Archive for the ‘Zweifel’ Category

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Ohne darüber nachzudenken

12. September 2011

Eine Woche später. Wieder Sonntag, bappig, schwül und grau. Aber einen goldenen Himmel, mit zuckerwattigen leuchtenden Wolken auf der Rückfahrt gesehen (und somit die Schönheit). Ich mag grau und blau kontrastiert mit orange und gelb. Sehr.

Mein Gehirn tendiert zum Zweifel und zur Weltherrschaft (aka. Regime des Körpers). Dabei ist es auch nur ein Organ, das seine Dienste verrichtet. Allerdings kann ich darauf Einfluss nehmen. Was für eine Erkenntnis! Meiner Leber kann ich keine Anweisungen geben, wohl aber dem ollen Blumenkohl/Blattsalat da oben. Dem automatischen Maler, der Pollock-Bilder fabriziert (und die haben mir noch NIE zugesagt).

Ich weiß wie du funktioniertst: Es gibt Punkte (Neuronen) und du schaffst Verbindungen (oder etwa doch ich? ;-) und dann trampeln wir beide gemeinsam die Pfade platt und je öfter wir sie entlang gehen, desto breiter werden sie. Aber es gibt ja – gottseidank – die neuronale Plastizität, von der ich wenig Ahnung habe, aber es klingt gut und ich glaube darunter zu verstehen, dass man aufhören kann, Pfade zu gehen und die dann auch wieder zuwachsen (was bei kleinen Wegen natürlich länger dauert, als bei asphaltierten Autobahnen, die schon im Dritten Reich angelegt wurden, äh, ok, in meinem Fall wohl eher in „the early 80ies“).

Zuwachsen mit Unkraut oder stinkenden lila Pflanzen, wobei wir schon beim nächsten Thema wären: Der Unterschied zu letztem Sonntag ist, ich war sehr viel im Wald. Wandern. Wandern? Unglaublich, aber wahr. Noch nichtmal 30 und es wird schon gewandert. (Wo soll das nur wieder hinführen? – Ans Ziel, Blumenkohl! – Der Weg ist das Ziel! – Achja, du platter Blumenkohl, lass ruhig alles raus, was du zu dem Thema zu bieten hast. Komm, geh ruhig alle Pfade die von dem Punkt „Ziel“ aus sich in deinem Netz gebildet haben. Aber ich sage dir eines, es ist mir herzlich egal, wo du heute noch entlang läufst. Ich komme nicht mit.)

Ich will singen
so wie die Vögel singen
ohne darüber nachzudenken
wer mir zuhört
und was andere dabei denken.

Rumi

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Die berühmten Launen

4. September 2011

des Fräulein F.:

  • Es ist grau, es regnet, es ist leicht bappig schwül, es ist Sonntag.
  • Hochzeiten deprimieren mich. Ich brauche jemanden, der mich versteht und habe die leise Befürchtung, dass es niemanden gibt.
  • Ich glaube, ich muss hier weg. Guckt sie euch an, die Deutschen. Da kann man oft nur den Kopf schütteln.
  • Ich fühle mich anders (positiver wäre „besonders“, aber „positiv“ wäre etwas Besonderes für mich ;-).
  • Auch in Gemeinschaften fühle ich mich manchmal alleine und habe ein starkes Abgrenzungsgefühl.
  • Ok, vielleicht liegt es auch daran, dass ich gerade PJ Harvey höre.
  • Mehmet sagt immer, danke für so viel Schönheit, aber ich kann sie manchmal nicht sehen.
  • Heftig Weinen tut immer gut. Es beruhigt auf einer körperlichen Ebene.
  • Wenn die Oberfläche kaputt ist, hat man keine andere Wahl als in die Tiefe zu gehen. Ausgesucht habe ich mir das nicht.
  • Und eigentlich geht´s mir bei all dem doch trotzdem gut. Relativ gesehen. Was auch wiederum in gewisser Weise tragisch ist.
  • Ich beobachte mich. Diese Emotionen sind Teil meiner konstruierten Realität. Ich weiß. Aber manchmal fühlt es sich so echt an.

Das bin ich nicht. Aber das könnte ich sein.

Schöne Aktion von ZRE.

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Einen Plan

9. August 2011

Wenn ich doch einfach mal:

  • einen Plan hätte. EINEN!
  • 100% hinter etwas stehen würde. 100%!
  • ein Land für mich festlegen könnte! EINES!
  • was knallhart durchziehen würde. KNALLHART!
  • jemanden anziehend finden könnte. ANZIEHEND!
  • nur ein Buch lesen würde. EINES!

