Archive for the ‘FrauenMänner’ Category

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Zu Hause in Europa

10. August 2013

Leute in Europa wieder zu treffen, die man beim Reisen kennen gelernt hat, ist seltsam. Irgendwie ist da diese Verbundenheit, die auf gemeinsamen Erlebnissen fernab der Heimat besteht, und gleichzeitig das Deutlichwerden, dass man von dem eigentlichen Leben der Person zu Hause fast nichts weiß und dass man von diesem Menschen doch einen großen Teil nicht kennt. Plötzlich lernt man kennen, wie diese Menschen im Alltag sind. Begegnet der Familie, den Freunden. Sieht das Haus, in dem sie wohnen. Die Stelle, an der sie arbeiten. Außerdem haben sie deutlich weniger Zeit und sind auch weniger entspannt, als beim Reisen. Klar. Man ist zu Hause, am Arbeiten, nicht zum Spaß. Europa halt.

A (in Máncora, Perú kennengelernt) arbeitet in einer Bar auf Sardinien. Er arbeitet im Sommer fast ununterbrochen, nur zum Schlafen, Duschen und Essen kehrt er kurz nach Hause ein. Sonst wird gearbeitet und mit allen kurz gequatscht, die in die Bar reinkommen. (Ciao, come stai? Tutto bene?) Und es kommen viele. Man muss ein aufmerksamer, netter Barkeeper sein, sonst kommen sie nicht mehr. Die Kunden gehen vor.

T (in Montevideo, Uruguay kennengelernt) arbeitet auf einem Campingplatz im Tessin. Er hat Mo + Di frei, aber ansonsten arbeitet auch er 8 Stunden pro Tag, die unterschiedlich verteilt sind. Er ist Fan eines lokalen Hockeyclubs. Davon zeugt die große Fahne an seiner Wand, sowie sein Tattoo auf dem Arm und die Tatsache, dass ihn ein Freund beim Namen des Hockeyclubs nennt. (Ciao Ambri, tutto posto?)

Gemeinsamkeiten:

  • Sie arbeiten 8 Monate ziemlich viel. Danach haben sie 4 Monate frei, in denen sie reisen.
  • Sie sprechen Italienisch. Pasta bzw. Risotto ist ihr Leibgericht.
  • Sie wissen beide nicht so recht, ob das nun eine Freundschaft ist, oder ob da evtl. mehr gehen kann.
  • Sie wohnen beide im gleichen Haus mit der Familie. Der eine direkt, der andere unmittelbar.
  • Sie haben beide wenig Erfahrung mit Akademikerinnen.
  • Sie fahren beide Roller.
  • Sie tragen beide Havaianas.
  • Sie waren beide schon auf Cuba.
  • Sie haben beide Tattoos. Hockeyclub bzw. Sternzeichen.
  • Sie lieben beide Argentinien und waren beide in Patagonien.
  • Sie mögen beide Manu Chao.
  • Sie kennen sich nicht.

Aber sie hätten sich kennen lernen können. Theoretisch. Stattdessen haben sie mich kennen gelernt. Und ich sie. Jetzt noch viel besser. Und nun weiß ich: Zu Hause ist man nicht mehr derjenige, der unterwegs war. Europa frisst einen. Irgendwie.

 

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El huevón

20. Januar 2013

Ich habe überhaupt keine literarische Sprache! Ich spreche wie so ein Teenager, ich schreibe, wie ich spreche und ich spreche auch noch nicht mal elaboriert, sondern wie mir der Schnabel gewachsen ist. Hingegen der Chilene, el huevón, ese sí que habla bien. Domina perfectamente los dos idiomas y es muy eloquente hablando en cualquiera de ellos. Que mierda! Cómo le tengo recelo por eso. Cómo me molestaba al no pararme bola. Qué tengo yo de malo, que hago yo para espantar tanto a los hombres en Alemania? Aunque fueran Latinos. No! A mí los hombres sólo me funcionan bien en Latinoamérica. Seré yo la que cambia, o serán ellos (los alemanes o los de afuera, los que se amargan en el momento en el que entran a éste, mí país, donde todos los gatos son rubios)? Dabei geht es mir bei ihm gar nicht um irgendeinen Flüssigkeitsaustausch, sondern um einen Gedankenaustausch. Weil er einen mir ähnlichen Lebenshintergrund hat. Aber auf diese Idee kommt er gar nicht, dass ich mich mit ihm nur mental vereinigen will. Also auf eine andere Ebene der Intimität hinstrebe. Oder vielleicht hat er gerade davor Angst. Bueno, él se lo pierde. Y me dice: „No, yo soy chileno nomás, no me considero alemán.“ Listo. Entonces que se vaya a Chile „nomás“ y seguro que en algún momento de su vida se le va a venir bien duro, que habiendo vivido más de 20 años acá uno no se puede no considerar (además de cualquier otra cosa) alemán.

