Laufenden halten, sobald bzw. falls diese eintreffen. Definitiv eine interessante Begegnung.

PS: Züge mit Neigetechnik sind ein Fluch der modernen Technik. Mir wird darin immer leicht übel.

h1

Objektorientierte Geschichten: Gefälschte Handtaschen

10. August 2008

Frauen und Männer dieser Welt, lernt Jerome kennen. Jerome ist Franzose, dunkelhaarig gelockt, schlacksiger Körperbau mit einer steilen Nase, die voll von seinem Biologie-Studium ist. Weshalb er sich letzten Freitag spontan ein Interrailticket gekauft hat und damit nach Barcelona gefahren ist. Die Fahrt war anstrengend, aber lustig, da er zwei Gleichaltrige aus Indonesien getroffen hat, die per EuroDomino Ticket durch Europa fahren, aussteigen, ein Foto machen und wieder einsteigen. Nur um am Ende ihrer Reise festzustellen, dass sie nun wissen, dass sich die Toiletten der französischen und der italienischen Nachtzüge gleichen, dass die Deutsche Bahn die schönsten Züge mit den unterkühltesten Schaffnern hat und dass sie mehr über die Verbindungen zwischen den Städten, als über die Städte selbst wissen.

Völlig übermüdet und verschwitzt kommt Jerome in Barcelona an. Unter den Brücken, die in die Stadt hinein führen und an denen der Zug vorbeifährt, sieht er schwarze Menschen hausen. Sie sind sehr schwarz und haben vermutlich 7.000 Euro dafür bezahlt, dass sie hier sind. Nun fährt der Zug unterirdisch und er kann sie nicht mehr sehen.

Er steigt an der Plaza de Catalunya zum ersten Mal an die Oberfläche. Sofort gerät er in einen riesigen Schwarm voller Mücken. Die Viecher sitzen im Café, gucken ihn mit ihren grün schimmernden Facettenaugen sinnentleert an, schlürfen an ihren Getränken und sind so unzulänglich bekleidet, dass man ihre weißen, haarigen Beine sieht und bei der weiblichen Spezies Blicke ins Innerste ermöglichen. Jeromes Kopf schmerzt. Kann das sein? Oder was waren das für Tickets gestern, die ihm die indonesischen Gleichaltrigen angeboten hatten? Er schüttelt sich, guckt nochmals zu den zahlreichen Straßencafés hinüber. Ach, es sind doch nur die Paket-Touristen, 5 Tage Barcelona für 250 Euro. Prost! Wer will da 7.000 Euro an irgendwelche Marrokaner zahlen, die einem nur eine sehr ungemütliche Überfahrt mit ungewissem Ziel anbieten?

Zwischen den Touristen breiten auf den Bürgersteigen Schwarzafrikaner Laken aus, auf denen sie gefälschte Handtaschen (Prada, Gucci, Fendi, YSL, Louis Vuitton) anbieten. An jeder Ecke des Lakens eine Schnur, die in der Mitte zu einer Schlinge zusammen führt. Jerome schlendert in der elenden Abendhitze die Ramblas entlang. Touristen, Bierdosen verkaufende Straßenhändler, geschlossene Blumenläden, Artisten, get-your-comic-in-20-min, Trickbetrüger und dazwischen die Schwarzafrikaner mit ihren aufmerksamen weißen Augen. Sie gucken rechts, sie gucken links. Nice bag for the lady, Mister?

Vielleicht hätte er doch mit seinen Eltern nach Deauville fahren sollen? Immer dieser Scheiß. Er hat keine Lust mehr auf das Familiengetue, keine Lust mehr auf die Mädchen reicher Eltern, die sich alle gleichen. Die alle diesen Taschen hinterher rennen. Lächerlich. Deshalb ist er hier, inmitten dieser Masse. Plötzlich heult neben ihm eine Polizeisirene auf („Tonino tonino toninooo“). Wie in einer perfekten Choreografie, ziehen alle Schwarzafrikaner gleichzeitig an ihrer Schlinge, alles verschwindet in dem Sack aus Laken und ein schwarzer Schwarm rennt unter lauten Rufen hinein ins Barrio Gótico, in dessen engen, nach Urin stinkenden Gässchen die Flucht vor dem Polizeitauto erneut möglich ist. Die Ware ist gerettet. Das Leben vorerst auch.

Jerome bleibt weitere 5 Tage, es geht noch billiger als 250 Euro, um schließlich zurück nach Frankreich zu fahren und über der Kategorisierung von Ameisenarten dieses Elend schnell wieder zu vergessen. So wie wir alle, denen es gut geht und die hier und da zwar davon hören, dass es anderen nicht so gut geht. Denen es kurz leid tut, die tatsächlich den Bruchteil einer Sekunde eine gewisse Dankbarkeit verspüren, von der die meisten aber nicht wissen, an wen sie diese richten sollen, und die dann weiter machen. Wie bisher. Während da draussen alle zwei Wochen Leute ertrinken, die für eine Überfahrt in einem schlecht geflickten, verrosteten Kahn mehr zahlen als so manche für 3 Wochen DomRep Halbpansion.