Statt dessen: Tausend Ideen, ständige Gedankenströme, spenden für Projekt E, spenden für Afrikas Horn (ist das moralisch zu verantworten?), hier ein bißchen Internetrumklickerei (ah, es gibt mittlerweile die GIZ, interessant!), hier ein bißchen Cashew-Kerne, ein bißchen Grüner Tee, ein bißchen Sonne (jeder Strahl muss in diesem Sommer ausgekostet werden), hier ein wenig E-Mail-Schreiberei (würde aber lieber in irgendeiner Kneipe hocken und mit Leuten reden), ein wenig Musik, ein wenig Adressen physisch in ein Buch schreiben (da komm ich ran, unabhängig von Strom, Geräten etc, I want more atoms, less bits), Kontaktlinse reiben, verspannten Rücken spüren, Foto in Skype ändern (danke, Ego, aber das bin ich nicht und du bist nicht ich), To-Do-Listen schreiben, um sie dann wochenlang zu ignorieren (ist sowieso alles „kleine Scheiße“, ich sag nur Verwirrung im Kali-Yuga, und höre auf, Dinge zu schreiben, die nur ich verstehe: Notiz an mich selbst, Neuronenverknüpfung, wir können überhaupt nicht kommunizieren, das hier ist nicht wirr, ich habe meine Ordnung, das Gehirn will sowieso nur ordnen und kategorisieren, ist ja klar, weil sonst könnte es ja auch keine Verknüpfungen herstellen, ständig wird da oben gestrickt… aber das bin ich nicht.)

Ich liebe schlafen. Soll das Gehirn doch machen was es will, weiter blöken und krakeelen, ich mache da nicht länger mit. Ich weiß, das Programm läuft weiter, aber ich schalte ab. Eine kurze Pause vom Leben, im Leben. Und trotzdem bin ich. Tief in mir drin, reine Glückseligkeit. :-)

Gute Nacht.

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Meine Diva Motivation

4. Juli 2011

Manchmal nervt mich meine Motivation. Die ist dann nämlich irgendwie weg. Und meine Konzentration auch. Ich kann mich nicht auf eine Sache konzentrieren und sie abarbeiten. Mich nervt das „ständig Neue“. Mich nerven Bullshitbingo-Begriffe in sämtlichen Publikationen, die ich lese. Ich bin jemand, der Anwendung mag. Ich denke auch gerne nach, ja. Aber nicht strukturiert. Mäandrierend eher. Manchmal weiß ich vor lauter Bullshitbingo-Begriffen nicht mehr, was die Leute eigentlich sagen wollen. Das ist mir alles zu abstrakt. Und was mich noch nervt, ist dass ich nicht überzeugt bin, von dem was ich tue. Dass ich mich nicht verkaufen kann. Dass ich nicht von meiner eigenen Geilheit überzeugt bin, wie dies offensichtlich viele Menschen sind. Die machen dann irgendetwas total Banales und dann reden sie darüber (als wäre es was Großes) und dann schreiben sie darüber und dann… Ätzend! Bin ich zu zweifelnd, zu bescheiden? Oder einfach nur nicht so kapitalistisch / geil drauf?

[Ergänzung 05.07.2011]: Gestern Abend geschrieben und heute gelesen: „Motivation ist eine psychische Kraft, die dem menschlichen Verhalten und Erleben Richtung, Intensität und Ausdauer gibt. Diese Kraft aber kommt aus dem Menschen selbst und ist nichts, was von außen in den Menschen hineingegeben werden kann. [… Aber:] Wenn wir nämlich die Erkenntnis, dass sich Menschen autonom, kompetent und sozial anerkannt fühlen wollen, unserem Handeln zugrunde legen, haben wir durchaus die Möglichkeit, die Motivation der Menschen in unserem Umfeld zu stärken. Dieses Unterfangen beginnt damit, dass ich mein eigenes Denken, mein Menschenbild überprüfe. Akzeptiere ich die Prämisse, dass sich jeder Mensch autonom, kompetent und sozial anerkannt fühlen will?“ (B. Spinath)

 