El señor se fue al tiro pa´l aeropuerto… ;-)

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Tan niño

31. Mai 2012

L,

que lindo que sos. Con eso me refiero a que vos no me tenías que contar eso, pero igual lo hiciste. Gracias por tu sinceridad.

Bueno, yo no tengo ningún problema con eso. Eres latino, perdón, pero no me asombra tanto… :-) Pero sobre todo supongo que es el „state of mind“ que uno tiene como viajero – siempre abierto a lo nuevo y curioso – y vos acababas de regresar. No que eso sea una disculpa (para tu novia), pero el comportamiento algo se comprende. Espero que lo hayan superado y que puedan continuar con su projecto de la casa y con otros más que se supone se tiene a esa edad…

Hace tres semanas que estoy de vuelta y te cuento que no es fácil. Estoy echando mucho de menos a América Latina y la gente cariñosa de allá. Acá somos muy frios, amargados y cada uno va por lo suyo, tratando de acumular más cosas materiales sin comprender que eso nunca lleva a la felicidad. Pero en todos los lados hay gente especial y creo que se trata de econtrarla y tratar de (si no es amar) por lo menos respetar a los demás aunque tengan un estilo de vida y hagan cosas que uno no apruebe.

Este finde me voy a Berlín y al boliche loco, ese que a tí te fascinó (el Berghain por supuesto). :-)

Bueno, L, gracias por todo y que te vaya bien.
Un abrazo MJ

—–Original Message—–

Hola MJ.

Como andas? Ya volviste para Alemania?? Espero que el viaje haya salido bien.

Mi mail en realidad es para pedirte disculpas porque por diversas razones entendi que no ser sincero es una estupidez y una inmadurez. Nunca te conte que yo estaba de novio, que la casa que estaba por alquilar y a la cual me iba ir a vivir era un proyecto en conjunto con mi novia. Ella me demostro y me hizo ver que lo que hice era romper nuestra confianza. Me parece que lo que hice es una falta de respeto tanto hacia ella como hacia vos y queria disculparme por eso. La vida me muestra una y otra vez que tengo tanto por mejorar. Pero bueno, queria aprovechar este medio para sincerarme y expresarte mi enojo para conmigo por ser a veces tan niño.
Saludos y que andes bien en tu vida
L.
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Buschnacht

3. Dezember 2011

eine Mannheimer Erzählung.

Motive: Mannheim, Jungbusch, Identitätskonstruktion durch Raum und soziale Praktik, Leben, Erleben, Transkulturalität, hart sein vs. sich fallen lassen, chaotische Alltagsrealitäten, elektronische Musik, Effekte von sozialen Kontexten, das boshafte unsicherheitsbasierte Coolsein junger Menschen vs. seltener Herzlichkeit, das Glück des Vorhandenseins von Drogen, selbstgesponnenes Bedeutungsgewebe.