Frauen und Männer dieser Welt, lernt Jerome kennen.

h1

16 Std. durch Europa

2. August 2008

Freunde der Unvernunft,

ich bin Marie Jacqueline. Fliege nicht gerne. Moechte dennnoch nicht auf Urlaub im Ausland verzichten. Und mache dann Weltreisen im Zug. Dieses mal geht es erneut in das wunderschoene Barcelona. Auf Tantenbesuch. Das ist sehr praktisch, denn sie hat nicht nur eine Penthouse-Wohnung, sondern kocht auch noch hervorragend und moechte sich dabei nicht helfen lassen. ;-)

Anbei meine gestrige Reise in Bildern:

Bewoelkte Vormittagssonne gegen 8:00 Uhr in der Naehe von Freiburg.

Basel. Mit Werbung fuer schweizer Kaese.

Mueder Mitreisender vor schweizer Wiese.

Der kleine, schicke Berner Bahnhof.

Langer See bei Lausanne.

Der Talgo von Montpellier nach Barcelona.

Haus bei Peripignan.

Und zuletzt ein kleines Video, das auf ungefaehr der gleichen Strecke gemacht wurde.

Das war’s fuer heute. To be continued…

h1

Sie zitiert

15. Februar 2008

aus den Büchern, die sie in der letzten Zeit gelesen hat:

~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~

„Wir stellen zugleich unser aufgetakeltes Äußeres und unser niedergeschlagenes Inneres zur Schau.“ Ice Cream in La la la

~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~

„Ich hätte sie so richtig durchschütteln und dabei anschreien sollen, wie dumm, wie arg dumm sie sei: warum denn sterben wollen, du hast doch dein ganzes Leben noch vor dir! Wir haben ja alle ein Leben, von dem niemand weiß, wie es sein wird, doch je mehr noch vor uns liegt, desto größer ist auch die Hoffnung. Das Leben ändert sich bei jeder Gelegenheit im Jahr, und vielleicht ist´s ein Milch-und-Honig-Jahr, aber es geht zu Ende, und das neue ist wieder anders; ich weiß das von klein auf: nach dem Kummer die Freude.“ Mercè Rodoreda, Weil Krieg ist

~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~

„In dieser grellen, von lärmender Musik beherrschten Sorglosigkeit wird es dir leicht fallen zu tanzen. Dein Körper wird sich von den Fesseln des Willens lösen, und in dieser Welle rastlos zuckender Arme, Beine und Füße wirst du dich amphibisch frei fühlen.“ Joseba Sarrionandia, Der gefrorene Mann

~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~

„Von zwei Psychopathen vergewaltigt zu werden, ist normal, aber dass sie mich danach im Casa de Campo liegen lassen, spät in der Nacht, wo ICH doch so zugerichtet war wie in einem mexikanischen Vampirfilm, das halte ICH nicht aus. ICH sage ihnen noch, wenn sie mich schon vergewaltigt hätten, dann könnten sie mich wenigstens nach Hause bringen, weil ICH ein Bad brauchte und es in der Gegend keine Taxis gab. Sie sagten, sie trauten sich nicht, mir ins Gesicht zu sehen, sie würden lieber alles vergessen, und ICH solle auch lieber alles vergessen. Das ärgert mich wirklich, ICH begriff, dass es Situationen gibt, da kann eine Frau einfach nicht anders, da muss sie zur Feministin werden. Das war so eine. “

Pedro Almodóvar, Patty Diphusa

~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~

Aus Sten Nadolnys Netzkarte gibt es auch so einiges:

„Die Wahrheit ist, daß ich gern im Zug sitze und aus dem Fenster sehe, meine Phantasie in Gang kommen lasse und allerlei Pläne mache. Das einzige, was mich bisher daran gestört hat, war die Zumutung, irgendwo aussteigen zu müssen, weil die Fahrt zu Ende war. Aus diesem Grunde kaufte ich mir die Netzkarte.“

„In einem Bus ist es nahezu unmöglich, im Stehen jemanden zärtlich zu berühren und sich gleichzeitg bei jähen Bodenwellen und Straßenecken, die man nicht kennt, festzuhalten. Es endet oft damit, daß man sich gerade an der Person festhält, zu der man zärtlich sein wollte, sie gar umreißt und durcheinanderbringt, unverhofft schwängert und ähnliches. Da ich all das vielfach erfahren habe, unterließ ich jeden Versuch, der zu einem bösen Ende hätte führen können, und die Busfahrt verlief ereignislos.“

„Es ist seltsam, jemanden zu betrachten, der aus einem fahrenden Zug in den Wald schaut. Das Auge nimmt nicht einfach alles auf, was vorüberfegt, sondern muß von Einzelheit zu Einzelheit springen. Die Augen meines Gegenübers sind nach draußen gerichtet und flackern unablässig. Das gibt seinem Blick etwas Aufgescheuchtes, Dramatisches. So ähnlich guckt eine Katze durchs Gartentor, wenn hintereinander fünf Feuerwehrwagen vorbeifahren.“