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Gott und die Welt

18. März 2011

Natürlich diskutiere ich mit meinen Freunden. Über Gott und die Welt. Die Welt, den Zustand der Welt und wo Gott jetzt eigentlich gerade ist, zum Beispiel oder grundsätzlich. Es herrscht Verwirrung, große Verwirrung. Darüber und über alles mögliche. Vokabeln gelernt (Abklingbecken! Drohne! Daiichi! Daini!), Namen (Hetkämper!) von Wörtern umzingelt („offenbar“), von Zahlen (1, 2, 4, 3, jetzt wieder 4…), von Werten (gestiegen, gesunken), von Elementen (Feuer, Wasser, Cäsium, Plutonium…). Das Gefühl der Machtlosigkeit. Das Gefühl, ein Voyeur zu sein. Ein ARD-Newsticker-Klicker. Ändert sich da eigentlich was? Die Zahlen ändern sich… Aber grundsätzlich? Information. Desinformation. Halbinformation. Warum schaue ich mir das überhaupt an? Warum diese Wissbegierde? Ich kann doch nichts tun! Da geht der Strom aus (weswegen auch immer!) und das reicht für all… das? Strom aus, Kühlung weg, Hölle an? So einfach geht das?! Und das eigentliche Problem dahinter: Unser beständiger Energieverbrauch. Die Einstellung: Nach mir die Sintflut. Wer spricht darüber?

Ich habe keine Angst oder Panik, aber ich bin verwirrt. Man lebt so vor sich hin, weiß dass diese AKWs in der Nähe stehen (Biblis, Neckarwestheim, Phillipsburg) und verdrängt es im Alltag erfolgreich. So war ich vor 10 Jahren zuletzt auf einer Demo gegen Biblis. Wenn dann aber so etwas Unfassbares wie in Japan passiert, rüttelt das total auf und zeigt, dass es Risiken gibt, die wir nicht kontrollieren können. Und dass sich keiner hinstellen kann und sagen kann: Etwas ist sicher! Nichts ist sicher, außer: Wir werden alle sterben. Nicht jetzt, nicht deswegen, aber früher oder später. Friedlich oder nicht. Alles andere ist NICHT SICHER.

Elegant hier rauskommen? Das „Beste“ aus seinem Leben machen? Etwas bewirken? Mehr zu sein, als reiner Ressourcenverbraucher? In die Oper gehen, darf man das unter diesen Umständen? Verstrahlt werden, erschossen werden oder eben, in die Oper gehen: Das sind die Optionen auf diesem Planeten. Aber was hat das alles mit mir zu tun? Wir sind eine Welt: Alles hat mit Allem zu tun. Oder? Aber es ist zu komplex um alle Zusammenhänge, alle Konsequenzen zu sehen. Also doch: Leben und es möglichst elegant überstehen?

Dinge dann tun können, wenn einem danach ist. Eine großartige Freiheit.

Sich der Verwirrung hingeben. Mir ist gerade danach.

福島
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Anspruch

17. November 2010

Ist es gut ihn zu haben? Oder ist er vielmehr ein Hindernis, eine Schranke?

Die Wikipedia sagt: „Unter Anspruch versteht man umgangssprachlich Erwartungen, Bedürfnisse, Wertvorstellungen, übernommene Normen eines Menschen bezüglich einer Sache.“ Ist es also gut, mit diesen Erwartungen, Vorstellungen, Normen an eine Sache heranzugehen? Oder sollte man lieber ganz unbelastet, völlig offen an etwas herangehen? Ohne Erwartung. Wer keine Erwartung hat, kann schließlich nicht enttäuscht werden.

Mein Denkstatus gerade ist: Das führt zum Mittelmaß und Dilettantentum. Das will ich nicht. Deshalb: Anspruch!

Mein Fragestatus gerade ist: Behinderst du dich selbst? Bist du zu vorbelastet? Gibst du keine Chancen?

Das digitale Wörterbuch sagt: „Anspruch, der; -(e)s, Ansprüche (berechtigte) Forderung.“ Ja, „berechtigte“ in Klammern, ihr Witzbolde! Das ist nämlich hier genau die Frage. Die Frage: Ist es gut zu wissen, was man will und sich eine Meinung darüber zu bilden. Oder soll man lieber alles auf sich zukommen lassen? Und wild ausprobieren?

Keinen Anspruch haben heißt auch, nichts eine Bedeutung beimessen. Oder wenig Bedeutung. Das kann ich – glaube ich –  nicht. Für mich sind Sachen entweder bedeutungsschwanger (!) oder nicht.

Und da wären wir wieder bei MJF´s Schwarz-Weiß Drama, das komplett ohne Grau spielt. Scheinbar muss ich Grenzen ziehen. Scheinbar operiere ich mit Differenz. Andere, bin ich mir sicher, auch. Aber ich extrem.