Line, Jens und ich abends in der Jungbuschstraße. Wenn es eine Straße gibt, die für mich aufgeladen ist mit Bedeutung, dann ist es diese Straße. Was da schon alles passiert ist. Ich könnte jetzt Hausnummern aufzählen, aber ich lasse es. Mit wem ich diese Straße alles verbinde. Wieviel Teile meiner Identität mit dieser Straße zu tun haben. Denken wir für den Rest des Textes die Jungbuschstraße als Wirbelsäule meiner Identität. Jedenfalls, die herzliche Line, der schüchterne Jens und die sprudelnde M. (es sprudelt aber immer nur, wenn man es schüttelt) im C., weil da die Band unseres Vertrauens spielte (wobei einer davon überlegt aus der Musikmacherei auszusteigen und Manipulator zu werden und ein anderer davon früher ein netter Junge war und nun zur Gottwiegeilichbin-Fraktion gewechselt ist, man wundert sich jedenfalls etwas…). Ich war erstmal leicht müde, nüchtern und schüchtern, vorsichtig und gehemmt. Auf hab acht, statt bei mir selbst zu sein.

Es ist nämlich so: Ich praktiziere grundsätzlich Selbsthemmung, aber an manchen Abenden Enthemmung (die Autorin dankt dem Universum für Drogen, zum Beispiel in Form von Alkohol). Ich bin dann enthemmt, wenn ich natürlich bin und mir keine Grenzen setze. Die Grenzsetzungen, die Schwarz-Weiß-Malerei, das Ganz-oder-garnicht-Verhalten, die ich zuhauf an den Tag lege, sind begründet in unverarbeiteten transkulturellen Identitätskonflikten. Sozialisationsbedingt bin ich etwas orientierungslos, deshalb halte ich mich verbissen an Dingen fest und liebe Ausschluss und Differenzbildung. Ordnung im Geist, Psychohygiene. Weil ich in mir drin extrem unordentlich bin. Weil ich weiß, dass alles relativ ist. Chaotische Alltagsrealität. Dreck im Gesicht. Tod am Hafen. Kennen wir ja schon. An zuviel Sagrotan sollen aber auch schon Menschen zugrunde gegangen sein, meine Liebe, also lass das Chaos zu. Mit Wein zum Beispiel. Rotwein über alles. Eigentlich trinke ich im C. zur Enthemmung immer Zweigelt, heute Cabernet Sauvignon. Nicht ganz so gut. Mein Lieblingskoch ist nicht da, schade. Das C. ist nämlich auch so ein Ort. Es riecht nach Geschichte, unserer Geschichte. Es war eine Etappe unseres Lebens.

Mannheim. Da liess es sich ohne Mann aushalten, ohne ernsthafte Beziehung jedenfalls. Und während ich in den letzten Zügen meiner 20er steckte, war ich unter anderem Dienstleisterin für Akademiker – Sklaven des Impact Factors und der Drittmittelhascherei – und 20-Jährige, zu denen der Entwicklungsabstand erst kaum bemerkt wurde, um schließlich immer alarmierender ins Bewusstsein zu rücken: Unsere Kinder. Unsere Poster-Kinder, unsere ungeduldigen Druck-Kinder, unsere Studis, unsere Spätpubertierenden, unsere Party-Kinder, unsere Sich-Abchecker, unsere Kleinherdentiere, unsere Kicherer, unsere Klausurlerner, unsere Ungedulds-Kinder, unsere Erstis, unsere Kreutzer, unsere nervösen Examenskandidaten, unsere Nervensägen, unsere Heulbojen, unsere bekifft vor facebook-flackernden Bildschirmen schlafende Testosteron-Sprüher, unsere H&M-Schickeria, unsere Geheimnisvollen, unsere Unheimlichen, unsere Pornogucker, unsere Gebührendiskutierer, unsere verschämt Guckenden, unsere Kinder. Moment, ich war doch vor Kurzem auch erst so. Und trotzdem ist das Erwachsenwerden so gnadenlos, dass man sich kaum zurück versetzen oder gar erinnern kann, wie es war, bevor man älter wurde. War auch ich einmal so unfrei/unreif/unsicher?