„Eine Straße mit Birken nähert sich erst zaghaft, dann immer schneller, stürzt auf den Bahndamm zu, entledigt sich hastig der Birken und verschwindet unter mir in einer Unterführung.“

„<<Frankfurt.>> Aus meinem Zug steigen nur Männer aus, auch zwei von meinen vier Abteilgenossen. Was Frauen anbelangt, ist dieser Zug eine Pleite. Wieso gibt es keine Gschäftsfrauen, die in wichtiger Mission von ihren Firmen per Erster Klasse durch die Bundesrepublik geschickt werden? Ich gehe in den Speisewagen. Die Serviererin vergißt mein Frühstücksei. Ich brauche nur Sekunden, um zu wissen, wie sie es wieder gutmachen könnte. Aber sie bringt dann doch lieber das Ei.“

„<<Sulz am Neckar.>> Zwei Mädchen steigen ein, mit roten Bäckchen, frisch miteinander schwäbelnd, mit neugierigen, freundlichen Augen. Mein innerer Raubvogel wird wach. Die Schwaben sind seelisch alle irgendwie übermäßig gesund.“

„Auf dem ganzen Heimweg sprachen wir über Frauen, die er mochte – dazu zählte er vor allem seine Ehefrau -, und über Frauen, die ich mochte. <<Frauen>>, sagte er, das Gartentor in der Hand, <<sind keine besseren Menschen. Aber sie sind mir die lieberen.>> Ich stimmte zu, und für halb zwei Uhr nachts war das zwischen zwei Männern, die sich vorher nie gesehen, dafür aber heute dem Wein gut zugesprochen hatten, ein beachtliches Fazit.“

~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~ ~o~o~o~o~

„Da taucht das einzig wirklich wichtige Problem auf: Was soll ich anziehen?

Stil zukünftige Autorin und ohne jede Eleganz, denn das wahre Leben spielt anderswo. Lieben Sie mich nicht wegen meiner vollen Brüste, lieben Sie mich wegen meines geistigen Gehalts.

Stil zukünftige Legehenne für Bestseller, mit Dauerwelle, denn das wahre Leben ist hier. Lieben Sie mich nicht wegen meines Talents, lieben Sie mich wegen meiner Nähe zum Volk.

Stil Aufreißerin für elegante Männer an der Rive gauche, zum sofortigen Verzehr, denn das wahre Leben spielt sich auf Ihrem Schreibtisch ab. Lieben Sie mich nicht wegen meines Manuskripts, lieben Sie mich wegen meines gehaltvollen Innenlebens.“

Anna Gavalda, Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet

h1

Hör zu und es erschließt sich die Welt

6. Dezember 2007

Ich fahre ja bekanntlich viel Zug. Ihr glaubt gar nicht, was man da alles für Weisheiten zu hören bekommt. Wenn ich einen Stift zur Hand habe und einen freien Zettel, schreibe ich mir diese Dinge auf. Hier möchte ich einige Highlights zum Besten geben:

„Es ist irgendwie demütigend und gar nicht cool, wenn unsere polnische Putzfrau mir eine Plastikhaube aufzieht, Löcher reinmacht und einzelne Strähnen rausholt um sie mit dieser stinkenden Paste einzuschmieren. Aber billiger als Friseur halt.“

„Ich wusste von Anfang an, dieses Mädchen hat ein Geheimnis. Die trägt irgendein Geheimnis mit sich herum. Als wir dann schon länger zusammen waren, hat sie mir erzählt, dass sie vergewaltigt wurde und hat geweint. Klar, dass die psychische Schäden hat. Ich meine, wer zeigt einem danach, wie man Sex hat?“

„Weißt du, mein Vater ist total stolz darauf, dass ich weiter studieren will. Klar, er ist Professor. Es ist so ein geiles Gefühl, wenn der Sohn stolz auf seinen Vater und vor allem wenn der Vater stolz auf seinen Sohn ist.“

„Ich hab gesagt: Hey, das ist die geilste Party der Welt. Und der hat im Auto gepennt!“ – „Ahja, die haben einen Fahrer gebraucht, also bin ich dahin. Eigentlich wollte ich auch reingehen, aber mir war den ganzen Tag nicht so gut, ich war schlecht drauf und als ich die Leute gesehen habe, du, die waren alle gleich. Da wollte ich nicht mehr rein.“

„Die wollte ´ne Sozialwohnung. Obwohl ihr Vater Pilot ist. Stell dir das mal vor!“

Und schließlich noch die besten Betreffs aus meinen SPAM-Mails:

* Turn your weewee into real monster!

* Stir up a passion in her heart with your magic wand.

* If your warrior of love is too small, you may lose this war.

* The volume of your male meat is absolutely essential!

* You won’t need to furtively put socks into your trunks anymore!

* Santa will bring more length and strength to your willy!

Ohne Worte.