Anspruch haben heißt Grenzen ziehen: Das bin ich nicht. Das will ich nicht. Damit identifiziere ich mich nicht. Diese Handlung entspricht mir nicht. Die Frage ist dann also viel eher: Schätze ich Dinge und Menschen richtig ein? Interpretiere ich richtig? Vielleicht ist das eher die Frage. Spreche ich Menschen/Dingen einen Anspruch zu, den sie nicht haben. Oder anders herum: Verkenne ich Ihren Anspruch, weil ich sie nicht kenne und keine Chance gebe.

Das ist also vielmehr das Problem. Anspruch haben, ich kann einfach nicht anders. Aber nicht voreilig zu bewerten und damit wieder eine Offenheit zulassen, das wäre es doch! :-)

Übrigens: Diese Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Voll- oder Beständigkeit. ;-)

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Interne Umbrüche

30. Juli 2010

Viel los. Viel los.

  • Wofür schreibe ich das alles hier? Und für wen?
  • Bin am Überlegen, alles aufzulösen und ein Buch zu schreiben.
  • Ich recycle mich selbst und mache aus alten Teilen neue.
  • Wer weiß schon, wie ich bin.
  • Die Identität als Projekt.
  • Gerade eine sehr direkte Postkarte an eine gute Freundin geschrieben.
  • Die ganze Woche schlecht geschlafen.
  • Un día de estos nos verán sonriendo.
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Manchmal passiert mir das

16. Juni 2010

Manchmal passiert mir das: Ich laufe durch die Stadt und glaube plötzlich an gar nichts mehr. Weder an die Gesellschaft, noch an die Stadt, noch an den Beruf, noch an das Leben, noch an alles was mir lieb und teuer ist. Plötzlich verliert alles seine Bedeutung, und ich laufe, ohne Angst und Panik, gelassen, aber innerlich etwas traurig, sinnentleert durch die Stadt. Es weht innerlich kein Lüftchen.

Man bildet sich ja eine Welt: Man analysiert, interpretiert, hat Vorstellungen – mal eng, mal weit – man kategorisiert die Dinge, baut sich ein System, eine Struktur, die für einen selbst Sinn ergibt. Man konstituiert die Welt und sich selbst. Scheinbar braucht das der Mensch, scheinbar ist man sonst kein Mensch.

Deshalb ist es durchaus berechtigt, dass ich innerlich etwas traurig bin, wenn der Sinn mir entflieht. Ich höre in mich rein und nichts schallt zurück. Die Straßen, die ich sonst mag, rühren in mir nichts. Das was mich sonst begeistert, was mich vorantreibt, löst nichts mehr in mir aus, wenn ich darüber nachdenke.

Manchmal verzweifle ich dann, bin unruhig, werde aktionistisch, suche den Sinn. Aber heute bin ich einfach gelassen weiter gelaufen. Nach Hause. Ins Bett. In mir drin ist nichts los, nichts, das mehr Sinn macht. Also ab nach Hause ins Bett, vielleicht sieht es morgen anders aus. Mein Bett ist meine Höhle, in die ich mich verkrieche, wenn ich von der Gesellschaft genug hab. Wenn ich müde bin, körperlich und psychisch. Etwas kaputt gehe ich rein, etwas ganzer komme ich meist morgens heraus. Der letzte Zufluchtsort. (Es gibt sogar ein Gedicht über mein Bett, aber das ist so gut, dass ich es für später aufhebe).

Mich rettet das Wissen, dass es wieder anders wird. Ich weiß, auf weiss folgt schwarz, manchmal grau dazwischen. Ich weiß, auf Sonne folgt Regen und anders herum. Ich weiß, das Leben beinhaltet auch das Sterben. Ich weiß von der Dualität des Ganzen hier. Jeden Morgen ein neuer Tag, eine neue Möglichkeit das zu werden was ich bin, das zu sein, was ich bin. Manchmal eben auch sinnentleert.

Was ich vorhin dachte, als mir das passierte? Ich lief an Kaufhäusern vorbei, sah Schlussverkäufe und schöne Kleider. Es ist doch Quatsch, das mit den Kleidern. Warum kann eigentlich nur der Mensch richtig nackt sein? Warum Kleider? Kein Tier kommt auf die Idee! Und wir kleiden uns mit diesen Stoffen und denken, es sagt etwas über uns aus. Scheinbar macht es Sinn gewisse Kleider zu tragen oder nicht zu tragen. Scheinbar gibt es etwas Sinnvolles darin, was über das Körperliche hinausgeht. Aber warum Kleider? Wer kam überhaupt auf die Idee? Und warum? Kleider = Kultur?