Jedenfalls: M. Mein Engel mit Schnauze, lieb und nett, agressiv und destruktiv. Kollegin, Freundin, Verbündete. Man sagte uns gar eine Ehe nach. Nicht nur verarzteten wir gemeinsam unsere Kinder, Akademiker und Menschen-Handwerker, nein, privat ging auch eine ganze Menge. Denn wir mussten raus aus diesem akademischen Umfeld, dieser ausgedachten Welt. Und da die Kaffeepausen im sogenannten „Paradies“ nicht reichten („Currywurst mit Pommes, wea hod Körriworschd mit Bommes bestellt?“) um genug Konfrontation mit den gemeinen Mannheimern und der realen Welt abzubekommen, gingen wir nach einiger Überlegung („wir müssen etwas tun“ – „es muss etwas passieren“) und Konzeptschreiberei am sonnigen Rhein schnurstrakst in den verruchten, aber eigentlich ziemlich harmlosen Stadtteil Jungbusch und lernten dort Musiker, Künstler, Türken, Mystiker, Alkoholiker, 68er, Hipster, schräge Typen, interessante Menschen und Mannheimer Originale kennen. Immer mit Frau Gentri F. Izierung im Nacken, dieser blöden Sau. Soviel jedenfalls in aller Kürze zu diesem Ort und meinem/unserem Platz darin.

Die Line lebt im Jungle. Und der Lieblingskoch auch. Und der Journalist auch. Und der schüchterne Jens lebte mit der Line und vier anderen, aber diese WG wird auch ständig neu konstruiert. Jedenfalls saßen wir gestern Abend am Katzentisch. Das ist der Tisch, an dem die Musiker immer sitzen, lauschten der Musik und ich schaute dabei auf die Oberarme des lustigen Schlagzeugers („ihr sitzt ja immer noch da, bin ich nicht laut genug?“). Oberarme sind beim Mann das was bei der Frau der Ausschnitt ist. Lecker. Aber ich war ja noch gehemmt. Also verbot ich mir meinen sofortig einsetzenden mentalen Durchfall, der mich mit dem Körper des Schlagzeugers in Verbindung brachte, um das mal ganz diplomatisch zu sagen. Schöne Oberarme, schöne Hände. Die Hände sind beim Mann das, was bei der Frau die Brüste sind.

Das Publikum war sehr jung und wir kannten während des ersten Sets kaum jemanden. Was seltam selten ist. Während des zweiten Sets war das schon anders. Und als dann fertig war und wir gingen, standen ein paar Posterkinder vor der Tür. Die Posterkinder kommen auch manchmal in den Jungle. Mich irritiert das immer ein wenig, weil ich dann die Grenzen schließen muss, wobei der Zweigelt und ich doch erst gerade ein Schengener-Abkommen zur Öffnung geschlossen hatten.  Also schnell weg, zumal Mr. Whisky da auch herum stand. Ein langfristiges Alkohlproblem von mir. Höchste Zeit zu gehen… aber nicht ohne noch die obligatorischen Komplimente für mein Fahrrad mitzunehmen. Ich bekomme von Männern immer Komplimente für mein Fahrrad.

Während ich noch leicht im Post-Whisky-Zustand war (hätte ich bleiben sollen, hätte ich ein Gespräch anfangen sollen, meine übliche Reaktion), gingen wir weiter ins O. Dort unverhofft gute elektronische Musik. Ahhh, elektronische Musik, my love. Das und drei Moscow-Mules waren eine hervorragende Ablenkung. Ich habe es bisher noch nie erlebt, dass im O. getanzt wurde. Aber gestern tanzten eine erlesene handvoll Menschen mit gutem Geschmack zu guter Musik. Ich stehe gerade sehr auf diesen organischen, wabernden Elektro mit afrikanischen oder lateinamerikanischen Ryhthmen drin. Sogar Jens hat getanzt. Es macht Spaß zu sehen, wie die Nicht-Enthemmten etwas auf die Enthemmten neidisch sind. Was man sich dort auch schön anschauen konnte, ist wie sozial anstrengend doch Menschen mit unausgegorener Persönlichkeit sind. Die sind nämlich nicht echt, teilweise boshaft und verhalten sich ausgrenzend-abweisend. Damit meine ich diese ganze Grüßen oder Nicht-Grüßen-Geschichte. Das Sich-Anerkennen oder das Ignorieren. Das verstehe ich nicht. Entweder ich kenne einen Menschen und grüße ihn (man kann das durchaus knapp halten) oder ich kenne jemanden nicht. Seltsames Gehabe. Da lobe ich mir die Herzlichkeit der Line, was ich ihr auch gleich gesagt habe. Und sie meinte, das gehe für sie gar nicht anders. Nur das sei es wert, gelebt zu werden. Sie hat ja so recht! Der neue türkische Besitzer des Ladens schaute sich in dieser ganzen Zeit vom Tresen aus diese partisierende Menschenmischung mit Sorge und Verwunderung an und bat den DJ dann irgendwann leiser zu machen.

Man trifft natürlich doch wieder ein paar der üblichen Verdächtigen. Da ich mittlerweile auf funktionale Weise enthemmt war, lief es auch mit dem Anlabern ganz gut. Einen Drink ausgegeben bekommen. Den Namen des DJs erfahren (schön). Ein wenig geflirtet. Mir krasse Sachen habe sagen lassen (von einem mit ähnlichem Vibrationshintergrund): Ok gut, ich mit meinen harten Prinzipien. Mehr Chaos zulassen. Gut. Nichts planen. Gut. Ok. Wabern. Ok. Ok. Ok. Ich versuche es ja. Meinen Marktverkäufer getroffen und den Jungen von der Fahrradparade. Dieses sich beim Weggehen nahe am Gesicht unterhalten, mag ich außerordentlich gerne. Es ist so intim, man ist sich plötzlich so nahe. Kurz realisiert, dass ich scheinbar anziehend sein kann. Das tut gut. Ich mochte den Abend dann doch noch sehr.

Statt in die D2, wo alle noch hinwollten, sind wir dann beim Türken gelandet und haben um 4 Uhr nachts lecker gegessen. Lammspieße. Nach dem Feiern noch etwas zu essen ist auch wie so ein Ritual. Ich will das nicht verlieren, nur weil ich bald 30 bin. Ich will weiter gute Musik hören, mich mit Freunden gehen lassen, tanzen und Gespräche nahe am Ohr führen. Genau das ist Glück. Wenn Dinge passieren, an die man nicht gedacht hatte. Wenn Dinge anders kommen, als man sie sich ausmalt. Wenn man es schafft, es sich gar nicht mehr auszumalen. Keinen Plan haben, oder nur einen groben. Das Leben sich entwickeln lassen. Hatte ich diese Erkenntnis nicht schon einmal? Nichts kaputtzubewerten oder kaputtzufantasieren. Wie schaffe ich es mich dauerhaft zu befreien? Ich bin auf dem Weg… Italian state of mind. Mehr Rotwein!

Nach Hause gekommen, glücklich gewesen und nur leicht angetrunken. An diesen Abenden ist meine Zuneigung zu Mannheim unheimlich groß. Die neue Freiheit liegt darin, trotzdem loslassen zu können, ohne dass es schmerzt. Ich will gehen, ohne dass es schmerzt. Sich nicht an Erinnerungen festhalten, sondern den Moment richtig er/leben.

— Zugabe 1 —

„Wir sollten unsere Aufmerksamkeit nicht nur auf die Beobachtung unseres Gegenstandes richten, sondern auch auf die Art und Weise der Beobachtung unseres Gegenstandes.“ – A. Pott: Identität und Raum, in: Kulturelle Geografien, 2007.

— Zugabe 2 —

Sie suchten nach Bildern zu „Buschnacht“.

Leider keine Treffer.

Meinten Sie „beechnut“?

Nein, *seuftz*, meinte ich nicht!

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Mangelndes Interpretationsvermögen

11. Oktober 2011

seinerseits oder überquellende Interpretationsvorgänge meinerseits. Fuck it!

Es gibt da so ein Gebiet in Schwaben (um die Stadt „Kuchen“ herum), wo scheinbar sehr attraktive Männer gezeugt werden und aufwachsen, sich hinterher auf BaWü verteilen, aber so borniert sind, dass sie nichts verstehen. Ist mir jetzt schon in zwei Fällen so gegangen und ich frage mich: ist das ein Männer- oder ein Kuchenschwabenproblem?