Ich dachte auch: Wir schmeißen so viel Essen weg. Ich ertrage das nicht, wenn so viel Essen weg geworfen wird. Ich ertrage das nicht. Überhaupt ertrage ich es nicht, wenn die Leute nicht sorgsam mit dem umgehen, was wir haben. Auch ertrage ich es nicht, wenn Leute nicht sorgsam untereinander umgehen. Nicht sorgsam sein. Das mag ich nicht. Es geht noch weiter: Nicht die Verbindungen sehen, das mag ich nicht. Wenn die Leute nicht sehen: Ursache – Wirkung – Konsequenz. Nur weil es nicht direkt unter ihrer Nase liegt! Zu kurz gedacht, zu kurz gedacht. Alles ist mit Allem verbunden. Alles hat mit Allem zu tun. Alles. Mehr oder weniger, aber alles mit allem in gewisser Weise.

Vieles in dieser Gesellschaft erschließt sich mir nicht, kann ich einfach nicht bejahen und verstehen. Und genauso erschließe ich mich nicht der Gesellschaft. Manchmal fühle ich mich so weit weg von allem. Dann fühle ich mich alleine, sehr alleine. Ich wünsche mir dann Menschen, die ähnliche Sinnstrukturen haben, wie ich. Sie besänftigen meist die Unsicherheit in mir. Dass es wirklich Leute gibt, die so denken wie ich, ist eine meiner größten Freuden auf Erden. Der Mensch ist eben ein Gemeinschaftstier und sehnt sich nach Ähnlichem oder zumindest Verständnis. Und was die Gesellschaft angeht: „Erkenne sie, aber versuche nicht sie zu ändern.“ Das ist natürlich ein kleiner Stich in ein revolutionäres Herz, erspart aber viel verschwendete Liebesmüh.

Himmelhochjauchzend zu Tode betrübt. Wenn es etwas gibt, das meine Stimmungen beschreibt, dann wohl diese Zeile aus einem Gedicht, das in meiner Lesefiebel zu Grundschulzeiten stand. Einmal weht innerlich kein Lüftchen, ein anderes Mal bin ich so richtig durchgefegt. Das hängt zumeist stark davon ab, was mir tagsüber zugestoßen ist, was ich erledigt habe und wie die Menschen zu mir waren. Vielleicht ist es manchmal aber auch ein wenig die Planlosigkeit. Es sei mir verziehen, ich bin westlich sozialisiert und dementsprechen fällt es mir schwer, mich der Planlosigkeit hinzugeben. Die Vergangenheit zu vergessen, die Zukunft nicht schon zu bedenken, also ganz in der Gegenwart zu leben. Und mir fehlt auch manchmal der Glaube, die Zuversicht. Zitat aus einem kürzlich gelesenen Buch: „You’re gorgeous, you old hag, and if I could give you just one gift ever for the rest of your life it would be this. Confidence. It would be the gift of confidence. Either that or a scented candle.“

Notiz an mich selbst (und die Welt): „Was mir gut tut“

  • Mich mit unpretentiösen, ehrlichen und sympathischen Menschen zu umgeben.
  • Offen zu sein, nicht immer Pläne haben. Weil dann Möglichkeiten für Spontanes entstehen. Gleichzeitig aber damit leben zu können, wenn sich nichts ergibt.
  • Postkarten von alten Freunden zu empfangen, die mich schmunzeln lassen.
  • Alleine die Sonne auf meinem Balkon zu genießen, ohne angeguckt zu werden.
  • Sachen zu erledigen. Das tut verdammt gut und ist eigentlich so einfach.
  • Eine gewisse Ordnung bzw. zumindest das Gefühl zu haben, das Chaos zu beherrschen.
  • Klärende Gespräche, wenn sie dazu führen, dass eine Annäherung stattfindet.
  • Nicht alle Gefühle ernst zu nehmen. Bzw. sich vergegenwärtigen, dass sie nicht von Dauer sind.
  • Das Bedürfnis nach Anerkennung tief zu vergraben. Wenn es sich meldet: „Glei aans uff de Kopp unn in die Holzkischt. Dann Deckel druff, zuhämmern, Loch buddeln, tief vergrabe unn nedd uff die dumpfe Schreie höre. Noch ein paar schöne Blume druff pflanze. Des wars.“
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Heulen

8. April 2010

… vor Freude könnte ich bei diesen beiden Liedern. Und weil es endlich Frühling wird. Und weil 2010 ist, ich 28 bin und alles offen ist. Weil ich in MA wohne, weil ich im Zweifel für den Zweifel bin und weil es spannend ist, keinen Plan zu haben.

Lykke Li – Possibility: Video.

Tocotronic – Im Zweifel für den Zweifel: Video.

By the way: Tape.tv ist ziemlich cool.

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wirklich?

18. März 2010