„Während Männer sehr einfach gestrickt sind und eine ganz klare Kommunikation brauchen, um Dinge zu verstehen, sieht das bei Frauen ganz anders aus. Mit kleinen Signalen und der Suche nach ebensolchen Signalen vom Mann meint eine Frau oft schon fast zu schreien, während der Mann da steht und davon absolut nichts mitbekommt.“

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Allerlei

14. Januar 2011
  • Bohemian lifestyle down: Freitag Abend alleine zu Hause. Das ist wirklich schwierig für mich und kam in den letzten anderthalb Jahren seltenst vor. Ich fühle mich komisch dabei. Zuhause trifft man eben keine Menschen. Da ich mir jedoch vorgenommen habe, weniger Stress zu haben, bin ich heute Abend zu Hause, ohne zu duschen, zu schlafen, zu essen oder Klamotten zu waschen. Vielleicht lese ich nachher sogar noch ein Buch. Wow! Außerdem war ich den Rest der Woche nicht zu Hause. Also: C´mon, Marie Jacqueline, everybody is doing it, so why can´t we? Alla hopp!
  • Apropos Allah: Beten ist nicht nur in der Badwanne, sondern auch direkt vor dem Bahnhof möglich. Wie heute bei einem Muslim gesehen, der vor dem Mannheimer Bahnhof in einer Bushaltestelle sein Gebet verrichtete. Dazu legte er seine Jacke auf den Boden und los ging´s. Allahu akbar!
  • Bohemian lifestyle up: In Italien bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich unbedingt mehr trinken muss. Um die Grübelei abzustellen, um das Leben leichter zu nehmen. Sicherlich nicht nur durch Rotwein, aber der ist eine gute Begleitung dazu. Also bisher jeden zweiten Abend ein Viertel Rotwein getrunken. Syrah!!!
  • Komplexe Kohlehydrate in Nudeln, dass ich nicht lache. Damit wirbt MoschMosch (auch in Heidelberg) für eine ihrer Suppen. Ich habe – krass! – seit fast zwei Jahren zum ersten Mal wieder ein wenig Nudeln gegessen. Es war… schon lecker, aber gar nicht mal so geil. Fleisch ist halt mein Gemüse und Gemüse war, ist und bleibt auch mein Gemüse. ;-) In Deutschland haben Kellner keine Ahnung (ich bat ihn natürlich, es mir zu erklären), sehen aber dafür gut aus. Seit neuestem probiere ich es aus, länger in die Augen zu sehen. Das halten die meisten Männer interessanterweise nicht lange durch und gucken oft zuerst weg. :-D
  • Ein lustiges Baby: Im Allgemeinen bin ich ja eine verhaltene Babyfreundin. Ich will durchaus Kinder haben, muss mich aber noch mit der Vorstellung anfreunden, dass da 9 Monate so ein kleines Alien in mir drin sitzt. Ein Insasse sozusagen, der meinen Körper nutzt und mich dazu zwingt meinen Bohemian lifestyle anzupassen. Also gut, ich muss das wirklich nochmal anders betrachten. Jedenfalls habe ich heute ein sehr lustiges, 6 Monate altes, halb asiatisches Baby kennen gelernt, das sowas von fit war, so energiegeladen, so neugierig in die Welt geguckt hat, so viel gebrabbelt und so viel gelächelt hat, dass ich aus dem Staunen nicht mehr heraus kam.
  • Endlich wieder schlafen: Da es sowieso fast nie so kommt, wie ich es mir ausmale, konnte ich heute Nacht zum ersten Mal seit anderthalb Wochen wieder ordentlich durchschlafen. Mein Gehirn ist so unglaublich mächtig. Schön wäre es, wenn ich damit wirklich etwas bewegen könnte. Zum Beispiel durch positive Autosuggestion. Und nicht immer nur Selbstzweifel, Grübelei, konstante Interpretation der Umwelt, Fantasie, Traumwelten, Bedeutungskonstruktion. Nur wahrnehmen, sagen die Yogis, nicht bewerten.
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Mysteriöse Ehrlichkeit

5. Januar 2011

Ehrlichkeit, Authentizität. Wichtige Dinge.

Ich bin in Italien, Land der ehrlichen Männer. Oder? Man läuft auf der Straße, man geht in eine Disko, sie zeigen dir unmittelbar, ob sie dich gut finden oder nicht. Einen Freund in Deutschland haben? Ist doch egal. Er ist doch nicht hier, oder? ;-) Sie bemühen sich (bis zum Punkt, wo man kotzen könnte), aber sie bemühen sich. Eindeutigkeit, das ist auch was. Ja, es ist anstrengend. Und vermutlich oft nicht ehrlich. Denn sie machen ja JEDE so an. Insofern ist man austauschbar. Dieses Gefühl hat keiner gerne. Trotzdem ist es ehrlich, oder? Trotzdem mag ich dieses südländische Gefühl des Umworbenwerdens.

Hingegen in Deutschland: Mysteriöse Vorgehensweise. Nie weiß man, woran man ist. Steht der jetzt auf einen oder nicht? Es wird jahrelang geguckt, aber halbherzig. Will der jetzt was, oder nicht? Wenn er was will, warum dann so schüchtern? Einmal bekommt man solche SMS („wann sehen wir uns endlich?“) dann wiederum andere („mein Kopf ist gerade zu voll“). Sie flirten mit dir und haben dann doch Freundinnen. Das ist nicht ehrlich. Sich mehrere Kaffees warmhalten, was ist dazu zu sagen? Hauptsache nicht alleine sein? Lieber den Spatz im Bett, als die Taube auf dem Dach.

Darüber habe ich am Montag Abend mit einer Deutschen, einem Italiener und einer Amerikanerin bei bestem italienischen Essen in einer Trattoria diskutiert. D & A waren mehr für letztere „mysteriöse“ Vorgehensweise. I & ich waren eher für erstere. Aber, ehrlich gesagt, verarscht werden kann man doch immer. Egal von mysteriösen oder dreisten Exemplaren. Ich bin weiterhin etwas ratlos. Ich glaube nicht, dass man sagen kann, die einen sind besser als die anderen. Letztlich ist es ja wohl abhängig von der einzelnen Person. Eine reife, reflektierte Person mit Schwanz, das wär´s doch. ;-)

Aber all diese Menschen mit diesen halbherzigen Gefühlen und halbherzigen Beziehungen tun mir von Herzem leid. Das ist etwas, was früher oder später weh tut. All diese unehrlichen Menschen tun mir von Herzem leid. All diese orientierungslosen Menschen mit den halbherzigen Werten tun mir leid. Weil sie irgendwann fallen, sehr tief. Früher oder später.

Ich hingegen, auch orientierungslos, aber auf eine andere Art, sehne mich nach ehrlichen Menschen. Menschen die mit Herz bei der Arbeit sind, weil sie etwas für diese Welt machen wollen. Nicht für ihre eigene Tasche. Menschen, die ernsthaft fühlen. Menschen die mit Taten handeln und nicht nur Worte sagen. Menschen, die eine Ahnung davon haben, einen Hauch von Ahnung, was ECHTE LIEBE ist.

Herr Cocker, den ich sehr schätze, sagte dazu:

Well, you can stay all night if you want to. You can hang out with all of his friends. You can go & meet his mother and father: you’d better make sure that’s where it ends. ‚Cos baby, there’s one thing that you gotta know: let him read your palm & guess your sign. Let him take you home & treat you fine. But baby, don’t let him waste your time. Don’t let him waste your time.

‚Cos the years fly by in an instant & you wonder what he’s waiting for – then some skinny bitch walks by in some hot-pants & he’s a-running out the door. So remember that one thing that you gotta know: let him read your palm & guess your sign. Let him take you home & treat you so fine. But baby, don’t let him waste your time. Don’t let him waste your time.

You ain’t getting no younger & you’ve got nothing to show so tell him that it’s now or never and then go, go, go, go, go. He can have his space. Yeah, he can take his time. Now he can kiss you where the sun don’t shine. Oh baby, don’t let him waste your time. Don’t let him waste your time.